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Wochenbericht 09. März-15. März 2018

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Eine Woche mit der ganzen Palette von Lawinenproblemen

Neuschnee mit Schwerpunkt im Westen und im Süden, starker bis stürmischer Wind aus West bis Süd, Erwärmung, dazu Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke: Diese Woche spielten sämtliche typischen Lawinenprobleme eine Rolle. Die Lawinengefahr war oft erheblich. Vor allem im Süden und im Westen gab es auch grössere spontane trockene Lawinen. Am Alpennordhang, im Wallis und in Nordbünden gingen zunehmend Gleitschneelawinen ab, teils auch grosse.

 
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Glücklicherweise ist der Lawinenabgang am sehr steilen Südosthang vom Chli Furkahorn (2750 m, Realp, UR) glimpflich ausgegangen. Ein Skitourenfahrer hat die Lawine in der Abfahrt ausgelöst, wurde von ihr erfasst, jedoch nicht verschüttet (Foto: W. Kiser, 14.03.2018).
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Der starke bis stürmische Südwind hat in der Nähe des Col du Gd St-Bernard (ca. 2200 m, Bourg-Saint-Pierre, VS) sogenannte Zastrugis hinterlassen. Es handelt sich dabei um Erosionsformen, die durch Wind aus Richtung der linken Bildseite entstanden sind (Foto: V. Berret, 08.03.2018).
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Auch unterhalb des Ginalspasses (2909 m, Embd, VS) hinterliess der Wind eindrückliche Spuren. Statt Erosionsformen (vgl. Zastrugis) entstanden hier Ablagerungsformen, sogenannte Schneedünen. Hier blies der Wind aus Richtung der rechten Bildseite (Foto: D. Wicki, 14.03.2018).
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Fernauslösung vom Grat aus: Diese Schneebrettlawine am sehr steilen Nordosthang östlich vom Chistenstein (ca. 2320, Conters, GR) wurde schon kurz vor der Abfahrt ausgelöst (Foto: SLF/B. Zweifel, 09.03.2018).
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Keiner zu klein, eine Lawine zu sein! Winziges Schneebrett in einer Triebschneeansammlung auf der Abfahrt vom Gemsstock (2962 m, Andermatt, UR; Foto: R. Imsand, 09.03.2018).
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Auf der italienischen Seite des Col du Gd St. Bernard (ca. 2416 m, Bourg-Saint-Pierre, VS) hat eine Lockerschneelawine den tief eingeschneiten Galerieeingang noch komplett verschlossen. Um kurz nach dem Lawinenabgang den Rückweg antreten zu können, mussten die Tourengänger zur Schaufel greifen (Foto: V. Berret, 09.03.2018).
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Fischmaul oder „Geule de baleine" (Walmaul)? Angesichts der Grösse dieses Gleitschneerisses am Osthang oberhalb von Alterhaupt (ca. 2160 m, Zermatt, VS) ist die französische Bezeichnung wohl treffender als die deutsche (Foto: B.Jelk, 09.03.2018).
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Derselbe Gleitschneeriss aus der Nähe: Um die Gleitbewegung besser überwachen zu können, haben sich die Sicherheitsverantwortlichen von Zermatt entschieden, die aktuelle Position mit Stangen zu markieren (Foto: B. Jelk, 09.03.2018).
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Und auch im Säntisgebiet liegt noch immer reichlich Schnee. Diese Alphütte im Bereich der Alp Flis (1730 m, Wildhaus-Alt St. Johann, SG) ist sehr gut getarnt, während andere Hütten in nächster Nähe nicht mal mehr als Schneehaufen erkennbar sind (Foto: P. Diener, 10.03.2018).
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Nasse Gleitschneelawine am steilen Südosthang bei Conchette (1910 m, Val-d’Illiez, VS) im Skigebiet Les Crosets (Foto: S. Poelzl, 10.03.2018).
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Scheunen-Erweiterung leicht gemacht! Elastischer Dachlawinenschnee im Unterengadin (GR; Foto: P. Caviezel, 11.03.2018).
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Am Sonntag sorgten auf der Abfahrt vom Gemsstock (2962 m, Andermatt, UR) die Felsen für einen willkommenen Kontrast in den relativ diffusen Sichtverhältnissen (Foto: R. Imsand, 11.03.2018).
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Auf dem Gipfel des Piz Arpiglia (2764 m, Zuoz/ S-chanf, GR) gab es am Montag südseitig zahlreiche spontan abgegangene Schneebrettlawinen zu bestaunen (Foto: S. Fröhlich, 12.03.2018).
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Eindrückliche Rissbildung begleitet von einem deutlichen Wumm-Geräusch beim Betreten des kleinen, aber sehr steilen Nordhangs östlich des Schaplersees (2185 m, Binn, VS; Foto H. Gorsatt, 13.03.2018).
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Im extrem steilen Nordwesthang des Piz Polaschin (2800 m, Silvaplana, GR) ist vermutlich am Montag eine beeindruckende Schneebrettlawine abgegangen (Foto: J. Helfrich, 14.03.2018).
 

Wetter

Freitag, 09.03. bis Sonntag, 11.03.: Neuschnee im Süden, Föhn im Norden

Am Freitag gab es im Süden und im Engadin grössere Aufhellungen. Sonst war es bewölkt. Im Norden blies kräftiger Westwind, der zeitweise sogar Sturmstärke erreichte. Am Samstag drehte der Wind auf Süd und blies gebietsweise mässig bis stark. Verbreitet fiel wenig Neuschnee, im Norden oberhalb von rund 2000 m, im Süden oberhalb von rund 1500 m. Am Sonntag gab es einzig in den Föhngebieten kurze Aufhellungen. Sonst fiel Schnee mit Schwerpunkt am zentralen Alpensüdhang. Dort kamen bis am Abend 30 bis 50 cm zusammen. Am übrigen Alpenhauptkamm vom Matterhorn bis ins Oberengadin waren es noch 15 bis 30 cm (vgl. Abbildung 1). Die Schneefallgrenze blieb vorerst unverändert.

Montag, 12.03. bis Mittwoch, 14.03.: Neuschnee im Westen und Norden

Am Montag war es abgesehen von kurzen, lokalen Aufhellungen stark bewölkt. Im Westen fielen bis 15 cm Schnee, sonst weniger oder es blieb trocken. Die Schneefallgrenze lag bei 1500 m. Der Wind drehte auf West und blies im Norden mässig bis stark, sonst meist schwach. Bei gleichbleibenden Winden fielen am Dienstag im Westen weitere 20 bis 30 cm Schnee. Einzig im Süden war es ziemlich sonnig. In der Nacht auf Mittwoch fielen dann auch im Norden und im Osten 10 bis 20, lokal bis 30 cm Schnee (vgl. Abbildung 1). Die Schneefallgrenze war kontinuierlich gesunken und lag in der Nacht auf Mittwoch bei 1000 m. Am Mittwoch war es sonnig und mit 0 °C auf 2000 m recht mild. Der Wind liess mit dem Niederschlagsende nach und war tagsüber meist schwach.

 

Donnerstag, 15.03.: Erneute Südlage

In der Nacht auf Donnerstag setzte in der Höhe wieder starker bis stürmischer Südwind und in den Alpentälern starker Föhn ein. Am Morgen begann es im Westen und im Süden oberhalb von rund 1000 m zu schneien. Bis Donnerstagnachmittag fielen am Alpensüdhang und ganz im Westen 5 bis 15 cm Schnee.

 

Schneedecke und Lawinengefahr

In dieser Berichtsperiode spielten sämtliche typischen Lawinenprobleme eine Rolle. Dabei überlagerten sich das Neuschnee-, Triebschnee- und Altschneeproblem in vielen Gebieten und trugen gemeinsam zur Gefährdung bei. Der Anteil der einzelnen typischen Lawinenprobleme an der Gesamtgefährdung war je nach Gebiet und Zeit unterschiedlich und wird im Folgenden anhand einiger Beispiele erläutert.

Neuschneeproblem

Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten des Südens und Westens, wo in Summe bis zu 60 cm Neuschnee fielen (vgl. Abbildung 1) hätte der Neuschnee alleine schon für eine erhebliche Lawinengefahr ausgereicht, in den übrigen Gebieten kaum. Dass während dem Schneefall oft starker Wind blies verschärfte die Situation zusätzlich. Im Westen und Süden wurden einzelne grosse trockene Lawinen beobachtet (vgl. Abbildung 2).

 

Triebschneeproblem

In den Gebieten mit weniger Neuschnee (vgl. Abbildung 1) trugen die starken bis stürmischen Winde aus West bis Süd und die teilweise noch störanfälligen Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke massgeblich zur Gefährdung bei. Zu Beginn und zum Ende der Berichtsperiode wurde daher auch in diesen Gebieten verbreitet vor erheblicher Lawinengefahr gewarnt. Im frischen Triebschnee wurden denn auch einige Lawinen durch Personen ausgelöst. Sie waren eher klein (vgl. Abbildung 3).

 

Altschneeproblem

In dieser Berichtsperiode wurden wieder zunehmend Lawinen in schwach verfestigten, kantig aufgebauten Schichten oder auf eingeschneitem Oberflächenreif im oberen Teil der Schneedecke ausgelöst. Über die Gründe dieser Zunahme lässt sich mutmassen. Diese Schwachschichten stammen aus den kurzen aber markanten Kälteperioden im Februar. Die Schwachschichten der letzten Kälteperiode von Ende Februar (vgl. vorletzter Wochenbericht) sind zusammen mit den Schneefällen dieser Woche inzwischen so überdeckt, dass sich in vielen Gebieten eine ideale Kombination von Schwachschicht und Schneebrett ergibt. Die seit damals gemessenen Neuschneesummen betragen in vielen Gebieten 30 bis 80 cm (vgl. Abbildung 4). Die Schwachschichten liegen somit in einer ‚idealen‘ Tiefe, sodass durch das Gewicht von Personen Brüche in diesen Schwachschichten erzeugt werden können. Die Erwärmung der oberflächennahen Schneeschichten hat die Tendenz zur Bruchausbreitung zusätzlich begünstigt. Vereinzelt gingen mit der Erwärmung auch an Nordhängen spontane trockene Lawinen ab.

 

Am ungünstigsten war die Altschneedecke vom mittleren Tessin über das Moesano bis ins Oberengadin aufgebaut. Dort waren mächtige Schichten der Altschneedecke, teils sogar die gesamte Altschneedecke kantig aufgebaut und locker. Entsprechend verursachte der Schneefall vom Wochenende teils auch grössere Lawinen, die auch tiefere Schichten der Schneedecke mitrissen (vgl. Abbildung 5).

 

Nass- und Gleitschnee

Mit milden Temperaturen, Föhn und diffuser Strahlung wurde die Schneedecke stark erwärmt. Nassschneelawinen wurden vor allem in tiefen Lagen und an Südhängen mittlerer Lagen beobachtet. Zunehmend gingen aber auch Gleitschneelawinen ab, an Südhängen bis gegen 2500 m. Da in diesen Höhenlagen noch sehr viel Schnee lag, erreichten die Gleitschneelawinen teils grosse Ausmasse (vgl. Abbildung 6).

 

Gleitschneelawinen verursachen abseits der Pisten sehr selten Unfälle, da sie nicht durch Personen ausgelöst werden können. Das Zusammentreffen von Mensch und Gleitschneelawine ist also zufällig. Hält man sich nicht länger als nötig im Bereich von Gleitschneerissen auf, kann man das Risiko weiter reduzieren, aber nicht ganz ausschliessen (vgl. Abbildung 7).

 

Lawinenunfälle

In dieser Wochenberichtsperiode wurden dem Lawinenwarndienst des SLF folgende Unfalllawinen gemeldet:

Freitag, 09.03.:

  • Am Fülhorn (Termen, VS) wurde einem Südosthang auf 2500 m eine Person in einer kleinen Lawine ganz verschüttet. Sie blieb unverletzt.
  • Am Gemsstock (Andermatt, UR) wurde eine Person an einem Osthang auf 2800 m erfasst. Keine Details bekannt.

Sonntag, 11.03.:

  • Auf dem Tungelgletscher (Lauenen, BE) wurden 5 Personen an einem Nordhang auf 2900 m erfasst. Dabei wurden 2 Personen ganz, eine Person teilweise verschüttet.

Montag, 12.03.:

  • Am Roccabella (Bivio, GR) wurde eine Person an einem Nordwesthang auf 2600 m von einer kleinen Lawine erfasst. Sie wurde nicht verschüttet und blieb unverletzt.

Mittwoch, 14.03.:

  • Unterhalb der Cabane des Vignettes (Arolla, VS) wurde eine Person an einem Nordosthang auf 2700 m von einer Lawine erfasst. Sie wurde weder verschüttet noch verletzt.
  •  Am Galtiberg (Engelberg, OW) wurde eine Person von einer Lawine erfasst. Keine Details bekannt.
  • Am Piz Vadret (Samedan, GR) wurde eine Person an einem Westhang auf 2860 m teilverschüttet. Sie blieb unverletzt.
  • In der Nordflanke des Giglistocks (Innertkirchen, BE) wurde eine Person von einer Lawine erfasst. Sie wurde ganz verschüttet und schwer verletzt.
  • Am Klein Furkahorn wurde eine Person an einem Südosthang auf rund 2700 m von einer Lawine erfasst. Sie wurde weder verschüttet noch verletzt (vgl. Bildstrecke, Bild 1)

Zudem wurden durch feuchte Lawinen in den Gemeinden Valsot und Bergün je ein Verkehrsweg verschüttet. Dabei kamen keine Personen zu Schaden.

Lawine ausgelöst? Nicht einverstanden mit dem Lawinenbulletin? Interessante Beobachtung gemacht? Der Lawinenwarndienst ist sehr an Rückmeldungen aus dem Gelände interessiert. Dafür steht ein online Fragebogen auf www.slf.ch oder auf der App Whiterisk zur Verfügung.

 

Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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