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Wochenbericht 09.-15. Februar 2018

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Winterlich mit Anstieg der Lawinengefahr

Zum Beginn der Wochenberichtsperiode war die Lawinensituation mehrheitlich günstig. Falls überhaupt Lawinen ausgelöst wurden, lösten sich diese in oberflächennahen Schneeschichten, oder als Gleitschneelawinen am Boden. Wind und Neuschnee, welcher mehrheitlich bei tiefen Temperaturen fiel, liess dann die Lawinengefahr ansteigen, besonders im Norden. Die Lawinen blieben aber meist klein. Nach zwei sonnigen, winterlichen Tagen, begann aus Nordwesten mit einer markanten Erwärmung eine neue Niederschlagsperiode.

 
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Im Südhang südwestlich der Alpiglemäre (ca. 2020 m, Guggisberg, BE) verursachte ein Tourengänger eine Fernauslösung. Die sehr kleine Schneebrettlawine riss im kammnahen Triebschnee an und kam aufgrund mangelnder Hangneigung schnell zum Stillstand (Foto: S. Boetzel, 13.2.2018). Sehr kleine und kleine, zum Teil spontane oder fernausgelöste Lawinen waren in dieser Wochenberichtsperiode nach den Schneefällen von Sonntag bis Montag typisch.
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Es taut trotz tiefen Temperaturen! Im Mikroklima des Gleitschneerisses südöstlich des Rotstocks (ca. 2200 m, Glarus Süd, GL) haben sich Eiszapfen gebildet (Foto: A. Schmidt, 09.02.2018).
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Belastungsprobe für eine Holzbrücke in der Äbi bei Partnun (1654 m, Luzein, GR; Foto: T. Wälti, 11.12.2018).
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Rege Skitourenaktivität am Osthang nördlich des Col du Bel Oiseau (2559 m, Salvan, VS) und eine kleine Schneebrettlawine im Bereich der Aufstiegsspur. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand (Foto: J. L. Lugon, 12.02.2018).
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Traumhafte Schneeverhältnisse im Vallée du Trient… (Finhaut, VS; Foto: J. L. Lugon, 12.02.2018)
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… Aber auch 240 km weiter östlich im Pischagebiet (2200 m, Davos, GR) fanden Tourenfahrer reichlich Pulverschnee (Foto: SLF/B. Zweifel, 13.12.2018).
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Was auf den ersten Blick wie eine Gletscherspalte aussieht, ist in Wirklichkeit ein Gleitschneeriss am Osthang Luées de Balayé (ca. 2200 m, Finhaut, VS) mit eindrücklicher Tiefe (Foto: J. L. Lugon, 12.02.2018).
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Am sehr steilen Osthang der La Rionde (ca. 2000 m, Ormont Dessous, VD) lösten drei Tourengänger im Aufstieg eine Schneebrettlawine aus und wurden von ihr erfasst. Glücklicherweise wurde nur eine Person teilverschüttet, konnte sich aber selbst befreien (Foto: N. Simon, 13.02.2018).
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Diese spontanen Schneebrettlawinen östlich des Chummer Schwarzhorns (2758 m) und der Tiejer Flue (2781 m, Davos, GR) sind gute Beispiele für die eher geringe Grösse, welche die meisten Lawinen in dieser Wochenberichtsperiode in den weniger neuschneereichen Gebieten erreichten (Foto: Jakobshorn Rettungsdienst, 13.02.2018).
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Auch künstlich ausgelöste Lawinen erreichten diese Woche nur sehr kleine bis maximal mittlere Grössen. Hier handelt es sich um eine kleine, gesprengte Schneebrettlawine am Südosthang des Hockenhorngrates (ca. 3100 m, Wiler, VS) im Skigebiet Lauchernalp (Foto: P. Schwitter, 12.02.2018).
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Am SE-Hang des Schofwisspitz (1989 m, Wildhaus-Alt St. Johann, SG) gab es am Dienstag noch reichlich unberührten Pulverschnee (Foto: T. Wälti, 13.01.2018).
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Im extrem steilen Westhang des Ofenhorns (3236 m, Binn, VS) war am Dienstag, 13.02. ein mächtiger Anriss einer älteren Schneebrettlawine sichtbar. Der Lawinenkegel war eingeschneit und nicht mehr erkennbar (Foto: SLF/T. Faul).
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Ein Schneeprofil, das seinen Namen verdient! Nach harter Schaufelarbeit galt es auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch (2536 m, Davos, GR) 266 cm Schnee zu klassifizieren (Foto: F. Techel, 14.02.2018).
 

Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr

 

Freitag, 09.02. und Samstag, 10.02.: Zuerst im Norden, dann im Hochgebirge und im Süden sonnig. Weiterhin mehrheitlich günstige Lawinensituation.

Wetter

Am Alpensüdhang war es am Freitag mehrheitlich stark bewölkt und besonders im mittleren und südlichen Tessin fiel ein Schäumchen Schnee. Im Norden hingegen war es in den Bergen sonnig. Die Obergrenze des Hochnebels lag zwischen 1400 und 1700 Metern. Der Wind wehte mehrheitlich schwach aus südlichen Richtungen. Mit einer Mittagstemperatur von -6 °C auf 2000 m war es winterlich kalt (vgl. Abbildung 1).

 

In der Nacht zum Samstag trübte es im Norden ein und es war zunächst stark bewölkt. Verbreitet fiel auch hier ein Schäumchen Schnee. Später trocknete die Luft durch den Einfluss eines Hochdruckkeils von oben ab und die Wolkenobergrenze sank zum Teil unter 3000 m. Auch am Alpensüdhang war es meist sonnig.  Der Wind wehte mehrheitlich schwach, besonders am Alpenhauptkamm mässig aus nördlichen Richtungen. Die Mittagstemperatur auf 2000 m lag zwischen -9 °C im Norden und -5 °C im Süden (vgl. Abbildung 1).

Schneedecke und Lawinensituation

Bei tiefen Temperaturen, auch schon in der Woche davor, wandelten sich die oberflächennahen Schneeschichten aufbauend um. Damit entstanden kantige, lockere Schichten. Frischerer Schnee blieb locker. Zudem entstand an der Schneeoberfläche verbreitet Oberflächenreif (vgl. Abbildung 2 und 3) - besonders auch im Höhenbereich der jeweiligen Wolkenobergrenze. Zudem wurde das Schümli Neuschnee locker abgelagert.

 

Diese lockeren, oberflächennahen Schichten waren zwar genussvoll in der Abfahrt, als Unterlage für Neu- und Triebschnee aber ein schlechtes Omen - Es war zu erwarten, dass diese Schichten später als Schwachschicht relevant werden würden.

Noch war die Lawinensituation aber mehrheitlich günstig (vgl. Gefahrenentwicklung unten an der Seite). Der Aufbau der Schneedecke war über die ganzen Schweizer Alpen gesehen so günstig wie seit 17 Jahren nicht mehr um diese Jahreszeit. Personen konnten nur noch vereinzelt Lawinen in oberflächennahen Schichten auslösen. In Mittelbünden, im Engadin, in den Bündner Südtälern und im Tessin war die Basis der Schneedecke gebietsweise etwas schwächer als in den übrigen Gebieten. Aber auch dort war diese Schwachschicht mit gut verfestigtem Schnee überlagert, sodass eine Lawinenauslösung kaum mehr möglich war.

An steilen, glatten Hängen vor allem der Expositionen Ost-, Süd- und West (vgl. Abbildung 4) unterhalb von rund 2400 m, sowie vereinzelt an Nordhängen unterhalb von rund 2000 m waren Gleitschneelawinen nicht auszuschliessen (vgl. Abb. 9).

 

Sonntag, 11.02. und Montag, 12.02.: Neuschnee, vor allem im Norden. Anstieg der Lawinengefahr.

Wetter

In den frühen Morgenstunden des Sonntages setzte schauerartiger Niederschlag ein. Der Wind aus westlichen Richtungen frischte markant auf und tagsüber blies er besonders am Alpennordhang in der Höhe mässig bis stark, in den übrigen Gebieten schwach bis mässig. Am Alpensüdhang war es ziemlich sonnig. Mit einer Mittagstemperatur auf 2000 m zwischen -2 °C im Norden und -5 °C im Süden war es im Norden vorübergehend deutlich wärmer als an den Vortagen (vgl. Abbildung 1). Die Schneefallgrenze lag damit am Alpennordhang zwischen 1200 und 1500 m, sonst tiefer. In der Nacht zum Montag intensivierten sich die Niederschläge bei wieder bis in tiefe Lagen sinkender Schneefallgrenze. Am Nachmittag schneite es dann nur noch schwach und es gab Aufhellungen. Am Alpensüdhang war es recht sonnig. Der Wind blies am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Engadin und südlich davon sowie in allen Gebieten in der Höhe mässig, vereinzelt stark, sonst meist schwach.

Schneedecke und Lawinensituation

Die Niederschläge endeten in der Nacht zum Dienstag. Es schneite am Alpennordhang und im Unterwallis oberhalb von 1000 m verbreitet 20 bis 40 cm, vom östlichen Berner Oberland bis in die Glarner Alpen bis 60 cm. In den Voralpen, entlang eines schmalen Bandes südlich dem Hauptniederschlagsgebiet angrenzend bis nach Nordbünden sowie im Jura fielen 10 bis 20 cm, weiter südlich weniger und am Alpensüdhang blieb es meist trocken (vgl. Abbildung 5).

 

Der auffrischende West- bis Nordwestwind verfrachtete Schnee der lockeren Oberfläche und der Triebschnee wurde auf diese lockere Oberfläche abgelagert. Bei den vorübergehend milden Temperaturen am Sonntag bildete sich ein dünnes, aber sehr leicht auslösbares Schneebrett (vgl. Abbildung 6).

 

Darauf wurden dann zum Teil beträchtliche Neuschneemengen abgelagert (vgl. Abbildung 5). Aufgrund der hochwinterlich tiefen Temperaturen fiel der Neuschnee meist locker, war aber durch den Wind doch teilweise etwas gebunden. Die Auslösebereitschaft war durch die schwache Schicht (also die ehemalige Schneeoberfläche), die brettige Triebschneeschicht vom Sonntag und den überlagernden Neuschnee vom Montag und Dienstag hoch, die Brüche breiteten sich aber nicht gut aus, weil das "Schneebrett" nur wenig gebunden war. Dies spiegelte sich in der Lawinengrösse wieder: Die Lawinen, welche am Montag registriert wurden, waren in 75% der Fälle Rutsche (Grösse 1) und kleine Lawinen (Grösse 2), in 25% der Fälle mittelgrosse Lawinen (Grösse 3). Viele gingen im Sektor E und S ab, wo der Triebschnee meist abgelagert wurde. Lawinen wurden nicht nur künstlich ausgelöst, sondern lösten sich auch spontan.

Entsprechend stieg die Lawinengefahr an, am Sonntag noch moderat, bis am Dienstag dann aber deutlich.

 

Dienstag, 13.02. und Mittwoch, 14.02.: Sonnig, aber kalt, schöner Pulverschnee

Wetter

Am Dienstag war es sonnig, am Mittwoch im Norden wechselnd bewölkt, im Süden meist sonnig. Mit einer Mittagstemperatur auf 2000 m von rund -10 °C war es kalt (vgl. Abbildung 1). Der Wind blies in der Nacht zum Dienstag am Alpenhauptkamm vom Simplon- bis ins Berninagebiet und südlich davon mässig bis stark aus Norden. Tagsüber drehte er auf südliche Richtungen wehte bis am Mittwoch in der Höhe teilweise mässig, sonst schwach.

Schneedecke und Lawinensituation

Die Lawinengefahr erreichte bis am Dienstag am Alpennordhang die Stufe 3 (erheblich), im südlichen Oberwallis, im Tessin, in Mittel- und in Südbünden die Stufe 2 (mässig) (vgl. Gefahrenentwicklung unten an der Seite) . In einem schmalen Band dazwischen, vom Unterwallis über das nördliche Wallis bis nach Nordbünden, wurde die Lawinengefahr im Bulletin auch mit Stufe 3 (erheblich) eingeschätzt, die Situation war aber weniger heikel als am Alpennordhang. Die Auslösebereitschaft war hoch - zum Teil waren auch spontane Lawinen zu beobachten. Die Grösse der Lawinen war aber bescheiden und bewegte sich meist im Bereich der Grössen 1 (Rutsch) und 2 (kleine Lawine). Die Anzahl der gemeldeten Lawinen wies eher auf eine kleine Lawinenaktivität hin. Im Nachhinein beurteilt hätte dieses Gebiet auch mit Stufe 2 (mässig) eingeschätzt werden können.

 

Donnerstag, 15.02.: Niederschläge und rasch ansteigende Schneefallgrenze

In der Nacht zum Donnerstag setzte aus Westen Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze lag zunächst in tiefen Lagen und stieg dann rasch an. Am Nachmittag lag sie im Westen bei rund 2000 m, im Osten bei rund 1600 m und im Süden bei 1000 m. Bis zum Radaktionsschluss am Donnerstagnachmittag fiel oberhalb von rund 2200 m  am nördlichen Alpenkamm von Les Diablerets bis zur Reuss, im Wallis ohne westliches Unterwallis und im nordwestlichen Tessin mit mit 15 bis 30 cm am meisten Schnee. Im westlichen Unterwallis, am übrigen Alpennordhang sowie am übrigen zentralen Alpenhauptkamm fielen 5 bis 15 cm, in den übrigen Gebieten weniger. Der Wind aus westlichen Richtungen blies im Norden mässig bis stark, am Alpensüdhang schwach bis mässig.

 

Lawinenunfälle

In dieser Wochenberichtsperiode ereigneten sich keine tödlichen Lawinenunfälle.

Am Dienstag, 13.02. lösten drei Tourengänger am sehr steilen Osthang der La Rionde (ca. 2000 m, Ormont Dessous, VD) im Aufstieg eine Schneebrettlawine aus und wurden von ihr erfasst. Glücklicherweise wurde nur eine Person teilverschüttet, konnte sich aber selbst befreien (vgl. Foto 8/13 in der Bildstrecke).

Am Mittwoch, 14.02. lösten Personen einer vierköpfigen Gruppe oberhalb von Davos (GR) eine kleine Schneebrettlawine aus. 2 Personen wurden erfasst, blieben aber unverletzt.

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Gefahrenentwicklung

Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.

 

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