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Winterbericht 2017/18

Hauptinhalt

 

Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr in den Schweizer Alpen. Hydrologisches Jahr 2017/18

Nächstes Update: Frühling 2019

  

Zusammenfassung

Winter 2017/18 (Oktober 2017 bis Mai 2018)

Früher Winterbeginn

Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv. Damit war der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Ende November lag im Norden oberhalb der Waldgrenze bereits 1 m Schnee, und auch der Dezember brachte dynamisches Wetter mit weiteren Schneefällen, dazu auch Stürme und wiederholt grosse Lawinengefahr (Stufe 4).

Grossschneefälle und sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 5)

Im Januar fielen in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee, so viel wie an gewissen Stationen nur alle 75 Jahre. Nebst vielfach grosser Lawinengefahr (Stufe 4) musste am 9. Januar für ein kleines Gebiet im Wallis und am 22./23. Januar dann grossflächig die höchste Gefahrenstufe (5, sehr gross) herausgegeben werden. Es gingen viele grosse und mehrfach sehr grosse Lawinen ab, wobei das Wallis am stärksten betroffen war. Der feuchte Schnee in mittleren Lagen bremste die weiter oben trocken angerissenen Staublawinen auf dem Weg ins Tal, sodass keine Siedlungen getroffen wurden. Teilweise wurden sie aber nur knapp verfehlt. Insgesamt bewährten sich die baulichen, raumplanerischen und organisatorischen Schutzmassnahmen gut, sodass in dieser Periode zwar Sachwerte, aber keine Personen Schaden nahmen.

 
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Bildstrecke 1: Die Nassschneelawine im Lötschental ist nur knapp an den Alphütten vorbei geflossen. 24.01.2018. Foto: M. Schär, SLF
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Für die Sicherung der Ofenpassstrasse gesprengte, grosse Staublawine. 23.01.2018. Foto: P. Caviezel
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Grosse Lawinenniedergänge in Goppenstein (VS). Die zu diesem Zeitpunkt gesperrten Bahnanlagen und Strassen wurden nicht verschüttet, die Lawinengalerien aber bis zum Rand überspült. 24.01.2018. Foto: M. Schär, SLF
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Glück für Le Peuty (Trient, VS): Eine Schneebrettlawine war am 21. Januar im Lawinenzug Orvé bis in den Talboden vorgestossen und hatte erst wenige Meter vor den Häusern Halt gemacht. 26.01.2018. Foto: J. L. Lugon
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Gleitschneelawine am Südhang der Poncione di Löita del Pizzo (TI). Die Lawinenverbauungen rechts davon schützen den unterhalb liegenden Ort Airolo vor Lawinen. 12.01.2018. Foto: E. Barelli, Lawinendienst SBB
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Versunkenes Bergdorf Laret bei Davos (1527 m, GR). Bis zum Sonntagmorgen, 21.01.2018 fielen hier 73 cm Neuschnee innerhalb von 24h. 21.01.2018. Foto: B. Zweifel, SLF
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Blick vom Brienzergrat auf den Brienzer See (BE): Typisch für den Winter 2017/18 lag in den höheren Lagen viel Schnee, weiter unten nur wenig. 04.03.2018. Foto: F. Techel, SLF
 
 

Schneebrettauslösungen in oberflächennahen Schwachschichten

Nach den Grossschneefällen vom Januar war die Lawinensituation günstig. In einer zweiwöchigen Kälteperiode Anfang Februar wurde die Schneeoberfläche aber in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Sobald diese eingeschneit wurden, stellten sie eine heikle Schwachschicht dar, in der Wintersportler noch längere Zeit Schneebrettlawinen auslösen konnten. Auch danach wurden immer wieder Schwachschichten eingeschneit und Lawinen durch Personen ausgelöst.

Gleitschneelawinen

Gleitschneelawinen entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte.

Klimatologisch

Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein „richtiger“ Winter. Nach einem frühen Winterstart war vor allem der Januar sehr niederschlagsreich, aber auch rekordmässig warm. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. In der Höhe erreichten die Schneehöhen in der zweiten Januarhälfte an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Bis Ende März blieben die Schneemengen in der Höhe stark überdurchschnittlich, danach nahmen sie im sehr warmen und trockenen April rasch ab. Über den ganzen Winter betrachtet, lag oberhalb von 1500 m etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich. Im Lawinenwinter 1998/99 wurden sehr grosse, maximale Schneehöhen erreicht. Wegen dem schneearmen Winteranfang blieben die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen aber unter denen des aktuellen Winters.

Unfälle und Schadenlawinen

Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel. Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.4 % dreimal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre, die Stufe 5 (sehr gross) erstmals wieder grossflächig seit dem Lawinenwinter 1999.

Diesen Winter wurden dem SLF bis Ende Juni über 250 Lawinen mit Personen- oder Sachschäden gemeldet. Im hydrologischen Jahr 2017/18 starben insgesamt 27 Personen in Lawinen, eine davon im Sommer (Juni). Dies ist mehr als der Durchschnitt der letzten 20 Jahre von 22 Opfern. Alle Lawinenopfer waren Wintersportler, die sich mit einer Ausnahme im ungesicherten Gelände aufhielten. Gut zwei Drittel der Personen (19) waren auf Touren unterwegs, sieben auf Variantenabfahrten und eine auf einem offenen Fussweg. Beim grössten Lawinenunfall des Winters wurden vier Personen von einer grossen Gleitschneelawine getötet. Es war dies der folgenschwerste Unfall mit einer Gleitschneelawine in den Aufzeichnungen des SLF. Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2018) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.

Winterverlauf

Im Herbst 2017 waren West- und Nordwestlagen, im Frühling 2018 dann Südostanströmungen etwas häufiger als normal (Abbildung 1). Sonst waren die Strömungslagen gleich verteilt wie im langjährigen Mitte

 

Im Winter 2017/18 wichen die Durchschnittstemperaturen der einzelnen Monate teils stark vom langjährigen Mittel ab, und das sowohl nach unten als auch nach oben. Auf den sehr sonnigen und überdurchschnittlich warmen Oktober folgten zwei in den Bergen etwas zu kalte Monate. Der Januar war der wärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864, der April der zweitwärmste. Dazwischen lagen zwei zu kalte Monate. Der Februar, und im Süden auch der März, gehörten zu den kältesten der letzten 30 Jahre. Insgesamt war der Hochwinter (Dezember bis Februar) gemäss MeteoSchweiz in den Bergen geringfügig kühler und im Flachland geringfügig wärmer als im Durchschnitt der Vergleichsperiode 1981 bis 2010. Abbildung 2 zeigt den Verlauf der Nullgradgrenze im Winter 2017/18 im Vergleich zum Durchschnitt der 15 Vorjahre.

 

Nach einem im Westen und im Süden extrem trockenen Herbst fiel im November wiederholt Niederschlag, sodass ab dem 6. November in den ganzen Schweizer Alpen eine Winterschneedecke lag. Im Dezember und besonders im Januar fiel verbreitet viel Niederschlag (Abbildung 3). Insgesamt waren bis am 23. Januar in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee gefallen, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum.

Der weitere Verlauf des Winters verlief eher zu trocken, bis auf einen Grossschneefall Ende März. Nach diesem lagen auf 2000 m in fast allen Gebieten der Schweizer Alpen 2 bis 4 m Schnee. Damit waren die Schneehöhen vielerorts 1½- bis 2-mal so hoch wie üblich. In tiefen Lagen dagegen erreichten die Schneehöhen über den ganzen Winter betrachtet nur knapp die Hälfte der üblichen Werte. Im trockenen und warmen April nahm die Schneehöhe schnell ab und lag Ende Monat vielerorts nur noch im Bereich des langjährigen Mittels.

 

Der Winter 2017/18 war oberhalb von rund 1500 m so schneereich wie schon lange nicht mehr (Abbildung 4). Über das ganze Winterhalbjahr betrachtet, also von November bis April, lag im Mittel etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Der Lawinenwinter 1998/99 erreichte wegen seinem schneearmen Winteranfang nicht ganz die Werte des aktuellen Winters. Unterhalb von 1000 m lag im Winter 2017/18 nur knapp halb so viel Schnee wie üblich.

 

Ein Vergleich der Lawinenaktivität des Winters 2017/18 mit allen Wintern seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsindexes im Winter 2001/02 zeigt folgendes (Abbildung 5):

  • 2017/18 wurden mehr als doppelt so viele Lawinenabgänge registriert wie in einem durchschnittlichen Winter. Er war damit der lawinenreichste Winter der letzten 17 Jahre.
  • Der lawinenreichste Tag des Winters war der 4. Januar. Eine noch höhere Lawinenaktivität an einem einzelnen Tag wurden bisher nur am 9. März 2006 registriert.
  • Vom 21. bis 23. Januar war die grösste dreitägige Lawinenperiode in diesem Zeitraum und damit wohl auch seit dem Lawinenwinter 1999.
 

Sommer 2018 (Juni bis September)

Trockenheit und Hitze – der schneereiche Winter war rasch Vergangenheit

Wie bereits der April und Mai, waren auch alle Sommermonate viel zu warm, mit Temperatur-Spitzenplätzen zwischen dem zweiten und fünften Rang, bzw. je nach Region etwa dem 8. Rang im September. Als Folge davon war auch der Sommer der drittwärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz, nach 2003 und 2015.

Weil zudem in allen Monaten weniger Niederschlag fiel als üblich, schmolz der viele Schnee des Winters auch im Hochgebirge schnell dahin. Bereits im August waren die Berge weitestgehend ausgeapert, mit Ausnahme der Nordhänge an den höchsten Gipfeln.

1 Lawinenopfer, 2 Lawinenbulletins

Im Juni wurden dem SLF nur noch wenige Lawinen gemeldet. Darunter waren aber drei Lawinen mit Personenschäden, alle an Tagen mit einer Nullgradgrenze auf über 4000 m. Dabei verunglückte am 10. Juni eine Person tödlich.

Im weiteren Verlauf des Sommers war Lawinengefahr nur kurzzeitig nach Schneefällen im Hochgebirge ein Thema. Am 31. August und am 30. September wurden situationsbezogene Lawinenbulletins publiziert.

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Schneehöhenverlauf

 

Relative Schneehöhen

Im Folgenden wird die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2017/2018 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Periode von 1971 bis 2000 dargestellt. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau eingefärbt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen IMIS-Stationen (IMIS: Interkantonales Mess- und Informationssystem). Grossräumige Muster sind aussagekräftig, kleinräumige Muster oder Wertesprünge dagegen sollten nicht zu stark gewichtet werden. Zur zeitlichen Entwicklung siehe auch Abschnitt "Schneehöhenverlauf an ausgewählten Beobachterstationen".

Oktober

Der Oktober 2017 war wärmer als normal und glänzte mit viel Sonne. Im Westen und im Süden war es regional der sonnigste Oktober seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz. Während dem prächtigen Altweibersommer zur Monatsmitte lag die Nullgradgrenze meist im Hochgebirge, was für den Oktober ungewöhnlich hoch ist. Markante Kaltlufteinbrüche gab es am 6. und 23. Oktober. Vor allem im Norden und Osten fiel dabei auch Schnee, so dass es dort am Monatsende oberhalb von rund 2500 m schon recht winterlich war. Im Westen und Süden dagegen war der Oktober extrem trocken, und die Berge entsprechend bis ins Hochgebirge meist schneefrei (Abbildungen 6 und 7).

 

November

Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv (Abbildung 3). Damit wurde der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Am ergiebigsten war der Schneefall des Nordstaus vom 11./12. November, während dem am Alpennordhang und im nördlichen Unterwallis 50 bis 80 cm Neuschnee fielen, lokal sogar bis über ein Meter. Vom Alpennordhang, wo die Altschneedecke vom Oktober an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m kantig aufgebaut und zusammenhängend war, wurden bereits einzelne grössere Lawinenabgänge gemeldet. Dabei ereignete sich der erste tödliche Lawinenunfall der Saison.

Ab dem 6. November lag in mittleren und hohen Lagen in allen Gebieten eine zusammenhängende Winterschneedecke. Bis Ende Monat war diese im Norden oberhalb der Waldgrenze auf einen Meter angewachsen. Über den ganzen Monat gesehen, waren die Schneehöhen im November in den Bergen des Alpennordhanges und des nördlichen Wallis überdurchschnittlich (blaue Farben in Abbildung 8), sonst verbreitet leicht unterdurchschnittlich. In tiefen Lagen lag viel weniger Schnee als üblich.

 

Dezember

Nach einem meist sonnigen Monatsanfang fielen am 8. Dezember in den Urner und Glarner Alpen bis zu 70 cm Neuschnee. Ab dem 10. Dezember tobte über den Bergen und in den Tälern des Nordens ein Föhnsturm, bei dem an einzelnen Gipfeln noch nie gemessene Windgeschwindigkeiten erreicht wurden. So z.B. am Piz Martegnas (Savognin, GR) mit einer Böe von 196 km/h.
In einer ersten Phase fiel vom Morgen des 10. bis am Morgen des 11. Dezembers in grossen Teilen des Wallis ergiebig Schnee. Die herangeführte, feuchtwarme Luft konnte die darunterliegende, kältere Luft am Alpennordhang verdrängen, nicht aber aus den inneren Alpentälern. Die Folge waren sehr unterschiedliche Schneefallgrenzen. Während es am Alpennordhang bis auf über 2000 m regnete, schneite es im Wallis bis auf die Talsohle. Dabei wurde in Sion am 11. Dezember mit 60 cm der mit Abstand grösste 1-Tages Schneefall gemessen (siehe Blog von MeteoSchweiz). Er liegt nicht nur weit über dem bisherigen Rekord an dieser Station von 43 cm (gemessen am 22. November 1971), sondern auch deutlich über der bisher höchsten 2-Tages Neuschneesumme von 52 cm (im Februar 1976). Tags darauf verlagerten sich die weiterhin intensiven Schneefälle in den Südosten der Schweiz.

Nach einer kurzen Beruhigung fielen vor und nach Monatsmitte im Westen und am östlichen Alpennordhang nochmals je 50 bis 80 cm Schnee. Danach war es bis an Weihnachten oft sonnig und mild. In einer Südstaulage fiel vom 26. bis 28. Dezember im Westen und im Süden rund ein halber Meter Neuschnee, in den letzten zwei Tagen des Jahres dann nochmals eine ähnliche Menge im Westen und Norden. Die Schneefallgrenze stieg am Schluss auf deutlich über 2000 m.

Insgesamt waren die Schneehöhen im Dezember am Alpenhauptkamm vom Oberwallis bis ins Oberengadin und im Flachland der Deutschschweiz unterdurchschnittlich (Abbildung 9), in allen anderen Gebieten überdurchschnittlich. Sogar viel mehr Schnee als üblich lag am östlichen Alpennordhang und als Folge der Schneefälle vom 11./12. Dezember auch in den Talsohlen des Wallis und Tessins.

 

Januar

Das neue Jahr startete extrem niederschlagsreich und mild, es wurde der wärmste Januar seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. In der Höhe fielen sehr grosse Schneemengen:

  • In den ersten vier Tagen des neuen Jahrs fiel im Wallis und im Norden etwa ein Meter Schnee, mit Schwergewicht im Westen.
  • Nach einer nur kurzen Pause fielen vom 5. bis 9. Januar in den oberen Vispertälern und im Simplon Gebiet weitere 1.5 bis 2 m Schnee.
  • Am intensivsten waren die Schneefälle vom 15. bis 23. Januar, als am nördlichen Alpenkamm, im Wallis sowie von Davos bis ins Samnaun in einer Woche 2 bis 3 m Neuschnee fielen. Das sind Mengen, wie sie nur alle 15 bis 30 Jahre gemessen werden.

Insgesamt waren bis am 23. Januar in hohen Lagen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee gefallen, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten.

Im Vergleich mit der 30-tägigen Neuschneesumme im Januar/Februar 1999 sind das 60 bis 80 % der damals am Alpennordhang gemessenen Neuschneesummen. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Für absolute Schneehöhen-Maxima reichte es in aller Regel aber nicht, diese werden in hohen Lagen meist deutlich später im Jahr registriert.

Auch wenn es ab dem 23. Januar im Wesentlichen trocken blieb, waren die Schneehöhen im Januar insgesamt in mittleren und hohen Lagen doch klar überdurchschnittlich, im Wallis sogar massiv überdurchschnittlich (Abbildung 10). In tiefen Lagen dagegen waren die Schneemengen stark unterdurchschnittlich. Wärme und Regen hatten dem Schnee weggeschmolzen und es kam kaum neuer dazu.

 

Februar

Der Februar gehörte gemäss MeteoSchweiz in Berglagen zu den kältesten der letzten 30 Jahre. Am Alpensüdhang, im Wallis und in Graubünden war er zudem sehr trocken.

In einer längeren, trockenen Periode wurde die Schneeoberfläche Anfang Februar in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Auf diese schwache Schicht wurden die drei Schneefälle vom 11. bis 17. Februar abgelagert. Es entstand eine heile Situation, bei der Wintersportler leicht Schneebrettlawinen auslösen konnten. Gegen Ende Monat brachte eine anhaltend kräftige Bisenströmung kontinentale Luft und eine Kältewelle.

In den Niederungen fiel den ganzen Februar über kaum Schnee. Damit zeigten die Schneehöhen das gleiche Bild wie bereits im Januar: in tiefen Lagen kein Schnee, in der Höhe dagegen durchwegs überdurchschnittlich und im Wallis sogar stark überdurchschnittlich viel Schnee (Abbildung 11).

 

März

Kalt und trüb, brachte der März keine Spur von Frühling. Mehrere schwache Schneefälle bescherten im Norden auch dem Flachland vorübergehend etwas Schnee, und mit den kräftigen Niederschlägen am Monatsende wurden in der Höhe leicht überdurchschnittliche Neuschneesummen registriert. Im Süden war es einer der kältesten Märzmonate der letzten 30 Jahre und es fiel 1½ bis 2-mal so viel Niederschlag wie üblich. Die beiden grössten Niederschlagsereignisse waren:

  • Vom 15. bis 19. März fielen im östlichen Tessin und im Moesano bis zu 80 cm Schnee.
  • In der Nacht auf den 31. März schneite es gebietsweise sehr intensiv. Eine Gegenstromlage liess die feuchte Luft aus Süden auch nördlich des Alpenhauptkammes weiter ansteigen. Bis am Morgen des 1. Aprils fiel in hohen Lagen im nördlichen Tessin sowie am zentralen Alpennordhang und den angrenzenden Gebieten etwa 1 m Neuschnee.

Ohne Wärmeperiode und mit wenig Sonne blieben die Verhältnisse in den Bergen winterlich. Nasse Lawinen wurden vor allem mit dem Regen am 31. März beobachtet.

Ende März lagen auf 2000 m in den ganzen Schweizer Alpen ausser dem mittleren und südlichen Tessin sowie Teilen des Engadins 2 bis 4 m Schnee. Damit waren die Schneehöhen vielerorts 1½- bis 2-mal so hoch wie üblich. Auch über den ganzen März betrachtet waren die Schneehöhen in der Höhe über-, in tiefen Lagen dagegen verbreitet unterdurchschnittlich (Abbildung 12).

 

April

Der April 2018 bescherte der Schweiz viel Sonnenschein mit frühsommerlicher Wärme. Im landesweiten Mittel war es der zweitwärmste April seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864, auf dem Jungfraujoch der wärmste seit Beginn der dortigen Messungen im Jahre 1933. Vor allem in der Zentral- und Ostschweiz war der April zudem aussergewöhnlich trocken.

Die Schneeschmelze schritt rasch voran. In hohen Lagen nahm die Schneehöhe im April nördlich einer Linie Rhone-Rhein um mehr als einen Meter ab, südlich davon um knapp einen Meter. Bis Ende April hatte sich die Schneehöhe auch in hohen Lagen vielerorts dem langjährigen Mittel angenähert. Über den ganzen Monat betrachtet waren die Schneehöhen im Westen und Süden in der Höhe überdurchschnittlich, im Nordosten nur noch durchschnittlich. In tiefen Lagen waren sie im Westen durchschnittlich, in den übrigen Regionen unterdurchschnittlich (Abbildung 13).

 

Mai

Wie schon der Vormonat war auch der Mai aussergewöhnlich warm und, trotz anhaltender Gewittertätigkeit, in den meisten Gebieten niederschlagsarm. Die Schneehöhen nahmen weiterhin schnell ab. In hohen Lagen waren sie am Monatsende am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Graubünden und im Tessin unterdurchschnittlich. Im Westen waren sie immer noch leicht überdurchschnittlich, in den Vispertälern sowie im Simplon Gebiet stark überdurchschnittlich. Dies war die Folge der in diesen Gebieten schon seit Januar extremen Schneemengen und von grösseren Schneefällen Anfangs und Mitte Mai.

Ganzer Winter

Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein „richtiger“ Winter (Abbildung 4). Der Grossteil der höher gelegenen Messstationen wurde am 6. November eingeschneit. Nach diesem frühen Winterstart wuchsen die Schneehöhen vor allem im Westen und im Norden deutlich an. Der Januar war sehr niederschlagsreich, aber auch rekordmässig warm. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. In der Höhe erreichten die Schneehöhen in der zweiten Januarhälfte an vielen Orten der Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum. Bis Ende März lag in hohen Lagen mit 2 bis 4 m immer noch 1½- bis 2-mal so viel Schnee wie üblich. In den sehr warmen und trockenen Monaten April und Mai nahmen diese dann aber markant ab und erreichten überall ausser in den Vispertälern und im Simplon Gebiet normale Werte.

Über den ganzen Winter betrachtet (November bis April), lag oberhalb von 1500 m etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich. Trotz dieser Schneearmut in tiefen Lagen lag das über die ganze Schweiz gemittelte Schneewasseräquivalent von Mitte Dezember bis Ende April klar über dem Mittelwert der letzten 18 Jahre (Abbildung 14).

 

Schneehöhenverlauf an ausgewählte Beobachterstationen

In den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2017 (n) ist in der Grafik vermerkt. Die Beobachter messen in der Regel vom 1. November bis mindestens 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2017/18 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.

Alpennordhang

Am Alpennordhang fiel auch im Hochwinter wiederholt Regen bis über die Waldgrenze. Die Schneehöhenentwicklung wird deshalb anhand der Vergleichsstation Hasliberg (Abbildung 15) verfolgt, mit 1825 m eine der höchstgelegenen, langjährigen Stationen am Alpennordhang. Allerdings erhielt auch diese Station, insbesondere im Januar, mehrmals Regen.

 

Beim Einschneien am 6. November stieg die Schneehöhe sogleich auf überdurchschnittliche Werte. Wiederholte Schneefälle liessen die Schneedecke ansteigen bis zu einer Spitze am 17. Dezember. Dieser Wert wurde erst am 19. Januar übertroffen, nicht zuletzt weil ein grosser Teil des Niederschlags vom 1. bis 4. Januar als Regen fiel. Auch am 22. Januar fiel zeitweise Regen, sodass die Schneehöhe trotz intensiver Niederschläge nur noch wenig anstieg. Die bereits mehrfach verregnete Schneedecke setzte sich in der Folge nur noch wenig, es kamen aber lange Zeit auch keine grösseren Schneefälle dazu. Erst an den Ostertagen führte ein intensiver Niederschlag zum Schneehöhenmaximum, welches mit 3 m exakt dem höchsten, bereits früher einmal an einem 1. April gemessenen Wert entspricht.

Kurz danach setzte die Schneeschmelze ein. Mit den hohen Temperaturen und praktisch ohne weitere Schneefälle erfolgte diese ungewöhnlich schnell, so dass die Schneehöhe bereits Anfangs Mai unter den Durchschnitt fiel und die Station am 12. Mai, früher als üblich, ausgeapert war.

Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 187 Tagen. In dieser Zeit wurde an 89 Tagen Neuschnee gemessen. Die grösste Neuschneemenge fiel am 31. März mit 66 cm (Tabelle 1). Der maximale Wasserwert wurde denn auch Ende März mit 947 mm gemessen, gut einem Viertel mehr als im Durchschnitt der 48-jährigen Wasserwert-Messreihe.

 

Wallis

Die Schneehöhenentwicklung im Wallis wird anhand der hoch gelegenen Messstation Kühboden (Fiesch, VS) aufgezeigt.

 

Wie an den meisten höher gelegenen Stationen schneite es auch im Kühboden am 6. November ein (Abbildung 16). Zunächst waren die Schneehöhen durchschnittlich, mit den Niederschlägen vom 8. bis 11. Dezember eine Zeit lang überdurchschnittlich. Im Unterwallis und insbesondere in dessen westlichsten Teil, waren die Schneefälle anfangs Winter ergiebiger und die Schneehöhen klar überdurchschnittlich.

Mit weiteren Schneefällen vom 28. Dezember bis 4. Januar, am 9. und vom 17. bis 23. Januar wurden die Schneehöhen auch im nördlichen Wallis stark überdurchschnittlich. Mit 274 cm wurde das Schneehöhenmaximum des Winters an der Station Kühboden bereits am 23. Januar erreicht. Dabei war Kühboden eine der wenigen Stationen, bei der sogar das Allzeit-Maximum gemessen wurde - allerdings bei einer Messreihe von nur 30 Jahren.

In der Folge verharrten die Schneehöhen im Wallis bis Mitte April auf konstant hohem Niveau. Dabei wurden immer wieder die höchsten Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage registriert. Am 31. März erhielt vor allem das Oberwallis nochmals grössere Neuschneemengen. Die Schneeschmelze ab Mitte April führte zu einer kontinuierlichen und schnellen Abnahme der Schneehöhe. Ab der ersten Maihälfte waren die Schneehöhen an der Station Kühboden nur noch durchschnittlich, am 30. Mai war sie ausgeapert.

Eine durchgehende Winterschneedecke lag an der Station Kühboden während 205 Tagen. In dieser Zeit wurde an 95 Tagen Neuschnee gemessen, dabei 3 Mal mehr als 50 cm (Tabelle 2). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April mit 779 mm gemessen. Dieser Wert liegt um mehr als die Hälfte über dem Maximum eines durchschnittlichen Winters, und nur noch 21 mm unter dem Allzeit-Maximum der 29-jährigen Messreihe.

 

Obere Vispertäler

Wie im ganzen Wallis war der Winter 2017/18 auch in den Vispertälern aussergewöhnlich schneereich. Sie werden hier separat behandelt, weil hier zusätzlich zwei Südostanströmungen am 8./9. Januar und Anfangs Mai grosse Niederschläge brachten. Die Schneehöhenentwicklung wird anhand der langjährigen Vergleichsstation Saas Fee (Abbildung 17) verfolgt. Weil auf dieser Höhe der Niederschlag teils als Regen fiel, wird zusätzlich die höher gelegene, automatische IMIS-Schneestation Gornergratsee abgebildet (Abbildung 18). Diese weist allerdings eine Messreihe von erst 26 Jahren auf.

 

Wie im übrigen Wallis schneite es auch im eher südbeeinflussten Saas Fee am 6. November ein, doch blieb die Schneedecke längere Zeit bei wenigen Zentimetern. Richtig Winter wurde es erst Mitte Dezember. An der fast 3000 m hohen Station Gornergratsee waren die Schneemengen bereits im November grösser, aber bis Ende Jahr unterdurchschnittlich.

Ab dem 28. Dezember liessen mehrere Grossschneefälle die Schneehöhen stark ansteigen bis zur Spitze am 22. Januar. Dabei wurden bereits mit dem intensiven Schneefall vom 9. Januar an beiden Stationen die maximalen Schneehöhen des entsprechenden Kalendertages gemessen. In der Folge wurden an der hoch gelegenen, aber noch jungen Station Gornergratsee bis am 3. März und danach nochmals am 7./8. März neue Tagesrekorde gemessen. Am 22. Januar wurde mit 332 cm das absolute Maximum um lediglich 3 cm verfehlt. Auch im tiefer gelegenen Saas Fee wurde die grösste Schneehöhe des laufenden Winters am 22. Januar erreicht, doch lag diese mit 159 cm weit unter dem Allzeitmaximum dieser langjährigen Messstation. Immerhin wurden aber auch hier vom 21. bis 30. Januar neue Tagesmaxima registriert. Danach verharrte die Schneehöhe auf konstant hohem Niveau, bevor mit dem Schneefall vom 31. März nochmals für drei Tage die maximalen Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage gemessen wurden.

Ab Mitte April setzte eine intensive Schmelze ein, so dass die Station Saas Fee bereits am 4. Mai ausaperte. In der Höhe dagegen fiel Anfang Mai nochmals Schnee und die Schneehöhen waren auch Ende Juni noch klar überdurchschnittlich.

Eine durchgehende Winterschneedecke lag in Saas Fee während 179 Tagen. In dieser Zeit wurde lediglich an 67 Tagen Neuschnee gemessen (37 %), dabei 3 Mal zwischen 20 und 30 cm und einmal über 30 cm (Tabelle 3). Mit 466 mm wurde an der Station Saas Fee Ende Februar der grösste, je gemessene Wasserwert erreicht, gut doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr. Allerdings ist die Messreihe bei den Wasserwerten mit 46 Jahren etwas kürzer als bei den Schneehöhen.

 

Nord- und Mittelbünden, Unterengadin

Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen Nord- und Mittelbündens sowie des Unterengadins kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 19) verfolgt werden.

 

Nach einem durchschnittlichen Winterstart liessen ab Mitte Dezember mehrere Grossschneefälle die Schneehöhe stark ansteigen bis zur Spitze von 313 cm am 23. Januar. An insgesamt 14 Tagen, konkret am 5. und vom 21. bis 29. Januar sowie vom 2. bis 5. Februar wurden die maximalen Schneehöhen der entsprechenden Kalendertage registriert. Bis zur maximalen, je erreichten Schneehöhe fehlten aber noch 53 cm. Nach einer setzungsbedingten Abnahme der Schneehöhe stagnierte diese in der Folge über eine längere Zeit bei 2½ bis 3 m und lag damit weiterhin klar über dem Durchschnitt. Ab Mitte April setzte eine intensive Schneeschmelze ein. Diese liess die Schneehöhe bereits Anfangs Mai unter das langjährige Mittel fallen. Trotz des schneereichen Winters war die Station bereits am 21. Juni ausgeapert, deutlich früher als normal (7. Juli).

Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 242 Tagen. In dieser Zeit wurden an mehr als der Hälfte der Tage (127) Neuschnee gemessen, dabei 6 Mal über 30 cm (Tabelle 4). Der maximale Wasserwert lag mit 1063 mm etwas über dem Durchschnitt der 82-jährigen Wasserwert-Messreihe von 847 mm, aber weit unter dem absoluten Maximum von 1447 mm im Winter 1944/45.

 

Zentraler Alpensüdhang

Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang wird anhand der manuellen Messstation Robiei, 1890 m, beschrieben (Abbildung 20).

 

Im Süden war der Vorwinter schneearm, bevor Mitte Dezember durchschnittliche Werte erreicht wurden. Die Schneefälle im Januar waren vor allem im nordwestlichen Tessin ergiebig. Dort wurden teils maximale Schneehöhen für gewisse Kalendertage registriert, so auch in Robiei vom 22. bis 25. und am 27./28. Januar. Diese Schneehöhen lagen aber weit unter den maximalen, je gemessenen Schneehöhen, in Robiei z.B. bei nur wenig mehr als der Hälfte. Danach blieben die Schneehöhen bis Mitte April im nordwestlichen Tessin für lange Zeit überdurchschnittlich, in den anderen Gebieten im Durchschnitt oder leicht darüber. Ab Mitte April setze auch im Süden eine intensive Schneeschmelze ein. Am 28. Mai war die Station früher als üblich ausgeapert.

Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 203 Tagen. In dieser Zeit wurde nur an 89 Tagen Neuschnee gemessen (44 %), dabei 8 Mal zwischen 30 und 50 cm und 3 Mal über 50 cm (Tabelle 5). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April gemessen. Er lag mit 1212 mm um fast die Hälfte über dem Durchschnitt der 44-jährigen Wasserwert-Messreihe, aber weit unter dem absoluten Maximum von 2141 mm im Winter 1985/86.

 

Oberengadin und östlicher Alpensüdhang

Im Oberengadin und am östlichen Alpensüdhang war der Winter 2017/18 nicht ganz so schneereich wie in den anderen Regionen. Die Schneehöhenentwicklung wird anhand der manuellen Messstation Maloja, 1810 m, beschrieben (Abbildung 21).

 

Wie die meisten hochgelegenen Stationen wurde auch die Station Maloja am 6. November eingeschneit. Bis zum 10. Dezember blieben die Schneemengen aber bescheiden. Am 11./12. Januar wurden mit 21 und 56 cm der grösste Schneefall des Winters und von da an überdurchschnittliche Schneehöhen registriert. An anderen Stationen des betrachteten Gebietes waren diese Niederschläge nicht ganz so ergiebig und die Schneehöhen damit auch in der Folge nahe am langjährigen Mittelwert. Es folgten diverse weitere Schneefälle bis am 2. Februar, und dann wieder vom 8. März bis am 14. April. Erst danach nahm die Schneedecke rasch ab. Am 10. Mai war die Station ausgeapert.

Eine durchgehende Winterschneedecke lag während 181 Tagen. In dieser Zeit wurde lediglich an 76 Tagen (42 %) Neuschnee gemessen (Tabelle 6). Der maximale Wasserwert wurde Mitte April erreicht. Er lag mit 604 mm um fast die Hälfte über dem Durchschnitt der 65-jährigen Wasserwert-Messreihe, aber klar unter dem absoluten Maximum von 762 mm im Winter 1959/60.

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Schneedeckenaufbau

 

Der Schnee vom Spätherbst wurde kantig aufgebaut. Er wurde im November und Dezember überschneit und bildete zunächst eine ausgesprochen schwache Basis der Schneedecke (Abb. 22 und 23). Lawinen lösten sich spontan, und auch Personen konnten leicht Lawinen auslösen. Dieses schwache Schneedeckenfundament war dafür verantwortlich, dass Wintersportler bereits im Dezember mehrfach vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt werden mussten.

Bereits im Verlaufe des Dezembers, vor allem dann aber mit den Grossschneefällen im Januar, wurde der schwache Profilfuss immer stärker überschneit und war damit durch Personen nicht mehr auslösbar. Mit zunehmender Schneehöhe verfestigte sich die Schneedecke immer stärker. In der Folge war die mächtige Altschneedecke ausgesprochen günstig aufgebaut. Allerdings wurden im Februar und im März vielerorts dünne Schwachschichten eingeschneit. Damit konnten trotz des sonst günstigen Schneedeckenaufbaus über längere Zeit Lawinen im oberflächennahen Altschnee ausgelöst werden. Am wenigsten Schnee lag im Engadin und in den Bündner Südtälern. Dort war die Schneedecke weicher, und Lawinen konnten auch im tiefen Altschnee ausgelöst werden.

In tiefen und mittleren Lagen führten Wärme und Regen schon im Hochwinter wiederholt zu einer Anfeuchtung der Schneedecke. Dies besonders am Alpennordhang. Danach war die Schneedecke verbreitet stabil. In hohen Lagen setzte die Durchnässung der Schneedecke erst im April ein, ging mit der grossen Wärme und dem sonnigen Wetter dann aber sehr rasch vor sich. In den meisten Gebieten war die Basis der Schneedecke recht stabil, sodass nasse Lawinen oft nur den oberen Teil der Schneedecke umfassten.

 

Schwaches Schneedeckenfundament am Winteranfang

Im Norden, und besonders im Nordosten, lag oberhalb von rund 2500 m bereits im Oktober eine zusammenhängende Schneedecke, die in der Folge kantig aufgebaut und schwach wurde. Im Süden dagegen fiel der erste Schnee am 5. November bis ins Hochgebirge verbreitet auf den aperen Boden.

Am 10. November lag an der Schneeoberfläche verbreitet Oberflächenreif. Darauf fiel vom 11. bis 14. November mit teils stürmischem Wind genügend Schnee, um ein Schneebrett zu bilden. So war vor allem im Norden ein heikles Altschneeproblem entstanden (Abb. 23), und es wurden bereits einzelne grossflächige Lawinenabgänge beobachtet.

 

In der Folge fiel vor allem im Norden immer wieder Schnee mit teils starkem Wind. Die Schneedecke war vom Wind geprägt. Im Norden wurde das schwache Schneedeckenfundament immer stärker überlagert. Die Schneedecke wurde dabei immer günstiger aufgebaut und Brüche im tiefen Altschnee immer seltener. Die Gefahr ging mit der Zeit vor allem von den jeweils frisch abgelagerten Neu- und Triebschneeschichten aus.

Inneralpin und im Süden dagegen war die Schneedecke lange Zeit nur dünn und mit der Zeit auch aufbauend umgewandelt. Dies stellte ein schwaches Fundament dar für die grossen Neu- und Triebschneemengen vom 11./12. Dezember. Entsprechend gingen in diesen Gebieten viele Lawinen spontan ab oder sie wurden erfolgreich gesprengt (Abbildung 24).

Auf den 15. Dezember fiel im Westen und im Norden ergiebig Schnee. Tagsüber wurden bei schönstem Wetter sehr erfolgreich Lawinen gesprengt. Die Schwachschicht war aber nur kurzlebig und die Schneedecke stabilisierte sich in der Folge schnell. Im Westen und im Norden war die Schneedecke überdurchschnittlich mächtig, aber günstig aufgebaut.

 
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Abb. 24/1: Erstes Schneeprofil vom 13.12.2017.Profil vom Hockenhorn (Kippel, VS), bei dem das schwache Schneedeckenfundament bereits massiv überlagert ist. Es konnte im Rutschblock nur noch mit wiederholtem draufspringen ausgelöst werden.
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Abb. 24/2: Zweites Schneeprofil vom 13.12.2017. Aufgenommen neben einer fernausgelösten Lawine am Jakobshorn (Davos, GR). Der schwache Altschnee war mit etwa 40 cm härterem Neuschnee überdeckt. Lawinen konnten leicht ausgelöst werden oder gingen spontan ab.
 

Jahresanfang: Viel Schnee und meist stabile Basis der Schneedecke, Anfeuchtung in mittleren Lagen

Am 30. Dezember begann eine bis am 23. Januar andauernde Phase, in der im Wallis, am Alpennordhang und in grossen Teilen Graubündens in mehreren Ereignissen grosse Niederschlagsmengen fielen.

In der Nacht auf Silvester stieg die Schneefallgrenze im Norden auf 2000 bis 2300 m. Bis auf diese Höhe wurde die Schneeoberfläche zumindest oberflächlich nass (Abbildung 26), was sich längerfristig positiv auf deren Stabilität auswirkte. Im bisher eher schneearmen südlichen Oberwallis bildeten Neu- und Triebschnee auf der bodennahen Schwachschicht ein Schneebrett, was zur Lawinenperiode Nr. 4 führte (Abbildungen 25 und 37).

 

Vom 1. bis 4. Januar fielen oberhalb von rund 2200 m aussergewöhnliche Schneemengen. Insbesondere im Wallis, in Mittelbünden und im Unterengadin gingen viele grosse Lawinen nieder (siehe Lawinenperiode Nr. 5 und Abbildungen 27 und 37). Diese brachen oft im bodennahen Altschnee an. Auch Südhänge waren stark betroffen, vermutlich infolge einer ungünstigen Abfolge von kantigkörnigen Schwachschichten und Krusten. Am Alpennordhang mit seiner gut verfestigen Altschneedecke gingen nur wenige grosse, trockene Lawinen ab.

Unterhalb von rund 2000 m wechselten sich Schnee und Regen ab. Die Schneedecke wurde oberflächlich mehrmals durchnässt. Nass- und Gleitschneelawinen wurden beobachtet.

Kurz darauf folgte vom 6. bis 9. Januar eine weitere, viertägige Schneefallperiode, die den Vispertälern und dem südlichen Simplon Gebiet grosse Schneemengen brachte. In den Hauptniederschlagsgebieten gingen viele grosse und auch sehr grosse Lawinen ab, ebenfalls oft im Altschnee. Inzwischen waren die Schneemengen so gross, dass diverse Lawinen Sachschäden anrichteten (siehe Lawinenperiode Nr. 6 und Abb. 37).

 
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Abb. 27/1: Schneeprofil vom 11. Januar aus dem schneereichen nördlichen Unterwallis. Es zeigt einen nach den verschiedenen Grossschneefällen stabilen Schneedeckenaufbau, bei dem trockene Lawinen nur noch aus oberflächennahen Schichten möglich scheinen.
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Abb. 27/2: Profil vom 12. Januar aus dem Oberengadin. Der mittlere Teil der Schneedecke ist auch hier inzwischen recht stabil. Darunter ist aber noch die schwache Basis vorhanden, die bei den letzten Grossschneefällen noch zu grossflächigen Lawinenabgängen geführt hatte.
 

 

 

 

Nach diesen Niederschlägen war die Schneedecke im Norden günstig aufgebaut. Weiche Schichten aus kantigen Körnern, wie sie für Schwachschichten typisch sind, waren kaum vorhanden. Im Wallis waren solche potenziellen Schwachschichten zwar vorhanden, aber inzwischen bereits mächtig überlagert und damit nur noch schwer auslösbar. Im Süden und in weiten Teilen Graubündens war der Schneedeckenaufbau etwas weniger günstig. Die potenziellen Schwachschichten waren hier häufiger und zudem weniger stark überdeckt (Abbildungen 27 und 28).

In der Folge herrschte bis am 15. Januar meist sonniges Wetter. Dabei bildete sich verbreitet teils grosser Oberflächenreif (Abbildung 29) und die oberflächennahen Schichten wurden an Schattenhängen kantig aufgebaut und locker. Beides stellte eine potenzielle Schwachschicht dar für die folgenden Schneefälle.

 

Vom 15. bis 23. Januar führten extreme Neuschneemengen zu einer ausserordentlichen Lawinensituation. Die tiefen Schwachschichten von Anfang Winter waren, im Unterschied zu den Lawinenperioden von Anfang Januar, nur noch sehr vereinzelt störanfällig. Dafür war die Schneeoberfläche vom 15. Januar zumindest zu Beginn der Niederschlagsperiode eine deutliche Schwachschicht. Es ist davon auszugehen, dass die Lawinen am Anfang dieser Niederschlagsperiode meist dort anrissen. Die Lawinen vom 21. bis 23. Januar rissen zwar teils flächig, aber nicht immer so tiefgründig an, dass die Schneeoberfläche vom 15. Januar als Schwachschicht in Frage käme. Oft brachen sie wohl auch in kurzlebigen Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees an. Eine detailliertere Beschreibung dieser Periode findet sich in Kapitel 3, „Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar“.

Nach dem Ende der Schneefälle stabilisierte sich die Schneedecke sehr schnell, und es wurden auch in Schneedeckenuntersuchungen innerhalb der riesigen Neu- und Triebschneeschichten kaum noch ausgeprägte Schwachschichten gefunden. Es folgte eine Phase mit meist günstigen Lawinenverhältnissen. Allerdings wurde die Schneeoberfläche bei kalten Temperaturen und oft klaren Nächten aufbauend umgewandelt und locker (Abbildung 30).

 

Ab Mitte Februar oberflächennahe Schwachschichten

Am 12. Februar wurden diese Schichten überschneit und stellten in der Folge eine langlebige Schwachschicht dar, in der Wintersportler leicht Lawinen auslösen konnten. Auch im weiteren Verlauf des Winters wurden mehrmals aufbauend umgewandelte Altschneeoberflächen oder Oberflächenreif eingeschneit, so dass oft ein oberflächennahes Altschneeproblem herrschte (Abbildung 31). Die mittleren und tiefen Schichten der Schneedecke dagegen waren in den meisten Gebieten gut verfestigt und stabil. Einzig im Süden und in Teilen Graubündens, und dort besonders vom Calancatal bis ins Oberengadin, war die Schneedecke dünner und auch in ihrem mittleren und unteren Teil etwas schwächer (Abbildung 32). Dies wirkte sich vorerst aber noch nicht aus.

 

Nach einer längeren, weitgehend trockenen Phase schneite es in Südbünden und im Oberengadin ab dem 8. März immer wieder (Abbildungen 20 und 21). Dort waren mächtige Schichten der Altschneedecke, teils sogar die gesamte Altschneedecke kantig aufgebaut und locker (Abbildung 32). Entsprechend rissen Lawinen tiefere Schichten der Schneedecke mit und erreichten teils grössere Ausmasse (Abbildung 33).

 

Dank günstigem Schneedeckenaufbau im Norden eher wenige grosse, nasse Lawinen

Vor dem Grossschneefall vom 31. März war die Schneedecke an Südhängen unterhalb von rund 2300 m durchnässt, an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m. In Lagen darüber waren trockene Schwachschichten meist nur innerhalb des Neu- und Triebschnees vorhanden, im Wallis und in Graubünden teils auch im oberen Teil der Altschneedecke. Die anschliessende Erwärmung führte vom 5. bis 8. April zur ersten grossen Nassschneelawinenperiode.

In einer weiteren Wärmeperiode vom 17. bis 20. April stieg die Nullgradgrenze auf bis zu 3500 m. Dies führte zur ersten Anfeuchtung auch der hoch gelegenen Hänge und damit zu einer weiteren Periode mit nassen Lawinen. Dabei wurden vor allem im Engadin und in Mittelbünden Schwachschichten tief in der Altschneedecke aktiviert, was zwar nicht zu besonders vielen, aber teils grossen Lawinen führte.

Nachdem der Schnee in den meisten Hängen bereits einmal feucht war, stabilisierte sich die Schneedecke. Es wurden aber immer noch einzelne Gleitschneelawinen gemeldet. Bei den eher seltenen Niederschlägen konnten vor allem im Hochgebirge jeweils kurzzeitig Lawinen ausgelöst werden. Diese umfassten meist nur die oberflächennahen Schichten. Am Oberwalliser Alpenhauptkamm fielen Ende April und Anfang Mai nochmals grössere Schneemengen. Diese führten vorübergehend nochmals zu einer heiklen Lawinensituation mit teils flächigen, trockenen Lawinen.

Übersicht Schneedeckenaufbau in drei Grossregionen

Die mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK simulierten Schneeprofile an den automatischen Messstationen (Flachfelder) zeigen, ob potentielle Schwachschichten in der Schneedecke vorhanden sind. Die Schweizer Alpen wurden dafür von Norden nach Süden in drei Grossregionen unterteilt: nördliche Gebiete, inneralpine Gebiete, südliche Gebiete. Für jede dieser Grossregionen wurde der Anteil an Profilen bestimmt, die solche potenzielle Schwachschichten enthalten (Abbildung 34).

  • Oberflächennahe Schwachschichten waren Anfang Dezember in den inneralpinen Gebieten und im Süden vorhanden (Abbildung 34, oben). Im Norden waren die Schwachschichten vom Winteranfang bereits eingeschneit, in der Schneedecke aber genauso vorhanden wie in den anderen Regionen (Abbildung 34, unten).
  • Vor allem im Norden nahmen die Schwachschichten in der zweiten Dezemberhälfte stark ab. Um die Weihnachtszeit bildeten sich aber in allen Gebieten kleinere, oberflächennahe Schwachschichten. Diese wurden in der Folge eingeschneit und führten vorübergehend zu Schwachschichten in fast allen Profilen.
  • Mitte Januar wiesen in allen Gebieten nur noch wenige Profile Schwachschichten auf. An der Oberfläche entstanden aber neue Schwachschichten, die in der Folge eingeschneit wurden. Diese Schwachschichten waren nicht sehr langlebig und bereits nach einer Woche aus den meisten Schneeprofilen wieder verschwunden.
  • Wesentlich langlebiger waren Schwachschichten, die sich in verschiedenen Phasen zwischen Ende Januar und Ende März bildeten. Diese wurden eingeschneit und führten dazu, dass die ganze Zeit über in fast allen Profilen Schwachschichten vorhanden waren. Unter diesen Schwachschichten war die Altschneedecke mächtig und, mit Ausnahme vielleicht des Oberengadins, weitgehend stabil.
  • Mit dem warmen und trockenen April nahmen die Schwachschichten rasch ab, und es kamen auch keine neuen mehr dazu. Damit lag die Gefahr von trockenen Lawinen erstmals in diesem Winter für längere Zeit verbreitet bei Stufe 1 (Gering).
 

Übersicht Durchfeuchtung der Schneedecke an Flachfeldern

Der Grad der Durchfeuchtung wurde aus dem simulierten Wassergehalt der Schneedecke mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK ermittelt (jeweils nachmittags). Die Darstellung des Wassergehaltes wird in vier Klassen unterteilt: trocken, teilweise feucht, durchfeuchtet oder kein Schnee. Die Schneedecke gilt dabei als durchfeuchtet, wenn so viel Wasser in der simulierten Schneedecke vorhanden ist, dass im Mittel ein volumetrischer Wassergehalt von 3 % erreicht oder überschritten ist.
Abbildung 35 zeigt den Wassergehalt der Schneedecke an Flachfeldern im zeitlichen Verlauf von Dezember 2017 bis April 2018. Auf Höhe der IMIS-Stationen, also oberhalb der Waldgrenze, war die Schneedecke im Dezember meist trocken. Nach einer leichten Anfeuchtung Anfangs Januar blieb der Schnee an den tiefen Stationen teils angefeuchtet. Die Durchnässung begann erst im April und schritt Mitte April ungewöhnlich schnell voran. Ende April war die Schneedecke an ein paar wenigen IMIS Stationen feucht und an allen anderen nass.

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Lawinenaktivität

 

Übersicht

2017/18 war ein lawinenreicher Winter. Dies zeigt der Lawinenaktivitätsindex, eine dimensionslose Grösse, mit der die Lawinenaktivität zwischen verschiedenen Wintern verglichen und innerhalb eines Winters die Lawinenperioden bestimmt werden können. Zu seiner Berechnung werden alle dem SLF gemeldeten Lawinen nach Grösse und Auslöseart gewichtet und aufsummiert. Weil besonders aus abgelegenen Gebieten oder bei schlechter Sicht längst nicht alle Lawinen gemeldet werden, ist er als Index zu verstehen und gibt nicht die wahre Anzahl Lawinen wieder. Zur Berechnung des Lawinenaktivitätsindexes liegen Daten seit dem Winter 2001/02 vor.

Der Vergleich des Lawinenaktivitätsindexes mit den Wintern seit 2001/02 zeigt, dass 2017/18 ein aussergewöhnlich lawinenreicher Winter war (Abbildung 36):

  • Insgesamt hatte der Winter 2017/18 die grösste Lawinenaktivität dieser Periode, und damit wohl seit dem Lawinenwinter 1998/99 (linker Plot in Abbildung 36). Der Index ist etwa doppelt so hoch wie üblich und liegt ausserhalb des Erwartungsbereichs (ausserhalb der vertikalen, schwarzen Linien).
  • Für einen einzelnen Tag wurde bisher erst am 9. März 2006 ein höherer Lawinenaktivitätsindex berechnet (mittlerer Plot in Abbildung 36). Auch hier liegt der Winter 2017/18 etwa doppelt so hoch als üblich und ausserhalb des Erwartungsbereichs.
  • Vom 21. bis 23. Januar wurde die aktivste, 3-tägige Lawinenperiode seit Beginn der Lawinenaktivitäts-Berechnungen im Winter 2001/02 registriert. Sie war damit wohl auch die grösste seit Februar 1999. Der Lawinenaktivitätsindex war fast doppelt so hoch wie in durchschnittlichen Jahren, aber gerade noch am oberen Rand des Erwartungsbereichs.
 

Im Verlaufe des Winters 2017/18 (Abbildung 37), stechen sowohl der 4. als auch der 22./23. Januar heraus mit sehr vielen trockenen (blau), feuchten (orange) und nassen (rot) Lawinen. Die wichtigsten Lawinenperioden sind in der Abbildung nummeriert und werden nachfolgend beschrieben. Der Lawinenperiode vom 22./23. Januar (Periode Nr. 7) ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

 

Bemerkenswerte Lawinenperioden

(1)      11./12. Dezember: Sturm und Neuschnee. Mit schwachem Altschnee gebietsweise hohe Lawinenaktivität

Vom 8. bis 12. Dezember führten stürmische Winde wiederholt feuchte Luft zu den Alpen, wodurch sich verschiedene grosse Schneefälle folgten. Am 8./9. Dezember schneite es mit Nordwestwind vor allem im Norden und Westen. In der Folge tobte im Norden ein Föhnsturm. Während im Wallis sehr viel Neuschnee bis in die Talsohle fiel, regnete es am Alpennordhang bis auf über 2000 m. Anschliessend verlagerte sich der Niederschlagsschwerpunkt am 11./12. Dezember in das Tessin und das südliche Graubünden, wobei die Niederschläge mit den teils orkanartigen Winden weit nach Norden übergriffen. Insgesamt fielen vom 8. bis 12. Dezember oberhalb von rund 2200 m folgende Schneemengen (Abbildung 38):

  • nördlicher Alpenkamm östlich der Reuss, Waadtländer und Freiburger Alpen, Unterwallis, von den Obwaldner bis in die Glarner Alpen sowie Bernina Gebiet: 80 bis 120 cm
  • übrige Gebiete: verbreitet 60 bis 80 cm; im südlichen Oberwallis, in Mittelbünden und im Unterengadin 30 bis 60cm.
 

Im südlichen Wallis, in Mittelbünden, im Engadin und am Alpensüdhang lag vor diesem Ereignis erst wenig Schnee. Dieser war zumindest in windgeschützten Lagen aufbauend umgewandelt und stellte damit eine ungünstige Basis dar für den darauf abgelagerten Neu- und Triebschnee. In dieser Phase wurde insgesamt dreimal vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt:

  • am 9. Dezember für ein Gebiet von den Urner- bis in die Glarner Alpen
  • am 11. Dezember für das nördliche und westliche Wallis
  • am 12. Dezember für ein Gebiet vom östlichen Tessin über das südliche Mittelbünden ins Oberengadin und die Bündner Südtäler.

Vor allem in den Gebieten mit schwachem Schneedeckenaufbau gingen viele Lawinen spontan ab (Abbildungen 39 und 40). In der Nacht auf den 12. Dezember wurden im Südosten viele Verkehrswege gesperrt. Tagsüber wurden in diesen Gebieten bei guter Sicht dann auch viele Lawinen erfolgreich gesprengt. Dabei wurden auch in den Niederschlags-Randgebieten (grün-blaue Gebiete in Abbildung 38) Kettenauslösungen vieler Schneebrettlawinen über grössere Distanzen beobachtet.

 

(2)      15. Dezember: Mit moderaten Neuschneemengen im Wallis hohe Lawinenaktivität

In der Nacht auf den 15. Dezember schneite es im Westen und am östlichen Alpennordhang intensiv, wobei die Schneefallgrenze von 1500 m bis in tiefe Lagen sank. Zeitweise starker Westwind begleitete den Schneefall. Insgesamt fielen vom 13. bis 15. Dezember im nördlichen Wallis sowie in den zentralen und östlichen Voralpen 50 bis 80 cm Schnee, sonst weniger (Abbildung 41).

In den Hauptniederschlagsgebieten wurde für den 15. Dezember die Gefahrenstufe 4 (gross) herausgegeben. Trotz nicht allzu grossen Neuschneemengen wurde der 15. Dezember schweizweit zum viert aktivsten Lawinentag des Winters (Abbildungen 37 und 42). Dazu dürfte auch die tagsüber gute Sicht beigetragen haben. Diese erlaubte eine gute Beobachtung der abgegangenen Lawinen und wurde zudem von den Sicherungsdiensten zur künstlichen Lawinenauslösung genutzt. Dabei wurden vor allem im Wallis überraschend viele mittlere und grosse Lawinen ausgelöst.

Die Lawinen rissen teils flächig an, aber oft relativ oberflächennah (Abb. 43). Damit kommen als Schwachschichten vor allem die Verbindungen zwischen den neueren Schneeschichten in Frage. Weil der obere Teil der Schneedecke kaum kantige Schneekristalle enthielt, war von kurzlebigen Schwachschichten auszugehen.

 

(3)      Gleitschneelawinen, in der zweiten Dezemberhälfte auch in tiefen Lagen

Dieser Abschnitt beschreibt keine kurzen Lawinenperiode, sondern die lange andauernde Gefahr von Gleitschneelawinen. Diese entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Im Winter 2017/18 waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte, darunter der folgenschwerste des Winters.

Nachdem Mitte Dezember regional auch in tiefen Lagen viel Schnee gefallen war, gingen auch in tiefen Lagen Gleitschneelawinen ab (Abbildung 44). Dies stellte vor allem in der Ostschweiz etliche Behörden auf die Probe, weil in ihren sonst nicht ernsthaft von Lawinen bedrohten Gebieten keine Lawinendienste existieren.

 

(4)      30./31. Dezember: Mit Neuschnee und stark steigender Schneefallgrenze v.a. im Wallis grosse Lawinen.

Nachdem an den beiden Tagen davor lokal bis zu 50 cm Schnee gefallen waren, gab es am 29. Dezember eine Niederschlagspause. Diese wurde für Sicherungsaktionen genutzt, doch waren die Sprengungen nur teilweise erfolgreich. Die mit stürmischem Wind entstandenen, harten Triebschneeansammlungen erwiesen sich oft als kaum noch auslösbar.

Am 30. Dezember fielen mit starkem bis stürmischem Westwind im Wallis 40 bis 70 cm Schnee, am übrigen nördlichen Alpenkamm 30 bis 50 cm. Die Schneefallgrenze stieg von tiefen Lagen auf 2300 m im Westen und 2000 m im Osten. Aufgrund der intensiven Schneefälle und der stark steigenden Schneefallgrenze war für das Wallis und grosse Teile des westlichen und zentralen Alpennordhangs die Gefahrenstufe 4 (gross) ausgegeben worden. Zusätzlich zu den spontanen Lawinen aus hohen Lagen, welche vereinzelt bis in die Täler vorstiessen (Abbildung 45), lösten sich unterhalb von rund 2200 m viele Nass- und Gleitschneelawinen. Exponierte Verkehrswege waren gebietsweise gefährdet. Aus den Gebieten mit einer schwachen Altschneedecke – dem südlichen Wallis, dem Oberwallis, aus Mittelbünden, dem Engadin und vom Alpensüdhang - wurden auch Lawinenauslösungen in bodennahen, schwachen Schichten der Schneedecke gemeldet. Im Wallis waren diese oft gross.

In der Nacht auf den 31. Dezember endeten die Niederschläge, und tagsüber wurde es in den Bergen sonnig. Die spontane Lawinenaktivität nahm deutlich ab. Für Schneesportler war die Situation weiterhin kritisch.

 

(5)      4. Januar: der lawinenaktivste Tag des Winters

Vom 1. bis 4. Januar schneite es mehr oder weniger durchgehend, am Schluss ergiebig und intensiv. Die Schneefallgrenze schwankte innerhalb von 48 h zweimal zwischen tiefen Lagen und rund 2000 m. Begleitet wurden die Schneefälle von meist starkem Wind aus westlichen Richtungen. Am 3. Januar brachte das Sturmtief „Burglind“ in den Bergen Windspitzen zwischen 140 und 180 km/h. Oberhalb von rund 2200 m fielen insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 46):

  • Wallis, nördlicher Alpenkamm vom Chablais bis in die Glarner Alpen, Gotthardgebiet: verbreitet 80 bis 120 cm, im Wallis lokal bis 150 cm
  • übrige Gebiete: verbreitet 50 bis 80 cm, im mittleren Tessin und vom Avers übers Bergell bis ins Puschlav 30 bis 50 cm, ganz im Süden wenige Zentimeter
 

Oberhalb von rund 2200 m, wo der gesamte Niederschlag als Schnee fiel, waren die Neuschneemengen aussergewöhnlich hoch. So wurden am Morgen des 4. Januars an der Station Oberer Stelligletscher 83 cm und an der Station Triftchumme 81 cm gemessen. Das bedeutet Rang 1 bzw. Rang 4 in den jeweils 18-jährigen Messreihen.

Am 4. Januar waren die Schneehöhen verbreitet überdurchschnittlich. In grossen Teilen des westlichen und östlichen Alpennordhanges sowie im Wallis, am zentralen Alpenhauptkamm sowie in Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin lag doppelt so viel Schnee wie normalerweise Anfang Januar. Neun IMIS und drei SLF-Beobachterstationen mit jeweils mehr als 20-jähriger Messreihe verzeichneten neue Schneehöhenrekorde für den Kalendertag.

Ab dem 2. Januar spitzte sich die Lawinensituation im Westen und Norden laufend zu. Mit viel Neuschnee und Sturm entstanden umfangreiche Triebschneeansammlungen. Ab dem Morgen des 3. Januars herrschte gebietsweise im Westen, an den beiden folgenden Tagen dann verbreitet die Gefahrenstufe 4 (gross). So grossflächig wird die Gefahrenstufe 4 im Durchschnitt nur einmal pro Winter verwendet.

Mehrere Strassen- oder Bahnabschnitte wurden infolge Lawinengefahr gesperrt. Insbesondere im Wallis, in Mittelbünden und im Unterengadin gingen viele grosse Lawinen nieder (Abbildungen 47 und 48). In diesen Gebieten war die Kombination der Überlast vom Neuschnee bzw. vom Regen und von der teils noch eher schwachen Altschneedecke am ungünstigsten. Am Alpennordhang war die Altschneedecke bereits so gut verfestigt, dass deutlich weniger grosse Lawinen abgingen. Dort wurden vor allem unterhalb von rund 2000 m Nass- und Gleitschneelawinen beobachtet. Betrachtet man nur die Lawinenmeldungen der Beobachter (ohne Kartierung durch Satellitenaufnahmen), so war der 4. Januar der aktivste Lawinentag des Winters und zugleich der zweit aktivste seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsindexes im Winter 2001/02. Trotz dieser grossen Lawinenaktivität waren nur vereinzelte Sachschäden zu verzeichnen.

Günstiger war die Situation einzig ganz im Süden, wo es praktisch trocken blieb und die Hauptgefahr von den frischen Triebschneeansammlungen ausging, die mit teils starkem Wind entstanden waren.

 

(6)      9. Januar: Höchste Gefahrenstufe (5, sehr gross) in den Vispertälern und im Simplon Gebiet

Bereits am 6. Januar setzte im Süden wieder Niederschlag ein. Bis Abend des 7. Januars fielen im Simplon Gebiet und im Bedrettotal rund 50 cm Schnee. Die Schneefallgrenze lag dabei bei 1500 bis 1800 m.

Am 8. und in der Nacht auf den 9. Januar griffen dann die Niederschläge weiter ins Wallis über und wurden deutlich intensiver. Dabei fielen zeitweise 10 cm Schnee pro Stunde, was nur selten beobachtet wird. Die Schneefallgrenze sank von 1500 bis 1800 m im Laufe des Niederschlags auf etwa 1300 bis 1600 m.

In diesen vier Tagen fielen in den Hauptniederschlagsgebieten in den südlichen Vispertälern und im südlichen Simplon Gebiet bis zu 2 m Schnee (Abbildung 49). Weil zudem der letzte Grossschneefall im Wallis erst wenige Tage alt war, stieg die Lawinengefahr markant an. Für den 9. Januar wurde in den Vispertälern und im südlichen Simplon Gebiet die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) herausgegeben. Die höchste Gefahrenstufe war letztmals im Jahr 2008 verwendet worden. Im Norden fiel kaum Schnee, so dass dort die Lawinengefahr abnahm.

 

In hohen Lagen waren die 3-, 5- und 7- Tages-Neuschneesummen sowohl vom 1. bis 5. als auch vom 6. bis 9. Januar zwar sehr gross, aber keine Rekorde. Anders sah es für die 12-Tages-Neuschneesumme aus. Nachdem es seit dem 30. Dezember fast jeden Tag geschneit hatte, lagen diese in den Hauptniederschlagsgebieten bei 3.5 bis 5 m. Damit lagen sie an den Stationen im Mattertal klar auf Rang 1 (Tabelle 7). Im Simplon Gebiet dagegen hatten die beiden Stationen Wenghorn (SPN3) und Bortelsee (BOR2) schon Ereignisse mit rund 20-30 % grösseren Werten erlebt. Im Saastal, welches zwischen dem Mattertal und dem Simplon Gebiet liegt, fielen die Neuschneesummen vergleichsweise klein aus. Hier waren die Stationen vom Wind beeinflusst, und auf dem Messfeld Egginer (4EG) oberhalb von Saas Fee konnte in diesen Tagen nicht gemessen werden.

Ein Vergleich mit den maximal gemessenen 12-Tages-Neuschneesummen am Alpennordhang zeigt ähnlich grosse Werte. So wurden im Februar 1999 an der Station Gadmen (GAD2) im Sustengebiet 12-Tages Neuschneesummen von 509 cm und an der Vergleichsstation Elm (3EL) von 452 cm gemessen.

 

Die grösste Lawinenaktivität herrschte in den Vispertälern vom Nachmittag des 8. bis in die Nacht auf den 9. Januar (Abbildung 50). Vor allem aus Ost- und Nordhängen, seltener aus Westhängen, gingen viele grosse und teils auch sehr grosse Lawinen nieder. Im Unterschied zu 1999 erreichten diese wegen dem nassen Schnee den Talboden nicht als Staublawinen. Die Auslaufstrecken waren aber teils gross, und so entstanden etlichen Sachschäden (Abbildung 51).

 

(7)      21. bis 23. Januar: Mit aussergewöhnlichen Schneefällen sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 5)

Vom 21. bis 23. Januar erlebten die Schweizer Alpen die grösste dreitägige Lawinenperiode seit dem Lawinenwinter 1999. Schon seit dem 15. Januar schneite es anhaltend und am Schluss sehr intensiv. Dabei wurden in der Höhe teils Rekordschneehöhen erreicht. Anhaltend starker bis stürmischer Westwind und ein Anstieg der Schneefallgrenze auf 2000 m führten zu einer ausserordentlichen Lawinensituation mit sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5). Es gingen viele grosse, gebietsweise auch sehr grosse spontane Lawinen nieder. Dies führte vielerorts zu Sachschäden. Die Bewohner der Alpentäler und die Gäste selbst blieben aber verschont. Der Lawinenschutz hatte sich bewährt.

Diese aktivste Lawinenperiode des Winters wird im Kapitel 3 „Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar“ beschrieben. Zusätzlich erstellt das SLF im Auftrag des BAFU eine Ereignisanalyse dazu. Diese erscheint im Frühling 2019.

(8)      31. März: Intensiver Schneefall in der Zentralschweiz, viele trockene und nasse Lawinen

In der Nacht auf den 30. März setzten im Süden Niederschläge ein, die sich in der Nacht auf den 31. März intensivierten und in einer Gegenstromlage auch auf den Norden übergriffen. In der intensivsten Phase fiel in den zentralen Gebieten des Alpennordhanges vom Brienzersee bis ins Muotatal 50 bis 80 cm Schnee in 12 Stunden. Der Südwind blies im Süden und in der Höhe stark. Am 1. April fiel dann im Norden und Westen verbreitet Niederschlag mit mässigem bis starkem Nordwestwind. Insgesamt fielen bis am Morgen des 1. Aprils von den Haslitälern bis in die Schwyzer Alpen, in den Urner Alpen und im Gotthardgebiet 80 bis 120 cm Schnee (Abbildung 52). Nach Westen und Osten nahmen die Neuschneemengen deutlich ab. Die Schneefallgrenze sank von 1800 m in tiefe Lagen.

 

Die Schneedecke war an Südhängen unterhalb von rund 2300 m durchnässt, an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m. Darüber lagen trockene Schwachschichten innerhalb des Neu- und Triebschnees, vor allem im Wallis und in Graubünden teils aber auch im oberen Teil der Altschneedecke.

Diese komplexe Situation am Übergang vom Winter zum Frühling, kombiniert mit viel Wind und starken Niederschlägen, führte zu vielen nassen und trockenen Lawinen. Diese erreichten oft mittlere, teils aber auch gross Ausmasse. In den schneeärmeren, südlicheren Gebieten rissen die Lawinen teils bis in bodennahe Schichten durch (Abbildung 53). In den Hauptniederschlagsgebieten rissen die Lawinen in ihrer Sturzbahn oft viel nassen Schnee mit und stiessen teils bis in die Täler vor.

 

(9)      5. bis 8. April: Markante Nass- und Gleitschneelawinen Periode

Bis am Morgen des 5. April fielen ganz im Westen 20 bis 40 cm Schnee, im Süden 15 bis 30 cm. Nach einer bedeckten Nacht herrschte tagsüber typisches Aprilwetter mit sonnigen Abschnitten und Quellwolken. Auch wenn es mit etwa 0 °C auf 2000 m nicht sonderlich warm war, führten die Sonneneinstrahlung und die feuchte Luft zu einer hohen Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen.

Vom 6. bis 8. April lag die Nullgradgrenze im Norden bei etwa 3000 m (Abbildung 54), und auf 2000 m wurden am 7./8. April in den Föhngebieten Tageshöchsttemperaturen von bis zu 12 Grad gemessen. Nach einer etwas kleineren Lawinenaktivität am 6. April, erreichte diese am 7./8. wieder hohe Werte. Aufgrund der grossen Schneemengen wurden die Lawinen teils gross (Abbildung 55), verursachten aber nur wenige Schäden.

 

(10)      17. bis 20. April: nicht sehr viele, aber teils grosse Nassschneelawinen im Tagesverlauf

Nach einer teils bewölkten Nacht auf den 17. April stellte sich Hochdruckwetter mit sonnigen Tagen und klaren Nächten ein. Es wurde frühsommerlich warm mit einer Nullgradgrenze auf bis zu 3500 m. Am Morgen waren die Lawinenverhältnisse recht günstig. Im Tagesverlauf stieg die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen jeweils markant an. Mit ihrer ersten Anfeuchtung wurde die Schneedecke an Nordhängen in einem Höhenband von ca. 2200 bis 2600 m geschwächt. Dabei wurden besonders im Engadin und in Mittelbünden auch einzelne grosse Schneebrettlawinen beobachtet (Abbildung 56). An steilen Ost-, Süd- und Westhängen war die Durchfeuchtung bereits bis in grössere Höhen fortgeschritten. Dort brachen nasse Lawinen bis in Höhenlagen von 3000 m an, wobei Südhänge teils grossflächig entladen wurden. Einige Lawinen verursachten Sachschäden an Verkehrswegen.

Trotz des weiter anhaltenden, warmen Wetters gingen mit der Zeit immer weniger Lawinen pro Tag ab. Aufgrund der verbreitet mächtigen Schneedecke waren diese vereinzelt aber beeindruckend gross.

 
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Abb. 56/1: Sehr grosse Nassschneelawine, die an einem NW-Hang auf rund 2600 m anriss...
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Abb. 56/2: ...und durchs Val Verda (Zernez, GR) bis in den Inn vorstiess (Fotos: F. Guler, 17.04.2018).
 

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Lawinenbulletins und Gefahrenstufen

 

Lawinenbulletins

Während des hydrologischen Jahres 2017/2018 wurden 200 Lawinenbulletins veröffentlicht (Abendausgaben), vom 10.11.2017 bis am 07.05.2018 täglich (Tabelle 8). Die 177 Bulletins vom 11.11.2017 bis am 06.05.2018 enthielten eine Gefahrenkarte, alle anderen wurden im Textformat verfasst. In der Hauptsaison wurde vom 9. Dezember bis am 15. April jeweils zusätzlich um 8 Uhr ein Morgenbulletin herausgegeben, ebenfalls mit Gefahrenkarte.

 

Gefahrenstufen (Alpen)

Bereits Mitte November herrschte in den Schweizer Alpen während 5 Tagen verbreitet Gefahrenstufe 3 (erheblich). Danach entspannte sich die Situation. Ab dem 8. Dezember liessen verschiedene Schneefälle die Lawinengefahr erneut ansteigen (Abbildung 57). Bis am 25. Januar lag sie oft und verbreitet auf Stufe 3 (erheblich). Mit der anfangs noch schwachen Schneedecke wurde ab dem 9. Dezember wiederholt die Stufe 4 (gross) erreicht. Meist waren davon nur kleinere Gebiete und dort vor allem Wintersportler im freien Gelände betroffen. Am 4./5. Januar wurde die Gefahrenstufe 4 dann erstmals in diesem Winter grossflächig herausgegeben, wobei dieses Mal auch Verkehrswege verbreitet gefährdet waren. Im Wesentlichen davon betroffen waren der gesamte Alpennordhang ohne die Voralpen, das Wallis und grosse Teile Graubündens.

Während sich in der Folge die Situation im Norden etwas entspannte, erhielt das südliche Oberwallis nochmals viel Schnee, so dass für die Vispertäler und das Simplon Gebiet am 9. Januar die höchste Gefahrenstufe 5 (sehr gross) herausgegeben werden musste.

Nach einer nur kurzen Beruhigung folgten intensive Schneefälle und damit ab dem 16. Januar wiederum oft grosse Lawinengefahr (Stufe 4), am Ende der Periode am 22. Januar sogar grossflächig sehr grosse Lawinengefahr (Stufe 5). Nach dem Ende der Schneefälle in der Nacht konnte die Lawinengefahr am Morgen des 23. Januars bereits zurückgestuft werden. Die Lawinengefahr nahm in der Folge rasch ab, und schon am Abend des 23. Januars wurde nur noch vor Gefahrenstufe 3 (erheblich) gewarnt. Die Lawinensituation wurde in der Folge zunehmend günstig.

Ab dem 12. Februar wurden wiederholt langlebige Schwachschichten eingeschneit. Auch wenn vergleichsweise wenig Schnee fiel und die tieferen Schichten der Schneedecke weitgehend stabil waren, führte dies trotzdem zu einer teils mässigen, oft aber auch erheblichen Lawinengefahr (Stufen 2 und 3).

Wegen dem kalten März setzte die Durchfeuchtung der Schneedecke erst spät ein. Deshalb wurde erst am 4. April mit der ersten Doppelkarte vor einem Anstieg der Lawinengefahr im Tagesverlauf gewarnt. Mitte April erst folgte die erste längere Periode des Winters mit grossflächig geringer Gefahr (Stufe 1) von trockenen Lawinen.

Insgesamt wurde an 2½ Tagen die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) herausgegeben. Die Stufe 4 (gross) wurde an 22 Tagen verwendet. An einem einzigen dieser Tage, dem 18. April, wurde die Stufe 4 in der Doppelkarte für nasse Lawinen im Tagesverlauf verwendet. Im Nachhinein war die Lawinenaktivität an diesem Tag dann aber kleiner als erwartet, so dass die Stufe 3 (erheblich) ausgereicht hätte.

 

Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen für die Alpen häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel (Abbildungen 58 und 59). Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.8 % dreieinhalbmal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre (1.1 %). Die Stufe 5 (sehr gross) wurde grossflächig an 1.5 Tagen heraus gegeben. Sie war seit 2008 nicht mehr verwendet worden, und auch damals nur für ein kleines Gebiet. Zum letzten Mal grossflächig prognostiziert wurde die Stufe 5 im Lawinenwinter 1999, damals aber über eine längere Zeitspanne. Günstige Situationen mit Gefahrenstufe 1 (gering) dagegen waren mit 12 % deutlich seltener als im langjährigen Mittel (21 %).

 

Gefahreneinschätzung im Jura

Bis zum Winter 2016/17 wurde für den Jura nur ein Lawinenbulletin herausgegeben, wenn dort mindestens eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) herrschte. Seit dem Winter 2017/18 wird der Jura, eine genügende Schneelage vorausgesetzt, in jedem Lawinenbulletin eingeschätzt. Er wird damit gleich behandelt wie die Schweizer Alpen und Liechtenstein. Für diese Erweiterung des Lawinenbulletins wurden die drei vom SLF bisher benutzten, grossen Regionen aufgeteilt in die 18 Jura-Warnregionen von MeteoSchweiz und BAFU. Eingeschätzt werden im Lawinenbulletin normalerweise aber nur die 12 Warnregionen, die Erhebungen von mindestens 1000 m Meereshöhe enthalten.

Wegen der kleineren Meereshöhen wurde im Jura in zwei Drittel der Fälle die Gefahrenstufe 1 (gering) herausgegeben, in den Alpen gerade mal in jedem Achten Fall. Die hohen Stufen (4, gross und 5, sehr gross) wurden im Jura nicht verwendet. Weil vom Gelände her kaum grosse Lawinen möglich sind, ist im Jura generell nicht mit einer Anwendung der Stufen 4 und 5 zu rechnen. Wegen dieser Unterschiede erfolgt die Auswertung der verwendeten Gefahrenstufen ab diesem Winterbericht jeweils separat für die Alpen (Abbildungen 57 bis 59) und den Jura (Abbildungen 60 und 61). Im Winter 2017/18 wurde im Jura die Gefahrenstufe nur an 10 Tagen regional differenziert.

 

Verwendung der Gefahrenstufe 4

Die Lawinengefahrenstufen sind europäisch normiert, wobei die wenig detaillierte Definition der Gefahrenstufen einen grossen Interpretationsspielraum zulassen. Zudem lässt sich die reale Lawinengefahr in der Regel nicht exakt messen. Die Verwendung der Gefahrenstufe durch die Lawinenwarndienste ist deshalb trotz der einheitlichen Skala immer auch etwas subjektiv geprägt.

Mit dem Ziel eines möglichst gleichmässigen Einsatzes der Gefahrenstufen, sowohl über die Zeit als auch durch die verschiedenen Lawinenwarndienste, wurde deren Verwendung statistisch untersucht. Für die Schweiz zeigte sich dabei folgendes:

  • Von 2007 bis 2017 wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) an 1.1 % der Prognosetage und Warnregionen ausgegeben (Abbildung 58). Dies ist nur noch halb so viel, wie in den 10 Jahren davor mit 2.2 %.
  • Das SLF verwendet die Gefahrenstufe 4 deutlich seltener als die angrenzenden Alpenländer Frankreich, Italien und Österreich.

Weil sich diese Unterschiede nicht schneeklimatologisch erklären lassen, gründen sie in einer unterschiedlichen Interpretation der Gefahrenstufen. Im Zuge der angestrebten Harmonisierung versucht die Lawinenwarnung am SLF deshalb seit 2017/18, die Gefahrenstufe 4 (gross) etwas häufiger zu verwenden als in den Jahren davor. Damit soll auch die heute sehr grosse Breite der Stufe 3 (erheblich) etwas reduziert werden. Gleichzeitig ist es das Ziel anderer Länder, die Stufe 4 etwas weniger häufig zu verwenden.

Inwieweit diese Harmonisierung gelingt, kann nach dem ersten Jahr noch nicht beurteilt werden. Im Winter 2017/18 wurde in der Schweiz die Stufe 4 mit 3.8 % zwar tatsächlich weit häufiger verwendet als üblich, doch ist das in einem Winter mit diversen Grossschneefällen ohnehin zu erwarten.

Typische Lawinenprobleme

Die Verwendung der 5 typischen Lawinenprobleme im Lawinenbulletin ist in Tabelle 9 und in Abbildung 62 dargestellt. Bei (mehrheitlich) günstigen Lawinensituationen kann die Gefahr manchmal nicht klar den typischen Lawinenproblemen zugeordnet werden. In diesen Fällen wurde bis zum Winter 2016/17 das typische Lawinenproblem ersetzt durch „günstige Situation“. Auf Empfehlung der EAWS wurde ab dem Winter 2017/18 auf „günstige Situation“ verzichtet, und stattdessen in solchen Fällen das typische Lawinenproblem weggelassen. Im Winter 2017/18 war das vor allem im Jura oft der Fall.

Neuschnee

Das Neuschneeproblem wurde in den Schweizer Alpen inkl. Liechtenstein mit 27 % am wenigsten verwendet, in den niederschlagsarmen inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens noch etwas seltener als in den übrigen Gebieten. Deutlich seltener wurde das Neuschneeproblem in den Voralpen verwendet, weil dort der Niederschlag an gewissen Tagen als Regen fiel.

Im Jura wurde das Neuschneemuster fast nie verwendet (0.7 %). Weil der Neuschnee meist mit starkem oder stürmischem Wind fiel, war dort auch bei Neuschnee meist das Triebschneeproblem dominant.

Triebschnee

Mit 82 % in den Alpen und 42 % im Jura wurde das Triebschneeproblem am meisten verwendet. Weil es bei einer so häufigen Verwendung wenig spezifisch ist, sucht die Lawinenwarnung nach Möglichkeiten, es in Zukunft etwas weniger oft einzusetzen.

Obwohl im Jura oft kräftige Winde bliesen, wurde dort nur halb so oft vor Triebschnee gewarnt als in den Alpen. Oft fehlte es an verfrachtbarem Schnee, nachdem die Schneedecke von Regen oder Wärme durchnässt worden war.

Altschnee

In den Alpen wurde an der Hälfte der Tage vor einem Altschneeproblem gewarnt, im Jura nur an 2 % der Tage. Für das Altschneeproblem verantwortlich waren bis im Dezember vor allem bodennahen Schwachschichten, ab Februar dann vor allem Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke. Wie üblich wurde es in den inneralpinen Gebieten am häufigsten verwendet. Dabei war das Wallis mit seinen stark überdurchschnittlichen Schneehöhen etwas weniger betroffen als Graubünden. Unüblich lange vorhanden war das Altschneeproblem dieses Jahr im Süden. Am Alpennordhang und im Jura dagegen hatten teils stürmische Winde und wiederholte Wärmeeinbrüche die Schneedecke besser stabilisiert.

Nasse Lawinen

Nasse Lawinen waren mit 35 % in den Alpen und 27 % im Jura das am zweitwenigsten verwendete Lawinenproblem. Die räumliche Verteilung war recht ausgeglichen, auch wenn die Alpen nördlich einer Linie Rhone – Rhein tendenziell etwas häufiger betroffen waren als die anderen Gebiete.

Gleitschneelawinen

Gleitschneelawinen sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen vor allem nördlich einer Linie Rhone – Rhein, im westlichsten Unterwallis und im Prättigau eine anhaltende Bedrohung. Dies äussert sich in 59 % Erwähnungen in den Alpen bzw. 23 % im Jura. In den meisten Fällen wurde vor Gleitschneelawinen nicht als Hauptgefahr, sondern als „Weitere Gefahr“ gewarnt.

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Sommer 2018 (Juni bis September)

Klimatologisch

Alle Sommermonate waren zu trocken und viel zu warm, mit Temperatur-Spitzenplätzen zwischen dem zweiten und fünften Rang, bzw. etwa dem 8. Rang im September. Als Folge davon war auch der Sommer der drittwärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz, nach 2003 und 2015. Zudem waren alle Sommermonate zu trocken. Der viele Schnee des Winters schmolz auch im Hochgebirge schnell dahin, übrig blieben bald nur noch die grossen Lawinenablagerungen (Abbildung 63). Bereits im August waren die Berge weitestgehend ausgeapert, mit Ausnahme der Nordhänge an den höchsten Gipfeln.

 

Temperaturverlauf und Perioden erhöhter Lawinengefahr

Kaltlufteinbrüche mit bedeutenden Niederschlägen waren in diesem Sommer nur selten (Abbildung 64). Die wichtigsten Perioden mit erhöhter Lawinengefahr sind nachfolgend aufgelistet.

 

1)   Drei Lawinenunfälle an Tagen mit einer Nullgradgrenze über 4000 m

Im Juni war es oft sonnig und warm. Die Lawinengefahr ging vor allem noch vom Nassschnee aus, doch wurden dem SLF nur noch wenige Lawinen gemeldet. Leider waren dabei auch drei Lawinen mit Personenschäden, alle an Tagen mit einer Nullgradgrenze auf über 4000 m. Eine dieser Lawinen forderte am 10. Juni ein Todesopfer an der Lenzspitze Nordostwand.

Bei oft flacher Druckverteilung gewitterte es immer wieder, lokal auch heftig. Nach zwei eher trüben und teils nassen Tagen zog in der Nacht auf den 13. Juni eine Kaltfront über die Alpen. Vom 11. bis 13. Juni fielen insgesamt bis zu 60 mm Regen, bzw. 60 cm Schnee oberhalb von 3500 m. Auch wenn die Kriterien für ein situationsbezogenes Sommer-Lawinenbulletin nicht erreicht wurden, war damit an den höchsten Gipfeln die Lawinengefahr zu beachten.

2)   31. August bis 1. September: Im Hochgebirge gebietsweise viel Neuschnee und kritische Lawinensituation.

Der Juli und der August waren überwiegend sonnig und heiss. Die Nullgradgrenze lag konstant über 3000 m, teils sogar auf rund 5000 m. Um den 5., sowie am 15. und 20. Juli fielen gebietsweise jeweils etwa 30 cm Neuschnee. Das aber erst oberhalb von rund 3500 m. Erst am 24./25. August liess eine Kaltfront die Schneefallgrenze auf 2000 m sinken. Sie brachte mit 10 bis 20 mm aber nur wenig Niederschlag. Vom 31. August bis am 1. September fielen im Osten verbreitet 40 bis 60 mm Regen, im Hochgebirge ebenso viele Zentimeter Schnee. Am meisten Schnee fiel in den Gipfellagen des Bernina Gebiets mit etwa 80 cm. Im ersten Lawinenbulletin des Sommers wurde vor kritischen Lawinenverhältnissen im Hochgebirge gewarnt. Unterhalb von rund 3000 m bestand kaum Lawinengefahr. Die Schneefallgrenze sank im Nordosten zwar kurzzeitig auf 2200 m, doch fiel auf dieser Höhe nur wenig Schnee.

3)   23./24. September: Sturmtief bringt Schnee bis zur Waldgrenze

Anfangs und Mitte September fielen gebietsweise bedeutendere Niederschlagsmengen. Weil sie aber auch auf den höchsten Gipfeln zu einem Grossteil als Regen fielen, beeinflussten sie die Lawinengefahr kaum. Erst in der Nacht auf den 24. September brachte eine markante Kaltfront Abkühlung kombiniert mit Niederschlag. Mit starkem und lokal stürmischem West- bis Nordwestwind sank die Schneefallgrenze von ca. 3400 m bis in den Bereich der Waldgrenze. Am meisten Schnee fiel von den Obwaldner über die nördlichen Urner bis zu den St. Galler Alpen mit 25 bis 45 cm. Die ganzen Schneemengen wurden nur auf den höchsten Gipfeln des Hochgebirges erreicht. Dort musste mit einer heiklen Lawinensituation gerechnet werden.

Danach war es bis Ende Monat meist sonnig, und auch im Nordosten wieder warm.

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Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar

 

Vom 21. bis 23. Januar erlebten die Schweizer Alpen die grösste dreitägige Lawinenperiode seit dem Lawinenwinter 1999. Schon seit dem 15. Januar schneite es anhaltend und am Schluss intensiv. Dabei wurden in der Höhe vielfach Rekordschneehöhen für die Jahreszeit erreicht. Anhaltend starker bis stürmischer Westwind und ein Anstieg der Schneefallgrenze auf 2000 m führten verbreitet zu einer sehr grossen Lawinengefahr (Stufe 5). Es gingen viele grosse und gebietsweise auch sehr grosse spontane Lawinen nieder. Dies führte zu vielen Sachschäden. Die Bewohner der Alpentäler und die Gäste selbst blieben aber verschont.

 

Wetter

Temperatur

Die Temperatur und damit auch die Schneefallgrenze variierten während dem Niederschlagsereignis oft und stark (Abbildung 65). Längere Zeit lag die Schneefallgrenze im Bereich von 1500 m. Dazwischen fiel sie am 17., am 19./20. und abermals kurzzeitig am 21. Januar jeweils bis in tiefe Lagen. Gegen den Schluss des Ereignisses, am Nachmittag des 22. Januars, stieg sie auf 1800 bis 2000 m, lokal sogar noch höher.

Insgesamt verzeichnete 2018 den wärmsten Januar seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. Massgebend war dabei der sehr grosse Wärmeüberschuss in tiefen Lagen. Bereits Anfangs Januar regnete es im Norden bis auf 2000 m, gegen Ende der Niederschlagsperiode dann in allen Gebieten. Damit lag unterhalb von rund 1300 m nur wenig Schnee. Zum Zeitpunkt der grössten Lawinenaktivität am 22./23. Januar war der Schnee unterhalb von rund 2000 m feucht.

 

Niederschlag und Wind

Mit anhaltend starkem bis stürmischem West- bis Nordwestwind fiel vom Abend des 15. bis am Morgen des 23. Januars anhaltend Niederschlag (Abbildungen 66 bis 69, 71). Eine längere trockene Phase gab es nur am 20. Januar.

15. bis 19. Januar

In der Nacht auf den 16. Januar schneite es im Wallis, im Gotthardgebiet sowie am zentralen und östlichen Alpennordhang etwa 10 cm. In den folgenden vier Tagen fielen vor allem am nördlichen Alpenkamm und im Wallis täglich etwa 20 bis 40 cm Schnee, wobei die Neuschneemengen aufgrund des zeitweise schauerartigen Charakters der Niederschläge lokal unterschiedlich ausfielen (Abbildung 66). Im Süden und im Engadin waren die Neuschneemengen deutlich kleiner. Die Schneefallgrenze schwankte zwischen den Niederungen und 1600 m (Abbildung 65).

Damit fielen im ersten Teil der Niederschlagsperiode, vom Abend des 15. bis am Morgen des 20. Januars oberhalb von 1800 m insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 67):

  • nördliches Wallis, Waadtländer Alpen, Oberwallis, östlicher Alpennordhang: 100 bis 130 cm, lokal bis 160 cm
  • übriger Alpennordhang, südliches Unterwallis, nordwestliches Tessin, Nordbünden, nördliches Unterengadin: 60 bis 100 cm
  • übriges nördliches Tessin, Mittelbünden, übriges Unterengadin: 30 bis 60 cm
  • übrige Gebiete: weniger als 30 cm

Begleitet wurden diese Schneefälle von starken bis stürmischen Westwinden. Mit anhaltend gleicher Windrichtung entstanden vor allem an Osthängen mächtige Triebschneeansammlungen. Am 19. Januar liess der Wind am Abend etwas nach und wehte verbreitet schwach bis mässig aus Nordwest.

 
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Abb. 66/1: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 16. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (15. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 66/2: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 17. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (16. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 66/3: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 18. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (17. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 66/4: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 19. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (18. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 66/5: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 20. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (19. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
 
 

21. bis 23. Januar

Am 20. Januar erhielten der zentrale Alpensüdhang ohne Gotthardgebiet, Teile Mittelbündens, das Engadin und die angrenzenden Südtäler wenige Sonnenstunden. Auch in den übrigen Gebieten war es vorübergehend trocken, aber bedeckt. In der Nacht auf den 21. Januar setzten erneut intensive Niederschläge ein, bei denen im Wallis und im Norden gebietsweise etwa 80 cm Schnee innerhalb von 24 Stunden fielen (Abbildung 68). Die Schneefallgrenze stieg am 22. Januar markant an, im Westen und im Norden bis auf rund 2000 m. Danach fiel sie wieder leicht ab (Abbildung 65). In der Nacht auf den 23. Januar endeten die Niederschläge, und tagsüber war es oberhalb von 2000 m recht sonnig.

Auch diese Schneefälle wurden von starken bis stürmischen West- bis Nordwestwinden begleitet. Damit wuchsen die bereits mächtigen Triebschneeansammlungen der Vortage weiter an. In der Nacht auf den 23. Januar nahm der Wind von Westen her langsam ab und blies nur noch im Hochgebirge und im Engadin stark bis stürmisch. Im Süden blies in der Nacht auf den 23. Januar starker Nordwind bis in die Täler.

 
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Abb. 68/1: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 21. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (20. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 68/2: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 22. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (21. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
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Abb. 68/3: 1 Tages-Neuschneemengen oberhalb von 1800 m, gemessen am 23. Januar um 08:00 Uhr an den manuellen Messfeldern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen (oben). In der Mitte dieser Niederschlagsperiode (22. Januar, 20:00 Uhr) von den IMIS-Windstationen und von MeteoSchweiz gemessener Wind (unten).
 

Damit fielen im zweiten Teil der Niederschlagsperiode vom Abend des 20. bis am Morgen des 23. Januars oberhalb von 2200 m insgesamt folgende Schneemengen (Abbildung 69):

  • Gebiete nördlich einer Linie Rhone-Rhein, Wallis, Gotthardgebiet, Nordbünden und Unterengadin: 100 bis 150 cm, im nördlichen Wallis lokal bis zu 170 cm
  • übrige Gebiete: 60 bis 100 cm, ganz im Süden weniger
 

Diese Schneemengen sind gross und teilweise auch aussergewöhnlich. Je nach Region treten sie ca. alle 10 bis 50 Jahre auf (Abbildung 70). Stationen mit Jährlichkeiten von mehr als 20 Jahren treten fast ausnahmslos im sonst eher niederschlagsarmen Wallis und den direkt angrenzenden Gebieten auf.

Weil die berechnete Jährlichkeit stark von der Länge der vorhandenen Messreihe abhängt, wurden  nur Messstationen berücksichtigt, die bereits im Lawinenwinter 1999 operationell waren, d.h. mindestens 20 Jahre alt sind. Dies reduziert das IMIS-Netz auf rund 30 Stationen.  Manuelle Stationen mit langjährigen Messreihen gibt es zwar viel mehr, aber viele davon liegen eher tief. Auf Grund der relativ hohen Schneefallgrenze werden in diesem Ereignis die Jährlichkeiten nur für Stationen oberhalb von 1500 m gezeigt. Wirklich aussergewöhnliche Schneemengen verzeichneten fast nur Stationen oberhalb von 2000 m. Manuelle langjährige Stationen in dieser Höhenzone gibt es nur gerade 8, wovon alle ausser Weissfluhjoch erst seit ca. 30 Jahren operationell sind. Der Einfluss der Länge der Messreihe auf die Jährlichkeiten wird am Beispiel der 25 Tages-Neuschneesumme gezeigt (Abb. 74).

Fehlerhafte Inputdaten oder Lawinenabgänge auf die Stationen können dazu führen, dass an IMIS-Stationen falsche Neuschneemengen berechnet werden. Deshalb wurden  Perioden mit bekannten Lawinenabgängen oder offensichtlich falschen Extremwerten von der Analyse ausgeschlossen. Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass fehlerhafte Extremwerte im „normalen“ Bereich manchmal nicht als solche erkannt werden.  Solche falschen jährlichen Extremwerte können an IMIS-Stationen zu einer Unterschätzung der Jährlichkeiten eines richtigen modellierten Ereignisses führen. Häufig treten Extremwerte während Sturmperioden auf, so auch in diesem Januar. Dabei kann der Wind die Werte auf die eine oder andere Weise beeinflussen. So kann die Schneehöhe z.B. trotz starkem Schneefall abnehmen, weil gleichzeitig die Winderosion grösser ist.

 

7 Tages-Neuschneesumme am 23. Januar

Insgesamt fielen in dieser einwöchigen Niederschlagsperiode bis am Morgen des 23. Januars oberhalb von rund 2200 m folgende Schneemengen (Abbildung 71):

  • Wallis, nördlicher Alpenkamm und Graubünden von Arosa bis ins Samnaun: 2 bis 3 m, im nördlichen Unterwallis und den Glarner Alpen teils noch mehr
  • übrige Gebiete: verbreitet 1 bis 2 m, gegen Süden weniger

Mit 2 bis 3 m sind die gemessenen 7-Tages-Neuschneesummen (Summe des täglich gemessenen Neuschnees) aussergewöhnlich. In den sonst eher niederschlagsarmen Gebieten des Wallis und Graubündens kommen diese Mengen vielfach nur alle 15 bis 30 Jahre vor. Die grössten Jährlichkeiten (> 40 Jahre) zeigen sich an einzelnen Stationen im Wallis oberhalb 2000 m (Abbildung 72). Verschiedene Stationen erreichten am 23. Januar 2017 neue Rekordwerte der 7-Tages-Neuschneesummen (Tabelle 10):

 
 

25 Tages-Neuschneesumme am 23. Januar

Bereits in den Wochen vor diesem Niederschlagsereignis gab es vor allem im südlichen Wallis, im Oberwallis und im nordwestlichen Tessin grössere Schneefälle vom 28. Dezember bis zum 5. Januar und vom 8. bis 10. Januar, was bis zum 23. Januar eine Neuschneesumme über 27 Tage ergäbe. Im Folgenden fokussieren wir aber auf die 25 Tages-Neuschneesumme, weil das besonders betroffene Gebiet der Vispertäler die grössten Jährlichkeiten über 25 Tage zeigt, und die Unterschiede in der Jährlichkeit sonst nur klein sind.

Ab dem 30. Dezember summierten sich innerhalb von 25 Tagen oberhalb von rund 2200 m folgende Neuschneemengen (Abbildung 73):

  • Wallis und westliche Teile des Gotthardgebiets: 4 bis 5 m, im nördlichen Unterwallis, am Oberwalliser Alpenhauptkamm und im Bedretto teils mehr
  • übrige Gebiete des nördlichen Alpenkamms und des nordwestlichen Tessins, Nordbünden und nördliches Unterengadin: 3 bis 4 m
  • übrige Gebiete: verbreitet 2 bis 3 m

Verschiedene Stationen erreichten am 23. Januar 2018 neue Rekordwerte der 25-Tages-Neuschneesummen (Tabelle 11). Die Station Triftchumme (ZER2) mass ebenfalls sehr hohe Werte, wurde aber am 4. Januar von einer Lawine getroffen, sodass dort keine saubere Auswertung möglich ist.

 

Eine Analyse der Stationsdaten mit mindestens 20 Jahren Länge zeigt für die 25-Tages-Neuschneesummen folgende Jährlichkeiten (Abbildung 74, oben):

  • Tallagen der hinteren Vispertäler: ca. 70 Jahre
  • übriges Wallis: 10 bis 40 Jahre
  • Gotthardgebiet und nördliches Graubünden: 15 bis 25 Jahre

Um den Einfluss der Datenreihenlänge auf die Jährlichkeit zu zeigen, wird in Abb. 74 (unten) dieselbe Analyse gezeigt, wenn bei allen Stationen jeweils nur die Daten der letzten 20 Jahre (1999-2018) verwendet werden. Damit werden die Unterschiede zwischen den Stationen kleiner. Vor allem die grossen Jährlichkeiten der ursprünglich 70 jährigen Reihen Zermatt und Saas-Fee in den Vispertälern schrumpfen um rund die Hälfte auf nur noch 25 bis 40 Jahre. Grund der Reduktion ist, dass die Einzigartigkeit der 2018 Rekordwerte in den kürzeren Reihen weniger stark zu Tage treten. Es gibt es aber auch den andern Fall, dass die Jährlichkeit anwächst. In Grächen mit seiner 50 Jährigen Messreihe  z.B. von 8 auf 28 Jahre. In diesem Fall liegt 2018 auf Rang 8, und die 7 schneereicheren Winter traten alle vor 1999 auf.

 

Vergleich mit Februar 1999

Auch 1999, im letzten grossen Lawinenwinter, folgten sich kurz hintereinander drei Niederschlagsperioden (siehe Ereignisanalyse Lawinenwinter 1999). Dabei waren 1999 die Pausen zwischen den Schneefallperioden kürzer, so dass sich damals die Schneedecke zwischenzeitlich weniger stabilisieren konnte. Wie im aktuellen Winter war auch 1999 die letzte der drei Niederschlagsperioden die intensivste. Sie hatte in den niederschlagsreichsten Regionen in 9 Tagen Neuschneesummen zwischen 2.5 und 3.5 m gebracht. Allerdings wurden diese maximalen Werte damals am gewöhnlich eher niederschlagsreichen Alpennordhang gemessen. Diese Summen entsprachen aber auch dort einem 75- bis 100-jährlichen Ereignis. Die maximalen Neuschneesummen der letzten Niederschlagsperiode im Februar 1999 waren damit klar grösser als die vom 16. bis 23. Januar 2018.

Für den Lawinenwinter 1999 relevant war die 30-Tages-Neuschneesumme über alle drei Niederschlagsperioden. Am höchsten war diese am Alpennordhang mit 5.5 bis 7.5 m, was einer Jährlichkeit von 60 bis 100 Jahren entsprach.

Im aktuellen Winter dauerte das gesamte Ereignis über die ganze Schweiz gesehen 27 Tage. Deshalb wurde für einen hydrologischen Vergleich auch die grösste 27-Tages-Neuschneesumme des Winters 1999 bestimmt, ebenfalls oberhalb von rund 2000 m (Abbildung 75). Diese lag am Ende der damaligen Niederschlagsperiode, also vom 30 Januar bis 25. Februar und zeigt folgendes:

  • Am meisten Schnee fiel 1999 am Alpennordhang und im nördlichen Unterwallis mit 5 bis 7 m in 27 Tagen. Dies war deutlich mehr als im aktuellen Winter mit gebietsweise 3 bis 4 m.
  • Im aktuellen Winter fielen im Oberwallis 4 bis 5 m Schnee, entlang des Alpenhauptkammes teils noch mehr. Dies war deutlich mehr als 1999 mit 2 bis 4 m.
  • In Nordbünden fielen 1999 verbreitet 4 bis 5 m Schnee, im aktuellen Winter nur 2 bis 4 m.
 

Ein Vergleich der entsprechenden Jährlichkeiten für die 27 Tages-Neuschneesumme in den beiden Wintern zeigt klar grössere Jährlichkeiten im 1999 vor allem am Alpennordhang und in Nordbünden (Abbildung 76). Die einzige Region mit massiv grösseren Jährlichkeiten im 2018 sind die hinteren Vispertäler, die im 1999 nur relative wenig Niederschlag erhielten. Es gilt zu beachten, dass Jährlichkeiten >150 nicht zu stark zu werten sind, da methodenbedingt Jährlichkeiten grösser die dreifache Länge der Datenreihe grosse Unsicherheiten aufweisen.

 

Schneehöhenverlauf

Schneehöhe am 15. Januar

Nach einem frühen Winterstart und wiederholten Schneefällen im November und Dezember waren die Schneehöhen bereits Ende Dezember in der Höhe überdurchschnittlich. Vom 30. Dezember bis am 9. Januar fiel verbreitet viel Niederschlag. Im Norden stieg die Schneefallgrenze mehrmals auf etwa 2000 m. Mitte Januar lagen folgende Schneemengen (Abbildung 77, oben):

  • auf 2500 m verbreitet 1.5 bis 2.5m, im Engadin 0.8 bis 1.5 m
  • auf 2000 m nördlich einer Linie Rhone-Rhein, im Gotthardgebiet sowie im Prättigau verbreitet 1.2 bis 2 m, in den übrigen Gebieten etwa 1 m
  • auf 1500 m verbreitet 0.5 bis 1.2 m

Der Vergleich zum langjährigen Mittel an diesem Kalendertag zeigt folgendes (Abbildung 78, oben):

  • oberhalb von rund 2100 m waren die Schneehöhen überall überdurchschnittlich. Im Westen und im Wallis lagen die Werte klar über dem Durchschnitt, im südlichen Wallis teils stark darüber.
  • zwischen 1600 und 2100 m waren die Schneehöhen verbreitet leicht überdurchschnittlich, im Wallis sogar klar überdurchschnittlich.
  • zwischen 1000 und 1600 m waren die Schneehöhen im Wallis leicht überdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten lagen sie etwa im Durchschnitt, am Alpennordhang und im Süden teils etwas darunter.
 
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Abb. 77/1: Schneehöhe auf 2500 m, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
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Abb. 77/2: Schneehöhe auf 2000 m, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
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Abb. 77/3: Schneehöhe auf 1500 m, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
 

Schneehöhe am 23. Januar

Am Ende der Niederschlagsperiode lagen folgende Schneemengen (Abbildung 77, unten):

  • auf 2500 m verbreitet 2 bis 3 m, in den Waadtländer Alpen, dem nördlichen Unterwallis, dem Oberwallis und in den nördlichen Teilen des zentralen und östlichen Alpennordhanges 3 bis 4 m, im nördlichen Unterwallis sogar mehr als 4 m. Am zentralen Alpensüdhang ohne nordwestliches Tessin, sowie im Oberengadin und den daran angrenzenden Südtälern lag mit 1.5 bis 2 m am wenigsten Schnee.
  • auf 2000 m nördlich einer Linie Rhone-Rhein, im westlichen Unterwallis in Teilen des südlichen Oberwallis, im Gotthardgebiet sowie im Prättigau verbreitet 2 bis 3 m, im nördlichen Unterwallis und Teilen der Glarner Alpen sogar noch mehr. In den übrigen Gebieten lagen 1 bis 2 m Schnee.
  • auf 1500 m lagen verbreitet 1 bis 2 m Schnee, in den Glarner Alpen und im westlichen Gotthardgebiet etwas mehr.

Der Vergleich zum langjährigen Mittel an diesem Kalendertag zeigt folgendes (Abbildung 78, unten):

  • oberhalb von rund 2100 m waren die Schneehöhen am zentralen Alpensüdhang ohne nordwestliches Tessin, sowie im Oberengadin und den daran angrenzenden Südtälern überdurchschnittlich, sonst überall stark überdurchschnittlich. In den südlichen Vispertälern lag gar mehr als 2½-Mal so viel Schnee wie zu dieser Jahreszeit üblich.
  • zwischen 1600 und 2100 m waren die Schneehöhen überall stark überdurchschnittlich. In Teilen des südlichen Wallis und von Davos bis ins nördliche Unterengadin lag sogar mehr als 2½-Mal so viel Schnee wie zu dieser Jahreszeit üblich
  • zwischen 1000 und 1600 m machte sich vor allem im Norden die teils hohe Schneefallgrenze bemerkbar. Weil ein grosser Teil des Niederschlags als Regen gefallen war, waren die Schneehöhen an den Voralpen lokal unterdurchschnittlich und auch am übrigen Alpennordhang nur leicht überdurchschnittlich. In allen anderen Gebieten waren die Schneehöhen auch auf dieser Höhe stark überdurchschnittlich.

So grosse Schneehöhen bereits im Januar sind aussergewöhnlich und werden statistisch an vielen Stationen nur alle 20 bis 100 Jahre erwartet (Abbildung 79). Die grosse Mehrheit der Stationen (12 von 17) mit einer Januar- Schneehöhen Jährlichkeit von mehr als 50 Jahren befindet sich im Wallis. Der Rest Stationen (mit einer Ausnahme) konzentriert sich im östlichen Graubünden.

Infolge des extrem warmen Januars 2018 war die Jährlichkeit der Schneehöhen stark von der Meereshöhe abhängig. Dies zeigt sich gut an den drei Stationen Klosters (1200 m), Davos (1560 m) und Weissfluhjoch (2540 m). Die entsprechenden Jährlichkeiten für die Januar-Schneehöhen (basierend auf den 20 Jahren 1999 bis 2018) betragen 8, 16 und 29 Jahre.

Rund ein Drittel aller langjährigen Beobachterstationen unterhalb von 2000 m hatte an einem 23. Januar noch nie so viel Schnee gemessen wie dieses Jahr. Absolute Rekordschneehöhen an Stationen mit mindestens 20-jähriger Messreihe wurden aber nur an drei Stationen im Wallis und einer Station in Graubünden erreicht (Tabelle 12). Eine Analyse bezogen auf den ganzen Winter zeigt, dass maximale Schneehöhen wie sie 2018 erreicht wurden in den besonders betroffenen Gebieten des Wallis und Graubünden trotzdem nur alle 15 bis 30 Jahre erwartet werden können.

 
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Abb. 78/1: Schneehöhen oberhalb von rund 2100 m im Vergleich zum Mittelwert des entsprechenden Kalendertages, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
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Abb. 78/2: Schneehöhen zwischen 1600 und 2100 m im Vergleich zum Mittelwert des entsprechenden Kalendertages, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
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Abb. 78/3: Schneehöhen zwischen 1000 und 1600 m im Vergleich zum Mittelwert des entsprechenden Kalendertages, gemessen an den manuellen Messfeldern des SLF sowie an den automatischen IMIS-Stationen. Oben die Werte vor der Niederschlagsperiode (15. Januar), unten die Werte danach (23. Januar).
 
 
 

Auch wenn am 23. Januar die maximalen, je gemessenen Schneehöhen nur sehr vereinzelt erreicht wurden, barg eine so grosse Schneehöhe so früh im Winter trotzdem Gefahren:

  • Die Berechnung der Schneelast für die Bemessung der Gebäudedächer ist in der Norm SIA261 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins geregelt. Weil es bis in hohe Lagen geregnet hatte, war die Schneedichte am 23. Januar bereits recht hoch, in Davos z.B. zwischen 250 und 320 kg/m3. Damit betrug die Schneelast in Davos rund 70% der Bemessungsschneelast. Bei weiteren Grossschneefällen im Verlaufe des Winters hätte diese überschritten werden können.
  • Viele Verbauungen waren bereits zu etwa zwei Dritteln mit Schnee gefüllt und vereinzelte Werkreihen insbesondere in Leehängen sogar ganz eingeschneit. Auch hier hätten weitere Grossschneefälle im Verlaufe des Winters zu Problemen geführt.
  • Schäden durch Schneegleiten entstanden zwar kaum direkt während dieser Lawinenperiode, aber im Verlaufe des Winters als Folge der grossen Schneehöhen. Solche Schäden entstanden z.B. an Gebäuden oder Wegen, aber auch durch das Aufreissen des Bodens, was in der Folge Erdrutsche begünstigte.

Vergleich mit Februar 1999

Der Januar 2018 war deutlich wärmer als der Februar 1999. Deshalb fiel der Niederschlag 2018 in tiefen und mittleren Lagen oft als Regen. Damit lag vor allem unterhalb von rund 1300 m viel weniger Schnee als im Februar 1999, und unterhalb von rund 2000 bis 2200 m wurde dieser gegen Ende der Niederschläge feucht. In hohen Lagen erreichten die Schneehöhen am 23. Januar 2018 im südlichen Wallis ähnlich hohe Werte wie im Februar 1999, sonst lagen sie darunter.

 

 

 

Schneedeckenaufbau

Schneedeckenaufbau vor der Lawinenperiode

Vor der Niederschlagsperiode war die Schneedecke am 15. Januar im Norden günstig aufgebaut. Weiche Schichten aus kantigen Körnern, wie sie für Schwachschichten typisch sind, waren kaum vorhanden (Abbildung 80). Im Wallis waren solche potenziellen Schwachschichten zwar vorhanden, aber inzwischen bereits mächtig überlagert und damit nur noch schwer auslösbar. Im Süden und in weiten Teilen Graubündens war der Schneedeckenaufbau etwas weniger günstig. Die potenziellen Schwachschichten waren hier häufiger und zudem weniger stark überdeckt.

Nach einigen schönen Tagen mit klaren Nächten waren die oberflächennahen Schichten an Schattenhängen kantig aufgebaut und locker. Zudem lag an der Oberfläche verbreitet teils grosser Oberflächenreif (Abbildung 81). Die Altschneeoberfläche stellte damit eine potenzielle Schwachschicht für die folgenden Schneefälle dar.

 

Schneedeckenaufbau während der Lawinenperiode

Während der gesamten Niederschlagsperiode blies der Wind immer wieder stark bis stürmisch aus West bis Nordwest. Damit entstanden in immer denselben Windschattenhängen sehr grosse Triebschneeansammlungen. Diese wurden besonders an windgeschützten Hängen und im Bereich der Waldgrenze auf die schwache Altschneeoberfläche vom 15. Januar abgelagert (Abbildung 82). Es ist davon auszugehen, dass viele der am 17./18. Januar abgegangenen, spontanen und im Wallis teils grossen Lawinen in dieser Schicht anrissen

 
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Abb. 82/1: Die Schneeoberfläche vom 15. Januar bildete vor allem an windgeschützten Hängen und im Bereich der Waldgrenze eine prominente Schwachschicht. Sie war vor allem an Schattenhängen oft kantig aufgebaut und weich, wie in diesem Profil, aufgenommen am 21. Januar in Splügen (GR) auf 2083 m.
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Abb. 82/2: Teilweise war auch Oberflächenreif eingeschneit worden, wie in diesem Profil, aufgenommen in Montana (VS) am 22. Januar an einem Südosthang auf 2028 m.
 

In der Folge zeigten Stabilitätstests und Lawinenanrisse, dass sich die Altschneeoberfläche vom 15. Januar im Verlaufe der Niederschlagsperioden etwas stabilisierte. Die Lawinen vom 21. bis 23. Januar rissen zwar teils flächig, aber nicht immer so tiefgründig an, dass die Schneeoberfläche vom 15. Januar als Schwachschicht in Frage käme.

Schneedeckenuntersuchungen während dieser Tage liegen kaum vor. In den später durchgeführten Untersuchungen wurden innerhalb der riesigen Neu- und Triebschneeschichten keine ausgeprägten Schwachschichten mehr gefunden (Abbildung 83). Damit dürften viele Lawinen in kurzlebigen Schwachschichten innerhalb der verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten angebrochen sein. Das erklärt auch die teils hohe Lawinenaktivität an Südosthängen. Diverse Lawinenbilder deuten darauf hin, dass Lawinen auf ihrer Sturzbahn teils grosse Teile der noch frischen Schneedecke mitrissen (grosses Entrainment).

Die tiefen Schwachschichten waren, im Unterschied zu den Lawinenperioden von Anfangs Januar, nur noch sehr vereinzelt störanfällig. Auf den Satellitenbildern jedenfalls war nur eine Hand voll Lawinen sichtbar, die bodennah angerissen waren.

 
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Abb. 83/1: Erstes Schneeprofil vom 24. Januar.Aufgenommen an einem Südhang auf 2883 m in Montana (VS). Das Profil zeigt keinen eingeschneiten Oberflächenreif, wobei offen bleibt, ob dieser nicht eingeschneit oder in der Zwischenzeit abgebaut wurde. Innerhalb der verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten der letzten Niederschlagsperiode konnten zwar noch Brüche erzeugt werden, doch breiteten sich diese nicht mehr über den ganzen Block aus. Schichten des Vorwinters bilden einen schwachen Fuss.
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Abb. 83/2: Zweites Schneeprofil vom 24. Januar. Aufgenommen an einem Osthang auf 2553 m auf dem Kartigelfirn (Wassen, UR). Das Profile zeigt keinen eingeschneiten Oberflächenreif, wobei offen bleibt, ob dieser nicht eingeschneit oder in der Zwischenzeit abgebaut wurde. Innerhalb der verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten der letzten Niederschlagsperiode konnte zwar noch ein Bruch erzeugt werden, doch breiteten sich diese nicht mehr über den ganzen Block aus. Die untersten 85 cm wurden nicht untersucht.
 

Mit der stark schwankenden Schneefallgrenze wurde die Schneeoberfläche in mittleren Lagen immer wieder angefeuchtet (Abbildung 84). Dies führte vor allem am 22. Januar unterhalb von rund 2200 m zu teils grossen, nassen Lawinen, die bis ins Grüne vorstiessen. Gleichzeitig aber bremste der feuchte Schnee weiter oben trocken angerissene Staublawinen auf ihrem Weg ins Tal. Unterhalb von rund 1300 m lag nur wenig Schnee.

 

Vergleich mit Februar 1999

Im Winter 1998/99 waren die Schneehöhen bis im Januar nur durchschnittlich. Vor den Grossschneefällen war die Schneedecke teils kantig aufgebaut mit mehreren eingelagerten Krusten. Sie war damit meist schwächer als im Winter 2017/18.

  • Trotzdem wurde die Altschneedecke in der ersten Grossschneefallperiode Ende Januar 1999 nur selten mitgerissen. Meist lösten sich die Lawinen am Übergang vom Alt- zum Neuschnee.
  • Beim zweiten Grossschneefall vom 5. bis 12. Februar 1999 setzte die hohe Lawinenaktivität in den schneereichen Gebieten erst ein, als dort in Summe etwa 1.5 m Neuschnee gefallen waren. Die Ablagerungsvolumen waren meist nicht allzu gross. Mit dem kalten, lockeren Schnee an der Oberfläche bildeten sich aber teils grosse Staublawinen. Im Unterschied dazu war der Schnee im Winter 2017/18 in mittleren Lagen meist feucht, sodass Staublawinen auf ihrem Weg ins Tal gebremst wurden.
  • Der dritte und letzte Grossschneefall war der ergiebigste. Die Überlast war inzwischen so gross, dass Lawinen oft bis in bodennahe Schichten rissen. Dies führte zur vielen sehr grossen Lawinen und grossen Schäden vom 22. bis 25. Februar 1999. Im Unterschied dazu war die Basis der Schneedecke im Winter 2017/18 stabiler, sodass nur ganz wenige Lawinen in tiefen Schichten anrissen.


 

Lawinenbulletin und Lawinenaktivität vom 15. bis 20. Januar

Ausgangslage am 15. Januar

Bereits um den 4. Januar, und in den Vispertälern dann sehr ausgeprägt am 9. Januar, waren viele grosse und teils auch sehr grosse Lawinen abgegangen. Damit waren in diesen Gebieten bereits viele Lawinenzüge ausgeglättet. In den Auslaufbereichen bestand zudem die Gefahr, dass neue Lawinen an alten Lawinenablagerungen abgelenkt wurden und die üblichen Bahnen seitlich verliessen.

16. bis 20. Januar

Der viele Neuschnee, starker bis stürmischer Wind und eine teils ungünstige Altschneeoberfläche liessen die Lawinengefahr vielerorts markant ansteigen (Abbildung 85). Neu- und Triebschnee waren anfangs leicht auslösbar, und bereits am 16. Januar gingen im Wallis erste Lawinen spontan ab.

 
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Abb. 85/1: Prognostizierte Lawinengefahr für den 15. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Die Schneedecke war recht stabil, die Lawinensituation mehrheitlich günstig. Allerdings war die Oberfläche teils kantig aufgebaut und verbreitet lag Oberflächenreif.
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Abb. 85/2: Prognostizierte Lawinengefahr für den 16. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Neu- und Triebschnee wurden auf die teils ungünstige Schneeoberfläche abgelagert. Die Lawinengefahr stieg rasch an.
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Abb. 85/3: Prognostizierte Lawinengefahr für den 17. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Weitere Schneefälle. Anstieg der Lawinengefahr, im Wallis gebietsweise auf Stufe 4 (gross). Die Gefährdung betraf v.a. Wintersportler.
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Abb. 85/4: Prognostizierte Lawinengefahr für den 18. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Weitere Schneefälle. Verbreitet Stufe 4 für Wintersportler, im Wallis inzwischen auch exponierte Verkehrswege gefährdet.
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Abb. 85/5: Prognostizierte Lawinengefahr für den 19. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). In den aktuellen Hauptniederschlagsgebieten Stufe 4, vor allem für Wintersportler.
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Abb. 85/6: Prognostizierte Lawinengefahr für den 20. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Mit kurzer Niederschlagspause leichter Rückgang der Lawinengefahr auf Stufe 3 (erheblich).
 

Am 17. Januar wurde im westlichsten und nördlichen Unterwallis die Gefahrenstufe 4 (gross) vorhergesagt, am 18. Januar im gesamten Wallis und in grossen Teilen des Alpennordhangs (Abbildung 85). An beiden Tagen wurden vor allem aus dem Wallis Lawinenabgänge gemeldet (Abbildung 86). Darunter waren am Nachmittag des 17. Januars auch zwei mächtige Staublawinen am Grand Chavalard (Fully, VS) und im Mattertal (VS). Die Beobachtungen dürften aber sehr unvollständig sein, da die Sichtverhältnisse sehr eingeschränkt und viele Skigebiete wegen des Sturms geschlossen waren. Während dieser Phase wurden auch grössere spontane Lawinen von Radaranlagen detektiert. So z.B. in Lawinenzügen, welche die Strasse nach Zermatt (VS) gefährden können und in der SLF-Versuchsanlage in der Vallée de la Sionne (VS). Letztere erreichte eine Geschwindigkeit von über 200 km/h und war damit eine der grössten Staublawinen der letzten Jahre in diesem Gebiet.

 
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Abb. 86/1: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 17. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Vor allem aus dem Wallis und dem nördlichen Unterengadin wurden trockene Lawinen gemeldet. Im Wallis bereits einige grosse.
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Abb. 86/2: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 18. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Aus dem Wallis wurden einige grosse, spontane, trockene Lawinen gemeldet. Diese hatten teils einen hohen Staubanteil.
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Abb. 86/3: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 19. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Lawinenmeldungen aus allen Klimaregionen, teils spontan, teils gesprengt.
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Abb. 86/4: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 20. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Mit der Niederschlagspause nahm auch die Lawinenaktivität ab. Grosse Abgänge aus dem Mattertal gemeldet.
 

Lawinenbulletin vom 21. bis 23. Januar

Vom Abend des 21. bis am Morgen des 23. Januars wurde praktisch im gesamten Wallis, in Teilen des nördlichen Alpenkammes sowie vom Prättigau bis ins Samnaun die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) ausgegeben (Abbildung 87).

 
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Abb. 87/1: Prognostizierte Lawinengefahr für den 21. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Beginn der Lawinenperiode: mit intensiven Schneefällen verbreitet Stufe 4. Überraschend viel Niederschlag in Graubünden, dort Ausdehnung der Stufe 4 im Morgenbulletin.
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Abb. 87/2: Prognostizierte Lawinengefahr für den 22. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Anhaltende Schneefälle und Anstieg der Schneefallgrenze. Grossflächig Stufe 5 (sehr gross), übrige Gebiete meist Stufe 4.
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Abb. 87/3: Prognostizierte Lawinengefahr für den 23. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). In der Nacht noch Niederschlag und Stufe 5. Tagsüber trocken und schneller Rückgang der Lawinengefahr.
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Abb. 87/4: Prognostizierte Lawinengefahr für den 24. Januar. Bulletin vom Vorabend (17 Uhr, oben) und vom Morgen (08 Uhr, unten). Ohne markante Schwachschicht stabilisierte sich die Schneedecke schnell.
 

Lawinenaktivität vom 21. bis 23. Januar

Grösste Lawinenperiode seit 1999

2017/18 war der lawinenreichste Winter seit Beginn der Berechnungen des Lawinenaktivitätsinexes im Winter 2001/02 und damit wohl seit dem Lawinenwinter 1998/99 (Abbildung 88). Vom 21. bis 23. Januar war die grösste 3-tägige Lawinenperiode seit der Lawinenaktivitätsindex berechnet wird, und damit wohl ebenfalls seit Februar 1999.

 

Zeitlicher Verlauf

Der zeitliche Verlauf der Lawinenaktivität wird mit den Beobachtermeldungen und dem daraus berechneten Lawinenaktivitätsindex abgeschätzt (Abbildung 89 bis 91). Im Unterschied zu den Satellitenbildern liegen für diese Lawinen (bekannte oder geschätzte) Abgangsdaten und meist auch Angaben zu Lawinentyp und Feuchtigkeit vor. Allerdings sind diese Daten besonders bei schlechtem Wetter und in abgelegenen Gebieten sehr unvollständig.

Besonders am 22. und 23. Januar gingen sehr viele Lawinen ab, darunter auch viele grosse und mehrfach sehr grosse. Dies führte an beiden Tagen zu einem hohen Lawinenaktivitätsindex. Während der ganzen Periode war die Lawinenaktivität im Wallis am grössten, gefolgt vom Alpennordhang und von Graubünden (Abbildung 89).

 

Am 23. Januar war die Lawinenaktivität im Wallis und in Graubünden etwas weniger hoch als am 22. In Graubünden traf die Erwärmung etwas später ein als in den übrigen Gebiete, sodass hier an beiden Tagen eine ähnlich hohe Lawinenaktivität verzeichnet wurde. Im Zentralen Alpensüdhang beschränkten sich die ergiebigen Niederschläge und damit auch die grösseren Lawinenabgänge im Wesentlichen auf das nordwestliche Tessin. Damit war die Lawinenaktivität im Süden gesamthaft gesehen nur klein.

Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze wurden ab dem 21. Januar in den meisten Gebieten nicht mehr nur trockene, sondern unterhalb von rund 2200 m vermehrt auch nasse Lawinen gemeldet (Abbildung 90). Oft trafen weiter oben trocken angerissen Lawinen in mittleren Lagen auf feuchten Schnee (gemischte Lawinen). Dadurch wurden insbesondere Staublawinen gebremst und drangen kaum bis in tiefe Lagen vor.

 
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Abb. 91/1: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 21. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Aus dem Wallis wurden vermehrt grosse, trockene Lawinen gemeldet. Im Nordosten grosse, feuchte Lawinen.
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Abb. 91/2: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 22. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Viele grosse und mehrfach sehr grosse Lawinen. Am stärksten betroffen waren Wallis, Haslitäler, Davos und nördl. Unterengadin. Im Wallis v.a. trockene und gemischte Lawinen; am Alpennordhang meist nasse oder gemischte; im Graubünden südlich des Vorderrheins v.a. trockene.
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Abb. 91/3: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 23. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Viele grosse und mehrfach sehr grosse Lawinen. Am stärksten betroffen waren das Wallis und Prättigau-Davos. Die meisten Lawinen waren trocken oder gemischt. Vor allem in der Nacht oft spontan, tagsüber meist gesprengt.
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Abb. 91/4: Gefahrenstufe (Bulletin vom Vorabend) und von den SLF-Beobachtern gemeldete Lawinen für den 24. Januar. Dargestellt ist der Lawinenaktivitätsindex AAI in den einzelnen Warnregionen. Bei der schlechter Sicht und in abgelegenen Gebieten werden längst nicht alle Lawinen erfasst. Die Abbildungen geben damit nur einen groben Überblick der Lawinenaktivität: Deutlich geringere Lawinenaktivität als an den Vortagen.
 

Ereignisanalyse

Über die Lawinenperiode vom 21. bis 23. Januar erstellt das SLF im Auftrag des BAFU eine Ereignisanalyse. Kernpunkt ist die Beurteilung der Wirksamkeit der baulichen, raumplanerischen und organisatorischen Massnahmen zum Lawinenschutz. Die Ereignisanalyse wird im Frühling 2019 publiziert.

Zur Dokumentation der Lawinenaktivität wurden von allen Gebieten mit Gefahrenstufe 5 (sehr gross) optische Satellitenbilder mit einer Auflösung von 1.5 m bestellt. Diese wurden am 24. Januar bei wolkenlosem Himmel aufgenommen. Die Bilder erlauben eine recht vollständige Kartierung zumindest der gegen Ende der Schneefälle abgegangenen Lawinen, wobei die Kartierung an Sonnenhängen einfacher war als im Schatten.

Die Auswertung der Satellitenbilder war beim Redaktionsschluss dieses Berichtes noch nicht ganz fertig. Der Zwischenstand sah wie folgt aus:

  • Alle Satellitenbilder waren kartiert. Es wurden mehr als 18‘000 Lawinen erfasst, davon über 3‘000 grosse und 156 sehr grosse (Fläche grösser als 500‘000 m2). Die Kartierungen waren noch nicht kontrolliert, und insbesondere war noch nicht klar, wie viele Lawinen aus früheren Lawinenperioden stammten.
  • In praktisch allen Gebieten mit sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5) gingen viele grosse Lawinen ab. In vielen Regionen wurden auch sehr grosse Lawinen erfasst, am meisten im nördlichen Oberwallis und vom östlichsten Berner Oberland bis in die Urner Alpen. Diese erreichten oder übertrafen aber nur selten die Grösse der Abgänge vom Februar 1999.
 

Schadenlawinen

In dieser 3-tägigen Lawinenperiode kamen zum Glück keine Personen ums Leben, doch entstanden Wald und Flurschäden sowie Sachschäden z.B. an Alphütten, Strassen, Seilbahnen und einer Hochspannungsleitung. Zudem entstanden indirekte Kosten infolge gesperrter Strassen, Bahnen und Skigebiete sowie Evakuationen. Bei Redaktionsschluss dieses Berichtes wurde mit 60 bis 70 Lawinen mit Sachschäden aus diesen drei Tagen gerechnet. Das ist mehr als am 24./25. Februar 2012 mit 40, aber nicht so viele wie im Februar 2003 mit 140 Schadenlawinen in 4 Tagen. Im Februar 1999 waren es mit 1173 Schadenlawinen massiv mehr, und es waren auch bewohnte Häuser betroffen.

Eine endgültige Schadensbilanz war bei Redaktionsschluss noch nicht möglich. Sie wird ebenfalls Teil sein der Ereignisanalyse.

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Winterflash, Ausgabe 3. Mai 2018

 

Nach drei mageren Jahren war 2017/18 zumindest in den Bergen ein „richtiger“ Winter. Über den ganzen Winter betrachtet, war es einer der schneereichsten der letzten 30 Jahre. Bereits im November schneite es im Norden überdurchschnittlich viel. Der Januar war extrem warm und niederschlagsreich. Während es in tiefen Lagen oft regnete, fielen in hohen Lagen enorme Schneemengen. Es kam zu vielen grossen Lawinenabgängen, und am 22. Januar musste erstmals seit dem Lawinenwinter 1999 grossflächig vor „sehr grosser“ Lawinengefahr (Stufe 5) gewarnt werden. Danach waren die tiefen Schichten der Schneedecke gut verfestigt und stabil. Ab Mitte Februar wurden aber wiederholt Schwachschichten eingeschneit, was für Schneesportler zu teils heiklen Verhältnissen führte. Bereits im Hochwinter und dann vermehrt im Frühling gingen viele Gleitschneelawinen ab, die infolge der mächtigen Schneedecke auch grosse Ausmasse annahmen.

Bis Ende April wurden über 250 Schadenlawinen (Personen- oder Sachschäden) gemeldet. Insgesamt starben 26 Personen in Lawinen. Dies liegt etwas über dem langjährigen Mittel von 21 Opfern bis Ende April. Die Opfer waren allesamt Wintersportler. Eine Person wurde auf einem geöffneten Winterwanderweg von einer Lawine getötet, alle anderen im ungesicherten Touren- und Variantengelände.

 

Typische Aspekte des Winters 2017/18

Früher Winterbeginn

Den ganzen November über schneite es an jedem Wochenende, und das teils intensiv. Damit war der Grundstein gelegt für einen aus touristischer Sicht grossartigen Winter. Ende November lag im Norden oberhalb der Waldgrenze bereits 1 m Schnee, und auch der Dezember brachte dynamisches Wetter mit weiteren Schneefällen, dazu aber auch Stürme und wiederholt „grosse“ Lawinengefahr (Stufe 4).

Grossschneefälle und „sehr grosse“ Lawinengefahr (Stufe 5)

Das neue Jahr startete extrem niederschlagsreich und mild, es wurde der wärmste Januar seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1864. In hohen Lagen fielen innerhalb von 25 Tagen verbreitet 2.5 bis 5 m Schnee, wobei die grössten Mengen im sonst eher trockenen Wallis registriert wurden. An gewissen Stationen ist das so viel, wie nur alle 75 Jahre zu erwarten. Am intensivsten waren die Schneefälle am Schluss dieser Periode mit 2 bis 3 m innert einer Woche. Auch diese Mengen sind selten, sie werden nur alle 15 bis 30 Jahre gemessen. Am Ende der Niederschläge, am 22. Januar, stieg die Schneefallgrenze auf etwa 2000 m. Trotz des günstigen Schneedeckenaufbaus musste grossflächig die höchste Gefahrenstufe (5, sehr gross) ausgegeben werden, zum ersten Mal seit dem Lawinenwinter 1999. Vor allem im Wallis und in Teilen Graubündens gingen viele grosse und teils sehr grosse Lawinen ab. Der feuchte Schnee in mittleren Lagen bremste die weiter oben trocken angerissenen Staublawinen auf dem Weg ins Tal, sodass keine Siedlungen getroffen wurden. Teilweise wurden sie aber nur sehr knapp verfehlt. Insgesamt bewährten sich die baulichen, raumplanerischen und organisatorischen Schutzmassnahmen gut, sodass in dieser Periode zwar Sachwerte wie eine Hochspannungsleitung, Alphütten, Strassen und Wald, aber keine Personen zu Schaden kamen.

Der viele Niederschlag im Januar führte oberhalb der Waldgrenze, und ganz besonders im Wallis, zu stark überdurchschnittlichen Schneehöhen. In tiefen Lagen lag nach dem Regen kaum noch Schnee.

Schneebrettauslösungen in oberflächennahen Schwachschichten

Nach den Grossschneefällen vom Januar war die Lawinensituation günstig. In einer zweiwöchigen Kälteperiode Anfang Februar wurde die Schneeoberfläche aber in grosse, kantige Kristalle umgewandelt. Sobald diese eingeschneit wurden, stellten sie eine heikle Schwachschicht dar, in der Wintersportler noch längere Zeit Schneebrettlawinen auslösen konnten. Auch danach wurden immer wieder Schwachschichten eingeschneit und Lawinen durch Personen ausgelöst.

Gleitschneelawinen

Gleitschneelawinen entstehen, wenn die Schneedecke am Übergang zum Boden feucht wird und auf glattem Gras oder Felsplatten grossflächig abrutscht. Sie sind typisch bei frühem Einschneien und in schneereichen Wintern. Diesen Winter waren gleich beide Bedingungen erfüllt, und so waren Gleitschneelawinen eine anhaltende Bedrohung, die leider auch zu zwei tödlichen Unfällen führte. Darunter war auch der grösste Unfall des Winters.

Warmer April und lokal grosse Nassschneelawinen

Wegen des kühlen und oft bewölkten März wurde die Schneedecke erst im April bis in grössere Höhen feucht. Bei den grossen Schneehöhen hatten vor allem die Gleitschneelawinen mächtige Anrisse, weil diese immer die ganze Schneedecke mitreissen. Wegen dem günstigen Schneedeckenaufbau gingen nur lokal grosse Nassschneelawinen ab, sonst hielt sich die Aktivität von nassen Lawinen in Grenzen.

 

Klimatologische Einordnung

Bereits nach den Schneefällen der ersten Novemberhälfte lag oberhalb von rund 1000 m eine durchgehende Winterschneedecke. Ein in den Bergen kalter Dezember mit überdurchschnittlichen Niederschlägen liess diese kontinuierlich anwachsen. In den tiefen Lagen des Zentralwallis fielen am 11. Dezember aussergewöhnliche Schneemengen, wobei die MeteoSchweiz Station Sion (480 m) mit 60 cm Neuschnee innert 24 Stunden einen neuen Rekordwert registrierte. Im Gegensatz zu den letzten zwei schneearmen Frühwintern lag Ende Jahr im Alpenraum rund das Anderthalbfache der normalen Schneemenge.

Der Januar war aussergewöhnlich niederschlagsreich und gleichzeitig der wärmste seit Messbeginn. Dies führte einerseits zum Wegschmelzen des Schnees in tiefen Lagen und andererseits zu extremen Schneemengen in den mittleren und hohen Lagen. Die langjährigen Stationen Saas-Fee und Zermatt registrierten dabei die höchsten Januar-Neuschneesummen seit Messbeginn vor mehr als 70 Jahren. Insgesamt wurden während der 25-tägigen Niederschlagsperiode vom 30. Dezember bis 23. Januar in Teilen des Wallis und Tessins oberhalb 2000 m bis zu 5 m Neuschnee gemessen. Im Vergleich mit der 30-tägigen Neuschneesumme im Januar/Februar 1999 sind das 60 bis 80 % der damals am Alpennordhang gemessenen Neuschneesummen. In der zweiten Januarhälfte erreichte die Schneehöhe an viele Orten in den ganzen Schweizer Alpen neue Rekordwerte für das jeweilige Datum.

Der Februar war kälter und trockener als üblich. Auch der März war eher kühl, aber trüb, und der Süden und die Zentralschweiz erhielten nochmals bedeutende Schneemengen. Die Schneehöhen waren darum auch anfangs April vielerorts immer noch 1.5- bis 2.5-mal so hoch wie üblich.

Der April war ausserordentlich warm, auf dem Jungfraujoch der wärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz im Jahre 1933. Dies führte zu einer schnellen Schneeschmelze, und in hohen Lagen zu einer Abnahme der Schneehöhe von mehr als einem Meter nördlich einer Linie Rhone-Rhein, bzw. knapp einem Meter südlich davon. Trotzdem war der Winter oberhalb von rund 1500 m so schneereich wie schon lange nicht mehr. Über das ganze Winterhalbjahr betrachtet, also von November bis April, lag im Mittel etwa gleich viel Schnee wie 2008/09. Mehr war es letztmals im Winter 1981/82. Unterhalb von 1000 m lag hingegen nur knapp halb so viel Schnee wie üblich.

 

Lawinengefahr

Im Winter 2017/18 wurden die hohen Gefahrenstufen (4 und 5) häufiger prognostiziert als im langjährigen Mittel. Die Stufe 4 (gross) wurde mit 3.4 % dreimal so oft verwendet wie im Mittel der letzten 10 Jahre (1.1 %). Die Stufe 5 (sehr gross) wurde grossflächig an 1.5 Tagen heraus gegeben. Sie war seit 2008 nicht mehr verwendet worden, und auch damals nur für ein kleines Gebiet. Zum letzten Mal grossflächig prognostiziert wurde die Stufe 5 im Lawinenwinter 1999, damals aber über eine längere Zeitspanne. Günstige Situationen mit Gefahrenstufe 1 (gering) dagegen waren mit 17 % etwas seltener als im langjährigen Mittel (21 %).

 

Lawinenunfälle und Sachschäden

Diesen Winter wurden dem SLF bis Ende April über 250 Schadenlawinen gemeldet. Darunter waren 143 Personenlawinen mit insgesamt 208 erfassten Personen, gut 5 % mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Bei 19 Lawinenunfällen starben insgesamt 26 Personen. Das ist mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre, der zum 30. April bei 21 Todesopfern liegt. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2018 dauert, liegt der Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei 22 Lawinentoten.

Alle Lawinenopfer waren Wintersportler, die sich mit einer Ausnahme im ungesicherten Gelände aufhielten. Zwei Drittel der Personen (18) waren auf Touren unterwegs, sieben auf Variantenabfahrten und eine auf einem offenen Fussweg. Sechs Personen verunglückten tödlich bei Gefahrenstufe 2 (mässig), 19 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bei Stufe 4 (gross). Das Wallis war mit zwei Dritteln der Todesopfer (18) mit Abstand am stärksten betroffen, gefolgt von den Kantonen Bern mit vier Lawinentoten, Graubünden mit drei und Obwalden mit einem.

Zwei Unfälle forderten mehr als 2 Todesopfer:

  • Im Vallon d’Arby (Riddes, VS) wurden am 16. März vier Personen von einer grossen Gleitschneelawine erfasst und getötet. Personenunfälle mit Gleitschneelawinen sind selten. Dieser Unfall ist der grösste dieser Art, welcher dem SLF bekannt ist.
  • Auf der Fiescheralp (VS) kamen am 31. März drei Personen einer Skitourengruppe in einer Schneebrettlawine ums Leben.

Die Jahresbilanz wird erst am Ende des hydrologischen Jahres (30. September 2018) gezogen und bis dann kann sich die Unfallstatistik noch ändern.

 

Lawinenbulletins

Das Lawinenbulletin erscheint seit dem 5. November 2017 und noch bis auf Weiteres täglich um 17 Uhr. Vom 9. Dezember bis am 15. April wurde jeweils zusätzlich um 8 Uhr ein Morgenbulletin herausgegeben. Das Lawinenbulletin enthält eine Prognose der Lawinengefahr und allgemeine Informationen zur Schneesituation. Es deckt die Schweizer Alpen, Liechtenstein und seit dem Winter 2017/18 neu auch täglich den Jura ab. Abgerufen werden kann es über www.slf.ch und die SLF-App „White Risk“.

Bei grossen Schneefällen erscheinen situationsbezogene Lawinenbulletins auch im Sommer und im Herbst. Sie können sich darüber von der App „White Risk“ mit einem Push Alert informieren lassen, oder eine SMS abonnieren. Senden Sie dazu eine SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234 (Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).

Informationen zum Bergwetter finden sich auch im Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz, Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.) sowie auf der App MeteoSwiss.

 

 

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