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Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr in der Schweizer Alpen. Hydrologisches Jahr 2015/16

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Zusammenfassung

Winter 2016 (Oktober 2015 bis Mai 2016

  • Bis zum Jahresende kaum Schnee und wenig lawinengefährlich
    Mit sehr milden Temperaturen und grosser Trockenheit begann der Winter mit meist geringer Lawinengefahr. Da nur sehr wenig Schnee lag, waren Touren und Variantenabfahrten aber kaum möglich. Aus der dünnen Schneedecke entwickelte sich an Schattenhängen in hohen Lagen eine später relevante, schwache Altschneeschicht.
  • Heikle Lawinensituation für Schneesportler durch ergiebige Schneefälle und zeitweise schwache Schneedecke
    Im Januar führten im Westen und Norden, ab Februar dann auch im Osten und Süden wiederholte Schneefälle und Föhnstürme zu kritischen Lawinensituationen. Die Gefahr ging vor allem von Neu- und Triebschneeschichten sowie vom schwachen Altschnee an der Basis der Schneedecke aus (Abbildung 1). Im Norden und Westen war das schwache Fundament bald gut überdeckt und Lawinen konnten von Personen nicht mehr ausgelöst werden. Besonders im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern blieben die schwachen Basisschichten der Schneedecke aufgrund der dünnen Überdeckung bis in den März eine Gefahr. Dies war diesen Winter die einzige Schwachschicht, die über längere Zeit in der Schneedecke erhalten blieb.

 
  • Zwei Wärmeeinbrüche im Hochwinter mit Regen bis in hohe Lagen
    Zum Monatswechsel Januar/Februar feuchteten starke Niederschläge mit einer Schneefallgrenze zwischen 2400 m und 3000 m die Schneedecke bis in hohe Lagen an. Dies führte zu einer Phase hoher Aktivität von spontanen feuchten und nassen Lawinen. Eine sehr ähnliche Situation wiederholte sich am 21. Februar, als die Temperaturen erneut auf frühlingshafte Werte anstiegen und es im Hochwinter das zweite Mal bis auf rund 2400 m hinauf regnete.

  • Zuerst günstige Frühlingssituation, dann nochmals eher winterlich
    Der März war verhältnismässig kühl. Ab der zweiten Märzwoche nahm die Lawinengefahr überall ab. Aufgrund von Nass- und Gleitschneelawinen war die Lawinengefahr besonders in der ersten Aprilwoche erhöht. In der zweiten Aprilhälfte kehrte der Winter mit ergiebigen Schneefällen und einer Verschärfung der Lawinensituation nochmals zurück. Auch im Mai war es in der Höhe oft winterlich mit heiklen Lawinensituationen besonders im Hochgebirge.

  • Im Westen eher viel und im Süden wenig Schnee, sonst in der Höhe normale, unterhalb von 1400 m überall deutlich unterdurchschnittliche Schneelage
    Der Frühwinter war verbreitet schneearm mit stark unterdurchschnittlichen Schneehöhen bis Anfang Januar. Im Westen wurde das Schneedefizit mit den ergiebigen Schneefällen im Laufe des Januars ausgeglichen, in der Zentral- und Ostschweiz erst im März. Im Süden fiel erst Ende Februar ergiebig Schnee. Das Schneedefizit blieb im Tessin den ganzen Winter erhalten.
    Der Winter war markant wärmer als normal, der Dezember sogar rekordwarm. Folglich war die Anzahl Schneetage diesen Winter im Mittelland und im Jura klar unterdurchschnittlich.

  • Weniger Lawinenopfer als im langjährigen Mittel
    Die Gesamtopferzahl bis Ende Mai 2016 lag mit 20 Todesopfern - alle im freien Gelände - etwas unter dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das bis zum 30. September dauert, liegt der 20-jährige Mittelwert bei 23 Lawinentoten.
    Im Winter 2015/16 dominierten West- und Südwestlagen das Wettergeschehen. Dies war im Hochwinter (Dez.-Feb.) im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahren besonders stark ausgeprägt, was der Vergleich der Messungen an den automatischen Windstationen mit den Werten der letzten zehn Jahre in Abbildung 2 (Grafik Mitte) zeigt.

 

Folglich war es im Winter 2015/16 markant wärmer als normal, was der Verlauf der Nullgradgrenze im Vergleich zum Durchschnitt der 15 Vorjahre in Abbildung 3 zeigt. Gemäss Messungen von MeteoSchweiz erlebte die Schweiz den zweitwärmsten Winter (November-April) nach 2006/07 seit Messbeginn 1864.

 

Abgesehen von den Schneefällen im Westen und Norden von Ende November, war der Winter bis zum Jahreswechsel ausgesprochen trocken und schneearm. Abbildung 4 zeigt, dass von Januar bis Anfang März vor allem im Westen und Norden gebietsweise ergiebig Schnee fiel. Ab Mitte April kehrte der Winter nochmal zurück und mit wiederholten Schneefällen war es in den Schweizer Alpen bis im Mai häufig eher winterlich als frühlingshaft.

 

Die Schneehöhen, in Abbildung 5 illustriert, waren im Winter 2015/16 im Westen der Schweizer Alpen durchschnittlich, im Osten und Süden unterdurchschnittlich, ganz im Süden stark unterdurchschnittlich.

 

Im Winter 2015/16 war es im Mittel weniger lawinengefährlich als in den vorangegangenen zehn Wintern (vgl. Abschnitt "Lawinenbulletins und Gefahrenstufen", Abbildung 34). Wie Abbildung 6 zeigt, erstreckte sich die Hauptphase der Lawinenaktivität von Januar bis Mitte März. Ab Mitte März wurden vor allem noch Nassschneelawinen gemeldet, eine ausgeprägte Nassschneelawinenperiode blieb aber aus. Nasse und feuchte Lawinen wurden auch im Hochwinter wiederholt und oft mit Regen bis in hohe Lagen ausgelöst.

 

Zusammenfassung Sommer 2016 (Juni bis September 2016)

  • Warmer und zuerst oft nasser, später eher trockener Sommer
    Die Periode von Juni bis September war die fünftwärmste seit Messbeginn 1864. Gemittelt über die ganze Schweiz stieg die Temperatur 1.2 Grad über die Norm (1981-2010). Im Wallis bewegte sie sich 0.9 bis 1.2 Grad über der Norm. Im Engadin war der Überschuss mit 0.4 bis 0.7 Grad hingegen weniger gross. Die Niederschläge erreichten im landesweiten Mittel rund 90 Prozent der Norm 1981-2010. Im Wallis und auf der Alpensüdseite fielen verbreitet nur 50 bis 85 Prozent der Norm. Das Engadin erhielt zwischen 85 und 114 Prozent der normalen Mengen. Die Sonnenstunden lagen in den meisten Gebieten leicht über der Norm 1981-2010. (Quelle: Meteoschweiz)
  • Meist gute Schneeverhältnisse im Hochgebirge
    Die Winterschneedecke aperte in hohen Lagen Anfang Juli aus. Das Messfeld auf dem Weissfluhjoch auf 2540 m war am 8. Juli schneefrei, was ein Tag vor dem durchschnittlichen Ausaperdatum der letzten 83 Jahre war. Mittlere und hohe Lagen waren im Verlauf des Sommers nur an einzelnen Tagen von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Im vergletscherten Hochgebirge lag jedoch mit den wiederholten Schneefällen meist eine geschlossene Schneedecke oberhalb von 3200 bis 3600 m.
  • Fünf Lawinenbulletins, ein Lawinenopfer
    Erhöhte Lawinengefahr war im Sommer kurzfristig wiederholt ein Thema und konzentrierte sich vor allem auf das Hochgebirge. Es wurden fünf Sommer-Lawinenbulletins publiziert (am 16. und 18. Juni, am 4. August sowie am 16. und 19. September). Diese Anzahl Sommerbulletins liegt im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Am 4. Juli ereignete sich ein Lawinenunfall mit einem Todesopfer. Der langjährige Durchschnitt in den Monaten Juni bis September liegt bei zwei Todesopfern.

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Schneehöhenverlauf

 

Relative Schneehöhen

Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2015/16 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen IMIS-Stationen (IMIS: Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.

Nach dem heissen Sommer 2015 begann der Herbst eher kühl. Im Oktober sank die Schneefallgrenze wiederholt bis in mittlere Lagen. Am meisten Niederschlag fiel am Alpenhauptkamm, im Süden und im Osten. Der Schnee blieb vor allem im Hochgebirge liegen und bildete besonders auf den Gletschern eine dünne, geschlossene Schneedecke. In hohen Lagen lag Ende Oktober vor allem an Nordhängen eine dünne Schneedecke. Südhänge waren bis ins Hochgebirge aper.

 

Der November war in den ersten drei Wochen sonnig und extrem mild. Die Nullgradgrenze lag meist zwischen 3000 m und 4000 m. Trotz der starken Abkühlung ab dem 21. November lag der Wärmeüberschuss am Monatsende bei 2.6 Grad. Damit war dies der drittwärmste November seit Messbeginn 1864. Wärmer war es nur im Vorjahr und 1994 (Quelle: MeteoSchweiz). Zwei Wintereinbrüche läuteten in der vierten Novemberwoche dann zumindest im Norden und Westen den Winter ein. Vom 20. bis 22. November fielen im Norden und im Westen oberhalb von rund 2500 m 80 bis 100 cm Schnee. Im Süden und Osten blieb es trocken. Kurz danach, vom 25. bis 26. November, fielen im Norden erneut 40 bis 60 cm, lokal bis zu 90 cm Schnee. Ganz im Süden fiel kein Niederschlag. Die Schneehöhen waren über den ganzen Monat betrachtet im Norden und im Westen etwas unterdurchschnittlich. Im Süden und in Graubünden waren mittlere Höhenlagen aper, und auch darüber lag deutlich weniger Schnee als üblich (Abbildung 7, oben). Eine zusammenhängende Schneedecke war nur an Nordhängen oberhalb von rund 2400 m vorhanden.
Im Dezember liess der Schnee auf sich warten. Der Dezember war zudem sehr sonnig und rekordwarm, gemäss MeteoSchweiz wurden in den Berggebieten 4 bis 6 °C höhere Temperaturen gemessen als im Durchschnitt (1981-2010). Die frühwinterliche Schneearmut war sogar noch ausgeprägter als die im vorangehenden Winter (2014/15). Dort, wo eine dünne Schneedecke lag, schmolz sie vielerorts wieder. Nur in höheren Lagen der Westschweiz waren die Schneefälle vom November ergiebig genug, dass eine dünne Schneedecke über den warmen Dezember erhalten blieb (Abbildung 7, unten). Die Ostschweiz dagegen erlebte vielerorts praktisch schneelose Weihnachten. So gut wie schneelos blieben bis zum Jahresende das Engadin und der Alpensüdhang, weil es dort bis Anfang Januar überhaupt keinen nennenswerten Niederschlag gab (Abbildung 8). Eine solch schneelose Situation bis gegen 2000 m zum Jahreswechsel ist an den langjährigen Messstationen auf der Alpensüdseite bis jetzt noch nie vorgekommen. Laut Messungen von MeteoSchweiz war es die wärmste November-Dezember Periode seit Messbeginn 1864.

 

Einmalig war auch die Kombination von Trockenheit und extremer Wärme beidseits der Alpen. Am Alpensüdhang und im Engadin ist die Rekord-Trockenheit hauptverantwortlich für die grosse Schneearmut. Anders in den Gebieten weiter nördlich: Am Beispiel der Messdaten von Davos lässt sich gut zeigen, dass erst die Wärme zur Rekordschneearmut Ende Dezember geführt hat. Laut Niederschlagsmessungen der MeteoSchweiz war die November-Dezember Periode in Davos in früheren Jahren noch trockener (1920, 1924, 1948, 1953, 1978) und trotzdem lag damals Ende Dezember jeweils mehr Schnee. Dies, weil es damals kälter war und somit erstens häufiger Schnee statt Regen fiel und zweitens, weil der einmal gefallene Schnee nicht so schnell wieder weggeschmolzen war.

 

Im Januar fiel im Westen und im Norden wiederholt und ergiebig Schnee, bei schwankenden Temperaturen. Vom 3. bis 5. Januar schneite es im Westen und Norden bis 50 cm, ganz im Westen an der Grenze zu Frankreich bis zu 100 cm. Die Schneefallgrenze lag bei 1600 m.
Nach einer kurzen Pause fiel vom 7. bis 11. Januar verbreitet Schnee und mit bis zu 100 cm lag der Schwerpunkt im nördlichen Wallis und im Unterwallis. Die Schneefallgrenze stieg dabei zeitweise bis auf 2200 m.
Vom 11. bis 14. Januar schneite es bei sinkenden Temperaturen erneut im Westen und im Norden. Mit bis zu 120 cm fiel einmal mehr im westlichsten und nördlichen Unterwallis am meisten Schnee. Mitte Januar war die kälteste Periode dieses Winters (Abbildung 3). Die Temperaturen waren deutlich unterdurchschnittlich. Vom 14. bis 17. Januar fielen im Norden verbreitet 60 bis 80 cm, in den Urner und Glarner Alpen bis zu 100 cm Schnee. Danach stieg die Nullgradgrenze wieder gegen 3000 m an und nach drei winterlichen Januarwochen war das Monatsende frühlingshaft mild.
Die Schneelage war im Januar nur im Westen durchschnittlich, sonst verbreitet unterdurchschnittlich, im Süden stark unterdurchschnittlich (Abbildung 9, oben).
In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar regnete es im Westen bis gegen 3000 m, im Osten bis gegen 2500 m. Diese Situation führte zum Monatswechsel zur höchsten Lawinenaktivität des Winters mit vielen nassen und feuchten Lawinen (vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität“).

Der Februar war nach dem frühlingshaften Monatsanfang in hohen Lagen schneereich und zunächst winterlich. Wie schon im Januar, fielen vor allem im Westen und Norden, und erstmals diesen Winter auch im Süden ergiebige Schneemengen. Vom 3. bis 5. Februar schneite es am Alpennordhang, im Wallis sowie gebietsweise in Graubünden 40 bis 60 cm, am Alpennordhang vom Wildstrubel bis in die Glarner Alpen bis 80 cm oberhalb von rund 1200 m. Vom 6. bis 8. Februar fielen am zentralen Alpensüdhang rund 50 cm Schnee oberhalb von rund 1200 m. Vom 11. bis 14. Februar fielen dann wieder im Westen 50 cm und im nördlichen Unterwallis bis zu 100 cm Schnee oberhalb von rund 1200 m. Auch vom 21. bis 25. Februar fiel im Westen und Norden immer wieder Schnee, wobei in der Nacht auf den 21. Februar die Schneefallgrenze vorübergehend auf rund 2400 m anstieg. Mit dem Regen lösten sich zum zweiten Mal im Hochwinter vermehrt nasse und feuchte Lawinen und auch für Schneesportler abseits der Pisten war die Situation besonders gefährlich (vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität).
Vom 27. bis 29. Februar fielen von Zermatt bis ins Simplongebiet sowie in den Maggiatälern 60 bis 120 cm Schnee oberhalb von rund 1400 m. Die Schneefälle waren in der Nacht auf dem 28. Februar sehr intensiv, fielen doch in den Hauptniederschlagsgebieten innerhalb von nur sechs Stunden 35 bis 40 cm.
Mit den häufigen Schneefällen im Februar war die Schneelage oberhalb von rund 1400 m zum Monatsende in der Zentral- und Ostschweiz nur noch leicht unterdurchschnittlich, in der Westschweiz durchschnittlich bis überdurchschnittlich. Ganz im Süden wurde trotz der Schneefälle zum Monatsende das Schneehöhendefizit nicht ausgeglichen (Abbildung 9, unten).

 

Der März war relativ kalt und begann vor allem im Süden mit einem ausserordentlich starken Wintereinbruch bis in tiefe Lagen. Vom 4. bis 6. März fielen am Alpensüdhang und in Graubünden von Zervreila bis ins Oberengadin 50 bis 70 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Gemäss Messungen der MeteoSchweiz war der Schneefall vom 5. März im südlichen Tessin das zweitintensivste Ereignis im März seit Messbeginn (nach dem Schneefall vom 17. März 1975). Als Folge davon herrschte in tiefen Lagen des Tessins am 5. März Verkehrschaos und in der Stadt Lugano (335 m, TI) galt zeitweise sogar ein Kettenobligatorium.
Nach einer ruhigen zweiten Märzwoche fielen vom 15. bis 17. März im Süden rund 50 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Danach war es oft sonnig aber eher kühl. In der letzten Märzwoche fiel zuerst im Osten, später im Westen etwas Schnee. Sonst war es meist sonnig und die Nullgradgrenze stieg ganz allmählich gegen 2500 m. Aufgrund der Schneefälle anfangs und Mitte Monat im Süden bis in tiefe Lagen war die Schneelage im mittleren und südlichen Tessin im März deutlich überdurchschnittlich (Abbildung 10, oben). Im Westen war sie überdurchschnittlich im Osten leicht unterdurchschnittlich.

Der April war wechselhaft und insgesamt wärmer als normal. Vom 30. März bis 1. April und vom 3. bis 6. April fielen im Süden oberhalb von 2200 m jeweils 20 bis 40 cm Schnee. Vom 7. bis 9. April fielen im Süden oberhalb von 2400 m weitere 50 cm Schnee, in mittleren und tiefen Lagen schmolz die Schneedecke mit dem Regen. Auch im Norden schmolz sie mit der milden Witterung und aperte mancherorts in der ersten Aprilwoche aus.
Aber der Winter war noch nicht vorbei, er kehrte Mitte April nochmals zurück: Vom 16. bis 19. April fiel oberhalb von 2200 m in Graubünden 50 bis 80 cm, am zentralen Alpenhauptkamm und im Oberengadin bis 100 cm Schnee. Im Norden schneite es oberhalb von 2500 m vom 22. bis 26. April weitere 30 bis 50 cm, am zentralen und östlichen Alpennordhang bis 80 cm. Trotz der späten Wintereinbrüche war die Schneelage im April allgemein unterdurchschnittlich, nur im Unterwallis war sie noch durchschnittlich (Abbildung 10, unten).

Der Mai war kälter als normal und mit wiederholtem Schneefall bis in mittlere Lagen zeitweise winterlich. Zum Monatsanfang fiel verbreitet Schnee bis in mittlere Lagen, im Westen 50 bis 70 cm. Vom 9. bis 12. Mai schneite es oberhalb von 2800 m im Süden und am Oberwalliser Alpenhauptkamm 50 bis 80 cm, im nördlichen Tessin sogar bis zu 120 cm. Vom 12. bis 15. Mai fielen dann im Norden, und vom 23. bis 24. Mai vor allem im Westen und im Oberengadin jeweils bis 50 cm Schnee oberhalb von 2500 m. Die Schneefallgrenze sank am 24. Mai auf 1200 m und in den mittleren Lagen wurde es verbreitet noch einmal weiss. Vom 29. bis 31. Mai schneite es am Alpenhauptkamm im Hochgebirge bis zu 50 cm.
Im Mai nahmen die Schneehöhen unterhalb von rund 2500 m deutlich ab. Oberhalb von 2500 m blieben sie eher stabil, was für den Mai eher ungewöhnlich ist (Abbildung 13).

Die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen (Abbildung 5) waren vergleichbar mit dem Muster von Dezember bis Februar: Nur im Unterwallis und am westlichen Alpennordhang waren die Schneehöhen oberhalb von rund 1400 m verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt normal. In den übrigen Gebieten waren sie unterdurchschnittlich, ganz im Süden stark unterdurchschnittlich. Bei der Periode November-April handelt es sich gemäss MeteoSchweiz um die zweitwärmste seit Beginn der Messungen. Wärmer war nur der Winter 2006/07. Daher waren die Schneehöhen in tieferen Lagen, insbesondere in den Alpentälern deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Folglich war die Anzahl der Schneetage im Mittelland und im Jura klar unterdurchschnittlich.

Die frühwinterliche Schneearmut in diesem Winter (2015/16) war sogar noch ausgeprägter als die im vorangehenden Winter (2014/15). Mit Ausnahme des März fielen alle anderen Monate (November 2015 bis April 2016) zu warm aus. Vor allem der Dezember war rekordwarm - laut MeteoSchweiz wurden in Berggebieten 4 bis 6 °C höhere Temperaturen als im Durchschnitt (1981-2010) gemessen. In den Monaten November und Dezember fiel zudem sehr wenig Niederschlag, während die nachfolgenden zwei Monate einen leichten Niederschlagsüberschuss aufwiesen.

Über den ganzen Winter gesehen waren die westlichen Schweizer Alpen in Bezug auf die Schneemengen klar bevorteilt, weil diese Region vor allem im November und Januar mehr Niederschlag erhielt als der Rest der Schweiz. Die ersten Schneefälle bis ins Flachland (zwischen dem 21. und 24. November) waren in den höheren Lagen der Westschweiz so ergiebig, dass sie teilweise auch den warmen und trockenen Dezember überlebten. Die östlichen Schweizer Alpen dagegen erlebte vielerorts auch in den höher gelegenen Regionen praktisch schneelose Weihnachtstage, weil die vielen Sonnenstunden dem wenigen Schnee arg zusetzten. Praktisch schneelos blieben im Frühwinter das Engadin und der Alpensüdhang, weil es dort bis Anfang Januar überhaupt keinen nennenswerten Niederschlag gab. Eine solch schneelose Situation bis gegen 2000 m ü.M. zum Jahreswechsel ist an den langjährigen Messstationen am Alpensüdhang bis jetzt noch nie vorgekommen. Auch die ergiebigen Schneefälle im Februar konnten das Defizit dort nicht mehr ausgleichen, so dass die Schneehöhen auch an den höchsten Stationen bis Mitte April immer unterdurchschnittlich blieben. Die Schneehöhen in den Zentral- und Ostschweizer Alpen erreichten auf Grund der häufigen Schneefälle im Januar und Februar immerhin Anfang März für kurze Zeit durchschnittliche Werte. In der Westschweiz waren diese Schneefälle intensiver, so dass die Schneehöhen dort ab Januar überdurchschnittliche Werte aufwiesen. Auf Grund der warmen Witterung war dies allerdings nur in Höhenlagen oberhalb von 1400 m der Fall. Im Norden und Osten holten die Schneehöhen ab der zweiten Aprilhälfte bis in den Mai hinein nochmal auf und erreichten besonders in hohen Lagen durchschnittliche Werte.

Das Mittelland erlebte nur Mitte Januar einige Tage mit negativen Wintertemperaturen und schneebedecktem Boden über mehrere Tage, was klar unter der Norm war.

 

Schneehöhenverlauf an ausgewählte Beobachterstationen

In den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2016 (n) wird in der Legende erwähnt. Die Beobachter messen in der Regel vom 1. November bis mindestens 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2015/16 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.

Alpennordhang:

Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 11) verfolgt werden.

 

Der Winter begann mit Schneefällen Ende November. Ab dem 21. November lag eine geschlossene Schneedecke. Der Neuschneewert von 44 cm am 26. November blieb dann gleich der grösste Schneefall des Winters. In der Folge nahm die Schneehöhe im Dezember mit den hohen Temperaturen wieder deutlich ab. Die Schneehöhen lagen meist etwas unter dem Durchschnitt, wobei aber keine neuen Minima erreicht wurden. Bedeutende Neuschneewerte waren neben den Schneefällen im November am 4. Februar mit 36 cm, zwei Schneefälle mit 33 cm am 17. Januar und am 8. März und ein Schneefall mit 31 cm am 23. Mai. Alle anderen Schneefälle waren weniger als 30 cm (Tabelle 1). Teils mussten die Messungen interpoliert werden, da an dem Tag niemand vor Ort war, um zu messen (Abbildung 11). Die Anzahl Tage mit Neuschnee lag bei 46% von insgesamt 192 Tagen mit einer permanenten Schneebedeckung. Das Schneehöhenmaximum wurde am 8. März mit 189 cm erreicht.

Der maximale Wasserwert lag mit 538 mm deutlich unter dem Durchschnitt von 751 mm (46-jährige Wasserwert-Messreihe).

 

Unterwallis:

Die Schneehöhenentwicklung im Unterwallis kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 12) verfolgt werden.

 

Im Westen der Schweizer Alpen, wie an dieser Station, überlebten die ergiebigen Schneefälle von Ende November den ausserordentlich warmen Dezember, so dass an Weihnachten eine dünne Schneedecke lag. In Bezug auf die Schneemengen war die Westschweiz diesen Winter klar bevorteilt, weil die Region vor allem im November und im Januar mehr Niederschlag erhielt als der Rest der Schweiz. Daher waren die Schneehöhen an dieser Messstation von Januar bis März durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich. Im April nahmen sie rasch ab. Die Station aperte am 28. April aus, erhielt aber im Mai nochmals etwas Schnee. Auch hier waren kaum grössere Neuschneewerte zu verzeichnen. An 39% der insgesamt 160 Tage mit permanenter Schneebedeckung wurde Neuschnee gemessen, wobei an sieben Tagen die Neuschneehöhe zwischen 21 und 30 cm lag (Tabelle 2). Alle anderen Schneefälle lagen unter 21 cm. Am 4. Februar wurde mit 27 cm der grösste Tages-Neuschneewert gemessen. Das Schneehöhenmaximum wurde am 9. März mit 145 cm erreicht. Am 28. April war das Messfeld ausgeapert (Tabelle 2).

Der maximale Wasserwert lag mit 428 mm über dem Durchschnitt von 378 mm (43-jährige Wasserwert-Messreihe).

 

Nord- und Mittelbünden, Unterengadin:

Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen von Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 13) verfolgt werden.

 

Wie verbreitet in den Schweizer Alpen, waren die Schneehöhen auf dem Weissfluhjoch meist unterdurchschnittlich, und dies besonders im Frühwinter (Abbildung 13). Zweimal, am 20.11. und am 30.12. wurde beinahe das Schneehöhen Minimum erreicht. Einige langjährige Messstationen in Nord- und Mittelbünden auf rund 1500 m erlebten erstmals grüne oder nur schwach weisse Weihnachten. Das hochgelegene Messfeld auf dem Weissfluhjoch (2540 m) wurde am 14. Oktober eingeschneit (durchschnittliches Einschneidatum ist der 18. Oktober). Das Schneehöhenmaximum wurde am 6. März mit 220 cm erreicht. Mitte April nahmen die Schneehöhen so stark ab, dass beinahe das absolute Schneehöhenminimum für diese Jahreszeit erreicht wurde. Danach blieben die Schneehöhen bis Ende Mai durch wiederholte Schneefälle in hohen Lagen aber stabil. Der Schneehöhenabbau war dadurch im Mai verzögert und Ende Mai lagen auf dem Messfeld am Weissfluhjoch noch 162 cm Schnee. Am 8. Juli aperte das Messfeld aus, einen Tag vor dem durchschnittlichen Ausaperungsdatum am 9. Juli.
Die Anzahl Tage mit Neuschnee lag bei 42% von insgesamt 269 Tagen mit einer permanenten Schneebedeckung. Die grösste Neuschneemenge wurde am 13. Januar gemessen und betrug 40 cm. Die meisten Neuschneewerte (34% der Tage) betrugen 10 cm oder weniger, 5% lagen zwischen 11 und 20 cm, 3% zwischen 21 bis 30 cm und 2% zwischen 31 und 50 cm (Tabelle 3). Der maximale Wasserwert lag mit 797 mm unter dem Durchschnitt von 848 mm (80-jährige Wasserwert-Messreihe).

 

Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Bergell und Gebiete südlich davon:

Die Schneehöhenentwicklung am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Bergell sowie in den Gebieten südlich davon kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 14) verfolgt werden.

 

Der Frühwinter war im Süden ausserordentlich schneearm, im Tessin lag oberhalb von 1500 m so wenig Schnee wie noch nie zuvor am Jahresende. Das Messfeld der Vergleichsstation San Bernardino auf 1640 m wurde erst am 3. Januar eingeschneit. Das späteste Einschneidatum seit Beginn der Messungen war am 23.02.1989. Bis Anfang Februar 2016 lag jedoch nur sehr wenig Schnee (Schneehöhe am 4. Februar: 12 cm). Am 8. Februar fielen 51 cm und am 6. März 61 cm Schnee, was mit Abstand die grössten Schneefälle des Winters waren. Ab dem 6. März lagen die Schneehöhen kurzzeitig über dem Durchschnitt, ansonsten meist stark darunter. Die Ausaperung ging im April rasch vonstatten und das Messfeld war am 20. April schneefrei, vier Tage vor dem durchschnittlichen Ausaperdatum am 24. April. Das früheste Ausapern war auf diesem Messfeld am 22. März 1993. Das Schneehöhenmaximum des Winters 2015/16 wurde am 8. März mit 138 cm erreicht.

Es wurde nur an 35% von 109 Tagen mit permanenter Schneebedeckung Neuschnee gemessen. Abgesehen von den beiden hohen Werten von 61 und 51 cm war kein anderer Neuschneewert grösser als 30 cm (Tabelle 4).

Der maximale Wasserwert lag mit 286 mm unter dem Durchschnitt von 326 mm (44-jährige Wasserwert-Messreihe).

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Schneedeckenaufbau

 

Nach einem sehr schneearmen Winterstart bildeten zunehmend lockere, aufbauend umgewandelte Schichten die dünne Frühwinter-Schneedecke. Sonnenhänge waren oft bis in hohe Lagen aper. Im Januar fiel dann im Westen und im Norden erstmals ergiebig Schnee begleitet von starkem Wind. Im Osten und im Süden blieb der Winter zunächst schneearm. Im Februar fiel dann verbreitet ergiebig Schnee mit starkem Wind vor allem aus Südwest bis West und mit Föhnstürmen. Ab Februar waren regionale Unterschiede im Schneedeckenaufbau ausgeprägt. Im Unterwallis, im nördlichen Wallis und am Alpennordhang war der schwache Altschnee zunehmend überdeckt und es waren vor allem die Neu- und Triebschneeschichten, die kurzzeitig instabil waren. Andererseits bildeten besonders im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern die schwachen Basisschichten der Schneedecke bis in die erste Märzwoche hinein eine Schwachschicht, in der Lawinen anrissen. Diese war diesen Winter die einzige Schwachschicht, die über längere Zeit erhalten blieb. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Winter (Abbildung 15) war der Schneedeckenaufbau allgemein im Dezember 2015 und Januar 2016 ungünstiger und damit die Schneedeckenstabilität geringer. In der Folge sind die wichtigsten zeitlichen und regionalen Entwicklungen beschrieben.

 

Bis zum Jahresende kaum Schnee und wenig lawinengefährlich

Mit sehr milden Temperaturen und grosser Trockenheit begann der Winter mit nur sehr wenig oder gar keinem Schnee (Abbildung 16). Touren und Variantenabfahrten waren daher nur sehr beschränkt möglich. Aus der dünnen Schneedecke entwickelte sich an Schattenhängen in hohen Lagen verbreitet eine schwache, kantig aufgebaute, später relevante Altschneeschicht. An Weihnachten 2015 lag im Unterwallis und am westlichen Alpennordhang in mittleren Lagen (Abbildung 17), sonst allgemein nur in hohen Lagen an Schattenhängen eine dünne Schneedecke. Im Süden lag ausserordentlich wenig Schnee (vgl. Abschnitt „Schneehöhenverlauf“, Abbildung 14). Vor allem an Schattenhängen in hohen Lagen war der Altschnee aufbauend umgewandelt (Abbildung 18).

 

Heikle Lawinensituationen für Schneesportler durch ergiebige Schneefälle und zeitweise schwache Schneedecke

Zuerst im Westen und Norden, ab Februar dann auch im Osten und Süden führten wiederholte Schneefälle und Föhnstürme zu kritischen Lawinensituationen. Die Neu- und Triebschneeschichten waren am Übergang zum aufbauend umgewandelten Altschnee, der teils von Schmelzharschkrusten überlagert war, auslösbar (Abbildung 18).

 

Im Norden und Westen überdeckten die teils mächtigen Neu- und Triebschneeschichten (Abbildungen 19 und 21) nach und nach die schwache, bodennahe Schicht, so dass in dieser im Februar kaum noch Lawinen ausgelöst werden konnten. Im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern hingegen blieben die schwachen Basisschichten der Schneedecke bis in die erste Märzwoche hinein eine Gefahr (Abbildungen 20 und 21). Der kantig aufgebaute Altschnee war diesen Winter die einzige massgebliche Schwachschicht, die über längere Zeit erhalten blieb.

 

Zwei Wärmeeinbrüche im Hochwinter, mit Regen Anfeuchtung der Schneedecke bis in hohe Lagen

Zum Monatswechsel Januar/Februar feuchteten starke Niederschläge mit einer Schneefallgrenze zwischen 2400 m und 3000 m die Schneedecke bis in hohe Lagen an (Abbildung 22). Die Anfeuchtung der Schneedecke schwächte diese flächig, was zu einer hohen Auslösebereitschaft von Lawinen führte. Eine ähnliche Situation ereignete sich am 21. Februar, als die Temperaturen erneut auf frühlingshafte Werte anstiegen und es im Hochwinter das zweite Mal bis auf rund 2400 m hinauf regnete. Durch den Regen bildeten sich im Hochwinter wiederholt Schmelzharschkrusten an der Schneeoberfläche, die später eingeschneit wurden (Abbildung 23).

 

Bis Mitte April oft günstige Frühlingssituation, dann nochmal winterliche Verhältnisse

Der März war verhältnismässig kühl. Besonders im Süden fiel Anfang März viel Schnee, was zu einem Verkehrschaos und zu Schadenlawinen führte (vgl. Abschnitt „Lawinenaktivität“). Ab der zweiten Märzwoche fiel kaum noch Schnee und die Schneedecke stabilisierte sich verbreitet. Dies zuletzt auch in den Gebieten mit der anhaltend schwachen Altschneedecke (Abbildung 23).

 

Mit höheren Temperaturen und der tageszeitlichen Einstrahlung war die Schneedecke besonders im April zunehmend durchfeuchtet und Nass- und Gleitschneelawinen waren die Folge. Von der zweiten Aprilhälfte bis in den Mai war es für die Jahreszeit zu kalt und mit wiederholten Schneefällen war die Situation besonders in hohen Lagen und im Hochgebirge anhaltend winterlich mit einem verzögerten Schneedeckenabbau in hohen Lagen. Unterhalb von rund 2500 war die Schneedecke grösstenteils durchfeuchtet. In Lagen darüber war sie an Nordhängen teils bis in den Mai noch oberflächennah trocken. Neu- und Triebschneeschichten waren zeitweise leicht auslösbar. Mit der Erwärmung von Ende Mai wurden dann vor allem die neueren Schneeschichten noch durchfeuchtet und geschwächt.

 

Übersicht Schneedeckenaufbau in drei Grossregionen

Für eine Übersicht der potentiellen Schwachschichten in der Schneedecke wurde deren Anteil aus simulierten Schneedecken an den automatischen Messstationen (Flachfelder) mit dem Schneedeckenmodell Snowpack jeweils morgens berechnet und in Abbildung 24 dargestellt. Die Schweizer Alpen wurden dafür von Nord nach Süd in drei Grossregionen unterteilt: nördliche Gebiete, inneralpine Gebiete, südliche Gebiete. Oberflächennahe Schwachschichten waren in allen Regionen der Schweizer Alpen wiederholt vorhanden (Abbildung 24, obere Grafik) und wurden eingeschneit (Abbildung 24,untere Grafik). Zu Winterbeginn war dies die aufgebaute Altschneedecke, die im Januar verbreitet eingeschneit wurde. Im Verlauf des Winters handelte es sich meist um kantig aufgebaute Schneeoberflächen, seltener wurde diesen Winter Oberflächenreif eingeschneit. Die drei Grossregionen unterscheiden sich bei der Entwicklung der oberflächennahen Schwachschichten wenig (Abbildung 24, obere Grafik). Der Anteil von potentiellen Schwachschichten im obersten Meter der Schneedecke (ohne die Schneeoberfläche) ist in Abbildung 24 (untere Grafik) zusammengefasst. Die drei Grossregionen der Schweizer Alpen unterscheiden sich hier deutlich. Im Frühwinter war der Anteil potentieller Schwachschichten in den inneralpinen Gebieten am grössten. Im Hochwinter waren sie vor allem in den inneralpinen Regionen und in den südlichen Gebieten verbreitet vorhanden. In den nördlichen Gebieten war ihr Anteil deutlich kleiner.

 

Übersicht Wassergehalt der Schneedecke an Flachfeldern

Der Grad der Durchfeuchtung wurde aus dem simulierten Wassergehalt der Schneedecke mit dem Schneedeckenmodell SNOWPACK ermittelt. Die Darstellung des Wassergehalts (Abbildung 25) wird in vier Klassen unterteilt: trocken, teilweise feucht, durchfeuchtet oder kein Schnee. Die Schneedecke gilt dabei als durchfeuchtet, wenn genug Wasser in der simulierten Schneedecke vorhanden ist, dass ein volumetrischer Wassergehalt von 3% erreicht oder überschritten ist (jeweils nachmittags).
Abbildung 25 zeigt die Durchfeuchtung der Schneedecke an Flachfeldern im zeitlichen Verlauf vom Dezember 2015 bis April 2016 (Nord- und Südhänge sind nicht dargestellt). Im Frühwinter und im Hochwinter 2015/16 wurden besonders Südhänge, Flachfelder und Nordhänge nur zu einem kleinen Anteil, feucht. Die komplette Durchfeuchtung der Schneedecke fand an Flachfeldern und Nordhängen ab April, an Südhängen bereits ab März statt.

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Lawinenaktivität

 
 

Der Lawinenaktivitätsindex (Abbildung 26) zeigt die Hauptphase der Lawinenaktivität im Winter 2015/16 von Januar bis Mitte März. Ab Mitte März wurden vor allem noch Nassschneelawinen gemeldet. Eine ausgeprägte Nassschneelawinenperiode blieb aber aus. Feuchte und nasse Lawinen wurden auch im Hochwinter, oft durch Regen bis in hohe Lagen ausgelöst. Der Lawinenaktivitätsindex erreichte im Winter 2015/16 die höchsten Werte am 13. Januar (Nr. 2 in Abb. 26), am 1. Februar (Nr. 4, höchster Wert), am 21. Februar (Nr. 6) und am 6. März (Nr. 8). Die Hauptunfalltage waren der 21. Februar (Nr. 6), der 27. Februar (Nr. 7) und der 6. März 2016 (Nr. 8).

 

 

Bemerkenswerte Lawinenperioden

Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt, was in Abbildung 26 deutlich zu sehen ist. Bemerkenswerte Lawinenperioden des Winters 2015/16 sind mit Nummern markiert (Abbildung 26) und werden im Folgenden beschrieben.

Oktober

Vom 1. bis 4. Oktober fielen im Simplongebiet und im nordwestlichen Tessin im Hochgebirge oberhalb von 3500 m 60 bis 80 cm Schnee, in den direkt angrenzenden Gebieten 40 bis 60 cm. Mässiger bis starker Südwind verfrachtete im Hochgebirge den Neuschnee. Einzelne, meist kleine Lawinen wurden aus dem Saastal, VS gemeldet. Ein erster markanter Wintereinbruch ereignete sich vom 13. bis 16. Oktober. Die Schneefallgrenze sank bis in mittlere Lagen. Oberhalb von 2000 m fielen am Alpenhauptkamm und im Engadin bis zu 50 cm Schnee. Triebschnee bildete sich vor allem in Kammlagen und im Hochgebirge. Im Gebiet Saas und Zermatt wurden einzelne Sicherungsspengungen erfolgreich durchgeführt und vereinzelt auch kleine Lawinen durch Personen ausgelöst. Am 24.10. ereignete sich am Piz Palü (Pontresina, GR) ein tödlicher Lawinenunfall. Da ausser im Hochgebirge kaum eine Altschneedecke lag, war die Lawinenaktivität insgesamt gering.

November

Nach drei sehr milden und sonnigen Novemberwochen war der Oktoberschnee -  ausser an Nordhängen - in der Höhe wieder geschmolzen. Vom 20. bis 22. November fielen am Alpennordhang und im nördlichen Wallis oberhalb von 2500 m 80 bis 100 cm Schnee, nach Süden nahmen die Neuschneemengen stark ab. Kurz danach, vom 25. bis 27. November fielen im Norden 40 bis 60 cm, lokal bis zu 90 cm Schnee, wobei die Schneefallgrenze bis in tiefe Lagen sank. Im Süden blieb es im November weitgehend trocken. Einzelne gesprengte oder durch Personen ausgelöste Lawinen wurden vor allem vom Alpennordhang gemeldet. Am 26.11. verschüttete die Sättelital-Lawine die Strasse ins Grosstal (Isenthal, UR). Die Lawinen brachen am Übergang zum Altschnee an oder glitten als Gleitschneelawinen am Boden ab. Ende November entstand mit wenig Neuschnee und stürmischem Wind eine heikle Lawinensituation. Im Hochgebirge lösten sich spontane Lawinen, am Alpennordhang lösten Personen Lawinen aber auch im Waldgrenzbereich aus. Die Schneehöhen waren Ende November im Norden und im Unterwallis leicht überdurchschnittlich, in den übrigen Gebieten lag sehr wenig oder kein Schnee.

Dezember

Der Dezember war meist trocken und extrem warm. Die Schneedecke schmolz an Südhängen wieder ab. An steilen Schattenhängen wurde sie aufbauend umgewandelt und bestand dort zunehmend aus lockeren, kantig aufgebauten Schichten. Oft waren dünne Schmelzharschkrusten eingelagert. Am Alpennordhang und im Unterwallis waren bodennahe Schichten besser verfestigt als in den übrigen Gebieten. In der zweiten Dezemberhälfte lag an vielen Orten fast kein Schnee mehr und es herrschten eher Wanderverhältnisse. Skitouren waren in hohen Lagen vor allem am Alpennordhang und im Unterwallis sowie allgemein von hochgelegenen Passstrassen aus möglich. Vereinzelt wurden Lawinenabgänge beobachtet. Bereits mit wenig Triebschnee war die Auslösebereitschaft lokal deutlich erhöht (Abbildung 27). Insgesamt war aber die Lawinenaktivität im Dezember und besonders auch während der Weihnachtstage gering (Abbildung 26), weil die Skitouren- und Variantenaktivität aufgrund von Schneemangel allgemein gering war.

 

Januar

(1) 05.01.2016: Vom 3. bis 5. Januar fiel der erste grössere Niederschlag seit Ende November 2015. Ganz im Westen fielen bis zu 100 cm Schnee, im Unterwallis und am Alpennordhang rund 50 cm. Der Neuschnee fiel auf lockeren, aufgebauten Altschnee. Lawinen gingen in hohen Lagen vor allem an Nord- und Osthängen nieder oder wurden durch Personen ausgelöst. Die Auslösebereitschaft von kleinen und mittleren Lawinen war in den Neuschneegebieten hoch. Neben Lawinen wurden auch häufig Wummgeräusche und Risse in der Schneedecke beobachtet, was deutliche Alarmzeichen für den schwachen Schneedeckenaufbau waren. Im Trientgebiet (VS) wurde eine grosse spontane Lawine gemeldet, die bis auf 1400 m hinunter vorstiess.

(2) 13.01.2016: Vom 7. bis 13. Januar fiel anhaltend und besonders im Westen sehr ergiebig Schnee, mit sinkender Schneefallgrenze. Im Westen kamen, begleitet von stürmischen Westwinden, bis 180 cm, in den übrigen Gebieten, ausser im Süden, verbreitet rund 50 cm Schnee zusammen. Die hohen Niederschlagsintensitäten und der schwache Altschnee vom alten Jahr führten zu einer hohen Auslösebereitschaft von Lawinen vom 8. bis 14. Januar, mit der höchsten Aktivität am 13. Januar. Zunächst lösten sich mit Regen spontan vor allem kleine bis mittlere feuchte Lawinen, dann auch trockene, teils grosse Lawinen. Betroffen waren das Wallis, der Alpennordhang und Graubünden. Besonders im Wallis gingen grosse Lawinen nieder. Zudem ereigneten sich mehrere Lawinenunfälle, darunter ein tödlicher Unfall am 9. Januar am Mäderhorn (Ried-Brig, VS). Besonders am 13. Januar wurden vermehrt Lawinen bei Sicherheitssprengungen ausgelöst (Abbildung 28). Am 14. Januar verlagerte sich die spontane Lawinenaktivität dann in den Osten.

 

(3) 18.01.2016: Der anschliessende Grossschneefall vom 15. bis 17. Januar betraf vor allem den Alpennordhang mit bis zu 100 cm und das nördliche Wallis und Nordbünden mit rund 50 cm Schnee bei tiefer Schneefallgrenze. Wieder blies zeitweise stürmischer Westwind. Während im Westen die Auslösebereitschaft nicht mehr so hoch war, lösten sich in dieser Phase vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Nord- und Mittelbünden spontane Lawinen oder sie wurden künstlich ausgelöst. Es ereigneten sich mehrere Lawinenunfälle, mit einem Todesopfer am 16. Januar am Combe de Saxon (Saxon, VS). In den schneearmen Gebieten Graubündens waren die Schwachschichten nur wenig überdeckt und brachen häufig bereits unter der Belastung eines Wintersportlers, was sich in häufigen Wummgeräuschen äusserte. Die Lawinen waren hier aber eher klein.

Am 18. Januar konnte im SLF-Testgelände im Vallée de la Sionne (Arbaz, VS) für Forschungszwecke eine grosse Staublawine künstlich ausgelöst und vermessen werden (Abbildung 29).

 

Februar

(4) 01.02.2016: Vom 31. Januar bis 1. Februar feuchteten starke Niederschläge mit einer Schneefallgrenze zwischen 2400 m und 3000 m die Schneedecke an allen Expositionen und bis in hohe Lagen an. Der Regen schwächte die Schneedecke, intensive Schneefälle und Sturm bildeten im Hochgebirge umfangreiche Triebschneeansammlungen, die eine grosse Zusatzbelastung für den schwachen Altschnee waren. Dies führte - ausser im Süden - verbreitet zu einer kurzen, aber sehr aktiven Phase von spontanen feuchten und nassen Lawinen zum Monatswechsel Januar/Februar. Die höchste Lawinenaktivität des Winters 2015/16 wurde am 1. Februar erreicht. Am 30. Januar ereigneten sich in Graubünden zwei Lawinenunfälle, wobei eine Person am Büelenhorn (Davos Monstein, GR) tödlich verunglückte.

(5) 10.02.2016: In der ersten Februarhälfte fiel - ausser ganz im Süden - immer wieder Schnee und starker Westwind oder Föhnstürme verfrachteten diesen intensiv. Im Westen wurde der schwache Altschnee zunehmend überdeckt und war kaum noch auslösbar. Hier waren vor allem die Neu- und Triebschneeschichten kritisch. Im Osten hingegen war der Altschnee weniger überdeckt und blieb anhaltend störanfällig. Es ereigneten sich zahlreiche Lawinenunfälle mit Personen, glücklicherweise ohne Todesopfer.

(6) 21.02.2016: Wie schon Anfang Februar führte ein weiterer Wärmeeinbruch mit Regen bis in Lagen von 2400 m zu einer hohen Auslösebereitschaft von Lawinen sowie zu einer grossen Aktivität von nassen und feuchten Lawinen (Abbildung 30). Am 20. und 21. Februar ereigneten sich zahlreiche Lawinenunfälle. Am Allalinhorn (Saas Fee, VS) verstarb am 21. Februar eine Person in einer Lawine.

 

(7) 28.02.2016: Vom 27. bis 29. Februar schneite es im Süden erstmals verbreitet ergiebig, am Oberwalliser Alpenhauptkamm bis zu 120 cm. Während der Wind in den Hauptniederschlagsgebieten im Süden zu schwach war für grosse Schneeverfrachtungen, stürmte im Norden der Föhn und verfrachtete lockeren Altschnee. Frischer Triebschnee war leicht auslösbar und es ereigneten zahlreiche Lawinenauslösungen durch Personen, vor allem am 27. Februar, wo am Blüemberg (Muotathal, SZ) auf nur 1600 m eine Person bei einem Lawinenunfall tödlich verunglückte. Da die Beobachtungsdichte am Alpensüdhang deutlich kleiner ist als in den übrigen Gebieten, dürfte die tatsächliche Lawinenaktivität in dieser Phase höher gewesen sein als der Index anzeigt.

März

(8) 06.03.2016: Vom 4. bis 6. März fiel verbreitet Schnee bis in tiefe Lagen, mit 50 bis 70 cm am meisten am Alpensüdhang, in Mittelbünden und im Oberengadin. Die Schneefälle waren zeitweise sehr intensiv. Im Tessin und in Graubünden lösten sich spontane Lawinen im Altschnee. Besonders im Oberengadin erreichten die Lawinen grosse Ausmasse. Der Lawinenaktivitätsindex erreichte am 6. März den höchsten Wert für trockene Lawinen im Winter 2015/16. Ein tödlicher Unfall mit zwei Todesopfern ereignete sich am 5. März im Höllgraben (Safiental, GR).

(9) 21.03.2016: Die Erwärmung in der dritten Märzwoche führte allmählich zur ersten Frühlingssituation. Mit der Durchfeuchtung der Schneedecke an steilen Sonnenhängen lösten sich vor allem am Alpennordhang und im Wallis nasse Lawinen im Tagesverlauf. Auch die Aktivität von Gleitschneelawinen nahm zu und war vermehrt einem Tagesverlauf unterworfen. Die Aktivität war jedoch insgesamt verhalten, da einerseits die Temperaturen für März relativ kühl waren und andererseits, weil sich viele Hänge bereits in der Phase vom 21.02. (6) durch den Regen bis in hohe Lagen entladen hatten.

April

(10) 01.04.2015: Mit steigenden Temperaturen setzte sich die Durchfeuchtung der Schneedecke Anfang April fort, dies an Südhängen bis ins Hochgebirge, an Nordhängen bis in hohe Lagen (vgl. Abbildung 25). Nasse Lawinen lösten sich zunehmend auch an Nordhängen und brachen besonders in Graubünden auch im schwachen Altschnee an. Am 3. April ereignete sich an der Aroser Alp (Arosa, GR) ein tödlicher Lawinenunfall.

In der zweiten Aprilhälfte kehrte der Winter zurück und die Aktivität von nassen Lawinen nahm ab. Neu- und Triebschnee fielen auf eine weitgehend durchfeuchtete Altschneedecke. Die Auslösebereitschaft von trockenen Lawinen war zeitweise wieder erhöht. Im Hochgebirge des Wallis ereigneten sich drei tödliche Lawinenunfälle: am 17.04. an der Galmilicke (Fieschertal), am 19.04. am Le Portalet (Orsières) und am 29.04. am Sattelhorn (Naters). Am 20.04. ereignete sich am Piz Fora (Sils, GR) ein tödlicher Lawinenunfall.
Weil im April die Beobachterdichte gegenüber dem Hochwinter schon stark reduziert ist, dürfte die Lawinenaktivität in dieser Phase höher gewesen sein, als der Index dies repräsentiert.

Mai

Nach den Schneefällen im April herrschten im Mai oft noch gute Tourenverhältnisse. Mehrere Wintereinbrüche mit viel Neuschnee führten im Hochgebirge zu anhaltend winterlichen Verhältnissen. Am 5. Mai verunglückte eine Person tödlich am Surenjoch (Flims, GR).

Erst mit der Erwärmung gegen Ende Mai wurde der neuere Schnee durchfeuchtet und geschwächt. Nasse Lawinen lösten sich aus dem Neuschnee. Teils wurden sie gross und stiessen bis ins Grüne vor (Abbildung 31).

 

Lawinenunfälle (Oktober 2015 bis Mai 2016)

Lawinenunfälle mit Personen (Stand 31. Mai 2016)

Dem SLF wurden für den Winter 2015/16 158 Lawinen mit 204 erfassten Personen gemeldet. 57 Personen wurden in Lawinen verletzt und 20 Personen haben bei 17 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Bei drei Lawinenunfällen (09.01.2015 Bodmertälli/VS, 16.01.2015 Combe de Saxon/VS, 05.03.2015 Höllgraben/GR) kamen jeweils 2 Personen ums Leben, sonst jeweils eine Person. Die Gesamtopferzahl liegt mit 20 Todesopfern etwas unter dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2016 dauert, liegt der Mittelwert der letzten 20 Jahre bei 23 Lawinentoten. 1 Person verunglückte bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 1 (gering), 7 Personen bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (mässig), 11 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bereits im Oktober, als noch keine Gefahrenstufe prognostiziert wurde. Die Lawinenopfer verunglückten bei folgenden Aktivitäten tödlich: Touren: 15 Personen, Varianten: 5 Personen. 7 Unfälle mit insgesamt 9 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, 6 Unfälle mit insgesamt 7 Todesopfern in Graubünden, 2 Unfälle mit insgesamt 2 Todesopfern im Kanton Bern. Jeweils ein Unfall mit einem Todesopfer geschah in den Kantonen Schwyz und Glarus (Abbildung 32).

 

Lawinenunfälle mit Sachschäden

Bei 25 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.

Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint nach Erfassung und Auswertung aller Daten in der Publikation "Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2015/16" anfangs 2017.

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Lawinenbulletins und Gefahrenstufen

 

Während des hydrologischen Jahres 2015/16 wurden 191 Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 132 als tägliche Lawinenbulletins vom 24.12.2015 bis zum 03.05.2016. Die übrigen 59 erschienen als situationsbezogene Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten und im Sommer. Zwischen dem 03.01.2016 und 10.04.2016 sowie am 25.04. und 27.04. wurden an 101 Tagen Lawinenbulletins auch am Morgen publiziert (Tabelle 5).

Tab. 5: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im hydrologischen Jahr 2015/16 (1. Oktober 2015 bis 30. September 2016).

Produkt Ausgabedatum
Lawinenbulletins Herbst und Winteranfang (36) Oktober: 14., 16., 27., 30., November: 19. bis 30. (täglich), Dezember: 1. bis 6. (täglich), 8., 9., 11. bis 22. (täglich)
Lawinenbulletins Winter Hauptperiode (132) vom 24.12.2015 bis 3.5.2016 (täglich)
Morgeneinschätzungen (101) vom 03.01.2016 bis 10.04.2016 (täglich), 25.04., 27.04.
Lawinenbulletins Frühling und Sommer (23) Mai: 4., 6., 8., 9. 11. bis 15. (täglich), 17., 18., 20., 22., 23., 25., 27., 28., 30.; Juni: 16. und 18.; August: 4.;
September: 16. und 19.


Wie in Abbildung 33 (obere Grafik) illustriert, wurde die Gefahrenstufe 4 (Gross) in der Abendeinschätzung an 13 Tagen prognostiziert, in der Morgeneinschätzung noch zusätzlich zweimal, am 5. und 13. Februar 2016. Die Zeit mit verbreitet und anhaltend erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) lag zwischen Anfang Januar und Anfang März. In den schneereichen Gebieten (z.B. Unterwallis, Alpennordhang) führten intensive Schneefälle, Regen und Sturm zu kritischen Lawinensituationen. In den schneearmen Gebieten (z.B. südliches Oberwallis, nördliches Tessin, Graubünden) war es vor allem wegen des schwachen Schneedeckenaufbaus lawinengefährlich. Ab der zweiten Märzwoche nahm die Lawinengefahr überall ab. Mit Nassschneelawinen (Abbildung 33, untere Grafik) wurde es Anfang April zwar nochmal kritisch sowie auch mit Neuschnee ab Mitte April, aber insgesamt war es im Winter 2015/16 weniger gefährlich als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

 

Vom 4. bis 5. Januar 2016 erreichte die Lawinengefahr erstmals im Winter 2015/16 die Gefahrenstufe 4 (Gross). Betroffen waren Gebiete im westlichen Unterwallis. Am 8. Januar erreichte die Lawinengefahr in den westlichsten Teilen des Unterwallis erneut die Stufe 4 (Gross). Vom 11. bis 13. Januar wurde am nördlichen Alpenkamm verbreitet und gebietsweise im Wallis die Gefahrenstufe 4 erreicht. Dabei stieg die Gefahr am 13. Januar auch in Nordbünden und in den nördlichsten Gebieten des Unterengadins auf die Stufe 4 (Gross) an. Dies war die längste Lawinensituation mit Stufe 4 (Gross) im Winter 2015/16. Am 15. Januar wurde die Gefahrenstufe 4 (Gross) gebietsweise in Nordbünden und im Unterengadin prognostiziert, was sich am Morgen des 16. Januar nicht bestätigte, aber an den darauffolgenden Tagen, am 17. und am 18. Januar erreicht wurde.

Auch im Februar und Anfang März wurde die Lawinensituation nochmals kritisch, allerdings deutlich kleinräumiger, als es im Januar zeitweise der Fall war. Am 5. Februar wurde in einzelnen Gebieten Mittelbündens sowie des nördlichen Oberengadins am Morgen die Lawinengefahrenstufe "Gross" (Stufe 4) erreicht. In der Abendeinschätzung vom 4. Februar wurde die Stufe 4 noch nicht prognostiziert. Auch am 12. Februar abends und am 13. Februar morgens wurde im Unterwallis gebietsweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Ende Februar, vom 28. bis 29. Februar stieg die Lawinengefahr dann am Oberwalliser Alpenhauptkamm verbreitet auf die Stufe 4 (Gross) an. Am 5. März erreichte die Lawinengefahr letztmals im Winter 2015/16 die Gefahrenstufe 4 (Gross) und zwar verbreitet am Alpensüdhang und im Oberengadin.

Im langjährigen Vergleich wurde die Stufe 4 (Gross) weniger häufig (0.9%) verwendet als im Durchschnitt der letzten zehn Winter (1.2%). Auch die Stufen "Erheblich" (Stufe 3) und "Mässig" (Stufe 2) wurden weniger häufig prognostiziert als durchschnittlich (Stufe 3: 36%, Stufe 2: 46%). Dagegen wurde die Stufe "Gering" (Stufe 1) fast doppelt so häufig (30%) prognostiziert als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (17%). Die Gefahrenstufe 5 (Sehr Gross) kam im Winter 2015/16 nie zur Anwendung (Abbildung 34).

 

Wie schon der vorangehende Winter begann auch der Winter 2015/16 relativ spät mit den ersten ergiebigen Schneefällen im Januar. Der Schneedeckenaufbau war zunächst verbreitet schwach und durch die intensiven Schneefälle war die Lawinensituation im Januar und Februar oft heikel, mit häufig "erheblicher" und gebietsweise auch "grosser" Lawinengefahr. Der schwache Altschnee wurde im Laufe des Januars im Westen, im Laufe des Februars auch im Norden stark überschneit und Lawinen waren dort tiefer in der Schneedecke kaum noch auslösbar. Besonders im südlichen Unterwallis war der Schneedeckenaufbau deutlich besser als in den vorangehenden Wintern. Im Gegensatz dazu konnten sich in den schneeärmeren Gebieten im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern aus den tiefen Schichten der Altschneedecke bis zur erste Märzhälfte teilweise noch Lawinen bilden und die Lawinengefahr war anhaltend "erheblich". Nach wiederholten Föhnstürmen und der Anfeuchtung der Schneedecke bis in hohe Lagen war ab Mitte März die Lawinensituation auch in den schneeärmeren Gebieten meist günstig, mit geringer und mässiger Lawinengefahr. Die Hauptgefahr ging verbreitet von neueren, oberflächennahen Schichten aus. Mit einem meist nur leichten Anstieg der Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen im Tagesverlauf herrschten in der zweiten Märzhälfte oft gute Tourenverhältnisse. Mit der Erwärmung in der ersten Aprilwoche lösten sich vermehrt nasse Lawinen in bodennahen Schneeschichten. In der zweiten Hälfte des Aprils stieg die Lawinengefahr mit Neuschnee nochmal markant an.

 

Wenn man die Verteilung der Gefahrenstufen des Winters 2015/16 (Abbildungen 34 und 35) mit dem Mittelwert der letzten zehn Jahre vergleicht, sieht man einerseits, dass die Gefahrenstufen 2 (Mässig), 3 (Erheblich) und 4 (Gross) weniger verwendet wurden als normal. Dies dürfte hauptsächlich mit dem späten Winterbeginn und der guten Überdeckung des schwachen Altschnees im Laufe des Winters in weiten Gebieten des Unterwallis und des Alpennordhanges zusammenhängen. Andererseits wurde die Gefahrenstufe 1 (Gering) überdurchschnittlich oft verwendet, was vor allem mit den über weite Gebiete verbreitet günstigen Situationen im Frühwinter (Schneemangel im Dezember) sowie von Mitte März bis Mitte April erklärt werden kann.

Lawinenprobleme

Im Winter 2015/16 (1. Dezember 2015 bis 30. April 2016) wurden im Lawinenbulletin die Lawinenprobleme folgendermassen verwendet (Lawinenproblem der Hauptgefahr; Auszählung über alle Warnregionen):

Neuschee 10%, Triebschnee 46%, Altschnee 27%, Nassschnee 10%, Gleitschnee 2% und Günstige Situation 5%.

Die Verteilung der Lawinenprobleme war im Winter 2015/16 regional unterschiedlich: für die Gefahrenstufe 3 (Erheblich) wurde im Lawinenbulletin am Alpennordhang und im Unterwallis seltener das Altschneemuster verwendet, dafür war Triebschnee häufig. Im südlichen Oberwallis, im Gotthardgebiet und in Graubünden war das Altschneeproblem ausgeprägter und wurde dort verbreitet in 30 bis 40%, teils in über 40% der Lawinenbulletins verwendet (vgl. dunkelblaue Flächen in Abbildung 36).

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Sommer (Juni bis September 2016)

 
 

1: Im Juni oft winterlich und zur Monatsmitte Schnee bis auf 1000 m

Der Juni war - wie schon der Mai - oft winterlich mit häufigen Gewittern und auch mit Starkniederschlägen. In hohen Lagen lag im Juni, ausser an Sonnenhängen, zunächst durchgehend Schnee. Vom 15. bis 17. Juni fielen verbreitet 20 bis 50 mm, am östlichen Alpennordhang und in Graubünden bis 80 mm, im Tessin bis 170 mm Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank im Verlauf der Niederschläge von 3000 m auf 1000 m. Allerdings fiel nur oberhalb von 3500 m der Gesamtniederschlag in Form Schnee. Die Gefahr für trockene Lawinen war im Hochgebirge, die Gefahr für nasse Lawinen war in hohen Lagen erhöht. Am 16. und am 19. Juni erschien jeweils ein Lawinenbulletin. In der zweiten Junihälfte wurde es sommerlicher und die Nullgradgrenze stieg über das langjährige Mittel (Abb. 37). Gegen Monatsende aperten dann Flachfelder und auch Nordhänge in hohen Lagen aus, was im langjährigen Vergleich einem normalen Verlauf entspricht. Auch im Hochgebirge nahm die Gefahr von trockenen Lawinen Ende Juni ab, es wurden aber einzelne Nassschneelawinen beobachtet.

2: Wintereinbruch Mitte Juli mit Schnee bis in mittlere Lagen, sonst oft hochsommerlicher Juli mit nassen Rutschen vor allem im Hochgebirge, ein tödlicher Lawinenunfall

Mit einem markanten Temperatursturz Mitte Juli fiel kurzzeitig Schnee bis in mittlere Lagen. Vom 13. bis 15. Juli schneite es oberhalb von 2500 m am Alpennordhang und in Graubünden 15 bis 30 cm, im Hochgebirge vom östlichen Berner Oberland bis in die Glarner Alpen bis zu 60 cm. Mit Ostwind und tiefen Temperaturen blieb der Schnee in hohen Lagen einige Tage liegen. Abgesehen von diesem Temperatursturz war der Juli aber sommerlich mit teils kräftigen Gewittern. Die Durchfeuchtung der Schneedecke schritt im Hochgebirge fort und es lösten sich nasse Rutsche und Lawinen (Abbildung 38). Ende Juli lag besonders am nördlichen Alpenkamm und in Graubünden auf den Gletschern eine geschlossene Schneedecke. Die Schneegrenze lag dort bei 3200 m. Dem SLF wurden drei Lawinenunfälle mit erfassten Personen durch nasse Rutsche gemeldet. Am 4. Juli kam am Bietschhorn, VS auf rund 3400 m eine Person bei einem Lawinenunfall ums Leben, als sie von einer nassen Lockerschneelawine mitgerissen wurde. Am 9. Juli erfasste ein Gleitschneerutsch am Säntis, SG auf rund 2300 m zwei Wandergruppen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Am 10. Juli wurde eine Seilschaft oberhalb der Fuorcla Boval, GR auf rund 3300 m von einem Nassschneerutsch mitgerissen und eine Person wurde verletzt.

 

3: Zunächst wechselhafter August mit wiederholten Niederschlägen, Schnee fiel meist nur im Hochgebirge

Der August war zunächst kühl und wechselhaft. Zwischen dem 4. und 6. August fielen im Hochgebirge am Alpennordhang und in Graubünden 30 bis 60 cm Schnee. Dieser fiel besonders auf den Gletschern auf eine geschlossene Schneedecke und die Lawinengefahr stieg an. Am 4. August wurde ein Lawinenbulletin herausgegeben. Bis Mitte August blieb es wechselhaft mit Niederschlägen vor allem im Norden und Osten. In diesen Gebieten fielen in den Gipfellagen des Hochgebirges rund 40 cm Schnee. Am 10. August sank die Schneefallgrenze kurzzeitig auf 2000 m, sonst lag sie meist im Hochgebirge. Mit den wiederholten Niederschlägen blieb die Schneedecke besonders auf den Gletschern des Hochgebirges erhalten. Sie setzte und verfestigte sich und die Verhältnisse für Hochtouren waren meist recht gut. Im Wallis und im Tessin fiel in dieser Periode nur wenig Niederschlag. Dem Lawinenwarndienst wurden keine Lawinen gemeldet.

4: Hitzeperiode zum Start eines warmen Spätsommers

Ab dem 21. August wurde es anhaltend hochsommerlich und auch ausgesprochen heiss. Gemäss Messungen der MeteoSchweiz wurde am 27. August in Basel mit 33.8 Grad, und in Genf mit 33.5 Grad ein neuer Temperaturrekord für Ende August erreicht (154-jährige Messreihe). Die Nullgradgrenze, die in grossen Höhen mittels Radiosondierung gemessen wird, stieg in ungewöhnliche Höhen und lag am 25. August auf 4895 m (Abbildung 37). Dies ist für Ende August ungewöhnlich, aber kein Rekord. Der Tag mit der höchsten je gemessenen Nullgradgrenze in der Schweiz war am 20. Juli 1995 mit 5127 m. Bis Mitte September herrschte dann weiterhin meist sonniges Spätsommerwetter mit einer Nullgradgrenze zwischen 3000 und 4000 m. Mitte September lag vor allem auf Gletschern oberhalb von 3200 bis 3600 m eine meist dünne Schneedecke.

5: Kaltlufteinbruch Mitte September mit Schnee bis auf 2400 m

Mit tiefdruckbestimmtem Wetter fiel vom 16. bis 19. September Niederschlag, mit Schwerpunkt im südlichen Wallis. Die Schneefallgrenze lag zwischen 2400 und 2800 m. Oberhalb von 3200 m schneite es im südlichen Wallis vom Trientgebiet bis ins Monte-Rosa-Gebiet 40 bis 60 cm, am nördlichen Alpenkamm 30 bis 50 cm und sonst 10 bis 30 cm. Unterhalb von 2500 m blieb kaum Schnee liegen. Die Lawinengefahr war im Hochgebirge erhöht. Am 16. und 19. September wurde jeweils ein Lawinenbulletin herausgegeben. Dem SLF wurden einzelne grössere Lawinen aus dem Monte-Rosa-Gebiet gemeldet. Gegen Ende September war es oft sonnig und die Temperaturen stiegen wieder an. Die Nullgradgrenze lag zwischen 3000 und 3500 m. Besonders an Nordhängen und auf Gletschern lag Ende September oberhalb von 3000 bis 3200 m verbreitet noch Schnee.

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Winterflash (Ausgabe 2. Mai 2016)

 

Zusammenfassung

Der Winter 2015/16 war ausserordentlich warm. Von November bis April handelt es sich gemäss Messungen von MeteoSchweiz sogar um die zweitwärmste Periode nach 2006/07 seit Messbeginn 1864. Der Frühwinter war sehr schneearm mit stark unterdurchschnittlichen Schneehöhen bis Anfang Januar. Im Westen wurde das Schneedefizit mit den ergiebigen Schneefällen im Laufe des Januars ausgeglichen, in der Zentral- und Ostschweiz erst im März. Im Süden fiel erst im Februar ergiebig Schnee. Das Schneedefizit blieb im Tessin den ganzen Winter erhalten. Der Winter war markant wärmer als normal, der Dezember sogar rekordwarm. Folglich war die Anzahl Schneetage diesen Winter im Mittelland klar unterdurchschnittlich.

Der Schneedeckenaufbau war im Januar in vielen Gebieten schwach, im weiteren Winterverlauf dann vor allem noch im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin sowie verbreitet in Graubünden. Intensive Schneefälle, Wärmeeinbrüche und Föhnstürme führten von Januar bis Anfang März zu heiklen Lawinensituationen. Ab der zweiten Märzwoche nahm die Lawinengefahr überall ab und die Lawinensituation war im März meist recht günstig. Anfang April wurde es mit Nass- und Gleitschneelawinen, ab Mitte April mit Neuschnee nochmal etwas heikler.

Im Winter 2015/16 war es im Mittel weniger lawinengefährlich als in den vorangegangenen 10 Wintern. Die Gefahrenstufe 1 (gering) wurde fast doppelt so häufig, die Gefahrenstufe 2 (mässig) weniger häufig und die Gefahrenstufen 3 (erheblich) und 4 (gross) etwas weniger häufig prognostiziert als in den letzten 10 Jahren. Die Anzahl der Lawinenopfer lag etwas unter dem Durchschnitt. Bis zum 30. April starben 18 Personen in Lawinen in den Schweizer Alpen.

 

Typische Aspekte des Winters 2015/16

Bis zum Jahresende kaum Schnee und wenig lawinengefährlich

Mit sehr milden Temperaturen und grosser Trockenheit begann der Winter mit meist geringer Lawinengefahr. Da nur sehr wenig Schnee lag, waren Touren und Variantenabfahrten aber kaum möglich. Aus der dünnen Schneedecke entwickelte sich an Schattenhängen in hohen Lagen eine schwache Altschneeschicht.

Heikle Lawinensituationen für Schneesportler durch ergiebige Schneefälle und zeitweise schwache Schneedecke

Zuerst im Westen und Norden, ab Februar dann auch im Osten und Süden führten wiederholte Schneefälle und Föhnstürme zu kritischen Lawinensituationen. Gefährlich waren vor allem Neu- und Triebschneeschichten sowie der aufbauend umgewandelte Altschnee an der Basis der Schneedecke. Im Norden und Westen überdeckten die neuen Schneefälle nach und nach diese Schicht, sodass sie im Februar nicht mehr als Lawine ausgelöst werden konnte. Im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern hingegen blieben die schwachen Basisschichten der Schneedecke bis in die erste Märzwoche hinein eine Gefahr. Es war diesen Winter die einzige Schwachschicht, die über längere Zeit erhalten blieb.

Zwei Wärmeeinbrüche im Hochwinter mit Regen bis in hohe Lagen

Zum Monatswechsel Januar/Februar feuchteten starke Niederschläge mit einer Schneefallgrenze zwischen 2400 m und 3000 m die Schneedecke bis in hohe Lagen an. Dies führte zu einer sehr aktiven Phase von spontanen feuchten und nassen Lawinen. Eine sehr ähnliche Situation wiederholte sich am 21. Februar, als die Temperaturen erneut auf frühlingshafte Werte anstiegen und es im Hochwinter das zweite Mal bis auf rund 2400 m hinauf regnete.

Bis Mitte April oft günstige Frühlingssituation, dann nochmal winterliche Verhältnisse

Der März war verhältnismässig kühl und ab der zweiten Märzwoche nahm die Lawinengefahr überall ab. Mit Nass- und Gleitschneelawinen war die Lawinengefahr besonders in der ersten Aprilwoche erhöht. In der zweiten Aprilhälfte kehrte der Winter mit ergiebigen Schneefällen und einer Verschärfung der Lawinensituation nochmals zurück.

 

Klimatologische Einordnung

Die frühwinterliche Schneearmut in diesem Winter (2015/16) war sogar noch ausgeprägter als die im vorangehenden Winter (2014/15). So erlebten z.B. einige langjährige Mess-Stationen in Nord- und Mittelbünden auf rund 1500 m erstmals grüne oder nur schwach weisse Weihnachten. Mit Ausnahme des März fielen alle anderen Monate (November 2015 bis April 2016) zu warm aus. Vor allem der Dezember war rekordwarm - laut MeteoSchweiz wurden in Berggebieten 4 bis 6 °C höhere Temperaturen als im Durchschnitt (1981-2010) gemessen. In den Monaten November und Dezember fiel zudem sehr wenig Niederschlag, während die nachfolgenden zwei Monate einen leichten Niederschlagsüberschuss aufwiesen.

In Bezug auf die Schneemengen war die Westschweiz diesen Winter klar bevorteilt, weil diese Region vor allem im November und Januar mehr Niederschlag erhielt als der Rest der Schweiz. Die ersten Schneefälle bis ins Flachland (zwischen dem 21. und 24. November) waren in den höheren Lagen der Westschweiz so ergiebig, dass sie teilweise auch den warmen und trockenen Dezember überlebten. Die Ostschweiz dagegen erlebte vielerorts auch in den höher gelegenen Regionen praktisch schneelose Weihnachtstage, weil die vielen Sonnenstunden dem wenigen Schnee arg zusetzten. Praktisch schneelos blieben im Frühwinter das Engadin und der Alpensüdhang, weil es dort bis Anfang Januar überhaupt keinen nennenswerten Niederschlag gab. Eine solch schneelose Situation bis gegen 2000 m ü.M. zum Jahreswechsel ist an den langjährigen Messstationen auf der Alpensüdseite bis jetzt noch nie vorgekommen. Auch die ergiebigen Schneefälle im Februar konnten das Defizit dort nicht mehr ausgleichen, so dass die Schneehöhen auch an den höchsten Stationen bis Mitte April immer unterdurchschnittlich blieben. Die Schneehöhen in der Zentral- und Ostschweiz erreichten auf Grund der häufigen Schneefälle im Januar und Februar immerhin anfangs März für kurze Zeit durchschnittliche Werte. In der Westschweiz waren diese Schneefälle intensiver, so dass die Schneehöhen dort ab Januar überdurchschnittliche Werte aufwiesen. Auf Grund der warmen Witterung war dies allerdings nur in Höhenlagen oberhalb von 1400 m der Fall. Im Norden und Osten holten die Schneehöhen in der zweiten Hälfte des Aprils nochmal auf und erreichten besonders in hohen Lagen durchschnittliche Werte.

Das Mittelland erlebte nur Mitte Januar einige Tage mit negativen Wintertemperaturen und schneebedecktem Boden über mehrere Tage, was klar unter der Norm war.

 

Lawinengefahr

Im Winter 2015/16 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Werte in Klammern: Mittelwert der letzten 10 Jahre, jeweils Dezember bis April, vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 30% (17%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 37% (46%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 31% (35%), Gefahrenstufe 4 (gross): 0.9% (1.2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.003%).

 

Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2015/16 unterschied sich vor allem bei den Gefahrenstufen 1 (gering) und 2 (mässig) vom langjährigen Mittelwert: Die Gefahrenstufe 2 (mässig) wurde ein Fünftel weniger häufig, die Gefahrenstufe 1 (gering) dagegen fast doppelt so häufig prognostiziert wie in den letzten 10 Jahren. Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde an 15 Tagen für einige Gebiete prognostiziert.

Wie schon der vorangehenden Winter begann auch der Winter 2015/16 relativ spät mit den ersten ergiebigen Schneefällen im Januar. Der Schneedeckenaufbau war zunächst verbreitet schwach und durch die intensiven Schneefälle war die Lawinensituation im Januar und Februar oft heikel, mit häufig erheblicher und gebietsweise auch grosser Lawinengefahr. Der schwache Altschnee wurde im Laufe des Februars im Westen und im Norden stark überschneit und Lawinen waren dort kaum noch auslösbar. Besonders im südlichen Unterwallis war der Schneedeckenaufbau deutlich besser als in den vorangehenden Wintern. Im Gegensatz dazu konnten sich in den schneeärmeren Gebieten im südlichen Oberwallis, im nördlichen Tessin, in den inneralpinen Gebieten Graubündens, im Engadin und in den Bündner Südtälern aus den tiefen Schichten der Altschneedecke bis zur erste Märzhälfte teilweise noch Lawinen bilden und die Lawinengefahr war anhaltend erheblich. Nach wiederholten Föhnstürmen und der Anfeuchtungen der Schneedecke bis in hohe Lagen war ab Mitte März die Lawinensituation auch in den schneeärmeren Gebieten meist günstig, mit geringer und mässiger Lawinengefahr. Die Hauptgefahr ging verbreitet von neueren, oberflächennahen Schichten aus. Mit einem meist nur leichten Anstieg der Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen im Tagesverlauf herrschten in der zweiten Märzhälfte oft gute Tourenverhältnisse. Mit der Erwärmung in der ersten Aprilwoche lösten sich vermehrt nasse Lawinen in bodennahen Schneeschichten. In der zweiten Hälfte des Aprils stieg die Lawinengefahr mit Neuschnee noch einmal markant an.

 

Lawinenunfälle und Sachschaden

Bis zum 30. April wurden rund zwanzig Prozent weniger Lawinenunfälle gemeldet als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre zum selben Stichtag. Die Anzahl Todesopfer durch Lawinen liegt für den 30. April mit 18 Personen etwas unter dem Durchschnitt. Bis Ende April liegt der Mittelwert der letzten 20 Jahre bei 21 Lawinentoten. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2016 dauert, liegt der Mittelwert der letzten 20 Jahre bei 23 Lawinentoten.

Bis am 30. April wurden dem SLF für den Winter 2015/16 insgesamt 125 Lawinen mit 191 erfassten Personen gemeldet. 46 Personen wurden in Lawinen verletzt und 18 Personen verunglückten tödlich bei 15 Lawinenunfällen. Die tödlichen Lawinenunfälle ereigneten sich bei folgenden Gefahrenstufen: 2 Personen verunglückten bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 1 (gering), 6 Personen bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (mässig), 9 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bereits im Oktober, als noch keine Gefahrenstufe prognostiziert wurde.

Im Unterschied zu den letzten beiden Wintern ereignete sich dieses Jahr bisher kein tödlicher Lawinen-Unfall mit mehr als 2 Opfern. Bei 12 Unfällen verunglückte jeweils 1 Person, bei 3 Lawinenunfällen jeweils 2 Personen (09.01.2016 Bodmertälli am Mäderhorn, VS; 16.01.2016 Combe de Saxon, VS; 05.03.2016 Höllgraben im Safiental, GR), vgl. Abbildung 2.

Die Lawinenopfer verunglückten bei folgenden Aktivitäten tödlich: Touren: 13 Personen, Varianten: 5 Personen.

7 Unfälle mit insgesamt 9 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, 4 Unfälle mit insgesamt 5 Todesopfern in Graubünden, 2 Unfälle mit insgesamt 2 Todesopfern im Kanton Bern. Jeweils ein Unfall mit einem Todesopfer geschah in den Kantonen Schwyz und Glarus. Bei 20 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.

 

Lawinenbulletins

Die Herausgabe der täglichen Lawinenbulletins wurde am 24. Dezember 2015 gestartet. Eine Morgeneinschätzung wurde vom 3. Januar 2016 bis zum 10. April 2016, sowie am 25. und am 27. April 2016 publiziert.

Das Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch und die SLF-App „White Risk“ abgerufen werden. Zudem können ein RSS-Feed und ein SMS-Service abonniert werden, welche auch in Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweisen (Service abonnieren: SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234, Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).

Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz www.meteoschweiz.ch, Telefon 0900 162 1380900 162 138 (1.20 CHF/Min.) sowie auf die MeteoSchweiz-App.

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