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Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen. Hydrologisches Jahr 2009/10.

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Zusammenfassung

Zusammenfassung Winter 2010 (Oktober 2009 bis Mai 2010)

  • Die Schneehöhen waren über den ganzen Winter gesehen in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich. Vor allem am Alpennordhang galt: Je tiefer die Höhenlage, desto grösser die Abweichung. Über dem langjährigen Mittelwert lagen die Schneehöhen im Oberengadin und in den Bündner Südtälern.
  • Mitte Oktober erfolgte ein markanter Wintereinbruch.
  • Von Dezember bis Mitte März waren die Temperaturen tiefer als normal.
  • Von Januar bis April war es verbreitet trockener als normal. Niederschläge waren zwar sehr häufig, die Mengen aber meist gering. Bedeutende Niederschläge betrafen vor allem den Alpensüdhang. Ausgeprägte Nordwestlagen mit ergiebigen Schneefällen blieben aus.
  • Die Kombination von tiefen Temperaturen und häufigen Niederschlägen führte zu wiederholter, oberflächennaher Schneeumwandlung. Aufgrund der insgesamt vergleichsweise geringen Schneehöhen waren aber auch tiefere Schneeschichten von aufbauender Umwandlung betroffen.
  • Regen bis in hohe Lagen vor allem im Dezember führte zu mehreren Krusten in der Schneedecke.
  • Die Schneedecke bestand aus obigen Gründen aus vielen Schichten unterschiedlicher Eigenschaften und war verbreitet ungünstig aufgebaut. Dies vor allem in den Gebieten mit unterdurchschnittlichen Schneehöhen. Die Lawinensituation war vor allem für Schneesportler oft heikel.
  • Schönwetterperioden dauerten kaum länger als ein paar wenige Tage.
  • Die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde häufiger ausgegeben als im langjährigen Durchschnitt.
  • Die meisten Lawinen lösten sich zwischen dem 21. und 26. Dezember (trockene Lawinen und Nassschneelawinen) und dem 19. und 23. März (v.a. Nassschneelawinen).
  • Es wurden weniger grosse, dafür mehr kleine Lawinen gemeldet als in anderen Wintern.
  • Im Mittelland lag mehrmals eine Schneedecke, im Januar und Februar jeweils über mehrere Tage.

Die Anzahl tödlicher Lawinenunfälle (28 Personen kamen bis Ende Mai in Lawinen ums Leben) war überdurchschnittlich. Ein grosser Lawinenunfall forderte 7 Todesopfer.

 

Zusammenfassung Sommer 2010 (Juni bis September 2010)

  • In der Zeit vom Juni bis September gab es sieben markante Kaltlufteinbrüche, fünf davon in kurzen Abständen von ca. 1 bis 2 Wochen zwischen Ende Juli und Anfang September.
  • Aufgrund der wiederholten Schneefälle lag im Hochgebirge oft und verbreitet eine geschlossene Schneedecke.
  • In dieser Periode wurden 9 Lawinenbulletins publiziert, so viele wie noch nie in den letzten 10 Jahren im Sommer. 8 Lawinenbulletins zwischen Juni und September erschienen im Jahre 2007. Nur 1 Bulletin erschien jeweils in den Jahren 2003 und 2005.

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Schneehöhenverlauf

 

Relative Schneehöhen

Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen 2010 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen und den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem) und der MeteoSchweiz. Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt „Ausgewählte Beobachterstationen“ (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.

Bereits im mittleren Drittel des Oktobers gab es einen ersten Wintereinbruch. Die Schneefallgrenze lag zeitweise bei 700 bis 900 m. Schnee fiel in drei Niederschlagsperioden. Am meisten schneite es dabei am zentralen und östlichen Alpennordhang mit 50 bis 80 cm. Damit war die Schneedecke in diesen Gebieten für die Jahreszeit sehr mächtig. Im letzten Oktoberdrittel war es sehr mild und die Schneedecke zog sich wieder über die Waldgrenze zurück.

 

Im November (vgl. Abbildung 1) lagen die Schneehöhen vor allem in höheren Lagen des Wallis, der Glarner Alpen, Nordbündens und des Unterengadins im Bereich des langjährigen Mittelwertes. In den übrigen Gebieten lag weniger Schnee als sonst um diese Jahreszeit üblich, insbesondere in den tieferen Lagen des Alpennordhanges und der grossen Alpentäler. Da es in den tiefsten Lagen des Tessins oder des Mittellandes wie üblicherweise um diese Jahreszeit keinen Schnee hatte, erscheinen in der Grafik die Werte als „normal“.
Die langjährigen Mittelwerte wurden im Dezember verbreitet und teils stark übertroffen (vgl. Abbildung 2). Dies bedeutet aber nicht, dass der Dezember in absoluten Werten der schneereichste Monat des Winters war. Verantwortlich für die deutliche Änderung gegenüber dem November waren eine niederschlagsintensive Südstaulage zum Monatswechsel, wenig ergiebige Schneefälle in der ersten Monatshälfte im Norden und drei intensive Niederschlagsperioden in der zweiten Monatshälfte im Süden und Westen. Es erstaunt daher nicht, dass besonders der Alpensüdhang mit dem Zwei- bis Dreifachen der sonst üblichen Schneemengen sehr gut eingeschneit war. Auch in den tiefen Lagen des Tessins lag Ende Dezember eine Schneedecke. In den übrigen Gebieten lagen die Schneehöhen in höheren Lagen ebenfalls beim oder über dem langjährigen Mittelwert. Tiefere Lagen des Nordens, insbesondere des östlichen Alpennordhanges, blieben relativ schneearm. In der zweiten Monatshälfte war aber das ganze Mittelland für kurze Zeit schneebedeckt (z.B. am 21.12.).

 

Der Januar (vgl. Abbildung 3) war zu trocken. Schnee fiel zwar oft, aber meist nur in kleinen Mengen. Die Schneehöhen waren am Alpennordhang und in Nordbünden verbreitet unterdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten entsprachen sie dem langjährigen Mittelwert oder lagen sogar darüber, wie in Teilen des Wallis, im nördlichen Tessin, im Engadin und in den Bündner Südtälern. In tiefen Lagen des Nordens schneite es immer wieder, so dass Mitte Monat verbreitet eine geschlossene Schneedecke vorhanden war. Im Monatsmittel blieben die Schneehöhen dort aber unter den sonst um diese Jahreszeit üblichen Werten.
Die zu trockenen Verhältnisse mit meist wenig ergiebigen Niederschlägen setzten sich im Februar fort (vgl. Abbildung 4). In den meisten Gebieten der Schweizer Alpen lagen die Schneehöhen leicht unter dem langjährigen Mittelwert. Nur gerade in Teilen des nördlichen Tessins, im Oberengadin und den Bündner Südtälern vermochten sich überdurchschnittliche Werte in den Februar zu retten. Auch in Teilen des Mittellandes, insbesondere im Westen, und in den Voralpen waren die Schneehöhen überdurchschnittlich.

 

Im März (vgl. Abbildung 5) waren die Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich, am Alpennordhang zum Teil deutlich. Zeitweise lag dort nur hab so viel Schnee wie sonst üblich und teilweise wurden neue Minimalrekorde erreicht. Unterhalb von etwa 1000 m lag kaum mehr Schnee. Nur im Engadin, in den Bündner Südtälern sowie in den direkt angrenzenden Teilen Mittelbündens entsprachen die Schneehöhen dem langjährigen Mittelwert.
Im Vergleich zum langjährigen Mittel lagen die Schneehöhen im April (vgl. Abbildung 6) im Tessin, im Oberengadin und in den höheren Lagen der Bündner Südtäler leicht über dem Durchschnitt, sonst darunter. Deutlich unterdurchschnittlich waren die Schneehöhen in den mittleren Lagen des Alpennordhanges. Schwer interpretierbar sind die Werte wieder in tiefen Lagen des Mittellandes: „Durchschnittlich“ bedeutet in diesem Falle „schneefrei“.

 

Ausgewählte Beobachterstationen

Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der manuell gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur höchsten an dieser Station je gemessenen Schneehöhe an jedem Tag, dem absoluten Minimum und dem langjährigen Mittelwert dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2010 (n) wird in der Legende erwähnt. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2010 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.

Gebiete am Alpennordhang:

 

Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (vgl. Abbildung 7) verfolgt werden: Der erste Wintereinbruch Mitte Oktober brachte der Station eine Schneehöhe von 45 cm. In 32 Jahren, in denen zu diesem frühen Zeitpunkt schon gemessen wurde, ist dieser Wert der vierthöchste. Der höchste Wert wurde mit 90 cm im Winter 1981 gemessen.
Am meisten betroffen von diesem Niederschlag waren die Gebiete am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis nach Liechtenstein und Nordbünden mit einer Neuschneesumme von 50 bis 90 cm in fünf Tagen in den Kerngebieten östlich der Reuss und im Prättigau. Nach einem weiteren Schneehöhenzuwachs anfangs November aperte es in der Folge mit milden Spätherbsttemperaturen im flachen Gelände bis gegen 2000 m hinauf nochmals aus, so auch auf der Station Hasliberg. Steile Südhänge waren bis in Lagen von etwa 2400 m schneefrei.
Eine intensive Südstaulage mit einem weiten Übergreifen der Niederschläge nach Norden Ende November/Anfang Dezember führte in allen Regionen zu einem deutlichen Schneehöhenzuwachs. Dies war die intensivste Niederschlagsperiode des Winters 2009/10. Nur in dieser Niederschlagsperiode und in der Niederschlagsperiode in der Ersten Maihälfte wurden Neuschneesummen von mehr als 1 Meter in drei Tagen erreicht. So war die Schneehöhe anfangs Dezember in allen Regionen deutlich überdurchschnittlich. An der Station Lauterbrunnen (800 m), die seit 63 Jahren misst, wurde zum Beispiel das bisherige Schneehöhenmaximum (25 cm) um mehr als das Doppelte (58 cm) überboten.
Am Alpennordhang bewegte sich die Schneehöhe in der Folge bis Ende Januar um den Mittelwert, teilweise auch deutlich darunter. Mit den unterdurchschnittlich tiefen Temperaturen schneite es wiederholt bis in tiefere Lagen, weshalb dort die Schneehöhen das langjährige Mittel übertrafen. Mehrheitlich deutlich unter das langjährige Mittel fielen die Schneehöhen am Alpennordhang dann ab Februar. In Elm (1690 m) wo, seit 21 Jahren gemessen wird, wurden ab Mitte Februar die Schneehöhen-Tagesminima wiederholt unterschritten. Am 19. März ist eine stark beschleunigte Schneehöhenabnahme zu erkennen. Diese war verbunden mit vorübergehend ausgesprochen milden Temperaturen. Die Station Hasliberg (1825 m) war am 30.04. ausgeapert.

Gebiete am Alpensüdhang und im Oberengadin:

 

Am günstigsten präsentierte sich im Winter 2009/10 die Schneehöhensituation in den meisten Gebieten des Alpensüdhanges und des Oberengadins. Die langjährige Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (vgl. Abbildung 8) steht stellvertretend für diese Gebiete: Nach nur geringmächtiger Schneedecke anfangs November und anschliessendem Ausapern startete die Periode mit geschlossener Schneedecke anfangs Dezember mit der bereits oben erwähnten, intensiven Südstaulage fulminant. An folgenden Stationen wurden Schneehöhenmaxima gemessen: 112 cm am 01.12. in Nante (TI, 1412 m, 27 Messjahre) und 86 cm am 02.12. in Buffalora am Ofenpass (GR, 1970 m, 47 Messjahre). Weitere Schneefälle in der zweiten Dezember- und der ersten Januarhälfte hielten die Schneehöhen auf überdurchschnittlichen Werten. Mit wiederholtem, eher kleinerem Schneehöhenzuwachs blieben die Schneehöhen auch in der Folge an den meisten Stationen über dem langjährigen Mittelwert. Am meisten schneite es in der zweiten Februarhälfte im Berninagebiet von Süden her. In dieser Zeit fiel dort rund 120 cm Schnee. In den übrigen Gebieten des Alpensüdhanges und des Oberengadins waren es lediglich 30 bis 50% davon. Im nur etwa 20 km nördlich des Berninapasses gelegenen Zuoz (1710 m) im Oberengadin verharrte die Schneehöhe vom 10.01. bis am 18.03. annähernd unverändert auf etwa 65 cm. Wiederholte Schneefälle brachten dort in dieser Zeit jeweils nur wenige Zentimeter Neuschnee, was gerade die Setzung der Schneedecke zu kompensieren vermochte.
Mitte März stieg die Temperatur markant an, was ab dem 19.03. einen ersten Nassschneelawinenzyklus (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 10) auslöste. Die durch die Wärme beschleunigte Schneehöhenabnahme ist auch in Abbildung 8 zu erkennen. Mehrere Schneefälle liessen dann aber die Schneedecke bis am 05.04. nochmals deutlich zunehmen. An der Station Corvatsch (2690 m, Oberengadin, GR) wurde an diesem Tag in der 17-jährigen Messreihe ein neues Tagesmaximum der Schneehöhe von 240 cm gemessen. Im niederschlagsreichen Robiei (1890 m, TI) betrug die Schneehöhenzunahme etwa einen Meter. Anschliessend nahm die Schneehöhe – mit kurzen Unterbrüchen – sukzessive ab. Ende April war die Station San Bernardino (1640 m) ausgeapert. Nur am 06.05. schneite es nochmals bis in die Höhenlage der Station. Der übrige Mai-Niederschlag fiel in dieser Höhenlage in Form von Regen.

Wallis ohne südliches Simplon Gebiet: 

 

Auch an der Station Fionnay, 1500 m (vgl. Abbildung 9) begann die Zeit permanenter Schneebedeckung anfangs Dezember mit dem ergiebigsten Schneefall des Winters. Die Charakteristik des Schneehöhenverlaufes lässt mehr Ähnlichkeiten mit dem Alpennord- denn mit dem Alpensüdhang erkennen. Bis zum Einsetzen der milden Temperaturen Mitte März hielt sich die Schneehöhe aber recht gut an das langjährige Mittel. Dann blieb sie deutlich darunter.

Übrige Teile Graubündens:

 

 

Bei der Interpretation der Abbildung 10 ist zu beachten, dass im Unterschied zu den anderen Stationen das ganze Jahr angezeigt wird. Gut zu sehen ist das frühe Einschneien Mitte Oktober. Aufgrund der Höhenlage vermochte der Schnee bis im November an dieser Station nicht mehr abzuschmelzen. Der deutliche Schneehöhenzuwachs anfangs Dezember ist auch in dieser Gafik gut zu erkennen. Auch hier verhält sich der Schneehöhenverlauf nach dem Muster des Alpennordhanges. Bis im Januar durchschnittlich, dann unterdurchschnittlich. Die Niederschläge Ende März / Anfang April vermochten dann die Werte gerade nochmals an den Mittelwert zu bringen. Dann nahm die Schneehöhe – mit Unterbrüchen – bis Ende April markant ab. Der kühle und niederschlagsreiche Mai vermochte aber die Schneeschmelze in dieser Höhenlage erfolgreich hinaus zu zögern und die Schneehöhe nochmals dem langjährigen Mittelwert anzunähern. Die Schneeschmelze im Juni war dann rasant mit durchschnittlich 5 cm Schneehöhenverlust pro Tag. Sie wurde nur von einem Kaltlufteinbruch zwischen dem 19. und 23. Juni unterbrochen. Am 03.07.2010 lag auf dem Versuchsfeld auf dem Weissfluhjoch (2540 m) kein Schnee mehr. Mit dem Einschneien am 11.10.2009 und dem Ausapern des Messfeldes am 03.07.2010 fällt die Anzahl Tage mit durchgehender Schneebedeckung unterdurchschnittlich aus. In einem durchschnittlichen Winter ist das Messfeld der Station Weissfluhjoch, GR, 2540 m vom 19.10. bis am 09.07. des Folgejahres schneebedeckt.

 

Hauptniederschlagsperioden

Im Folgenden werden Niederschlagsperioden mit besonderer Relevanz für die Schnee- und Lawinensituation im Winter 2010 kurz kommentiert. „Besondere Relevanz“ bedeutet beispielsweise Schneefallperioden mit einer Neuschneesumme von mehr als 50 cm in drei Tagen, Schneefälle bei sehr tief liegender Schneefallgrenze oder Schneefälle, welche zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr führten. Zwischen den unten aufgelisteten, grösseren Schneefällen gab es zahlreiche kleinere Schneefälle.

  • 11. bis 13.10.2009: Der erste Schnee des Winters 2009/10 fiel vom 11. bis 13.10. mit 30 bis 50 cm von den Urner über die Glarner Alpen und das Alpstein Gebiet bis nach Liechtenstein und im Prättigau. Nach Norden, Westen und Süden hin nahmen die Neuschneemengen ab. Die Schneefallgrenze sank zeitweise unter 1500 m.
  • Nach einer trockenen Phase folgten vom 17. bis 18.10.2009 mit einer ausgeprägten Nordströmung am Alpennordhang weitere Schneefälle mit einer Schneefallgrenze bei 700 bis 900 m. Am meisten Schnee fiel am Alpennordhang vom Berner Oberland bis nach Liechtenstein sowie in Nordbünden mit 20 bis 40 cm.
  • 02. bis 09.11.2009: Wechselhaftes, durch wiederholte Frontdurchgänge geprägtes Wetter brachte in dieser Periode folgende Schneemengen: In den meisten Gebieten fiel 20 bis 40 cm Schnee, in den westlichen und nördlichen Teilen des Unterwallis, im Simplongebiet und im nördlichen Tessin 50 bis 80 cm. Die Schneefallgrenze lag bei etwa 1600 m.
  • In der zweiten Novemberhälfte fielen zunächst wenig ergiebige Niederschläge. Die Schneefallgrenze sank von etwa 2700 m auf 1500 m, schwankte dabei aber stark. In hohen Lagen fiel in dieser Zeit in Summe am meisten Niedeschlag im westlichen und nördlichen Unterwallis mit 50 bis 80 cm, sonst deutlich weniger. Dann folgte der ergiebigste Schneefall des Winters 2009/10, der auch in mittleren und teilweise in tiefen Lagen den Winter einläutete. In der Nacht auf den 29.11. stellte sich eine Südstaulage ein, die bis am 01.12. dauerte und mit dem Durchzug der Kaltfront zu teilweise ausserordentlich intensiven, weit nach Norden übergreifenden Schneefällen führte. In den Maggiatälern, im Bedretto und in der oberen Leventina fiel mit 120 bis 140 cm am meisten Schnee. In den westlichen Teilen des Unterwallis, in den Waadtländer und Freiburger Alpen sowie vom Prättigau bis ins Unterengadin schneite es am wenigsten mit 30 bis 50 cm. Sonst fiel 50 bis 80 cm Schnee. Auch im Jura bildete sich eine dünne, etwa eine Woche überdauernde Schneedecke. Teilweise schneite es bis ins Mittelland hinunter.
  • 15. bis 18.12.2009: In drei Tagen fiel an der Vergleichsstation Stoss (1280 m, SZ) 75 cm Schnee – aus dem Hochnebel. 1000 Höhenmeter darüber strahlte die Sonne.
  • 21. bis 23.12.2009: Auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes baute sich eine starke südwestliche Höhenströmung auf, die wieder dem Süden und auch dem Westen viel Schnee brachte. Im westlichen Unterwallis, im Tessin, im Oberengadin südlich des Inns und in den Bündner Südtälern fiel mit 30 bis 50 cm am meisten Schnee. Am westlichen Alpennordhang, im Wallis sowie in Nordbünden und im Unterengadin schneite es 15 bis 30 cm, in den übrigen Gebieten weniger. Die Schneefallgrenze lag im Norden zwischen 600 und 1500 m, im Süden fiel der Schnee bis in tiefe Lagen.
  • 23. bis 25.12.2009: Die Weihnachtstage waren trüb und verbreitet nass. Mit einer weiteren Südlage fiel vom Tessin bis ins Engadin und in den Bündner Südtälern mit 40 bis 70 cm am meisten Schnee. In Nord- und Mittelbünden sowie über das Urseren bis ins Goms, aber auch ganz im Westen schneite es 20 bis 40 cm, sonst verbreitet 10 bis 20 cm. Die Schneefallgrenze lag zeitweise zwischen 2000 und 2500 m. Zum Schluss der Niederschläge sank sie unter 1000 m.
  • 28.12. bis 31.12.2009: Am meisten Schnee fiel ganz im Westen mit 80 cm oder mehr. Im nördlichen Unterwallis und den Waadtländer Alpen waren es immer noch 60 bis 80 cm, weiter östlich dann weniger. In den vom Westwind abgeschatteten Gebieten der Vispertäler, des Tessins und Graubündens fiel weniger als 20 cm Schnee. Die Schneefallgrenze stieg von anfänglich 400 m vorübergehend auf rund 2400 m an und pendelte sich danach bei rund 1400 m ein.
  • 08.01. bis 10.01.2010: Mit einer starken Süd- bis Südwestströmung fiel vor allem am Alpensüdhang Schnee. In den oberen Maggiatälern waren es 40 bis 60 cm, sonst verbreitet 25 bis 50 cm. Direkt nördlich des Alpenhauptkammes schneite es bis 25 cm, weiter nördlich deutlich weniger. Teilweise schneite es wenig bis ins Mittelland, v.a. auch an den Folgetagen.
  • 28.01. bis 01.02.2010: Am Alpennordhang fiel allgemein 50 bis 80 cm Schnee, auch in den Voralpen. In den Gebieten östlich der Reuss fiel bis zu 110 cm Schnee. Die Schneefallgrenze sank bis in die Niederungen. Auch im Jura fiel 30 bis 40 cm und im Mittelland 10 bis 30 cm Schnee. Nur im mittleren und südlichen Tessin blieb es in diesem Zeitraum trocken und zeitweise war es dort sonnig. Der Wind blies meist mässig bis stark und variierte zwischen Südwest bis Nord.
  • 02. und 03.02.2010: In den Voralpen und am östlichen Alpennordhang schneite es am 02.02. und 03.02. nochmals je bis zu 30 cm. Mässiger bis starker Westwind begleitete die Niederschläge. Die Temperatur stieg allmählich an. Es entstanden sehr störanfällige, frische Triebschneeansammlungen.
  • 09. bis 11.02.2010: In weiten Teilen des Mittellandes bildete sich eine dünne Schneedecke.
  • 25. bis 27.02.2010: Im Westen fiel oberhalb von rund 2200 m 20 bis 40 cm, im westlichsten Unterwallis bis 60 cm Schnee. Am übrigen westlichen Alpennordhang, im Tessin und in Graubünden fiel 10 bis 20 cm, sonst bis zu 10 cm Schnee. Die Schneefallgrenze lag bei 1000 bis 1500 m.
  • 06. bis 07.03.2010: Am Samstag, 06.03. schneite es zeitweise intensiv und bis in tiefe Lagen. Im Flachland, vor allem im Raum Zürich und Aargau, kam der Verkehr teilweise zum Erliegen. Am Alpennordhang, vor allem in den Voralpen und am zentralen und östlichen Alpennordhang fiel bis am Sonntag Morgen, 07.03. 25 bis 40 cm Schnee. In den angrenzenden Gebieten am Alpennordhang und gebietsweise in Nordbünden waren es 10 bis 25 cm, in den übrigen Regionen weniger als 10 cm Neuschnee.
  • 11. und 12.03.2010: Erneut fiel etwas Schnee bis ins Mittelland.
  • 25. bis 27.03.2010: Eine Südstaulage und der Kaltfrontdurchgang führten zu folgenden Niederschlägen: Im westlichen Tessin fiel 60 bis 90 cm Schnee, am übrigen Alpenhauptkamm von Zermatt bis ins Bergell und im übrigen Tessin 40 bis 60 cm. Weiter nördlich fiel verbreitet 20 bis 40 cm Schnee. Diese Neuschneemengen wurden nur in Höhenlagen über 2500 m erreicht.
  • 27. bis 29.03.2010: Während zweier Tage fielen lokal sehr unterschiedliche, teilweise beträchtliche Schneemengen: Im Unterwallis und am östlichen Alpennordhang fiel bis zu 50 cm Schnee, sonst am Alpennordhang, im Wallis und in Nordbünden verbreitet bis 30 cm. In den südlicher gelegenen Gebieten fielen nur wenige Zentimeter. Aufgrund der zeitweise hohen Schneefallgrenzen wurden diese Neuschneemengen nur oberhalb von rund 2300 m erreicht.
  • 29. bis 31.03.2010: Erneute Südlage: Wieder fiel mit 40 bis 60 cm am meisten Schnee im Tessin und im Simplon Gebiet. Gegen Norden nahmen die Neuschneemengen rasch und deutlich ab. Am wenigsten Schnee fiel in den Voralpen und im Unterengadin. Die Schneefallgrenze sank im Norden von rund 1800 m auf unter 1000 m ab. Im Süden sank sie von rund 1500 m auf 1200 m.
  • 01.04.2010: Vor allem im Süden gab es über das Osterwochenende nochmals ergiebige Niederschläge. Der erste Schub erfolgte am Gründonnerstag. Im nördlichen Tessin, im Rheinwald und im Avers fiel bis zu 40 cm Schnee, im übrigen Graubünden verbreitet 10 bis 20 cm, sonst 5 bis 10 cm oder weniger. Beidseits der Alpen sankt die Schneefallgrenze gebietsweise bis auf etwa 500 m.
  • 03. bis 05.04.2010: Ein zweiter Schub Niederschlag erfolgte vom 03. bis 05.04. Vor allem in der Nacht auf den Ostersonntag schneite es vom westlichen Tessin über die angrenzenden Bündner Südtäler bis ins Berninagebiet intensiv. Die Schneefallgrenze sank im Norden bis auf 1200 m, im Süden zeitweise bis auf 500 m hinunter. Im östlichen Tessin, im Calancatal, im Misox, im Bergell und im Puschlav fiel 40 bis 70 cm Schnee. Im Chablais, im westlichen Tessin, in der Zentralschweiz, in den Glarner Alpen sowie in Nord- und Mittelbünden schneite es verbreitet 20 bis 40 cm, sonst weniger. Der Wind wehte nur schwach bis mässig, so dass die Triebschneebildung bescheiden blieb. Die Neuschneemengen nahmen verbreitet mit der Höhenlage zu, und fielen im Hochgebirge deutlich grösser aus, als auf den Messnetzen sichtbar war.
  • 01. bis 03.05.2010: Die erste Maihälfte war geprägt von häufigen Niederschlägen, die besonders im Süden ergiebig ausfielen. In einer ersten Periode fiel zwischen dem 01. und 03.05. im Hauptniederschlagsgebiet des zentralen Alpensüdhanges 80 bis 120 mm Regen. Nördlich angrenzend fielen 50 bis 80 mm, sonst verbreitet 30 bis 50 mm, im Westen und ganz im Osten bis 30 mm. Die Schneefallgrenze lag zu Beginn der Niederschläge bei 3000 m. Während der Hauptniederschläge lag sie zwischen 2000 m und 2500 m. In der Nacht auf den 03.05. sank sie auf 1400 bis 1800 m. In Nord- und Mittelbünden fiel kurzzeitig sogar Schnee bis auf 600 m hinunter. Oberhalb von rund 3000 m fiel der gesamte Niederschlag als Schnee.
  • 03. bis 06.05.2010: Die zweite Niederschlagsperiode brachte im grenznahen Gebiet zu Italien vom südlichen Simplongebiet bis in die oberen Maggiatäler 80 bis 110 mm Niederschlag, am übrigen Alpenhauptkamm vom Grossen St. Bernhard bis ins Berninagebiet und südlich davon 50 bis 80 mm. Weiter nördlich fiel weniger Niederschlag. Die Schneefallgrenze lag meist zwischen 2000 und 2500 m. Im Osten zeitweise sogar etwas höher. Oberhalb von rund 2800 m fiel der gesamte Niederschlag als Schnee.
  • 09. bis 12.05.2010: In der dritten Niederschlagsperiode fiel am zentralen Alpensüdhang erneut 80 bis 110 mm Niederschlag, in den übrigen Gebieten bis 50 mm. Schnee fiel zunächst oberhalb von rund 2000 bis 2300 m. Am 12.05. sank die Schneefallgrenze vorübergehend auf rund 1600 m ab. Oberhalb von rund 2800 m fiel der gesamte Niederschlag als Schnee.
  • 13. und 14.05.2010: Die vierte Niederschlagsperiode aus Süden brachte oberhalb von 2200 m vom Monte Rosa bis ins Bernina Gebiet und südlich davon 30 bis 50 cm Neuschnee. Im übrigen Wallis, am westlichen und zentralen Alpennordhang waren es noch 10 bis 30 cm, am östlichen Alpennordhang und im übrigen Graubünden weniger als 10 cm Schnee.
  • 15. und 16.05.2010: In einer Nordlage fiel zeitweise bis gegen 1000 m Schnee. Am Alpennordhang von den Freiburger Alpen bis nach Liechtenstein fiel 15 bis 30 cm, lokal bis 50 cm Schnee. In Nordbünden fiel verbreitet, im Wallis lokal 10 bis 20 cm, in den übrigen Gebieten weniger als 10 cm Schnee.

30. und 31.05.2010: Zum Ende des ausgesprochen trüben Mais sank die Schneefallgrenze in der Nacht auf den 31.05. von 2500 auf 1600 m ab. Im Hochgebirge fielen folgende Schneemengen: Am Alpennordhang und im westlichsten Unterwallis 50 bis 80 cm, lokal auch mehr; im übrigen Wallis ohne die Gebiete Saastal, Simplon und südliches Goms, des Weiteren im Gotthardgebiet und in Nordbünden 30 bis 50 cm; in den Gebieten Saastal, Simplon und südliches Goms, im Nordtessin, in Mittelbünden und im Engadin 15 bis 30 cm Schnee; weiter südlich weniger.

 

Wasserwerte der Schneedecke

An den SLF-Beobachterstationen, an welchen alle zwei Wochen die Wasserwerte der Gesamtschneedecke erhoben werden, wurden im Winter 2009/10 keine neuen Maxima gemessen. Neue Minima traten an der Station Grindel (1950 m) und Elm (1690 m) auf. An beiden Stationen werden die Wasserwerte der Gesamtschneedecke seit 11 Jahren erhoben.
Der Vergleich der im Winter 2009/10 gemessenen maximalen Wasserwerte mit dem Mittelwert der maximalen Wasserwerte aller Jahre pro Station ergibt folgendes: Unterhalb von 1500 m  betrugen die aktuellen maximalen Wasserwerte 70% (Standardabweichung 26%) des Mittelwertes, zwischen 1500 und 1800 m waren es 77% (Standardabweichung 16%) und oberhalb von 1800 m 82% (Standardabweichung 27%). Diese Werte zeigen, dass die Schneehöhen mit zunehmender Höhenlage zunahmen, im Mittel aber in allen Höhenlagen unterdurchschnittlich waren. Überdurchschnittliche maximale Wasserwerte wiesen nur folgende Stationen auf:

  • Corvatsch (2690 m), 16 Jahre, 151%
  • Saas Fee (1790 m), 39 Jahre, 104%
  • Sta. Maria (1418 m), 42 Jahre, 124%
  • Nante (1412 m), 27 Jahre, 107%

All diese Stationen profitierten von den häufigen Niederschlägen aus Süden.

Nach Region ergibt der Vergleich der aktuellen mit den mittleren maximalen Wasserwerten folgendes:

  • westlicher Alpennordhang: 73% (11%)
  • zentraler Alpennordhang: 60% (7%)
  • östlicher Alpennordhang: 46% (7)
  • Wallis: 73% (19%)
  • Nord- und Mittelbünden: 71% (15%)
  • Engadin und angrenzendes Südbünden: 99% (26%)
  • zentraler Alpensüdhang: 94% (12%)

Diese Werte spiegeln die mittlere Schneehöhenverteilung des Winters 2009/10 gut wider: Die Schneehöhen waren im Süden am grössten, am östlichen Alpennordhang am kleinsten.

Der Zeitpunkt der maximalen Wasserwerte tritt mit zunehmender Höhenlage später im Winter auf. Das früheste Datum wurde in Sedrun (1420 m) Mitte Januar, das späteste auf dem Weissfluhjoch (2540 m) Mitte Mai erreicht. Im Mittel lagen die Daten höchsten Wasserwertes unter 1500 m in der zweiten Hälfte Februar, zwischen 1500 und 1800 m in der ersten Hälfte März und oberhalb 1800 m zwischen Mitte März und Mitte April.

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Entwicklung der Schneedeckenstabilität

 

Die folgenden Schneedeckenstabilitätskarten stellen die Ergebnisse zahlreicher Schneedeckenuntersuchungen in den Schweizer Alpen dar. Diese Schneeprofile wurden nach einheitlichen Kriterien beurteilt und einer von drei Klassen zugeordnet, die auf den Karten als grüne (gute Schneedeckenstabilität), gelbe (mittlere Schneedeckenstabilität) und rote (schwache Schneedeckenstabilität) Profilsymbole dargestellt sind. Fast alle Schneeprofile mit Rutschblocktest wurden an Hängen von 30° bis 40° Neigung aufgenommen.
In die Bewertung der Schneedeckenstabilität flossen nebst den Profilen noch weitere Beobachterinformationen zur Schneedecke, zu Lawinenabgängen etc. ein.
Es werden jeweils zwei Karten, zu Monatsbeginn und zu Monatsmitte, gezeigt und beschrieben.

Oktober

Der Neuschnee des Wintereinbruchs vom 11. bis 13.10. fiel weitgehend auf aperen und warmen Boden. Dies begünstigte die Bildung von Gleitschneelawinen. Besonders in den schneereichen Gebieten des Nordostens wurde unmittelbar nach den Schneefällen eine rege Aktivität von Gleitschneelawinen festgestellt. Nach den Niederschlägen vom 17. und 18.10. sowie einem Föhnsturm am 21.10. wurden einzelne, kleinere Schneebrettlawinen beobachtet.

November

In der ersten Novemberhälfte bildeten sich mit Neuschnee und Wind teilweise labile Triebschneeansammlungen. Mit der erneuten Wärme Mitte Monat und Regen bis in hohe Lagen gingen zahlreiche Nassschneerutsche unterhalb von etwa 2500 m ab. Wärmere und kältere Phasen trugen aber im Allgemeinen zu einer Stabilisierung der Schneedecke bei. Trotzdem wurde der Schnee bereits verbreitet aufbauend umgewandelt, was zu einem schwachen Schneedeckenaufbau führte. Mit den Starkschneefällen und den Schneeverfrachtungen Ende November war die Auslösebereitschaft von Lawinen hoch und es gingen vermehrt mittlere spontane Lawinen ab, die teilweise die gesamte Schneedecke mitrissen. Des Weiteren verursachten zahlreiche feuchte Böschungsrutsche Behinderungen auf Strassen. Einige Alpenpässe mussten gesperrt werden (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 1).

 

Am günstigsten war der Schneedeckenaufbau Mitte Dezember (vgl. Abbildung 11) am schneereichen zentralen Alpenhauptkamm und südlich davon. Dort hatten sich die grossen Neuschneemengen von Ende November/Anfang Dezember gut gesetzt und verfestigt. In den übrigen Gebieten war der Schneedeckenaufbau mässig bis gut. Die schwachen Basisschichten waren zu wenig mächtig überlagert worden. Brüche am Übergang von den Basisschichten zu neueren Schichten waren möglich. Dies besonders an eher schneearmen Stellen und in Lagen oberhalb von etwa 2400 m im Westen und oberhalb von etwa 2200 m in den übrigen Gebieten. In Höhenlagen darunter gefror das Regenwasser und führte mindestens vorübergehend zu einer Stabilisierung. Triebschneeansammlungen im Hochgebirge verfestigten und stabilisierten sich gut.
Vom 15. bis 17. Dezember war es in den Bergen sonnig und sehr kalt. Die Schneeoberfläche war verbreitet locker mit grossen, kantigen Kristallformen. An schneearmen Stellen war die gesamte Schneedecke aufbauend umgewandelt und locker. Die Niederschläge in der zweiten Dezemberhälfte wurden von starken bis stürmischen Winden begleitet. Der Triebschnee, welcher auf den kantigen Kristallen abgelagert wurde, war sehr instabil. Auf Schritt und Tritt konnten Risse in der Schneedecke erzeugt werden. Lawinenauslösungen durch Personen, Fernauslösungen und in zunehmendem Masse spontane Lawinen wurden beobachtet. Der Lawinenzyklus Nummer 2 vom 21. bis 26.12.2009 und Nummer 3 vom 30/31.12.2009 (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20) waren die Folge dieser Entwicklung. Durch die lang anhaltenden, drehenden Winde wurde die Situation mehr und mehr unübersichtlich und für Schneesportler schwer einschätzbar.

 

Anfang Januar (vgl. Abbildung 12) waren in der Schneedecke bis auf 2400 m hinauf durch die intensiven Regenfälle im Dezember mehrere Schmelzharsch- oder Eiskrusten eingelagert. Vor allem am Alpennordhang war die Schneedecke an Südhängen nicht besser aufgebaut als an Nordhängen (wie das sonst häufig der Fall ist). Die Schneedeckenstabilität war, wie auch am Alpensüdhang, mittel. Stabilitätstests brachen meist in den oberflächennahen Trieb- und Neuschneeschichten. Besonders im Wallis und in Graubünden waren Altschneebrüche möglich. Die Stabilität war dort verbreitet schwach.

Tiefe Temperaturen ab Anfang Januar förderten die aufbauende Umwandlung in der Schneedecke. Bis Mitte Januar wurden Krusten und andere festere Schichten, wie zum Beispiel Triebschneeschichten, eher lockerer. Weil sich dadurch Brüche immer weniger ausbreiten konnten, nahm die Lawinengefahr allmählich ab. Allerdings wurde die Schneedecke anfälliger für Neu- oder Triebschnee. Das heisst: Wurde Neu- und Triebschnee auf die lockere Altschneedecke abgelagert konnten diese Schichten sehr leicht ausgelöst werden. Im Wallis und in den inneralpinen Gebieten Graubündens war die Schneedecke nach wie vor schwächer als am Alpennord- und am Alpensüdhang (vgl. Abbildung 13).In den Januar fiel ein bedeutender Lawinenzyklus (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 4) am Ende des Monats.

 

Die Mitte Januar geschilderte Entwicklung setzte sich bis Anfang Februar (vgl. Abbildung 14) fort. Am Alpenhauptkamm und im Süden war der Schneedeckenaufbau aufgrund der wiederholt grösseren Schneefälle recht gut, in den anderen Gebieten aufgrund der lockeren Basis- und Zwischenschichten aus kantigen Kristallformen und Becherkristallen meist ungünstig. Zum Monatswechsel waren auch innerhalb der jüngsten Neu- und Triebschneeschichten Lawinen leicht auslösbar.

Die verbreitet ungünstige Schneedeckenentwicklung hielt auch bis Mitte Februar (vgl. Abbildung 15) an. Infolge kalter Witterung wurden oberflächennahe Schneeschichten aufbauend umgewandelt und locker. In den nördlichen und inneralpinen Gebieten wurde die Lawinengefahr zudem von der schwachen Altschneedecke bestimmt. Schneebrettlawinen wurden noch immer in den tieferen Altschneeschichten ausgelöst. Dabei waren Südhänge mindestens so heikel wie Nordhänge. Am Alpenhauptkamm vom Gotthardgebiet bis ins Oberengadin und südlich davon war der Schneedeckenaufbau hingegen verhältnismässig günstig. Lawinenauslösungen waren vor allem in oberflächennahen Schneeschichten möglich.
In den Februar fielen fünf bedeutendere Lawinenzyklen (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklen 5-9).

 

Anfangs März (vgl. Abbildung 16) war die Schneedecke nach wie vor am Alpensüdhang am günstigsten aufgebaut. Am Alpennordhang war die Schneedecke vom Südföhn und von der Wärme Ende Februar stark geprägt. Die Durchfeuchtung war am westlichen Alpennordhang bis in eine Höhenlage von 1800 m fortgeschritten, am östlichen Alpennordhang bis auf 1600 m. In hohen Lagen wurden die tiefer liegenden, kantigen Schneeschichten von meist mächtigeren und härteren Triebschneeschichten überlagert. Damit hat die Lawinenauslösung in tiefer liegenden Schwachschichten abgenommen. Anders im Wallis und in Graubünden. Dort war die Schneedecke weiterhin schwach. Lawinen sowie Brüche bei den Stabilitätstests konnten mit geringer Belastung in den oberflächennahen Triebschneeschichten oder direkt in tieferen Schichten der Altschneedecke ausgelöst werden. Bei Altschneebrüchen erreichten Lawinen häufig mittlere Grösse. Besonders schwach war die Schneedecke in Lagen zwischen der Waldgrenze und 2500 m und an Nord- bis Ostexpositionen.

Der schon seit Mitte Dezember anhaltende, schwache Schneedeckenaufbau in weiten Teilen der Schweizer Alpen, dauerte bis Mitte März weiter an (vgl. Abbildung 17). In allen Gebieten war die Schneedecke kleinräumig unterschiedlich beschaffen. In mittleren und in bodennahen Bereichen der Schneedecke waren verbreitet lockere, kantig aufgebaute Schneeschichten eingelagert. Dies war besonders ausgeprägt unterhalb von rund 2800 m in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens sowie gebietsweise auch am westlichen und zentralen Alpennordhang. Stellenweise brach man mit Ski bis zum Boden durch. Vor allem in diesen Gebieten waren noch Auslösungen in den Rutschblocktests - bei relativ hohen Rutschblockstufen - aber auch vereinzelte Lawinenauslösungen in tiefen Schichten der Schneedecke möglich. Diese Gefahrenstellen waren zwar wenig verbreitet, ausgelöste Lawinen erreichten jedoch teils bis zu mittlerer Grösse. Am östlichen Alpennordhang und allgemein an viel befahrenen Hängen war die Schneedecke etwas besser verfestigt.
In der zweiten Märzhälfte herrschten frühlingshafte Temperaturen. Der erste, bedeutende Nassschneelawinenzyklus (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 10) dauerte vom 19. bis 23. März.

 

Anfang April: Die milden Temperaturen in der zweiten Märzhälfte erwärmten die Schneedecke deutlich. Sie war an Südhängen unterhalb von rund 2700 m, an Nordhängen unterhalb von rund 2400 m feucht und schwach. Besonders in den inneralpinen Gebieten bestanden tiefe und mittlere Schichten der Schneedecke nach wie vor verbreitet aus grossen kantigen Kristallen. Darüber lagen die Neuschneeschichten von Ende März und Anfang April, die unter erneut winterlich kalten Bedingungen abgelagert wurden. Besonders in den inneralpinen Gebieten Graubündens wurden anfangs April viele Lawinen mittlerer Grösse ausgelöst (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 11). Vor allem unterhalb von 2800 m war die Schneedecke überwiegend schwach. In den übrigen Gebieten konnte die Schneedeckenstabilität weitgehend als mittel beurteilt werden (vgl. Abbildung 18). Zwei Niederschlagsschübe am Alpensüdhang lösten erhöhte Lawinenaktivität aus (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 12).

Mitte April: In der kurzen, warmen Phase vom 07. bis 09.04. wurde die Durchfeuchtung der Schneedecke nur kurz reaktiviert. Mit den nachfolgenden, kühleren Temperaturen und dem Tagesgangwetter herrschten schöne Frühjahrs-Tourenverhältnisse. An Südhängen war bis gegen 2800 m eine tragfähige Kruste vorhanden, die im Tagesverlauf meist nur oberflächlich auftaute. An Nordost- und Nordwesthängen bildete sich aufgrund der noch schwachen Anfeuchtung in hohen Lagen meist nur Bruchharsch. In mittleren Lagen gefror die Schneedecke auch in diesen Expositionen tragfähig und bot Sulzschneevergnügen der Extraklasse. Nordhänge blieben oberhalb von rund 2300 m teils noch pulvrig.
Besonders an nordexponierten Hängen war der Schneedeckenaufbau nach wie vor teils schwach, vor allem in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens in einer Höhenlage zwischen 2200 m und 2800 m. Trotz des ungünstigen Schneedeckenaufbaus liessen sich Rutschblöcke bei Stabilitätstests meist erst bei grösserer Belastung auslösen (vgl. Abbildung 19). Mehrere Rückmeldungen deuteten darauf hin, dass die Schneedecke im Hochgebirge besser verfestigt war.
Verbunden mit dem Anstieg der Nullgradgrenze auf resp. über 3000 m lösten sich während vermehrt mittlere Nassschneelawinen (vgl. Kapitel Lawinenaktivität, Abbildung 20, Lawinenzyklus 13).

Mai

Der Neuschnee von Anfang Mai fiel verbreitet auf nassen und sehr weichen Altschnee. An Südhängen war die Schneedecke unterhalb von rund 3400 m, an Nordhängen unterhalb von rund 2600 m durchfeuchtet und null Grad isotherm. Im Hochgebirge waren die Verhältnisse hochwinterlich. Durch die andauernden Niederschläge im Mai entwickelte sich vor allem im Hochgebirge eine sehr gute Schneelage. Allerdings war die Gefahr von trockenen Lawinen im Hochgebirge durch die jeweiligen Schneefälle erhöht. Die Nassschneelawinengefahr nahm in der zweiten Maihälfte bedingt durch bereits erfolgte Entladung vieler Einzugsgebiete in mittleren Lagen und bedingt durch die Ausaperung im Allgemeinen ab. Unterhalb von etwa 2500 m blieb der Neuschnee nicht lange liegen und die Ausaperung schritt trotz den häufigen Schneefällen voran.

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Lawinenaktivität

 
 

Bemerkenswerte Lawinenzyklen

Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt was in Abbildung 20 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2009/10 (nummeriert) werden im Folgenden beschrieben. Der Schneesituation entsprechend wurden im Vergleich zu den Vorwintern grosse Lawinen seltener, kleine dafür häufiger gemeldet. Dies zeigt sich auch im Lawinenaktivitätsindex, der im beschriebenen Winter auch in aktiveren Phasen vergleichsweise tiefe Werte erreicht. Die meisten Lawinen lösten sich zwischen dem 21. und 26. Dezember (trockene Lawinen und Nassschneelawinen) und dem 19. und 23. März (v.a. Nassschneelawinen).

Oktober: In der zweiten Hälfte Oktober gab es die ersten Lawinen. Nach grösseren Neuschneemengen auf aperen, warmen Boden traten zunächst Gleitschneelawinen auf, dann wurden nach Windeinfluss die ersten kleinen Schneebrettlawinen beobachtet. Am 11., 15., 20. und am 26.10. erschienen situationsbezogene Lawinenbulletins.

(1): Ende November / Anfang Dezember wurden zwar mittlere spontane Lawinen gemeldet, die gemeldete Aktivität lag aber deutlich unter der Erwartung. Die Lawinen gingen allerdings in Höhenlagen ab, die zu diesem Zeitpunkt noch schlecht beobachtet werden, weshalb die Lawinenaktivität kaum dokumentiert ist. Das erste Mal im Winter 2009/10 wurde am 01.12. im Lawinenbulletin die Gefahrenstufe 4 (gross) verwendet – für den ganzen Alpensüdhang und den angrenzenden Alpenhauptkamm sowie Mittelbünden. So grossflächig wie an diesem Tag kam die Gefahrenstufe 4 (gross) dann bis zum Ende des Winters nicht mehr zur Anwendung. Nach der Veröffentlichung von sporadischen Lawinenbulletins im November begann am 27.11. die Ausgabe der täglichen Lawinenbulletins.

(2): 21. bis 26.12.2009: Der in der zweiten Dezemberhälfte gefallene Neuschnee wurde verbreitet auf eine schwache Altschneedecke abgelagert. Dies führte zum zweiten, bedeutenden Lawinenzyklus des Winters 2009/10. Betroffen waren vor allem das Wallis, der Alpensüdhang und das Engadin. Die Lawinenaktivität war am 25.12. insbesondere im Engadin sehr hoch. Abgesehen von umfangreichen Strassensperrungen wurden keine bedeutenden Schäden bekannt. Aufgrund des Regens bis in hohe Lagen wurden Lawinen, die im trockenen Schnee anrissen, unterhalb von rund 2000 m im nassen Schnee abgebremst. Die Gebiete am Alpensüdhang und im Engadin wurden im Lawinenbulletin mit Stufe 4 (gross) eingeschätzt.

(3): 30./31.12.2009: Der Zyklus (3) betraf vor allem das Unterwallis. Mit ergiebigen Niederschlägen und starkem bis stürmischem Westwind gingen spontane Lawinen ab. Unterhalb von etwa 2000 m war der Schnee feucht.

(4): 29. bis 31.01.2010: Betroffen von diesem Lawinenzyklus war vor allem der Alpennordhang inklusive Voralpen und der Jura. Am Samstag, 30.01. gingen viele meist kleine und mittlere Lawinen nieder. Zum Teil lösten sie sich spontan, zum Teil wurden Lawinen von den Sicherheitsdiensten mit sehr guten Sprengerfolgen künstlich ausgelöst. Aus Linthal, GL wurde eine spontane Lawine gemeldet, die bis zum Talboden vorstiess, zum Glück aber keinen Schaden anrichtete. Am Sonntag, 31.01. wurden zahlreiche Lawinen von Personen ausgelöst.

(5): 02. bis 04.02.2010: Neuschnee, starker Wind und steigende Temperaturen führten erneut v.a. am Alpennordhang zu störanfälligen, frischen Triebschneeansammlungen. Es gingen spontane Lawinen ab, die im Einzelfall auch grosses Ausmass annehmen konnten. Mit den steigenden Temperaturen wurde ein Teil der Lawinen als „feucht“ klassiert.

(6): 06. bis 08.02.2010: Der ungünstige Schneedeckenaufbau, erneuter Schneefall und frischer Triebschnee führten ein drittes Mal in kurzer Folge zu einer erhöhten Lawinenaktivität. Zusätzlich lockte sonniges Winterwetter am 07. und 08.02. zahlreiche Schneesportler ins freie Gelände, was bei der herrschenden, heiklen Lawinensituation zu 21 Personenlawinen mit 34 erfassten Personen führte. 10 davon waren verletzt, 1 Person starb. So gehäuft wie in diesen drei Tagen traten Personenlawinen im Winter 2009/10 nicht mehr auf. Damit wurden die meisten Lawinen durch Wintersportler oder Sprengungen ausgelöst. Es gingen aber auch spontane Lawinen ab, die mittlere Grösse erreichten. Grosse Tallawinen wurden nicht beobachtet.Von der hohen Lawinenaktivität betroffen waren wieder der Alpennordhang, besonders aber auch das Wallis und Graubünden. Die schwache Altschneedecke war hier erst jetzt für eine optimale Auslösebereitschaft genügend von (verschiedenen) Neuschneeschichten überlagert. Zeichen für sehr hohe Auslösebereitschaft wie Wummgeräusche, spontane Lawinen, Fernauslösungen, Risse und frische Triebschneeansammlungen waren für das geübte Auge und Ohr in vielen Gebieten gut zu erkennen.

(7): 18.02.2010: Infolge der Kombination „schwache Schneedecke“, „Triebschnee durch zeitweise starken Südföhn und Neuschnee im Süden“ sowie „deutliche Erwärmung (Advektion und Sonne)“ gingen am 18.02. in allen Gebieten unterhalb von etwa 2000 m kleine und mittlere feuchte Lawinen ab.

(8): 20. bis 22.02.2010: Auch für diese Lawinenaktivität war vor allem der ungünstige Schneedeckenaufbau verantwortlich. Weitere Zutaten waren verbreitet 10 bis 30 cm Neuschnee und mässiger Wind zunächst aus Norden, dann aus Süden – und ein sonniges Ferien-Wochenende. Von Lawinen am meisten betroffen war Graubünden, am 22.02. auch das Unterwallis.

(9): 26. bis 28.02.2010: Schneefälle in allen Gebieten und eine intensive Verfrachtungsphase mit zeitweisem Südföhn in Orkanstärke führten zusammen mit dem ungünstigen Schneedeckenaufbau zu vermehrten spontanen, mittelgrossen Lawinen. Dies betraf vor allem das Unterwallis und Graubünden. Im Westen gingen vereinzelt auch grosse Lawinen ab. Am Alpennordhang traten vermehrt feuchte und nasse Lawinen auf. Die Lawinengefahr wurde im Westen am 26. und 28.02. gebietsweise mit der Stufe 4 (gross) eingeschätzt.

(10): 19. bis 23. März 2010: Vom 16. auf den 17. März stieg die Temperatur deutlich an. Anschliessend blieben die Temperaturen frühlingshaft. Dies führte ab dem 19. März zu hoher Nassschneelawinenaktivität. Die Nullgradgrenze lag bei durchschnittlich 2500 m. Die Nassschneelawinenaktivität setzte dem Temperaturanstieg folgend zuerst im Westen, dann im Norden, im Osten und zuletzt im Süden ein. Aufgrund von bedeckten Nächten oder Regen bis in hohe Lagen (bis 2600 m) gingen Nassschneelawinen zu jeder Tages- und Nachtzeit ab. Am 21. März war die Gefahr von Nassschneelawinen ganz im Westen des Unterwallis gross (Stufe 4).

(11): 02.04.2010: Der Karfreitag war der schweizweit gesehen sonnigste Ostertag. Die Verhältnisse waren winterlich. Es wurden vor allem in den inneralpinen Gebieten Graubündens viele, teilweise beeindruckende Lawinen, die bis in tiefe Schichten der Schneedecke brachen, von Personen ausgelöst. Die wiederholten, in diesem Gebiet jeweils wenig ausgiebigen Schneefälle von Ende März und Anfang April kumulierten sich, waren zunehmend „brettig“ verfestigt und in der Lage, Spannungen zu übertragen. Tiefer in der Schneedecke waren vor allem an Nordhängen noch schwache Schichten vorhanden.

(12): 05. und 06.04.2010: Die Niederschläge vom 03. bis 05.04. hatten zwar in den Hauptniederschlagsgebieten in den gewohnten Lawinenzügen zu Abgängen geführt, die beobachtete Lawinenaktivität blieb aber insgesamt gesehen bescheiden. Es ist davon auszugehen, dass einerseits ein Teil der Lawinen nicht beobachtet werden konnte, und andererseits in den südlichen Gebieten die Schneedecke der Zusatzbelastung standhalten konnte. Dies sicher auch deshalb, weil die Triebschneebildung klein war.Infolge einer markanten Erwärmung am 05. und 06.04. mit dem Ansteigen der Nullgradgrenze gegen 3000 m waren die Lawinen vom 06.04. mehrheitlich feucht/nass, insbesondere an Südhängen. An Nordhängen in Nord- und Mittelbünden gingen einige mittelgrosse Lawinen spontan ab.

(13): 23. bis 25.04.2010: Nach langsam zunehmenden Temperaturen in der zweiten Hälfte April erreichte die Nullgradgrenze ab dem 24.04. erstmals dieses Frühjahr 3000 m und mehr. Es war für die Jahreszeit ausgesprochen mild. Oft gingen mittlere Lawinen ab. Für grosse Lawinen fehlte bei den unterdurchschnittlichen Schneehöhen jedoch meist die Masse. Am meisten Lawinenabgänge wurden in Nord- und Osthängen des Wallis und Graubündens registriert. An Osthängen erfolgten die Anrisse teils oberhalb von 3000 m, an Nordhängen stiegen die Höhen der Anrissgebiete von etwa 2200 m auf etwa 2700 m.

Mai:

In der ersten Maihälfte wurden dem Lawinenwarndienst grössere Lawinen aus den niederschlagsreichen Gebieten des Südens gemeldet. So drangen im Saastal zwei Lawinen bis gegen 1500 m vor. Da die Schneefallgrenze meist relativ hoch lag, und viele Lawinenzüge bereits ausgeapert waren, wurden die Lawinen weder ungewöhnlich gross, noch stiessen sie unerwartet weit vor. Auch im Bleniotal wurde eine grössere Lawine beobachtet. Oberhalb von rund 2500 m gingen zahlreiche kleine und mittlere Lawinen nieder.
Einen markanten Anstieg der Lawinengefahr gab es noch einmal Ende Monat mit dem ergiebigem Schneefall und dem starken Wind. Genauere Angaben zur Lawinenaktivität sind aber nicht möglich, weil zu wenig Beobachtungen vorhanden sind. Am 10.05. wurde das letzte tägliche Lawinenbulletin herausgegeben. Bis am 31.05. erschienen noch sporadische Lawinenbulletins.

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Gefahrenstufen

 

 

 

Wie in Abbildung 21 ersichtlich ist, wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) an 8 Tagen prognostiziert, am 01.12. für den gesamten Alpensüdhang inklusive die nördlich angrenzenden Gebiete. Sonst waren jeweils nur wenige Gebiete betroffen. Gemäss Abbildung 22 wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) weniger häufig verwendet als im langjährigen Mittel, die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) kam nie zur Anwendung. Dies ist grundsätzlich im Einklang mit der, bereits im Kapitel Lawinenaktivität beschrieben Auszählung, gemäss welcher im Vergleich zu den Vorwintern grosse Lawinen seltener, kleine dafür häufiger waren. Für die meisten lokalen Lawinendienste war der Winter 2009/10 erfreulicherweise weniger heikel und aufwändig als andere Winter.
Anders sah die Situation für Schneesportler aus. Vor allem weil eine längere, ruhige Wetterphase im Hochwinter ausblieb, gab es während dieser Zeit auch keine längere Phase mit geringer Lawinengefahr (Stufe 1). Die günstigsten Phasen mit gebietsweise geringer Lawinengefahr dauerten vom 13. bis 20.12. (geringe Lawinengefahr nur den Voralpen entlang und in Teilen des Tessins), vom 20. bis 27.01., vom 16. bis 20. (Teile des Tessins) und vom 23. bis 25.03. (den Voralpen entlang und in Teilen des Tessins). Ab dem 09.04. bis zum Monatsende war die Lawinengefahr morgens verbreitet gering, mit der tageszeitlichen Erwärmung stieg die Gefahr für Nassschneelawinen aber jeweils auf mässig (Stufe 2) oder erheblich (Stufe 3) an (vgl. untere Grafik in Abbildung 21). Ein Anstieg der Lawinengefahr um eine oder zwei Gefahrenstufen aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung war auch schon in der zweiten Märzhälfte aufgetreten. Dies ein erstes Mal mit der deutlichen Erwärmung Mitte März.
Mässige (Stufe 2) und erhebliche (Stufe 3) Lawinengefahr wurden in etwa zu gleichen Teilen verwendet und damit war Stufe 3 relativ häufig. Der generell ungünstige Schneedeckenaufbau (vgl. Kapitel Schneedeckenstabilität) führte zu dieser Situation.

 

Wie die Verteilung der Gefahrenstufen (vgl. Abbildungen 22 und 23) zeigt, war der Winter 2009/10 etwas gefährlicher als ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht.

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Lawinenbulletins

Während des hydrologischen Jahres 2010 wurden 190 nationale Lawinenbulletins veröffentlicht (Stand Ende Juni 2010). Davon erschienen 165 als tägliche Lawinenbulletins zwischen dem 27.11.2009 und 10.05.2010. Die übrigen 25 erschienen als sporadische Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten oder als situationsbezogene Lawinenbulletins im Juni 2010.
Für sieben Regionen wurden zwischen dem 04.12.2009 und dem 11.04.2010 je 128 regionale Lawinenbulletins publiziert.

Tab. 1: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2009/10

Produkt    
Ausgabedatum
Situationsbezogene Lawinenbulletins Herbst 2009    
11., 15., 20., 26.10.2009
Sporadische Lawinenbulletins zu Winterbeginn 2009    
03.11. bis 26.11.2009
Erstes tägliches Lawinenbulletin
27.11.2009
Erste Regionale Lawinenbulletins
04.12.2009
Letzte Regionale Lawinenbulletins
11.04.2010
Letztes tägliches Lawinenbulletin
10.05.2009
Sporadische Lawinenbulletins
11.05. bis 31.05 2010
 Situationsbezogene Lawinenbulletins Sommer 2010
18.06.2010, 21.06.2010
 

Sommer (Juni bis September 2010)

 
 

Bemerkenswerte, schnee- und lawinenrelevante Perioden zwischen Juni und September, nummeriert nach Abbildung 24, sind im Folgenden kurz beschrieben:

1: Markanter Wintereinbruch mitten in hochsommerlicher Wärmeperiode im Juni

  • Am 05.06. lag die Nullgradgrenze nach einem markanten Temperaturanstieg zum ersten Mal im Kalenderjahr auf etwa 4000 m.
  • Am 06.06. ereignete sich der letzte tödliche Lawinenunfall des hydrologischen Jahres 2009/10.
  • Vom 16. bis 20.06. sanken die Temperaturen markant und die Nullgradgrenze fiel deutlich unter 3000 m. Am 20.06. schneite es vorübergehend bis auf 1500 m hinunter. Oberhalb von etwa 2200 m bis 2500 m schneite es zwischen dem 18. und 21.06. am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Graubünden 10 bis 30 cm, lokal auch mehr. Am westlichen Alpennordhang fielen 10 bis 20 cm, sonst weniger als 10 cm.
  • Am 18. und 21.06. wurde je ein situationsbezogenes Lawinenbulletin publiziert.
  • Anschliessend kehrte der Hochsommer zurück.


2: Nach hochsommerlichen Temperaturen deutliche Abkühlung Ende Juli

  • Am 03.07. war auch die letzte und höchstgelegene Vergleichstation im Messnetz des SLF (Weissfluhjoch, 2540 m, Davos, GR) schneefrei.  Das ist nur wenig früher als im langjährigen Durchschnitt (07.07.).
  • Die Nullgradgrenze erreichte ihre höchste Lage im ersten Julidrittel
  • Eine Kaltfront und anschliessender Nordweststau brachte vor allem dem zentralen und östlichen Alpennordhang zwischen dem 23. und 25.07. beträchtliche Niederschlagsmengen, die allerdings zum grössten Teil in Form von Regen fielen. Im Hochgebirge schneite es schätzungsweise folgende Neuschneemengen: Alpennordhang östlich der Reuss 30 bis 50 cm; Berner Oberland und Nordbünden 10 bis 30 cm; sonst verbreitet weniger als 10 cm. Am Alpensüdhang fiel kein Schnee.
  • Auch am 27.07. und 30.07. schneite es vor allem im Osten nochmals bis auf 2200 m hinunter.
  • Aufgrund des wiederholten Schneefalls im Hochgebirge dieser Regionen innerhalb einer Woche und der beträchtlichen Niederschlagsmengen warnte das SLF am 28.07. in einem Lawinenbulletin vor erhöhter Lawinengefahr.


3: Weiterer Wintereinbruch anfangs August

  • Im Hochgebirge schneite es am 05. und 06.08. verbreitet 30 bis 50 cm. Der Hauptniederschlag betraf mit 90 cm Schnee vor allem den östlichen Alpennordhang. Gegen Westen und vor allem im Wallis waren die Niederschlagsmengen deutlich geringer. Die Schneefallgrenze sank von 2700 m auf 2200 m.
  • Der Schnee fiel im Hochgebirge auf eine teilweise zusammenhängende Schneedecke der vorangegangenen Niederschlagsperioden. Am 05.08. wurde deshalb ein Lawinenbulletin publiziert.


4: Erneut beachtliche Neuschneemengen im Hochgebirge

  • Vom 12.08. bis 16.08. fielen wieder zeitweise intensive Niederschläge. Die Schneefallgrenze sank von anfänglich gut 3000 m auf etwa 2200 m. Insgesamt fiel am Alpennordhang östlich der Reuss, im Tessin und in grossen Teilen Graubündens 80 bis 120 cm Schnee, sonst meist 50 bis 80 cm. Diese Schneemengen wurden allerdings erst oberhalb von rund 3500 m erreicht, wo die Temperaturen während des ganzen Ereignisses unter dem Gefrierpunkt lagen. Der Wind wehte meist mässig und verfrachtete den Schnee im Hochgebirge. Besonders aus der Region Saas Fee – Zermatt wurden diverse Lawinenabgänge gemeldet. Am 16.08. wurde ein Lawinenbulletin herausgegeben.


5: Dritter Wintereinbruch im August im Nordosten mit Schnee oberhalb von 1400 m

  • Nach einer kurzen, sommerlichen Phase folgte der nächste Temperatursturz ab dem 27.08. und die Schneefallgrenze sank bis am 30.08. auf 1400 m hinunter. Vom 30.08. bis am 31.08. fielen im Osten oberhalb von rund 2200 m 40 bis 60 cm Schnee, gegen Westen hin deutlich weniger. Im Süden und im Wallis blieb es im Wesentlichen trocken. Am 29.08. wurde erneut ein Lawinenbulletin publiziert.


6: Anfangs September wieder etwas Schnee bis 2400 m

  • Im Verlauf der ersten Septemberwoche aperten die hohen Lagen wieder aus. Nur in steilen, nordseitigen Rinnen und Mulden oberhalb von rund 2500 m und im Hochgebirge, wo vor allem im  Norden und Osten eine geschlossene Schneedecke vorhanden war, blieb der Schnee liegen.
  • In einer viertägigen Niederschlagsperiode fielen zuerst im Süden, dann im Norden etwa folgende Neuschneemengen: Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis ins Bergell 20 bis 30 cm, lokal 50 cm oberhalb von rund 3200 m. Zentraler und östlicher Alpennordhang sowie Nordbünden 10 bis 20 cm oberhalb von rund 2500 m. Am 07.09. wurde ein Lawinenbulletin publiziert, die Neuschneemengen fielen aber im Norden deutlich geringer aus als vorgesehen.


7: Auch zum Ende des Septembers winterliche Verhältnisse in den Bergen

  • Bis am 23.09. war das Wetter wechselhaft und die Temperaturen meist spätsommerlich. Die Schneedecke in hohen Lagen aperte aus. Nur an Nordhängen blieben eine dünne Schneedecke oder Schneeflecken liegen.
  • Vom 24. bis 27.09. fiel vom östlichen Berner Oberland bis nach Liechtenstein sowie am Alpenhauptkamm vom Rheinwald- bis ins Berninagebiet oberhalb von 2500 m 30 bis 50 cm Schnee, in den übrigen Gebieten verbreitet 20 bis 30 cm. Die Schneefallgrenze sank wie zuletzt am 20.06. bis auf etwa 1500 m. Die Situation wurde in den Lawinenbulletins vom 24. und 26.09. beschrieben.

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Winterflash (Ausgabe 11. Mai 2010)

 

Im Winter 2009/10 waren die Temperaturen und die Schneehöhen weitgehend unterdurchschnittlich. Zusammen mit wiederholten, meist wenig ergiebigen Schneefällen und nur sehr kurzen Schönwetterphasen führte dies zu einem mehrheitlich schwachen Schneedeckenaufbau. Damit war der Winter 2009/10 für Schneesportler heikler als ein durchschnittlicher Winter. Mit 28 Todesopfern liegt die Anzahl der Lawinentoten über dem langjährigen Mittelwert von 25.

 

Winterverlauf

Bereits im mittleren Drittel des Oktobers gab es einen ersten Wintereinbruch. Die Schneefallgrenze lag zeitweise bei 700 bis 900 m. Schnee fiel in drei Niederschlagsperioden. Am meisten schneite es dabei am zentralen und östlichen Alpennordhang mit 50 bis 80 cm. Damit war die Schneedecke in diesen Gebieten für die Jahreszeit sehr mächtig. Ein Südföhnsturm bildete auslösefreudige Triebschneeansammlungen und es gingen bereits erste, kleinere Schneebrettlawinen ab. Zudem trat in den schneereichen Gebieten des Nordostens eine rege Aktivität von Gleitschneelawinen ein. Im letzten Oktoberdrittel war es sehr mild und die Schneedecke zog sich wieder über die Waldgrenze zurück.

Nach einem markanten Temperatursturz anfangs November schneite es im ersten Novemberdrittel bei wechselhaftem Wetter immer wieder wenig. In allen Regionen baute sich eine dünne Schneedecke auf. Bei den kalten Temperaturen wandelte sich der Schnee zu ungünstigen, kantigen Formen um. Das mittlere Monatsdrittel war erneut sehr mild. Die Nullgradgrenze lag zwischen 2500 m und 3000 m und damit für die Jahreszeit ausgesprochen hoch. Mitte Monat lag im Vergleich zum langjährigen Mittel wenig Schnee. Im dritten Monatsdrittel sanken die Temperaturen und es schneite wiederholt. Zum Monatswechsel stellte sich eine Südstaulage ein. Sie war sehr intensiv und brachte auf mehreren Stationen zweithöchste 24- und 48h Neuschneesummen (Beispiele 24h Neuschneesummen: Andermatt (UR, 1440 m) 90 cm (durchschnittliche Wiederkehrdauer: 40 Jahre), Sedrun (GR, 1420 m) 82 cm (durchschnittliche Wiederkehrdauer: 20 Jahre), Obersaxen (GR, 1420 m) 80 cm (durchschnittliche Wiederkehrdauer: 35 Jahre) / Beispiele 48h Neuschneesummen: San Bernardino (GR, 1640 m) 132 cm (durchschnittliche Wiederkehrdauer: 30 Jahre), Nante, obere Leventina (TI, 1412 m) 131 cm (durchschnittliche Wiederkehrdauer: 15 Jahre)). Gleichzeitig war es die einzige Niederschlagsperiode des Winters 09/10 mit Neuschneesummen von mehr als 1 Meter in drei Tagen. In den Maggiatälern, im Bedretto und in der oberen Leventina fiel bis zum Niederschlagsende am 01. Dezember mit 120 bis 140 cm am meisten Schnee. In den westlichen Teilen des Unterwallis, in den Waadtländer und Freiburger Alpen sowie in Nordbünden und im Unterengadin schneite es am wenigsten mit 30 bis 50 cm. Auch im Jura bildete sich eine dünne, etwa eine Woche überdauernde Schneedecke. Die Verbindung der grossen Neuschneemengen zum kantigen Altschnee vom Anfang des Monats war schlecht. Für den Alpensüdhang und die nördlich daran angrenzenden Gebiete wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) prognostiziert – das erste Mal im Winter 09/10 und das einzige Mal in dieser räumlich grossen Ausdehnung.

Im Dezember war das Wetter wechselhaft mit wiederholten Schneefällen. Die Temperaturen schwankten stark. Immer wieder regnete es bis in hohe Lagen (oberhalb etwa 2000 m). Trotzdem waren die Temperaturen dort über den ganzen Monat gesehen tiefer als normal. Die Schneehöhen erreichten in hohen Lagen in den meisten Regionen für die Jahreszeit überdurchschnittliche Werte. Besonders der Alpensüdhang war sehr gut eingeschneit mit dem Zwei- bis Dreifachen der sonst üblichen Schneemengen. Nach meist wenig ergiebigen Schnee- und Regenfällen besonders im Norden in der ersten Monatshälfte, betrafen die drei intensivsten Niederschlagsperioden den Süden und Westen in der zweiten Monatshälfte. So fielen vom 21.12. bis 23.12. im westlichen Unterwallis, im Tessin, im Oberengadin südlich des Inns und in den Bündner Südtälern mit 30 bis 50 cm am meisten Schnee. Vom 23.12. bis 25.12. schneite es in denselben Gebieten nochmals 40 bis 70 cm. Vom 28.12. bis 31.12. war es dann das westlichste Unterwallis, welches mehr als 80 cm Neuschnee erhielt. Am Weihnachtstag und zum Monatsende lag die Schneefallgrenze zeitweise in Höhenlagen von bis zu 2500 m. In den Niederschlagsgebieten gingen viele spontane Lawinen ab. Besonders ausgeprägt war die Lawinenaktivität im Engadin, wo sehr viele der grösseren Lawineneinzugsgebiete mit Lawinen grösserer Volumina entleert wurden. Sie blieben aber in den normalen Bahnen und führten kaum zu Schäden. Weil aber alle Pässe ins Engadin sowie die Albula-und Berninalinie der Rhätischen Bahn aus Sicherheitsgründen geschlossen waren, führte die Überlastung der Vereinalinie zu kilometerlangen Staus im Prättigau.
Am ersten Dezemberwochenende war in vielen Gebieten genügend Schnee für Skitouren und Freeriding vorhanden. Auch im Mittelland gab es im Dezember verbreitet mehrere Tage mit einer Schneedecke. Die Lawinensituation hatte viele Gesichter aufgrund der schwachen Basisschicht der Schneedecke, der durchfeuchteten (wegen Regens) Schneedecke in mittleren Lagen sowie aufgrund des Neu- und Triebschnees. Dann entwickelte sich die Lawinensituation durch Wind und Neuschnee sehr heikel, aber offensichtlich und gut erkennbar.

Wie schon der Dezember war auch der Januar kälter als normal. Schnee fiel zwar oft, aber meist in kleinen Mengen. Der Januar war zu trocken. Die Schneehöhen waren am Alpennordhang und in Nordbünden weitgehend unterdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten entsprachen sie dem langjährigen Mittelwert oder lagen sogar darüber, wie im nördlichen Tessin, dem Engadin und den Bündner Südtlälern. Zwischen dem 08. und 10.01. schneite es am Alpensüdhang bis zu 50 cm. Das ergiebigste Niederschlagsereignis war zwischen dem 27.01. und 01.02. In den Gebieten östlich der Reuss fielen bis zu 110 cm Schnee. Am übrigen Alpennordhang fielen 50 bis 80 cm Schnee, auch in den Voralpen. Im Jura fielen 30 bis 40 cm und im Mittelland 10 bis 30 cm Schnee, nachdem es schon den ganzen Monat über immer wieder bis in tiefe Lagen geschneit hatte.
Der ungünstige Schneedeckenaufbau, wiederholte Schneefälle und Wind prägten die Lawinengefahr. Über die ganzen Schweizer Alpen gesehen nahm die Lawinengefahr im Laufe des Monats ab. Am günstigsten war sie vom 20. bis 27. Januar mit geringer und mässiger Lawinengefahr. Die Lawinenaktivität war niedrig und beschränkte sich weitgehend auf Auslösungen durch Personen. Für diese war die Situation oft heikel, zeitweise sogar heimtückisch. Im Zusammenhang mit der Niederschlagsperiode zum Monatsende gingen auch vermehrt spontane Lawinen ab. Dies auch in mittleren Lagen resp. entlang der nördlichen Voralpen.

Auch der Februar war zu kalt und zu trocken. Wieder standen viele, wenig intensive Niederschläge im Vordergrund. Die Schneehöhen waren ausser im Oberengadin und den Bündner Südtälern mehrheitlich unterdurchschnittlich. Auch im Februar fehlte eine längere Schönwetterperiode. Das Wetter war dynamisch und dominiert von verschiedenen Südlagen mit Föhnstürmen im Norden. Allerdings waren die ersten drei Wochenenden mehrheitlich sonnig. Neu- und Triebschnee wurde wiederholt auf instabilen Schichten abgelagert, weshalb während praktisch des ganzen Monates die Lawinengefahr angespannt blieb. Nur gerade an einem Tag (17.02.) konnte für die ganzen Schweizer Alpen mässige Lawinengefahr prognostiziert werden – sonst musste mässige und erhebliche, an zwei Tagen zum Monatsende auch grosse Lawinengefahr verwendet werden. Die Lawinenaktivität war mehrfach erhöht. Im Vordergrund standen spontane oder künstlich (durch Sprengung oder durch Personen) ausgelöste Lawinen bis mittlerer Grösse. Grosse Lawinen waren die Ausnahme. Bedingt durch die heikle Lawinensituation, die Ferienzeit und die drei Wochenenden mit sonnigem Wetter war das Risiko für Lawinenunfälle hoch. Im Februar ereigneten sich deshalb die meisten tödlichen Lawinenunfälle.

Die zu kalten Temperaturen setzten sich bis Mitte März fort. Die Niederschläge waren bis dahin wenig ergiebig, ausser am 06.03., als in einem Tag den Voralpen entlang bis zu 50 cm Schnee fiel. Mit einem markanten Temperaturanstieg von etwa 10 Grad vom 16. auf den 17.03. ging die hochwinterliche Situation ein erstes Mal in eine Frühjahrssituation über. Begünstigt durch den verbreitet schwachen Schneedeckenaufbau löste diese Erwärmung mit einer Verzögerung von zwei Tagen und mit Unterstützung von Regen bis in Höhenlagen von etwa 2600 m eine Periode hoher Nassschneelawinenaktivität aus. Diese dauerte vom 19. bis 23.03. Sie war die lawinenaktivste Zeit des Winters 2009/10. Nassschneelawinen gingen vor allem an Ost-, Süd- und Westhängen unterhalb von etwa 2500 m ab. Die Nordhänge waren noch kalt und somit noch nicht „reif“. In der zweiten Märzhälfte war die längere Periode mit zu kalten Temperaturen zu Ende. Zudem prägten drei unmittelbar aufeinander folgende intensivere Niederschlagsphasen mit laufend sinkender Schneefallgrenze diese Zeit. In Summe fiel oberhalb von 2500 m vom Saastal bis ins nördliche Tessin 80 bis 120 cm, in den übrigen Gebieten verbreitet 30 bis 80 cm Schnee. Dies konnte aber nichts daran ändern, dass auch im März die Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich waren, am Alpennordhang zum Teil deutlich. Unterhalb von etwa 1000 m lag kaum mehr Schnee. Nur im Engadin und in den angrenzenden Bündner Südtälern sowie in den angrenzenden Teilen Nord- und Mittelbündens entsprachen die Schneehöhenwerte dem langjährigen Mittelwert.

Das anfangs April liegende Osterwochenende fiel winterlich aus. Eine weitere Südlage mit durchziehender Kaltfront brachte allen Gebieten Schnee, am meisten vom östlichen Tessin bis ins Berninagebiet mit 40 bis 70 cm. Aufsehen erregend war aber nicht die daraus resultierende, eher kleine Lawinenaktivität, sondern die vor allem am Karfreitag und Samstag durch Personen ausgelösten Lawinen in den inneralpinen Gebieten Graubündens. Diese griffen tief in die Schneedecke resp. auf den Boden und erreichten eindrückliche Ausmasse. Nach Ostern stellte sich im wesentlichen wechselhaftes Aprilwetter ein. Die Temperaturen stiegen vorübergehend markant an, erreichten dann aber Mitte das Monats erneut für kurze Zeit winterliche Werte. Dann folgte ein langsamer Temperaturanstieg bis zum Ende des Monats, wobei die Temperaturen auf sommerliche Werte anstiegen. Beide Erwärmungen lösten besonders in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens Phasen erhöhter Lawinenaktivität aus. Besonders in der zweiten Phase entluden sich die Nordhänge mit zunehmender Höhenlage grossflächig. Frühmorgens waren die Tourenbedingungen meist günstig, wobei in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens noch von mässiger Lawinengefahr ausgegangen werden musste. Schon vor dem Mittag setzte dann die spontane Lawinenaktivität ein.
Im Vergleich zum langjährigen Mittel lagen die Schneehöhen im Oberengadin und in den höheren Lagen der Bündner Südtäler leicht über dem Durchschnitt, sonst darunter. Deutlich unterdurchschnittlch waren die Schneehöhen in den mittleren Lagen des Alpennordhanges.

 

Lawinengefahr – Schneedeckenstabilität und Lawinenaktivität

Im Winter 2009/10 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Darstellung in Klammern: Mittelwert der letzten 13 Jahre, jeweils Dezember bis April – vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 12% (17%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 46% (48%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 42% (33%), Gefahrenstufe 4 (gross): 1% (2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.2%).

 

Wie die Verteilung der Gefahrenstufen zeigt, war der Winter 09/10 etwas gefährlicher als ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Wesentliches dazu beigetragen haben folgende Faktoren:

  • verbreitet unterdurchschnittliche Schneehöhen
  • unterdurchschnittlich tiefe Temperaturen von Dezember bis Mitte März
  • wiederholte, meist relativ wenig ergiebige Niederschläge
  • wiederholte Regenfälle bis in hohe Lagen v.a. im Dezember

Diese Faktoren führten zu einem schwachen Schneedeckenaufbau mit vielen Schichten unterschiedlicher Eigenschaften und ausgeprägten Schwachschichten. Besonders ausgeprägt war diese Situation in den üblicherweise schneeärmeren Regionen in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens. In den übrigen Gebieten war die Schneedecke etwas günstiger aufgebaut, zeigte aber auch dort deutliche Schwächen. Den regionalen Unterschieden überlagert waren Unterschiede in der Höhenlage. So war der Schneedeckenaufbau in den eher windberuhigten Lagen zwischen der Waldgrenze und etwa 2600 m eher schlechter beschaffen als in den darüber liegenden Lagen mit wiederholtem und starkem Windeinfluss. Anders als in einem „Standard-Winter“ war der Schneedeckenaufbau an Südhängen über längere Zeit nicht besser als an Nordhängen.
Dank der relativ kalten Temperaturen blieb auch im Mittelland in jedem Wintermonat über mehrere Tage eine Schneedecke liegen. Auch der Jura war ordentlich eingeschneit.
Vor allem weil eine längere, ruhige Wetterphase im Hochwinter ausblieb, gab es auch keine längere Phase mit geringer Lawinengefahr (Stufe 1). Die günstigsten Phasen mit gebietsweise geringer Lawinengefahr dauerten vom 13. bis 20. Dezember, vom 20. bis 27. Januar und vom 16. bis 20. und vom 23. bis 25. März. Ab dem 09. April bis zum Monatsende war die Lawinengefahr morgens verbreitet gering, mit der tageszeitlichen Erwärmung stieg die Gefahr für Nassschneelawinen aber jeweils auf mässig (Stufe 2) oder erheblich (Stufe 3) an.
Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde an 8 Tagen prognostiziert, am 01. Dezember für den gesamten Alpensüdhang inklusive die nördlich angrenzenden Gebiete. Sonst waren jeweils nur wenige Gebiete betroffen.
Der Schneesituation entsprechend wurden im Vergleich zu den Vorwintern grosse Lawinen seltener, kleine dafür häufiger gemeldet. Die meisten Lawinen lösten sich zwischen dem 23. und 26. Dezember (trockene Lawinen und Nassschneelawinen) und dem 19. und 23. März (v.a. Nassschneelawinen).

 

Lawinenunfälle

Bis Ende April wurden dem SLF für den Winter 2009/2010 163 Lawinen mit insgesamt 270 erfassten Personen gemeldet. 28 Personen haben bei 21 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. 49 Personen wurden in Lawinen verletzt, bei 19 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt. 10 Personen, davon sieben in derselben Lawine, starben bei Lawinengefahrenstufe 2 (mässig), 17 bei Stufe 3 (erheblich), eine bei Stufe 1 (gering). Die Lawinenopfer gingen folgenden Tätigkeiten nach: Varianten-Skifahren: 1 Person, Varianten-Snowboarden: 2 Personen, Touren-Skifahren: 20 Personen, Schneeschuhlaufen: 2 Personen, Bergsteigen: 1 Person, Retter: 1 Person, sonstige: 1 Person. 7 Personen verstarben im Wallis in Lawinen, 12 am Alpennordhang, 8 in Graubünden und 1 im Tessin.
Auf die Expositionen verteilen sich die tödlich verunfallten Personen wie folgt: 12 Personen an Nordhängen, 7 an Westhängen, 6 an Osthängen und 3 an Südhängen.
Die Gesamtopferzahl liegt über dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2010 dauert, liegt der langjährige Mittelwert bei 25 Lawinenopfern pro Jahr.
Am 3. Januar 2010 ereignete sich am Drümännler (Berner Oberland) der schwerste Lawinenunfall, bei dem sieben Personen das Leben verloren. Es war der folgenschwerste Unfall seit 1999 (21.02.1999 Evolène, 2 Lawinen, 12 Todesopfer), im touristischen Bereich sogar seit 1991 (08.03.1991 Grosser St. Bernhard, 7 Todesopfer, 6 Schüler und 1 Lehrer eines Gymnasiums).
Von den 28 verstorbenen Personen hatten sieben Personen kein Lawinenverschüttetensuchgerät dabei. Eine weitere Person hatte es wohl dabei, aber ausgeschaltet. Weil die Überlebenschancen in Lawinen nur während der ersten 15 Minuten bei 80% liegt, ist oft die Kameradenrettung überlebenswichtig. Für eine effiziente Kameradenrettung ist das konsequente Mitführen der Notfallausrüstung, minimal bestehend aus Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sondierstange, entscheidend.

 

Lawinenbulletins

Die Herausgabe der täglichen nationalen Lawinenbulletins wurde am 27. November 2009 gestartet. Die Ausgabe der sieben regionalen Lawinenbulletins erfolgte vom 04. Dezember 2009 bis am 11. April 2010. Für den Jura wurde an fünf Tagen vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt.

Das letzte tägliche Lawinenbulletin erschien am 10. Mai 2010. Bis auf weiteres erscheint jeweils mindestens jeden Donnerstag (vor Auffahrt am Mittwoch) ein Lawinenbulletin, welches die allgemeine Schnee- und Lawinensituation erläutert und über www.slf.ch, Telefon 187 oder Teletext 782 abgerufen werden kann. Ab sofort kann das Nationale Lawinenbulletin auch per RSS abonniert werden. Zudem kann ein SMS Service abonniert werden, der auch über den Sommer auf das Erscheinen eines Lawinenbulletins hinweist (SMS mit dem Inhalt START SLF SOMMER an 9234 senden, Service stoppen: SMS mit dem Inhalt STOP SLF SOMMER an 9234 senden, CHF 0.20 pro SMS).
Im Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht von MeteoSchweiz (www.meteoschweiz.ch, Fax 0900 162 338 oder Telefon 0900 162 138).

 

 

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