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Details zur Schneedeckenstabilitäts­karte

Hauptinhalt

 

Die Schneedeckenstabilitätskarte wird im Winter beim Vorliegen neuer Schneeprofile normalerweise täglich aktualisiert. Sie beinhaltet Schneeprofile, meistens Hangprofile inkl. Stabilitätstest, die durch SLF-Beobachter und -Mitarbeiter gemacht wurden. Jedes einzelne Profil wird von einem Lawinenwarner beurteilt und einer Stabilitätsklasse (rot=schwach, orange=mittel, grün=gut) sowie einem Profiltyp zugeordnet (siehe unten). Durch Anklicken der Symbole können die Schneeprofile abgerufen werden.

Schneeprofile sind örtliche und zeitliche Punktaufnahmen der Schneedecke.

  • Ein Schneeprofil beschreibt die Schneedecke am Profilstandort und lässt sich, weil der Schichtaufbau und besonders die Stabilität räumlich variabel sind, nur beschränkt auf die Umgebung übertragen.
  • Je nach Schneedecke und Witterungsverlauf kann die Information über längere Zeit gültig bleiben, oder z.B. bei Neuschnee, Wind oder Anfeuchtung rasch an Aussagekraft verlieren. Unabhängig von solchen Veränderungen werden die Profile während einer bestimmten Zeit, meistens den ersten 7 Tagen nach ihrer Erstellung, in der Karte angezeigt.

Zugehörige Karte

 

Stabilitätstest

Der Rutschblock-Test (RB) ist nach wie vor der zuverlässigste Stabilitätstest. Deshalb führen die SLF-Beobachter an den Hangprofilen in der Regel einen Rutschblock-Test durch, in seltenen Fällen einen oder zwei Extended Column Tests (ECT). Ein Rutschblock liefert Informationen, wie leicht sich ein Bruch (am Profilort) erzeugen liess und wie gut sich dieser ausbreitete.

  • Die Rutschblock-Stufe zeigt, wie leicht der Bruch initiiert werden konnte. Stufen 1 bis 3 deuten auf eher instabile, Stufen 6 und 7 auf lokal eher stabile Verhältnisse hin. Die Stufen 4 und 5 sind im Zwischenbereich.
  • Der ausgelöste Bereich zeigt, wie leicht sich der Bruch ausbreitete. Brach der ganze Block, war dies leicht möglich. Brach nur ein Teil des Blocks (unterhalb Ski, oder gar nur ein Eck), so war dies am Profilort nur bedingt möglich.
 

Schneedeckenaufbau

Die Schneedecke ist der wichtigste lawinenbildende Faktor. Für eine zuverlässige Prognose der Lawinengefahr z.B. bei einsetzendem Schneefall oder Schmelze muss der Aufbau der Altschneedecke dem Lawinenwarndienst bereits vor dem Ereignis bekannt sein.

Für die Beurteilung der Lawinengefahr ist es wichtig zu wissen, ob es innerhalb der Schneedecke schwache Schichten gibt, und wenn ja, wie verbreitet sie sind. Schwachschichten bestehen oft aus grossen, kantigen Kristallen, die ihre Eigenschaften meistens nur langsam ändern. Informationen zum Schichtaufbau bleiben damit meistens länger nutzbar als Stabilitätstests.

Rammprofil (allgemeiner Härteverlauf)

Das Rammprofil ist ein objektives Mass für die Schichthärten, kann dünne schwache Schichten aber nicht erfassen. Es misst die allgemeine Verfestigung der Schneedecke und hilft auch abzuschätzen, ob oberflächlich angerissene Lawinen den Altschnee mitreissen.

Die Rammprofile werden jeweils einem der 10 definierten Profiltypen zugeteilt. Die Profiltypen 1 bis 5 haben einen schwachen, die anderen einen stabilen «Fuss». Profiltypen 1, 4, 5, 7, 8 und 9 sind häufiger ungünstig, die anderen tendenziell günstiger.

„Nieten“

Bestimmte Eigenschaften einer Schwachschicht bzw. am Übergang von zwei Schichten deuten eher auf eine potenzielle Schwachschicht hin. Je mehr dieser Eigenschaften („Nieten“) bei einer Schicht  vorhanden sind, desto eher handelt es sich dabei um eine potenzielle Schwachschicht.

Kriteriumkritischer BereichBemerkung
Korngrösse in der Schwachschicht≥ 1.25 mm DurchmesserJe grösser die Körner, desto weniger Bindungen zwischen den Körnern gibt es in der Schicht.
Korngrössen-Unterschied zwischen zwei aneinander grenzenden Schichten≥ 0.75 mmAn markanten Übergängen gibt es meist nur wenige Bindungen.
Härte-Unterschied zwischen zwei aneinander angrenzenden Schichten≥ 2 Stufen der HandhärteHärte-Unterschiede führen zu Spannungskonzentrationen. Handhärten: Faust / 4 Finger / 1 Finger / Bleistift / Messer / Eis
Härte der SchwachschichtHandhärte: "Faust" oder "Faust bis 4 Finger""Faust": Die Faust lässt sich in die Schicht hineindrücken.
Kornform in der SchwachschichtkantigZwischen kantigen Körnern gibt es nur wenige Bindungen.
Typische kantige Formen sind: aufgebauter Schnee ("Schwimmschnee"), Becherkristalle, Oberflächenreif

 

Überlagerung der Schwachschicht< 1 m Bei noch tieferen Schwachschichten ist eine Auslösung durch Wintersportler wenig wahrscheinlich

Temperatur

Je höher der Temperaturgradient, desto schneller schreitet die aufbauende Umwandlung voran. Wasser kann nur tief in die Schneedecke eindringen, wenn die Schneedecke (zumindest annähernd) 0 °C „warm“ ist (0 °C isotherm).

Feuchtigkeit/Wassergehalt

Typischerweise ist die Schneedecke im Hochwinter kälter als 0 °C und damit trocken. Einzig am Übergang zum Boden ist der Schnee oft auch im Hochwinter 0 °C „warm“. Wird die Schneedecke dort nass, können auf glattem Untergrund Gleitschneelawinen abgehen.

Feuchter oder nasser Schnee ist 0 °C „warm“. Dabei wird folgende Skala verwendet:

1 trockenSchnee kälter als 0 °C, lässt sich nur mit Mühe ballen
2 schwach feuchtSchnee ist pappig
3 feuchtWasser vorhanden, fliesst bei leichtem Druck nicht ab
4 nassWasser fliesst bei leichtem Druck ab
5 sehr nassmit Wasser durchtränkt ("Pflotsch")

Ab Feuchte 3 kann frei zirkulierendes Wasser in der Schneedecke vorhanden sein. Kritisch für nasse Lawinen ist vor allem die erste Anfeuchtung grobkörniger Schwachschichten. Sickert dieses in die Schneedecke ein, so wird es am Übergang von feinkörnigen zu grobkörnigen Schichten gestaut. Dies führt zu einem erhöhten Wassergehalt an solchen Schichtgrenzen, verbunden mit einem starken Festigkeitsverlust.

 

Abschätzen der Stabilität

Die Stabilität am Profilort kann aus den Rutschblock-Resultaten und den „Nieten“ abgeschätzt werden. Vereinfacht gilt folgendes:

Kriteriumungünstig
Rutschblock: Stufe≤ 3
Rutschblock: ausgelöster Bereichganzer Block
Nieten≥ 5

Je mehr Kriterien im ungünstigen Bereich liegen, desto eher ist die Schneedeckenstabilität ungünstig.

  • Sind 2 oder sogar alle 3 Kriterien ungünstig, so bezeichnen wir die Schneedeckenstabilität als schwach.
  • Ist genau eines der Kriterien ungünstig, so liegt die Stabilität vermutlich irgendwo dazwischen, d.h. mittel.
  • Ist keines der Kriterien ungünstig, deutet dies am Profilort auf eine eher gute Schneedeckenstabilität hin.

Allerdings sollte ein günstiges Schneeprofil nie das einzige Kriterium für einen lawinentechnischen Entscheid sein.

 

Beispiel

(Bild gross PDF)

Härte

Die Härte der Schneedecke wird mit dem Rammprofil (blau) und dem Handprofil (grau) dargestellt. Die untersten 60 cm bestehen aus mittelharten Schichten, die darauf folgenden 30 cm sind hart (Handhärte 4-5). Darauf liegen gut 30 cm weicher Schnee (Handhärte "Faust"), welche von einer ca. 7 cm dicken, härteren Schicht überlagert werden. Zuoberst liegt weicher Schnee.

  • Schwache Schichten weisen typischerweise eine Handhärte von "Faust" (Härte 1) oder "vier Finger" (2) auf. Dieses Kriterium erfüllt eine dünne Schicht bei 55 cm und mehrere weiche Schichten zwischen 85 cm bis 115 cm.
  • Besonders anfällig auf eine Bruchausbreitung sind Härteunterschiede zwischen zwei benachbarten Schichten von mindestens zwei Stufen der Handhärte. Dieses Kriterium wird bei den Schichtgrenzen bei 58 cm (von 2 zu 4-5) und 115 cm (von 1 zu 5) am deutlichsten erfüllt.

Kornform und -grösse

Typische Schwachschichten bestehen aus grossen, kantigen Körnern, denn diese sind meistens schlechter miteinander verbunden: kantige Körner haben weniger Bindungen zueinander als runde, grosse Körner haben – pro Volumen – weniger Verbindungen als kleine. Im betrachteten Profil betrifft dies die meisten der oben erwähnten weichen Schichten. Ebenfalls oft schlecht verbunden sind Schichten mit stark unterschiedlichen Korndurchmessern. Bei diesem Kriterium wird der Kritische Wert (≥ 0.75 mm) an der im Rutschblock ausgelösten Schicht knapp nicht erreicht.

Rutschblock

Der Rutschblock wurde auf 115 cm bei Stufe 4 (1. Sprung von oben mit Ski) ausgelöst. Dies entspricht einer „mittleren“ Belastung zur Auslösung. Der Block ist ganz gebrochen, was eine gute Bruchausbreitung zeigt.

Temperatur

Der Schnee ist überall kälter als 0 °C und damit trocken. Dies auch am Fuss, ein Gleitschneeproblem besteht an Profilort damit nicht.