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Wochenbericht 17.-23. März 2017

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Im Norden Regen bis in hohe Lagen, dann im Süden Schneefall und grosse Lawinengefahr

Das Wochenende vom 18./19.03. war trüb und regnerisch. Mit starkem bis stürmischem Westwind stieg die Schneefallgrenze teils auf 2400 m. Weil es bereits zuvor bis auf diese Höhe geregnet hatte, hielt sich die Lawinenaktivität dieses Mal in Grenzen. In der Folge beruhigte sich die Situation im Norden rasch, während das Altschneeproblem (siehe Abbildungen 1, 7 und Bildgalerie) in weiten Teilen des südlichen Wallis und Graubündens bestehen blieb. Ab Mittwoch brachte eine Südströmung dem Süden viel Neuschnee und in der Folge gebietsweise grosse Lawinengefahr (Stufe 4).

 
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Abb. 1: Zu Beginn dieser Berichtsperiode waren die Lawinen der vorangehenden Woche noch allgegenwärtig. Hier jene vom10.03., fernausgelöst von einem Skifahrer. Nordhang auf etwa 3100 m an der „Gemsfreiheit“ (Vadret da la Fortezza, Pontresina, GR). Im Hintergrund die vier Gipfel der Bellavista, rechts hinten der 3945 m hohe Piz Argient. © R. Homberger.
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Zu Beginn dieser Berichtsperiode waren die Lawinen der vorangehenden Woche noch allgegenwärtig. Spontane Schneebrettlawine, abgegangen im schwachen Altschnee auf dem Schwärzegletscher in Zermatt, VS (Foto: H. Lauber).
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Diese Lawine brach am Freitag, 17.03. bei der Galmilicke (3292 m, Fieschertal, VS) in einem Nordosthang an (Foto: R. Imsand).
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Der herrliche Blick von der Alpe di Pescora (Bedretto, TI) auf den 3272 m hohen Basòdino, Cevio, TI (links). An den Südosthängen des Pizzo Rotondo sind diverse ältere Schneebrettlawinen zu erkennen (Foto: T. Schneidt, 17.03.2017).
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Auch Lawinen-Testgelände des SLF in der Vallée de la Sionne (Arbaz, VS) war die Wärme zu spüren. Mittig ist der Pylon zu sehen, welcher die Aufpralldrücke der Lawinen misst. Die automatischen Kameras dokumentierten am 17.03 eine Gleitschneelawine, welche den Pylon aber nicht erreichte. Darunter die grosse Ablagerung der am 08.03. gesprengten Lawine.
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Ablagerung einer Nassschneelawine im Bereich der Alpe di Cristallina (1800 m, Bedretto, TI), welche aus den steilen Nordost exponierten Rinnen des Pian Milan abging (Foto: N. Ulmann, 19.03.2017).
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Wunderschöne Abflussrinnen zeigen noch immer den Regen der letzten Berichtsperiode. Hier am First (2184 m, Grindelwald, BE). Entdecken Sie die Person im Bild? (Foto: SOS Team First, 19.03.2017).
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Diese Lawine ging am Montag, 20.03. im Val Nalps (Tujetsch, GR) an einem Nordwesthang spontan ab. Sie reichte bis in den Rein da Nalps hinab (Foto: N. Levy).
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Im Skigebiet Anzère (Ayent, VS) wurden für die Pistensicherung am Dienstag 21.03. nasse Lawinen künstlich ausgelöst. Sie wiesen teils grosse Ablagerungshöhen auf, wie dieses Bild zeigte (Foto: E. Morard).
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In der Abfahrt über den Fieschergletscher (Fieschtal, VS) ist diese eindrucksvolle nasse Lawine (ca. 3230, Südosthang) beobachtet worden als sie über die Felsen donnerte (Foto: G. Voide, 21.03.2017).
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In dieser Berichtsperiode wurden mehrere Lawinen bei einer tragfähig gefrorenen Schneeoberfläche im Altschnee ausgelöst. Hier der Anriss in einem Südhang auf ca. 2850 m unterhalb des Minschun Pitschen (Scuol, GR). Es wurde zum Glück niemand erfasst (Foto: S. Matt, 22.03.2017).
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Die Ablagerung der Lawine am Minschun Pitschen (Scoul, GR) reichte weit ins Flache hinaus (Foto: S. Matt, 22.03.2017).
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Blick in das nebelumhüllte Prättigau. Am Mittwoch, 22.03. zeigte sich die Sonne nur kurz, aber doch. Blick aus dem Skigebiet Madrisa (Klosters-Serneus, GR) nach Südosten zum Pischahorn (2980 m, Klosters-Serneus, GR) und zum Schwarzhorn (3146 m, Zernez, GR; Foto: SLF/A. Bodisch).
 

Wetter und Lawinensituation

Freitag, 17.03.: Mehrheitlich günstige Frühlingsverhältnisse

Am Freitag herrschten frühlingshafte Bedingungen. Nach einer klaren Nacht war die Lawinensituation am Morgen mehrheitlich günstig, bevor mit der Sonneneinstrahlung und den milden Temperaturen die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf etwas anstieg (Abbildung 2). Vor allem in den inneralpinen Gebieten war aber nach wie vor auch der schwache Altschnee zu berücksichtigen, siehe nächstes Kapitel.

 
Samstag und Sonntag, 18./19.03.: stark bewölkt und Regen bis in hohe Lagen

Am Wochenende brachte starker und in den östlichen Gebieten teils auch stürmischer West- bis Nordwestwind Wolken und Niederschlag. Mit 20 bis 40 cm fiel am meisten Schnee am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis Liechtenstein und im nördlichen Prättigau (Abbildung 3). Am Sonntag hellte es im Tagesverlauf im Westen auf. Ganz im Süden war es an beiden Tagen trocken und teils sonnig.

Der Neuschnee wurde intensiv verfrachtet und die Lawinengefahr stieg in den neuschneereicheren Gebieten auf die Stufe 3, „erheblich“. Verfrachtbarer Altschnee dagegen war nur wenig vorhanden.

Die Schneefallgrenze lag meistens im Bereich von 2000 bis 2400 m und damit, wie so oft bei Westströmungen, höher als prognostiziert. Unterhalb der Schneefallgrenze fielen bis zu 40 mm Regen auf die Schneedecke. Grobkörnige Schwachschichten werden bei ihrer ersten Anfeuchtung massiv geschwächt. Diese erste Anfeuchtung hatte in den meisten jetzt vom Regen betroffenen Hängen bereits mit dem intensiven Dauerregen vom Donnerstag, 08. März stattgefunden. Viele nasse Lawinen waren bereits damals abgegangen, und so hielt sich die Lawinenaktivität dieses Mal in Grenzen.

 
Montag und Dienstag, 20./21.03.: Rascher Rückgang der Lawinengefahr

Nach einer oft klaren Nacht war es am Montag in den Bergen mehrheitlich sonnig und mit etwa +7 °C auf 2000 m wieder mild. Am Dienstag war es nur im Wallis und in Graubünden zunächst noch sonnig, sonst stark bewölkt und etwas kühler.

Die Lawinengefahr nahm rasch ab (Abbildung 4). Am Montag wurde die Gefahr in den Hauptniederschlagsgebieten oberhalb von rund 2400 m noch mit Stufe 3 (erheblich) eingestuft (siehe Gefahrenentwicklung). Am Dienstag war sie auch dort nur noch „mässig“ (Stufe 2), im Westen, entlang der Voralpen sowie im mittleren und südlichen Tessin sogar „gering“ (Stufe 1).

 
Mittwoch und Donnerstag, 22./23.03.: im Süden Schneefall und teils grosse Lawinengefahr

Mit zunehmend starkem Südwind war es im Norden am Mittwoch bewölkt, am Donnerstag teils sonnig. Am zentralen Alpensüdhang, aber auch in den nördlich angrenzenden Gebieten fiel anhaltend Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank von 2000 m auf etwa 1600 m. In der Nacht auf Donnerstag waren die Niederschläge im westlichen Tessin intensiv. Dort fiel insgesamt verbreitet 70 bis 100 mm Regen (Abbildung 5). Im westlichen Tessin, an Teilen des Oberwalliser Alpenhauptkammes und in der südlichen Urseren wurde am Donnerstag vor einer „grossen“ Lawinengefahr gewarnt (Stufe 4). Vor allem aus den südlichen Urner Alpen wurden ab Donnerstagmorgen grosse Lawinenabgänge gemeldet (Abbildung 6). Bei Redaktionsschluss war es aber noch zu früh, um sich ein Gesamtbild der Situation zu machen. Zudem wurden bis am Freitag, 24.03. in den Hauptniederschlagsgebieten noch weitere etwa 30 cm Neuschnee erwartet. Wie es weiter ging, lesen Sie im nächsten Wochenbericht, der am Donnerstag, 30.03. erscheint.

 

Altschneeproblem

Nach wie vor enthielt die Schneedecke in ihrem untern Teil vor allem an Schattenhängen vielerorts grobkörnige Schwachschichten. Je stärker eine Schwachschicht überdeckt ist, desto schwieriger ist es, in ihr noch einen Bruch zu erzeugen. Nördlich einer Linie Rhone-Rhein reichte die Belastung durch Wintersportler dazu kaum noch aus. Südlich von Rhone-Rhein dagegen war die Überlagerung nicht ganz so gross, siehe Schneehöhenkarte. Hier konnten vor allem an eher schneearmen Stellen noch Lawinen im Altschnee ausgelöst werden. Diese wurden, für Altschneebrüche typisch, teils gefährlich gross (Abbildung 7).

Vor den Schneefällen im Süden wurden nur wenige solche Lawinen gemeldet. Die Gefahrenstellen waren also nur noch selten. Obwohl der Schneedeckenaufbau an Nordhängen als am schlechtesten eingeschätzt wurden, erfolgten die Auslösungen auch an Süd- und Westhängen, und das durchaus auch bei tragfähig gefrorener Schneeoberfläche. Leider sind solche Gefahrenstellen auch für Geübte nicht erkennbar.

Weil sich die Verhältnisse bei Altschneeproblemen nur langsam ändern, ist in diesen Gebieten auch in den nächsten Tagen Vorsicht geboten.

 
Gefahrenstufe bei Altschnee-Problem

Die Gefahrenstufe gibt an, wie hoch die Lawinengefahr ist. Sie wird wesentlichen beeinflusst durch die Auslösebereitschaft (Anzahl Schwachstellen und zur Auslösung nötige Belastung) und die Lawinengrösse. In der Definition der Europäischen Lawinengefahrenskala steigt von einer Gefahrenstufe zur nächsten jeweils die Anzahl Gefahrenstellen und die Lawinengrössen an, während die zur Auslösung erforderliche Belastung abnimmt.

Ein latentes Altschneeproblem, wie es in dieser Berichtsperiode in den inneralpinen Gebieten vorhanden war, passt nicht in dieses Bild. Die Gefahrenstellen sind selten. So selten vielleicht, dass von der Verbreitung her eine Stufe 1, „gering“ möglich wäre. Wenn aber eine Lawine ausgelöst wird, passt sie von der Grösse her eher zu einer Stufe 3, „erheblich“. Eine korrekte Einschätzung liegt hier wohl irgendwo dazwischen, und so wurde vor einer „mässigen“ Lawinengefahr (Stufe 2) gewarnt. In der Gefahrenbeschreibung wurde die Situation dann näher beschrieben, siehe Abbildung 8.

 

Lawinenunfälle

Bis zum Redaktionsschluss am Donnerstagmittag wurden der Lawinenwarnung zwei Lawinen mit erfassten Personen gemeldet, die zum Glück beide glimpflich ausgingen: eine am Samstag, 18.03. auf etwa 2400 m in Juf (Abbildung 7), die andere am Piz Utèr im Oberengadin auf etwa 2600 m. Beide Lawinen wurden an tragfähigen West- bis Südwesthängen ausgelöst.

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