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Wie verändern sich die Lebensräume im Gebirge?

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25.08.2022  |  Christine Huovinen  |  News SLF

 

Die SLF-Forschungsgruppe Gebirgsökosysteme untersucht, wie sich Klimawandel und veränderte Landnutzung auf Lebensräume ober- und unterhalb der Waldgrenze auswirken. Der Wald mit seiner Schutzfunktion gegenüber Naturgefahren ist davon besonders betroffen.

  

Blumenreiche Alpwiesen, Geröllhalden, Alpenrosenbestände oder Nadelwälder – die zum CERC gehörende SLF-Forschungsgruppe Gebirgsökosysteme konzentriert sich auf Lebensräume, die sich vom Gebirgswald bis hinauf zu den höchsten Gipfeln erstrecken. Sie alle müssen sich in einer harschen Bergwelt behaupten, die beispielsweise geprägt ist von viel Schnee, extremen Temperaturen oder Lawinen. In der Regel kommen die Lebensräume mitsamt ihren Tier- und Pflanzenarten gut damit zurecht; der Klimawandel und die abnehmende Nutzung der Alpen fordern sie jedoch zunehmend heraus. Davon betroffen ist nicht zuletzt auch der Mensch; Gebirgsökosysteme ziehen zum Beispiel Touristen an, ernähren Kühe, verhindern ein Anreissen von Lawinen oder schützen vor Steinschlag.

 

Zunehmender Borkenkäferbefall

Einer der Schwerpunkte der Forschungsgruppe Gebirgsökosysteme liegt denn auch auf dem Gebirgswald und seiner Schutzfunktion gegenüber Naturgefahren. Die Forschenden untersuchen beispielsweise, wie sich Borkenkäferausbrüche auf den Schutzwald auswirken, etwa am Gandberg im Kanton Glarus. Peter Bebi, Leiter der Gruppe, sagt: «Trockeneres und wärmeres Klima führt vermehrt dazu, dass insbesondere die Fichte grossflächig vom Käfer befallen wird und ganze Wälder absterben. Der Gandberg ist einer der wenigen Waldbestände, der bereits in den 1990-er Jahren befallen und danach nicht geräumt wurde. Das Gebiet eignet sich daher perfekt für eine Studie zu den Langzeitfolgen von Borkenkäferschäden.» Anhand von Messreihen direkt im Wald, Fernerkundungsdaten sowie Lawinensimulationen kamen die Forschenden dabei zum Schluss, dass von Borkenkäfern befallene Wälder oft besser schützen als gemeinhin angenommen. Die Schutzwirkung war infolge vieler offener Stellen fünfzehn Jahre nach dem Käferbefall am schlechtesten, mit dem Aufkommen von neuen Bäumchen verbesserte sie sich danach jedoch wieder.

 
 

Werkzeuge für die Praxis

Doch was bedeuten diese Forschungsergebnisse nun für die Praxis? Bebi: «Trotz Restschutzwirkung von Käferbäumen ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, welche Bäume anfällig auf Befall sind, und wo dieser konsequent bekämpft werden muss. So lässt sich vermeiden, dass der Käfer sich weiter ausbreitet und die Schutzwälder zunehmend schwächt.» Zusammen mit der SLF-Gruppe Alpine Fernerkundung, anderen WSL-Gruppen und dem Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden erarbeitet Bebis Team deshalb zurzeit Grundlagen, um Befall und Gefährdung durch Borkenkäfer im Kanton zu überwachen. Dabei liegt Bebi der Nutzen für die Praxis besonders am Herzen: «Wir möchten mit unserer Arbeit Entscheidungsträgern die nötigen Werkzeuge liefern, damit sie ihre Massnahmen im Wald- und Naturgefahrenmanagement sinnvoll priorisieren können.»

 

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