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Rechtzeitige Eingriffe machen den Wald meist widerstandsfähiger gegenüber natürlichen Störungen

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In den letzten Jahren waren Wälder im Kanton Graubünden vermehrt von natürlichen Störungen wie Windwurf oder Borkenkäfer betroffen. Forschende des SLF konnten identifizieren, welche Wälder besonders anfällig sind. Die Studie soll helfen, bei der Waldbewirtschaftung Prioritäten zu setzen.

 

Der Gebirgswald hat für Menschen eine grosse Bedeutung, denn er erfüllt viele Funktionen. Er schützt nicht nur Siedlungen und Strassen vor Naturgefahren wie Lawinen oder Steinschlag, sondern reinigt die Luft und speichert Kohlenstoff. Er ist Erholungsraum und Lebensraum für zahlreiche Tiere- und Pflanzenarten. Als Lieferant nachwachsender Rohstoffe spielt er eine wichtige wirtschaftliche Rolle.

Während der Gebirgswald bis Ende des 19. Jahrhunderts intensiv genutzt und beweidet wurde, ist er in den letzten Jahrzehnten meist dichter geworden und hat sich ausgedehnt. Heute sind knapp ein Drittel des Kantons Graubünden bewaldet. Davon sind rund 60 % Schutzwälder. Das Ausmass an natürlichen Störungen wie Windwürfe, Waldbrand und Borkenkäferausbrüche hat in den letzten Jahren infolge der Waldverdichtung und zunehmend auch infolge des Klimawandels zugenommen. Solche Entwicklungen sind eine Herausforderung für die Waldpflege. Für die Waldbewirtschaftung ist es daher entscheidend, wo, wann und wie der Wald gepflegt werden soll, damit die Gefährdung durch natürliche Störungen trotz schwieriger werdenden Rahmenbedingungen möglichst gering bleibt und der Wald seine Funktionen möglichst nachhaltig erfüllen kann.

 

Verschiedene Daten kombinieren um Störungen zu differenzieren

In einer aktuellen Studie haben Forschende des SLF in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM), der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich) und des Amtes für Wald und Naturgefahren des Kanton Graubünden (AWN) Satellitendaten mit Daten der Holznutzungen und Waldpflege des Kantons Graubünden und historische Karten der Waldbedeckung kombiniert. Satellitendaten hat man zwar schon für frühere Untersuchungen genutzt, doch bis anhin konnte man nicht unterscheiden, ob es sich bei der Störung um menschliche Eingriffe wie z.B. Durchforstung oder um natürliche Störungen handelt. «Mit dieser neuen Methode können wir relativ einfach und grossflächig sehen, was, wo und wann in den Wäldern geschah. Wir erkennen nun, um welche natürliche Störung es sich handelt, ob es beispielsweise Borkenkäfer, Schneebruch oder Windwurf ist.», sagt Peter Bebi, Mitautor der Studie und Leiter der Forschungsgruppe "Gebirgsökosysteme" am SLF.

 

Frühzeitiges Eingreifen erhöht die Widerstandsfähigkeit des Waldes

Die Modelle zeigen, dass natürliche Störungen, insbesondere Windwurf und Borkenkäfer am häufigsten in tieferen Lagen, an flachen und nach Süden ausgerichteten Hängen auftreten. Fichtendominierte und dichtstehende Bestände zeigten eine höhere Anfälligkeit für natürliche Störungen als strukturierte Mischbestände. Jüngere Wälder, also solche, die im 20. Jahrhundert angelegt wurden, waren deutlich anfälliger für natürliche Störungen als Wälder, die bereits vor 1880 vorhanden waren. «Diese Erkenntnis ist neu und widerspricht der verbreiteten Meinung, dass man in erster Linie ältere Wälder pflegen muss, weil sie überaltert seien», sagt Peter Bebi. Vor allem einförmige und dunkle Fichtenwälder, die auch bezüglich Biodiversität und Erholungsraum weniger leisten, sind störanfällig. «Es ist daher vielfach sinnvoll, rechtzeitig einzugreifen und dafür zu sorgen, dass Fichtenwälder nicht so dicht zusammenwachsen. Solange die Fichten noch relativ lange Kronen haben, können sie positiv auf Veränderungen reagieren», sagt Peter Bebi. Verjüngungseingriffe können zwar kurzfristig die Anfälligkeit für natürliche Störungen erhöhen, längerfristig wird der Wald damit aber meist vielfältiger und widerstandsfähiger.

 

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