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Lawinenbulletin

Kernstück des Lawinenbulletins ist eine Prognose der Lawinengefahr für die Schweizer Alpen, Liechtenstein und fallweise den Jura. Das Lawinenproblem wird regional beschrieben und es werden Angaben zur Gefahrenstufe und zur Verbreitung der Gefahrenstellen gemacht. Das Lawinenbulletin ist eine wichtige Grundlage für lokale Lawinen- und Sicherheitsdienste, aber auch für Schneesportler und andere Personen die sich ausserhalb der gesicherten Gebiete im winterlichen Gebirge aufhalten. Es kann die Einschätzung des Lawinenrisikos im Einzelhang vor Ort aber nicht ersetzen.

Das Lawinenbulletin ist optimiert auf das Internet und auf "White Risk", die Lawinen-App des SLF. Zusätzlich ist es in verschiedensten druckbaren Versionen verfügbar. Seit dem Winter 2012/13 erscheint das Lawinenbulletin zweimal täglich in den vier Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Bei "grosser" Lawinengefahr (Stufe 4) wird den lokalen Lawinen- und Sicherheitsdiensten ein erweitertes Bulletin mit zusätzlichen Informationen zur Gefährdung von Verkehrswegen und Siedlungen angeboten. Details zum Lawinenbulletin siehe hier.



Entsprechend den unterschiedlichen Bedürfnissen der verschiedenen Nutzer ist das Lawinenbulletin nach der Informationspyramide aufgebaut: Wer sich nur wenig Zeit nimmt, sieht zuerst das Wichtigste: die Gefahrenstufe, gefolgt von der Bezeichnung der Hanglagen, wo die Lawinengefahr besonders ausgeprägt ist, und der Gefahrenbeschreibung. Erst danach folgen Informationen zu Schneedecke und Wetter und schliesslich Schneehöhenkarten, unkontrollierte Messwerte usw.
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Auf der interaktiven und zoombaren Gefahrenkarte werden die Gebiete mit einer ähnlichen Lawinengefahr zusammengefasst. Die Farbe zeigt die Gefahr in der fünfstufigen Europäischen Lawinengefahren-Skala. Mit einem Klick in die Karte wird das entsprechende Gefahrengebiet ausgewählt und die passende Gefahrenbeschreibung angezeigt.

Grundlagen

Ein zuverlässiges Lawinenbulletin erfordert ein dichtes Netz von Beobachtungen und Messungen zur Erfassung der aktuellen Verhältnisse. Um die Veränderung der Lawinengefahr während des Gültigkeitszeitraums vorherzusagen sind zudem möglichst genaue Wetterprognosen nötig. Dem Lawinenwarndienst stehen zur Verfügung:

  • Rund 210 vom SLF ausgebildete Beobachter/innen. Sie liefern täglich ihre Messungen, Beobachtungen und Einschätzungen an den Lawinenwarndienst und viele untersuchen mindestens jede zweite Woche Stabilität und Aufbau der Schneedecke. Mit den Beobachtern einher geht eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Lawinendiensten, Rettungsdiensten in den Skigebieten, Bergführern usw.
  • 170 automatische Stationen zur kontinuierlichen Messung von Schnee- und Wetterdaten auch in hohen Lagen, also oberhalb von rund 2000 m.
  • Rückmeldungen von Freeridern, Tourengängern, Polizei, Rettungsorganisationen usw.
  • Wetterberichte, Neuschneeprognosen und Meteomodelle von MeteoSchweiz und weiteren Anbietern.
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Rund 210 Beobachter messen, beobachten und schätzen die Situation täglich ein. 170 automatische Stationen messen kontinuierlich Schnee und Wetter auch in hohen Lagen.

Wie wird ein Lawinenbulletin erstellt?

Das Lawinenbulletin und eine ganze Reihe von Zusatzprodukten werden vom Lawinenwarndienst herausgegeben. Seine Ansiedlung am SLF ermöglicht es, ständig die neuesten Forschungsresultate umzusetzen.

Das Erstellen des Lawinenbulletins ist Teamarbeit, das Expertenwissen und Erfahrung benötigt. Von den insgesamt sieben Prognostikern sind im Turnus jeweils drei im operationellen Dienst. Vor jedem Bulletin findet ein Briefing statt, an dem die diensthabenden Lawinenwarner die Situation besprechen und die Gefahrenstufen festlegen. Zudem werden alle Warnprodukte vor dem Versand gegengelesen. Der Arbeitstag startet etwa um 5:30 Uhr im Warnraum. Wie er weitergeht, lesen Sie hier.





Qualitätssicherung beim Lawinenbulletin: Vor jedem Lawinenbulletin besprechen die diensthabenden Lawinenwarner die Situation. Zudem wird jedes Warnprodukt vor der Veröffentlichung gegengelesen.
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Technische Systeme und automatische Übersetzung

Zweimal täglich viersprachige Lawinenbulletins sind nur möglich mit massgeschneiderten Programmen zur Erfassung und Visualisierung der Daten sowie zum Erstellen und Versenden der Warnprodukte. Diese Programme werden am SLF vom Team "Warn- und Informationssysteme" entwickelt und unterhalten und sind hier beschrieben.

Ein Lawinenbulletin muss nicht nur möglichst zutreffend und verständlich sein, sondern auch aktuell. Seine Erstellung ist immer zeitkritisch. Am Morgen ist das Zeitfenster zwischen dem Eintreffen der Beobachtungen aus dem Gelände und dem Ausgabezeitpunkt so kurz, dass eine manuelle Übersetzung nicht möglich ist. Deshalb wurde am SLF ein vollautomatisches Übersetzungssystem entwickelt. Es basiert auf einem Katalog von vordefinierten Sätzen, die in alle benötigten Sprachen übersetzt und in der Datenbank gespeichert wurden. Bei der Erstellung des Bulletins werden die Gefahrenbeschreibungen nicht frei geschrieben, sondern aus diesen vordefinierten Sätzen zusammengestellt und stehen damit sofort in allen Sprachen zur Verfügung. Damit sich alle möglichen Situationen beschreiben lassen sind die einzelnen Sätze nicht fix. Sie bestehen aus verschiedenen Segmenten, bei denen jeweils zwischen vordefinierten Optionen ausgewählt werden kann.

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Schema eines Satzes aus dem Satzkatalog. Oben in der Quellsprache Deutsch. Unten Englisch als eine der Zielsprachen. Zum Erzeugen der korrekten Satzstellung können die Segmente in einer anderen Reihenfolge angeordnet und zudem zweigeteilt sein.

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