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Snow Farming

Einleitung

In Finnland wird seit mehreren Jahren jeweils im Frühling ein Schneehaufen mit Sägespänen zugedeckt. Dieser Schnee wird im Herbst für den Bau einer Loipe verwendet, bevor neuer Schnee produziert werden kann. Durch das Abdecken bleiben ca. 80% des Schneevolumens erhalten. Damit kann ein früher Saisonstart unabhängig der Schneitemperaturen garantiert werden.

In den Alpen werden seit einigen Jahren v.a. auf Gletschern Schneedepot mit speziellen Vliesfolien abgedeckt. Damit können heikle Pistenabschnitte besser und mit weniger Aufwand erhalten oder wiederhergestellt werden. Der Schneeverlust wird dabei auf 20 – 30 Prozent geschätzt.

Die Gruppe Industrieprojekte und Schneesport am Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, befasst sich seit Jahren mit dem Bau, der Präparation und der Pflege von Schneesportanlagen. Die Gruppe hat zu diesem Thema im Jahre 2002 ein Buch mit dem Titel: „Pistenpräparation und Pistenpflege“ Handbuch für den Praktiker herausgegeben. Dieses Buch gilt weltweit als Ausbildungsgrundlage für Pisten- und Loipenbetreiber, Pistenfahrzeugführer und Rennorganisatoren. Das in 3 Sprachen erhältliche Buch wird in absehbarer Zeit überarbeitet werden. Das Thema "snowfarming" soll in der neuen Ausgabe vertieft behandelt werden. Der Trend geht eindeutig dahin, dass vermehrt Schneedepot, wahrscheinlich auch in tieferen Lagen, über den Sommer gelagert werden. Um die wirtschaftlichen und ökologischen Vor- und Nachteile beurteilen zu können, macht es Sinn, das Thema wissenschaftlich zu bearbeiten. Dazu sind Experimente und Messungen notwendig.

Nachdem in diesem Frühling im Loipendepot Flüelatal ein Haufen Technischer Schnee übrig geblieben ist, hat sich Davos Tourismus , das Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos und die Firma Landolt (Vlieshersteller) entschieden, diese Gelegenheit zu nutzen und damit ein Experiment durchzuführen.

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Projektziele

  1. Es soll festgestellt werden, wie gross der Volumenverlust am Schneehaufen in Abhängigkeit von zwei unterschiedlichen Abdeckmethoden und den Meteorologischen Verhältnissen diese Sommers sind.
  2. Auf Grund dieser Messungen und mit Hilfe von am SLF vorhandenen Schneedecken- und Strahlungsbilanzmodellen wird ein Simulationstool entwickelt, um in Zukunft Schneedepots zuverlässig planen zu können. Das heisst, dass die notwendige Isolationsabdeckung, sowie Volumenverluste von Schneedepots in Abhängigkeit von Höhenlage, Exposition und mikroklimatischen Bedingungen berechnet werden können. Mit Hilfe dieser Tools wird es möglich sein, die Wirtschaftlichkeit von Schneedepots zu berechnen.
  3. Die Erkenntnisse aus den Experimenten und das damit gesteigerte Prozessverständnis werden zur Neuauflage des Buches dienen.

Methoden

Der Schneehaufen im Flüelatal wird zur einen Hälfte mit einer Folie der Firma Landolt (Gletschervlies) und zur andern Hälfte mit Sägespänen abgedeckt. Der Haufen wird ausgemessen (Volumenmessung) und von verschiedenen definierten Standorten fotografiert. In regelmässigen Abständen werden diese Aufnahmen (Fotos) während dem Sommer wiederholt. Zwischen dem Vlies und dem Schnee, resp. zwischen den Sägespänen und dem Schnee werden Datenlogger platziert, die stündlich die Temperatur messen und abspeichern. Ein weiterer Temperaturlogger wird unter den Schneehaufen gelegt um den Einfluss der Bodentemperatur zu verfolgen. Die meteorologischen Daten werden mit der Meteo-Messstation auf dem Dach des Windkanals und ergänzend mit einer mobilen Station auf dem Schneehaufen erfasst.

Im Herbst wird das Volumen neu gemessen und mit den Daten vom Frühling verglichen. Mit Hilfe von Simulationsmodellen wird das Experiment begleitet. Die Messungen werden dazu dienen, die Modelle zu verifizieren und weiter zu entwickeln.