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Snowfarming

Unter Snowfarming versteht man die Konservierung von Schnee über das Sommerhalbjahr. In Skandinavien wird diese Technik schon seit fast 20 Jahren erfolgreich praktiziert, aber auch in den Alpen gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Snowfarming Projekten. Im Frühling werden Schneehaufen mit Sägespänen zugedeckt. Dieser Schnee kann im folgenden Herbst für den Bau einer Loipe, einer Piste oder für die Präparation von Sprungschanzen verwendet werden.

70 bis 80% des Schnees können erhalten werden

Durch das Abdecken wird der Schnee isoliert und es bleiben ca. 70 bis 80% des Schneevolumens erhalten. Damit kann ein früher Saisonstart unabhängig der Schneitemperaturen garantiert werden.

Neben der Abdeckung von Schneehaufen im Tal werden in den Alpen auf Gletschern Schneedepots mit speziellen Vliesfolien abgedeckt. Damit können heikle Pistenabschnitte besser und mit weniger Aufwand erhalten oder wiederhergestellt werden. Der Schneeverlust wird dabei auf 20 bis 30 Prozent geschätzt.

In der jüngeren Vergangenheit hat das Interesse an Snowfarming, auch in der Schweiz stark zugenommen. Snowfarming wird als mögliche Anpassungsstrategie an den Klimawandel gesehen und ermöglicht einen weitgehend Wetterunabhängigen frühen Start in die Wintersaison.

snowfarming davos 2016

Feldmessungen im Flüelatal

Das SLF beschäftigt sich seit fast 10 Jahren mit dem Thema Snowfarming. 2008 wurden erste Feldversuche im Flüelatal bei Davos durchgeführt. Ein Schneehaufen wurden zur Hälfte mit einer Schicht Sägemehl und zur Hälfte mit einer Vliesfolie abgedeckt. Bis zum Ende des Sommers zeigte sich, dass der Schnee unter dem Vlies nahezu vollständig abschmolz, während unter dem Sägemehl ca. 70% des Schneevolumens erhalten werden konnte.

Snowfarming Davos 2008 Vergleich Abdeckungsmaterial

Simulation des Abschmelzverhaltens

Ausserdem wurde das am SLF entwickelte Schneedeckenmodell SNOWPACK so angepasst, dass damit das Abschmelzverhalten und die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Schneehaufen simuliert werden können. Damit konnte gezeigt werden, dass in tieferen Lagen, wie in Davos vor allem die Lufttemperatur (und damit sensible und latente Wärmeströme) für die Schmelze verantwortlich sind während im Hochgebirge (z.B. auf Gletschern) die Sonnenstrahlung dominiert. Im Tal ist Sägemehl besser für die Isolation geeignet, da das Material Holz und die grosse Schichtdicke eine gute thermische Isolation darstellt. Zudem kann Sägespäne viel Feuchtigkeit aufnehmen, die beim Verdunsten dann zur Kühlung der Haufenoberfläche beiträgt. Am Gletscher sind weisse Geotextilien besser geeignet, weil diese die Sonnenstrahlung besser reflektieren. Wegen den tiefen Lufttemperaturen auf dem Gletscher funktioniert die Schneekonservierung trotz der nur dünnen Isolierschicht des Geotextiles.

Bewertung neue Standorte

SNOWPACK wird auch eingesetzt um die Eignung von neuen Standorten für Snow farming zu untersuchen: Abhängig von den meteorologischen Verhältnissen können die zu erwartenden Schneeverluste abgeschätzt werden. Zum Beispiel für das Martelltal (Südtirol) oder Klosters wurden so Gutachten erstellt.

Schneeverlust i.A. der Scichtdicke

Ausbau der Messinfrastruktur im Flüelatal

In den letzten Jahren wurde das Snowfarming in Davos stark ausgebaut und ein neuer Lagerplatz konstruiert. Mit Hilfe von terrestrischem Laserscanning und Befliegungen mit einer Drohne wird der Schneehaufen sehr genau vermessen. So kann am Ende des Jahres eine detaillierte Massenbilanz erstellt werden. Durch Messungen der Schmelzwassermenge wird ausserdem der zeitliche Verlauf der Schmelze genau erfasst. Schliesslich sollen in diesem Sommer mehrere Wetterstationen auf dem Schneehaufen aufgestellt werden um die Wechselwirkung von Schneehaufen und Wind besser zu untersuchen.

All diese Messungen werden dazu beitragen, die Prozesse und Wechselwirkungen die beim Snow farming ablaufen besser zu verstehen. Das kann zur Optimierung von bestehenden und zur besseren Planung neuer Snowfarming Standorte beitragen.