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Schneeklimatologie

Die winterliche Schneedecke ist für viele Bergregionen in erster Linie ein grosser Segen, weil sie in hohem Masse abhängig sind vom Wintertourismus. Umfangreiche Schneemengen können aber auch erhebliche Kosten verursachen in Form von Strassensperrungen, Lawinenschäden oder Schneeräumungen.

Um einzelne schneearme oder schneereiche Winter richtig einzuordnen oder Trends bzgl. Schneehöhe oder Niederschlagshäufigkeit zu erkennen, sind langjährige Messreihen von grosser Wichtigkeit. Zusammen mit MeteoSchweiz unterhält das SLF ein Messnetz von über 100 Beobachtern und Beobachterinnen, die zwischen Oktober und Mai täglich den Neuschnee und die Gesamtschneehöhe messen. Der Grossteil dieser Messreihen geht ca. 50 Jahre zurück, einzelne Stationen liefern aber bereits seit mehr als 100 Jahren Daten. Diese langjährigen Schneemessreihen zeigen, dass die jährliche Schneedecke sowohl zeitlich (von Jahr zu Jahr) wie auch räumlich (Alpensüd-/Alpennordseite, West-/Ostschweiz, Voralpen/Alpen) grossen Schwankungen unterliegt. Trotz dieser natürlichen Schwankungen lässt sich vor allem unterhalb 1300 m ü. M. ein klarer Trend zu weniger Schnee feststellen. Verantwortlich für diese Abnahme der Höhe und Dauer der Schneedecke sind hauptsächlich die gestiegenen Wintertemperaturen. Diese führen einerseits zu mehr Regen- statt Schneefällen, andererseits schmilzt der gefallene Schnee schneller wieder weg.

Winter 2012
Abb. 1: Relative Schneehöhen im Winter 2011/12 (Nov-Apr) im Vergleich zur Referenzperiode 1971-2000. Im Mittelland waren die Schneehöhen klar unterdurchschnittlich( rot), auf der Alpensüdseite durchschnittlich (gelb) und am Alpennordhang klar überdurchschnittlich (blau).

Lückenlose und fehlerfreie Datenreihen als Ziel

Solche schneeklimatologische Auswertungen sind nur dank dem langjährigen, unermüdlichen Einsatz der Beobachter möglich. Wie bei allen Messungen gibt es aber auch hier Fehler und Lücken in den Aufzeichnungen. Es ist darum eine wichtige Aufgabe des SLF, die Fehlmessungen zu finden und zu korrigieren und Lücken mit Hilfe von Nachbarstationen und andern Messparametern aufzufüllen. Nur vollständige Messreihen erlauben z. B. die Anzahl Schneetage pro Winter zu zählen. Auch passiert es leider immer wieder, dass eine langjährige Messstation nach Jahrzehnten verschoben werden muss, weil entweder der Messstandort überbaut wird oder kein Beobachter in der Nähe gefunden werden kann. Speziell für klimatologisch wertvolle Schneereihen ist es darum wichtig, dass solche Verschiebungen die Messreihen so wenig wie möglich beeinflussen oder dass die alten Messreihen an den neuen Standort angepasst werden können.

Anzahl Schneetage
Abb. 2: Anzahl Schneetage (Tage mit Schneehöhe ≥ 50 cm) zwischen Dezember und März oberhalb 1300 m auf der Alpennordseite. Die jährlichen Balken zeigen die Abweichung des Mittelwerts der sieben aufgelisteten Stationen vom langjährigen Durchschnitt (1961-2000). Der absolute Wert dieses langjährigen Durchschnitt beträgt 89 Schneetage. Im Winter 2011/12 (letzter Balken) waren es 104 Schneetage, was klar überdurchschnittlich, aber noch weit weg von einem Rekord ist.

Produkte und Publikationen

Die langjährigen Schneemessungen werden nicht nur gebraucht, um Forschungsfragen rund um den Klimawandel zu analysieren. Sie helfen auch praktische Fragestellungen zu beantworten, z. B. die Schneesicherheit eines Gebietes zu bestimmen oder ein optimales Kosten-Nutzen Verhältnis von Präventionsmassnahmen (Lawinenverbauungen, temporäre Sperrungen, Schneelastnormen) zu finden. Ausserdem lassen sich mit Hilfe dieser Beobachtungen aktuelle Situationen, wie regelmässig im Wochenbericht veröffentlicht, richtig einordnen. Typische Produkte der Schneeklimatologie sind auch die jährlich im Winterbericht publizierten Karten, die die Schneehöhe im Vergleich zum langjährigen Mittel zeigen (Abb. 1) und der Schneetage-Index (langfristige Entwicklung der Anzahl Tage mit ausreichender Schneebedeckung für verschiedene Höhenzonen) (Abb. 2).

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