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01. bis 30. Juni 2017: Über Pfingsten sowie am Monatsende viel Neuschnee im Hochgebirge, dazwischen hochsommerlich warm

Nach einem sommerlichen Start in den Monat Juni war es an Pfingsten mehrheitlich bedeckt und im Hochgebirge fielen gebietsweise beträchtliche Neuschneemengen. Danach war es mehrheitlich sonnig und ab Dienstag, 20.06. hochsommerlich warm. Dem Lawinenwarndienst wurden nur einzelne Lawinenabgänge gemeldet (Abbildung 1). Zum Monatsende fielen ergiebige Niederschläge. Die Schneefallgrenze sank dabei bis zum Niederschlagsende in hohe Lagen.

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Abb. 1: Viele Lawinen bleiben unbekannt, andere werden nur zufällig entdeckt. Diese Lawinenablagerung am Wetterhorn (3690 m, Grindelwald, BE) ist im ganzen sichtbaren Bereich unter 30° steil. Die Lawine muss im Steilgelände oberhalb angebrochen sein und wurde evtl. von einem Eisabbruch vom Hängegletscher ausgelöst (Foto: SLF/K. Winkler, 11.06.2017).

Wetter und Lawinensituation

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Abb. 2: Verlauf der Nullgradgrenze im Juni. Die zwei Perioden mit viel Schnee im Hochgebirge über Pfingsten sowie am Monatsende sind deutlich erkennbar. Dazwischen lag die Nullgradgrenze grösstenteils über 4000 m (Informationen zur Berechnung der Nullgradgrenze).


Donnerstag, 01.06. bis Dienstag, 06.06.: zunächst sonnig, dann Schnee über Pfingsten

Der Juni startete sonnig. Im Tagesverlauf setzten jeweils Schauer und Gewitter ein. Die Schneefallgrenze lag bei rund 3200 m. In der Nacht auf Sonntag erreichte eine Kaltfront die Schweizer Alpen. In der Folge war es bis zum Dienstag meist stark bewölkt mit schauerartigen Niederschlägen. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei rund 3000 m und sank bis zum Niederschlagsende im Norden bis in den Bereich der Waldgrenze, im Süden bis 2700 m. Am meisten Schnee fiel mit 70 bis 90 cm am Alpenhauptkamm vom Rheinwald bis ins Berninagebiet oberhalb von rund 3200 m (Abbildung 3).

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Abb. 3: Niederschlags- und Neuschneesumme vom Samstag-, 03.06. bis Dienstagabend, 06.06. gemessen an den automatischen Stationen von MeteoSchweiz und SLF. Oberhalb von rund 3200 m entsprach ein Millimeter Regen etwa einem Zentimeter Schnee.

Mit Neuschnee und teils starkem Wind stieg die Gefahr von trockenen Lawinen im Hochgebirge verbreitet an. Am Alpenhauptkamm vom Lukmanierpass bis zum Berninagebiet herrschten kritische Verhältnisse. Dort musste kurzzeitig auch mit spontanen Lawinen mittlerer Grösse gerechnet werden.

Mittwoch, 07.06. bis Freitag, 16.06.: Mehrheitlich sonnig und zunehmend warm

Nach den nassen Pfingsten wurde es mehrheitlich sonnig und warm. Am Sonntag stieg die Nullgradgrenze erstmals im Frühjahr 2017 gegen 5000 m (Abbildung 2). Von Mittwoch, 14.06. bis Freitag, 16.06. war es wechselnd bewölkt. Am Alpennordhang fielen verbreitet 10 bis 20 mm, lokal in teils heftigen Gewittern auch deutlich mehr. Im Süden fielen rund 10 mm.
Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm im Hochgebirge allmählich ab.
Die Gefahr von nassen Lawinen war vor allem am Mittwoch, 07.06. zu beachten. Mit der Sonneneinstrahlung und der Erwärmung musste aus dem Neuschnee mit feuchten Lawinen gerechnet werden. In der Folge stand besonders die Mitreiss- und Absturzgefahr im Vordergrund.

Samstag, 17.06. bis Montag, 26.06.: Hochsommer

Von Mitte Juni bis kurz vor Monatsende war es sehr sonnig und hochsommerlich warm (Abbildung 2 und 4). Ab Dienstag, 20.06. gab es jeweils am späteren Nachmittag oder Abend lokale Hitzegewitter. MeteoSchweiz warnte in der Folge vor einer Hitzewelle.
Einzig in der Nacht auf Sonntag sowie am Sonntagvormittag, 25.06. regnete es. Am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Graubünden fielen verbreitet 10 bis 30 mm Niederschlag, im Südtessin lokal deutlich mehr. Die Schneefallgrenze lag bei rund 4000 m.

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Abb. 4: Allgemein wenig Schnee lag Ende Juni noch in hohen Lagen im Umbrail-Gebiet (Val Müstair, GR). Ausnahme bildeten ausgeprägte, nordseitig Rinnen oder wie im Bild Wächten, wo der Wind während des Winters viel Schnee abgelagert hatte. Hier hätte die Schneemenge wohl sogar noch für den Bau eines Biwaks ausgereicht. Blick vom P. Umbrail (3033 m) nach Nordwesten Richtung Ofenpass (links im Bild) und Fluchthorn (3398 m, Bildmitte ganz im Hintergrund; Foto: SLF/Th. Stucki, 26.06.17).

Dienstag, 27.06. bis Freitag, 30.06.: Viel Niederschlag, Lawinengefahr im Hochgebirge

In der Nacht auf Dienstag begann eine mehrtägige Niederschlagsperiode. Am Mittwoch war es meist stark bewölkt mit schauerartigen Niederschlägen. Im Süden fiel viel Regen. Nach einer kurzen Niederschlagspause mit längeren Aufhellungen am Donnerstagmorgen zogen aus Südwesten erneut Niederschläge auf. Diese hielten im Osten bis in die Nacht auf Freitag an. Am Freitag gab es längere Aufhellungen.
Am meisten Schnee fiel von Montagabend bis Freitagmorgen am zentralen und östlichen Alpenhauptkamm sowie in den Urner und Glarner Alpen oberhalb von rund 3500 m mit 80 bis 120 cm (Abbildung 5).

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Abb. 5: Niederschlags- und Neuschneesumme vom Montagabend, 26.06. bis Freitagmorgen, 30.06. gemessen an den automatischen Stationen von MeteoSchweiz und SLF. Oberhalb von rund 3500 m entsprach ein Millimeter Regen etwa einem Zentimeter Schnee.

Die Schneefallgrenze lag zu Beginn bei rund 3300 m und sank in der Nacht auf Donnerstag gegen 2400 m. In der Nacht auf Freitag schneite es ganz im Osten bis gegen 2200 m hinunter (Abbildung 6). Der Wind wehte in der Höhe meist mässig aus Südwest.
Mit Neuschnee und teils starkem Wind herrschten zum Monatsende am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis in die Glarner Alpen sowie am Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis ins Berninagebiet oberhalb von rund 3500 m verbreitet kritische Verhältnisse. Für Hochtouren waren die Verhältnisse ungünstig. In den übrigen Gebieten sowie unterhalb von rund 3500 m mussten vor allem frische Triebschneeansammlungen vorsichtig beurteilt werden.
Mit den Aufhellungen waren aus dem Neuschnee feuchte Rutsche zu erwarten.

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Abb. 6: Blick vom Versuchsfeld Weissfluhjoch (2540 m, Davos, GR) nach Davos ins Flüela-, Dischma- und Sertigtal (von links nach rechts). Die Neuschneemenge auf dem Messfeld betrug am Freitagmorgen, 30.06. 11 cm. Die Schneegrenze lag im Bereich der Waldgrenze und somit bei rund 2200 m (Foto: SLF/F. Techel).

Schneesituation und Tourenverhältnisse

Anfang Juni waren Südhänge verbreitet bis auf 3000 m ausgeapert. Im Hochgebirge sowie an steilen, nordexponierten Rinnen und Mulden oberhalb von rund 2400 m lag noch eine geschlossene Schneedecke. Diese war bis ins Hochgebirge durchfeuchtet. Skitouren waren vor allem von den hoch gelegenen Ausgangspunkten noch möglich. Ende Juni verlangte die Lawinensituation im Hochgebirge nach besonderer Vorsicht, insbesondere am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis in die Glarner Alpen sowie am Alpenhauptkamm vom Monte Rosa bis ins Berninagebiet.

Der zweitwärmste Juni seit Messbeginn hat seine Spuren auch im Gebirge hinterlassen. Die mittleren Juni-Schneehöhen an den IMIS-Stationen waren nur 2011 noch geringer, obwohl die Schneehöhen noch Mitte Mai nur leicht unterdurchschnittlich waren. So verschwand der Schnee im Messfeld Weissfluhjoch (GR, 2540 m) bereits am 14. Juni, was Rang 6 von 81 Jahren und fast einen Monat früher als normal bedeutet (Abbildung 7). Der 14. Juni war zufälligerweise auch das Ausaperungsdatum des bisher heissesten Junis im Jahr 2003. Sehr speziell war die 36 Tage lange, ununterbrochene Schmelzphase vom 9. Mai bis zum Ausaperungsdatum am 14. Juni. In dieser Zeit verschwand eine ursprünglich 194 cm dicke Schneedecke mit einer mittleren Schmelzrate von 5.4 cm pro Tag. Eine noch längere, ununterbrochene Schmelzphase von 37 Tagen bis zum Ausapern ist nur vom Mai/Juni 1964 bekannt. Damals war die Schneedecke nach einem schneearmen Winter am 6. Mai noch 168 cm dick und schmolz anschliessend bis zum 12. Juni mit einer Schmelzrate von 4.5 cm pro Tag vollends weg.

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Abb. 7: Der aktuelle Winter 2016/17 am Verlauf der Schneehöhe (blau) auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch (2540 m, Davos, GR). Grün dargestellt ist die durchschnittliche Schneehöhe, pink die minimal und schwarz die maximal je gemessene Schneehöhe. Die roten Balken stellen die gemessenen Neuschneehöhen über 24 h dar. Die Schneehöhe betrug zu Monatsbeginn am Donnerstag, 01.06. 82 cm. 13 Tage später war das Messfeld ausgeapert. Das durchschnittliche Ausaperungsdatum in der 84-jährigen Messreihe ist der 9. Juli, 25 Tage später.

Lawinenbulletins und Lawinenunfälle

Am 04.06., 05.06. und 28.06. wurde je ein Lawinenbulletin publiziert.

Im Sommer und Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen ein Lawinenbulletin. Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation beachtet werden.

Sie können sich via SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen:


Im Juni wurden dem Lawinenwarndienst keine Lawinenunfälle gemeldet.

Der nächste Monatsbericht erscheint Anfang August.


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