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21. bis 27. April 2017: zweiter Wintereinbruch seit Mitte April, grosse Lawinengefahr im Süden


Nach dem Wintereinbruch in der Vorwoche war es in dieser Berichtswoche zunächst sonnig. Vor allem am Freitag und Samstag wurden mehrere Lawinen durch Wintersportler ausgelöst (Abbildung 1). Danach fiel im Süden der lang ersehnte Niederschlag und damit in hohen Lagen viel Neuschnee. In der Höhe prägten vor allem Neu- und Triebschnee die Lawinensituation, in mittleren Lagen feuchte Rutsche und Gleitschneelawinen.

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Abb. 1: Am Scalettahorn, Davos (GR, 3067 m) lösten Tourenfahrer am Nordhang mehrere Lawinen aus: die grössere linke Lawine am Freitag, 21.04., zwei weitere am Samstag, 22.04. Die Lawinen brachen am Übergang vom Neuschnee der Vorwoche zur oft verharschten Altschneeoberfläche an (Foto: SLF/S. Margreth, 22.04.2017).

Wetter

Freitag, 21.04. bis Sonntag, 23.04.: meist sonnig
Am Freitag und Samstag war es nach jeweils klarer Nacht in den Bergen sonnig. Am Sonntag war es im Westen und Süden nach klarer Nacht sonnig, im Norden und Osten war die Nacht bewölkt mit schwachem Schneefall. Tagsüber war es nach Auflösung von Restwolken auch im Nordosten wieder zunehmend sonnig. Die Nullgradgrenze stieg auf rund 2200 m an (Abbildung 2). Der Wind wehte schwach bis mässig aus West bis Nordwest, im Hochgebirge zeitweise mässig bis stark.

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Abb. 2: Verlauf der Nullgradgrenze in dieser Berichtswoche. Sie stieg bis Montag, 24.04. auf rund 2400 m an, bevor sie am Ende der Berichtswoche wieder auf rund 1800 m sank (Informationen zur Berechnung der Nullgradgrenze).


Montag, 24.04. bis Donnerstag, 27.04.: Wintereinbruch mit viel Neuschnee im Süden und tiefer Schneefallgrenze im Norden
Am Montag war es im Norden sonnig, im Süden bedeckt aber noch weitgehend trocken. Der Wind drehte auf Südwest und frischte in der Nacht auf Dienstag auf. Von Dienstag bis Donnerstag fielen mit einer fast stationären Kaltfront über den Alpen anhaltende Niederschläge, besonders ergiebig waren sie am Alpensüdhang sowie in den angrenzenden Regionen. In der Nacht auf Donnerstag liess die Intensität der Niederschläge nach. Die Schneefallgrenze lag im Süden bei 1500 bis 2000 m.  Nördlich des Alpenhauptkammes lag sie zunächst bei 1500 bis 1900 m und sank am Donnerstag auf 500 bis 1000 m. Von Montagabend bis Donnerstagmittag fielen oberhalb von rund 2200 m am zentralen Alpensüdhang ohne Sottoceneri 80 bis 120 cm, am übrigen Alpenhauptkamm vom Nufenenpass bis zum Berninapass 50 bis 80 cm Schnee (Abbildung 3). Am übrigen westlichen Alpenhauptkamm an der Grenze zu Italien, gebietsweise am nördlichen Alpenkamm und in Mittelbünden sowie im Oberengadin fielen 30 bis 60 cm, sonst 10 bis 30 cm Schnee (Abbildungen 3 und 4). In den Voralpen fielen oberhalb von rund 1800 m 30 bis 40 cm Schnee. Sogar in Basel (300 m) lagen am Mittwoch, 26.04. kurzzeitig ein paar Zentimeter, von Bern über Luzern und Zürich bis nach St. Gallen rund 10 cm Schnee, während es in Davos (1560 m) noch regnete.

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Abb. 3: 3-Tagesneuschneesumme von Montagabend, 24.04. bis Donnerstagmittag, 27.04. Die Schneefallgrenze lag im Süden bei 1500 bis 2000 m, in Norden sank sie von rund 1800 m bis in die tiefe Lagen. Die dargestellten Neuschneemengen fielen verbreitet erst oberhalb von rund 2200 m (Quelle: Beobachter des SLF und automatische IMIS-Stationen).

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Abb. 4: Mit 30 bis 50 cm Neuschnee auf 2200 m kehrte auch im Gebiet St. Moritz, GR noch einmal der Winter ein, wie hier an der Mittelstation Suvretta-Radolins am Donnerstagmorgen (Foto: webcam Suvretta-Radolins, 27.04.2017).


Der Südwind blies am Dienstag und in der Nacht auf Mittwoch am Alpensüdhang sowie am zentralen und östlichen Alpenhauptkamm zeitweise stark, sonst bis Donnerstag meist schwach bis mässig. In der Gegenstromlage wehte der Wind in den Gebieten vom Jura bis an die Voralpen am Mittwoch und Donnerstag aus nördlichen Richtungen.


Schneedecke und Lawinensituation

Der Neu- und Triebschnee der Vorwoche war vor allem an Nordhängen zu Beginn dieser Berichtswoche verbreitet noch pulvrig und teils noch leicht auslösbar. Lawinenauslösungen wurden vor allem aus dem Berner Oberland und aus Graubünden gemeldet. Dabei löste sich vor allem der Neu- und Triebschnee am Übergang zur harten Altschneeoberfläche (Abbildung 1), vor allem an sehr steilen bis extrem steilen Nordhängen oberhalb von rund 2600 m. Sehr vereinzelt rissen Lawinen auch bis in den schwachen Altschnee durch (Abbildung 5).

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Abb. 5: Kleine Lawine am Nordhang des Gfroren Horns, Davos (GR, 2746 m). Sie wurde am 22.04. durch Tourengänger ausgelöst und riss teils bis in den bodennahen Altschnee durch. An diesem Hang ging bereits Anfang März eine Lawine ab (Foto: SLF/B. Kruyt, 22.04.2017).

Ab Dienstag, 25.04. entstanden mit Neuschnee und Wind in der Höhe frische und teils grosse Triebschneeansammlungen. Neu- und Triebschnee waren besonders an Windschattenhängen leicht auslösbar und in den Gebieten mit viel Neuschnee waren spontane Lawinen zu erwarten. Die Lawinengefahr stieg am 27.04. am zentralen Alpensüdhang und am Alpenhauptkamm vom Rheinwaldgebiet bis zum Berninapass und südlich davon auf die Stufe "gross" (Stufe 4) an. Besonders in diesen Gebieten war zu erwarten, dass Lawinen an Nordhängen im Bereich von 2400 und 3000 m auch den schwachen Altschnee mitreissen und gross werden können. Bis zum Redaktionsschluss am Donnerstagnachmittag lagen noch keine Lawinenmeldungen vor.

Schneelage

Vor den Schneefällen in der Nacht auf Dienstag, 25.04. lagen die Schneegrenzen an Nordhängen am zentralen und östlichen Alpennordhang bei 1200 m (Abbildung 6) und in den übrigen Gebieten bei 1800 m. An Südhängen lagen sie am zentralen und östlichen Alpennordhang bei 1600 m, sonst bei 2200 bis 2600 m.

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Abb. 6: Winterliche Ebenalp (AI, 1600 m) wie selten diesen Winter, mit Blick zum Hohen Kasten, 1793 m, SG (Foto: B. Stricker, 21.04.2017).

Am Donnerstagmorgen, 27.04. lagen die Schneehöhen auf 2000 m am Alpennordhang, in Nordbünden und im nordwestlichen Tessin verbreitet bei 80 bis 120 cm, am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Gotthardgebiet lag bis zu 200 cm Schnee. In den westlichen Voralpen, im nördlichen Wallis, am Alpenhauptkamm vom Oberalppass bis ins Bergell und im nördlichen Unterengadin lagen 50 bis 80 cm Schnee, sonst weniger.

In Höhenlagen oberhalb von 1800 m waren die Schneehöhen an den meisten automatischen IMIS-Stationen mit 60 bis 90 % für die Jahreszeit unterdurchschnittlich, gebietsweise durchschnittlich (Abbildung 7). Der Grossteil dieser automatischen Stationen misst seit 15 bis 20 Jahren.

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Abb. 7: Schneehöhe im Vergleich zum Mittelwert seit Messbeginn an den automatischen IMIS-Stationen oberhalb von 1800 m. An der Mehrheit der Stationen lagen am 27.04.2017 60 bis 90 % der durchschnittlichen Schneehöhe. Gebietsweise am zentralen Alpennordhang, in den Glarner Alpen, im Simplongebiet, im nordwestlichen Tessin und am Alpenhauptkamm von San Bernardino Pass bis zum Malojapass entsprechen die Schneehöhen dem Durchschnitt der letzten 15 bis 20 Jahre (90 bis 110 %). Bild gross.


Lawinenunfälle

In dieser Berichtswoche wurden dem SLF neun Lawinenunfälle mit Personenbeteiligung gemeldet (vgl. auch Bildgalerie). Dabei wurden am Freitag, 21.04. fünf Personen, und am Samstag, 22.04. sechs Personen von Lawinen Personen erfasst. Zwei Personen waren ganz verschüttet, drei Personen zogen sich Verletzungen zu:

  • 21.04.2017: Mönch, Guggihütte, Lauterbrunnen (BE), 2770 m, N, 2 Tourengänger im Aufstieg zu Fuss erfasst, nicht verschüttet, 1 Person verletzt
  • 22.04.2017:Silvrettahorn, Klosters (GR), 3040 m, SW, 1 Tourengänger ganz verschüttet und verletzt
  • 22.04.2017: Scalettahorn, Davos (GR), 2980 m, 2 Tourengänger erfasst, 1 Person ganz verschüttet und verletzt

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