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07. bis 12. April: Perfekte Frühjahrsverhältnisse, kaum Lawinen

Nach klaren Nächten waren die Tourenverhältnisse jeweils am Morgen günstig. Wer den richtigen Zeitpunkt erwischte, fand perfekten Sulzschnee vor. Im Tagesverlauf stieg die Gefahr von nassen Lawinen jeweils leicht an. Allerdings wurden nur wenige Lawinen beobachtet. In mittleren Lagen wurde der Schnee auch an Nordhängen knapp. Südhänge waren schon bis in hohe Lagen schneefrei.

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Abb. 1: Perfekte Frühjahrsverhältnisse auch im Trientgebiet mit Blick zu den Aiguilles du Tour (3540 m, Trient, VS). Auf dem nordexponierten Glacier des Grands war der Schnee oberhalb von rund 2600 m noch pulvrig. Sonst waren die Schneeoberflächen morgens tragfähig gefroren und weichten im Tagesverlauf auf (Foto: J.-L. Lugon, 08.04.2017).

Wetter

Freitag, 07.04. bis Montag, 10.04.: Viel Sonne

Am Freitag gab es im Osten mehr Wolken als erwartet und mit Mittagstemperaturen von +2 °C auf 2000 m war es relativ kühl. In den übrigen Gebieten war es sonnig und mittags auf 2000 m mit +6 °C mild. Der zunächst mässige Wind aus nördlichen Richtungen liess tagsüber nach. Danach war es bis Montag tagsüber meist sonnig und nachts klar. Am Sonntag und Montag entstanden jeweils im Tagesverlauf Quellwolken. Der Wind wehte nur schwach, und mit Mittagstemperaturen auf 2000 m von +6 bis +10 °C war es mild.

Dienstag, 11.04.: Schwache Störung aus Norden

In der Nacht auf Dienstag brachte eine schwache Kaltfront lokal wenige Zentimeter Neuschnee. Im Süden blieb es klar. Tagsüber war es im Osten noch oft bewölkt. Im Süden war es meist sonnig und im Westen hellte es zunehmend auf. Der Wind wehte schwach bis mässig aus West bis Nordwest.

Mittwoch, 12.04.: Viel Sonne und wieder mild

Nach einer klaren Nacht war es abgesehen von wenigen Schleierwolken sonnig. Der Wind wehte meist schwach und die Mittagstemperaturen auf 2000 m lagen bei +5 °C.

Lawinensituation

In dieser Wochenberichtsperiode herrschten perfekte Tourenbedingungen (vgl. Abbildung 2).

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Abb. 2: Perfekte Tourenverhältnisse von der Schneegrenze bis ins Hochgebirge. Guter Trittschnee im Aufstieg durch das Nordcouloir am Wildstrubel (3244 m, Lenk, BE; Foto: R. Wellig, 08.04.2017).

Am Freitag, 07.04. wurde am Oberwalliser Alpenhauptkamm noch verbreitet vor mässiger Gefahr von trockenen Lawinen gewarnt. Grund dafür war der Neuschnee vom 1. bis 3. April (siehe vorangehender Wochenbericht), welcher sich vor allem an Nordhängen in der Höhe noch nicht genügend stabilisiert hatte. In der Folge wurde überall vor geringer Gefahr von trockenen Lawinen gewarnt. Einzig auf Dienstag, 11.04. wurde am Alpennordhang gebietsweise vor mässiger Gefahr von trockenen Lawinen gewarnt. Da von den erwarteten bis zu 20 cm Neuschnee aber nur wenige Zentimeter eintrafen, stellte sich dies im Nachhinein als Fehlprognose heraus. Im Lawinenbulletin wurden auch bei geringer Gefahr von trockenen Lawinen das südliche Wallis und ein Grossteil Graubündens gesondert behandelt. In diesen Gebieten wurde weiterhin vor dem schwachen Altschnee gewarnt. Der Grund dafür waren der nach wie vor ungünstige Schneedeckenaufbau (vgl. Abbildung 3) und die selten beobachteten Alarmzeichen (Wummgeräusche und Risse) in Mittelbünden. Lawinenauslösungen im Altschnee wurden aber im ganzen April keine gemeldet, weder in der Schweiz noch im Tirol und Südtirol.

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Abb. 3: Schneeprofil vom Montag, 10.04. an einem 32° steilen Nordosthang auf 2740 m am Curvér Pintg da Taraspegn (Saluof, GR). Die grau schraffierte Fläche symbolisiert die Handhärte. In den Spalten rechts sind zusätzlich Kornform, Korngrösse und die Resultate der Rutschblocktests dargestellt. Deutlich zu sehen sind die weichen Zwischenschichten mit grossen, kantig aufgebauten Schneekristallen. In solchen Schichten liess sich auch der Rutschblock auslösen. Die Schneedecke war zum Zeitpunkt der Profilaufnahme noch trocken. Eine solche, ungünstig aufgebaute Schneedecke reagiert besonders empfindlich auf die erste Anfeuchtung.

Die Gefahr von nassen Lawinen stieg jeweils im Tagesverlauf etwas an. Trotz der oft hohen Lufttemperatur kühlte die Schneeoberfläche dank der langwelligen Abstrahlung in den meist klaren Nächten stark ab (vgl. Abbildung 4). Somit war die Schneeoberfläche am Morgen verbreitet tragfähig gefroren und die Schneedecke stabil. Die Ausnahme bildeten steile Nordhänge oberhalb von rund 2600 m, wo die Schneeoberfläche noch teils pulvrig war. Vor dem Anstieg der Gefahr von nassen Lawinen wurde mit einer Doppelkarte gewarnt. Dabei wurde jeweils ein Anstieg auf mässige Gefahr prognostiziert (vgl. Gefahrenentwicklung). Allerdings wurden nur einzelne Nassschneelawinen beobachtet (vgl. Abbildung 5).

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Abb. 4: Verlauf von Lufttemperatur und Schneeoberflächentemperatur an der automatischen IMIS-Station Totälpli, Parpaner Rothorn (Arosa, GR) vom Freitag, 07.04. bis am Dienstag, 11.04. Die Station liegt auf 2700 m. Dort wo die Kurven zusammenfallen (Freitag und Dienstag) war es bewölkt. An den übrigen, sonnigen Tagen divergieren die zwei Kurven insbesondere nachts. Durch die langwellige Abstrahlung, welche bei klarem Himmel ungehindert austreten konnte, verlor die Schneedecke Energie. Dadurch fiel die Temperatur der Schneeoberfläche auch bei Lufttemperaturen um 0 °C auf Werte von -10 bis -15 °C.

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Abb. 5: Zwei der wenigen Nassschneelawinen dieser Berichtsperiode, abgegangen an einem extrem steilen Südwesthang auf rund 2800 m im Val Fenga (Scuol, GR). Bei der linken Lawine handelt es sich um eine Lockerschneelawine, bei der rechten Lawine um eine Schneebrettlawine. Gut möglich, dass die abgehende Lockerschneelawine die Schneebrettlawine ausgelöst hat (Foto: R. Meister, 07.04.2017).

Schneelage


Mittlere Lagen begannen zunehmend auszuapern. So lag am Ende dieser Berichtsperiode die Schneegrenze an Nordhängen zwischen 1600 und 2000 m. An Südhängen lag sie verbreitet zwischen 1800 und 2200 m, im südlichen Wallis, im Engadin und im angrenzenden Mittelbünden bei 2200 bis 2400 m (vgl. Abbildung 6).

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Abb. 6: Blick vom Zapporthorn (3155 m, Mesocco, GR) nach Nordosten zum Lorenzhorn (3048 m) und Chilchalphorn (3040 m) und hinunter zum Schiessplatz Hinterrhein (ca. 1650 m) am Samstag, 08.04. Steile Südhänge waren bis ca. 2300 m ausgeapert und darüber war die Schneedecke kaum mehr zusammenhängend (Foto: SLF/Th. Stucki).

Dort wo noch Schnee lag, war dies verbreitet deutlich weniger als üblicherweise um diese Zeit. An den meisten automatischen IMIS-Stationen oberhalb von 1800 m wurden 50 bis 90 % der um diese Jahreszeit üblichen Schneehöhe erreicht (vgl. Abbildung 7). Der Grossteil dieser automatischen Stationen misst seit 15 bis 20 Jahren.

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Abb. 7: Schneehöhe im Vergleich zum Mittelwert seit Messbeginn an den automatischen IMIS-Stationen oberhalb von 1800 m. An der Mehrheit der Stationen lagen lediglich 50 bis 90 % der durchschnittlichen Schneehöhe. Einzig im Simplongebiet waren die Schneehöhen ungefähr durchschnittlich (Grafik gross).

Etwa 15% aller IMIS-Stationen massen dabei die niedrigste Schneehöhe seit ihrem Bestehen. An der Mehrheit der übrigen Stationen war der Frühling 2011 noch schneeärmer. Allerdings fielen damals einen Tag später (am 13.04.2011) 10 bis 50 cm Schnee. Daher ist davon auszugehen, dass am 13.04. die Mehrheit der Stationen einen Negativrekord in Sachen Schneehöhe schreiben wird.

Lawinenunfälle

In dieser Berichtsperiode wurden dem SLF keine Lawinen mit Personenbeteiligung gemeldet.

Am Samstag, 08.04. löste sich am Morgen kurz nach 8 Uhr an einem Nordwesthang auf rund 2200 m am Doldenhorn (3638 m, Kandersteg, BE) eine Gleitschneelawine. Da zunächst unklar war, ob jemand erfasst worden war, wurde eine Suche mit LVS und Recco aus dem Hubschrauber vorgenommen. Nach der Kontrollsuche konnte entwarnt werden.

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