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10. bis 16. Februar 2017: Föhnperiode mit Triebschneebildung, viele Lawinenauslösungen in den „Altschneegebieten“

Diese Wochenberichtsperiode war geprägt von einer Phase mit immer wieder auflebendem Südföhn und Triebschneebildung sowie vielen Lawinenauslösungen durch Personen vor allem in den „Altschneegebieten“ des Wallis und Graubündens (vgl. Abbildung 1).

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Abb. 1: Fernauslösung am Sonntag, 12.02. durch eine Personengruppe in der Abfahrt am Feil (Curvér Pintg da Taspegn, Albula, GR) in einem Nordosthang auf rund 2600 m (Foto: K. Suler).

Wetterentwicklung

Freitag, 10.02. bis Dienstag, 14.02.: Stark bewölkt und etwas Schnee im Süden, mit Südföhn im Norden in den Bergen meist sonnig, Triebschneebildung in der Höhe und in den Föhngebieten

Am Donnerstag, 09.02. der vorangehenden Wochenberichtsperiode frischte der Südwestwind auf. Er erreichte in der Nacht auf den Freitag und am Freitag einen ersten Höhepunkt. Bis am Dienstag blies er gebietsweise mässig bis stark, zum Teil konstant, zum Teil nachlassend und wieder auflebend (vgl. Abbildung 2 und 3). Am meisten wirkte er am nördlichen Alpenkamm und in den hochgelegenen Bereichen der Föhngebiete. Wiederholt griff er in den Föhngebieten aber auch bis in die Täler hinunter, blieb dort aber meist schwach bis mässig.

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Abb. 2: Windrichtung und Geschwindigkeit an der MeteoSchweiz-Station Titlis (3040 m). Hier erreichte der Südwind am frühen Morgen des Freitages, 10.02. die höchsten Werte. Bis am Dienstag, 14.02. flaute er ab und lebte wieder mehrmals auf, allerdings blieb er schwach bis mässig (Quelle: MeteoSchweiz).

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Abb. 3: Windrichtung und Geschwindigkeit an der MeteoSchweiz-Station Gütsch (2283 m). Hier erreichte der Südwind in der Nacht zum Freitag, 10.02. die höchsten Werte. Bis in die Nacht zum Dienstag, 14.02. blies er dann aber recht konstant mässig bis stark (Quelle: MeteoSchweiz).

Besonders in den westlichen, aber auch in den zentralen Teilen des nördlichen Alpenkammes waren vom letzten Niederschlag 10 bis 30 cm lockerer Neuschnee vorhanden, der intensiv verfrachtet wurde.

Am Freitag war es stark bewölkt, abgesehen von den östlichen Gebieten, wo es föhnbedingt teilsweise sonnig war. Von Samstag bis Dienstag dominierte dann im Norden über dem Hochnebel die Sonne, während es im Süden bis am Montag bedeckt blieb und zeitweise wenig Schnee fiel. Am meisten schneite es dort von der Nacht auf Freitag bis am Samstagmorgen mit 20 bis 30 cm in den oberen Maggiatälern. 10 bis 20 cm gab es im südlichen Simplongebiet, im Tessin, im Moesano, im südlichen Oberengadin und im Puschlav. In den übrigen Gebieten schneite es weniger oder es blieb trocken (vgl. Abb. 4).

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Abb. 4: Am Freitag fielen am Alpensüdhang verbreitet 10 bis 20 cm Schnee, in den oberen Maggiatälern etwas mehr. Quelle: SLF-Beobachter, IMIS-Stationen.

Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss klarte es am Dienstag im Süden auf. Auch dem Hochnebel im Norden ging es damit an den Kragen und es folgten zwei prächtig sonnige Tage.

Mittwoch, 15.02. und Donnerstag, 16.02.: Sonnig und mild

Am Mittwoch und Donnerstag war es sonnig und mit +3 °C auf 2000 m vor allem am Mittwoch mild. Der Wind wehte schwach. Am Donnerstagnachmittag machte sich aus Westen hohe Bewölkung bemerkbar.

Schneedecke und Lawinengefahr

Nördlicher Alpenkamm und Gebiete nördlich davon: Triebschnee- und Altschneeproblem

Diese Gebiete waren vor allem in der Höhe und in den Föhngebieten vom Wind aus südlichen Richtungen geprägt (vgl. Abb. 5).

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Abb. 5: Schneetreiben am nördlichen Alpenkamm am Sonntag, 12.02. Blick von oberhalb Lauenen zum Oldenhorn (3123 m) (Bildmitte) (Foto: G. Voide).

Die Triebschneeansammlungen waren meist eher klein bis mittelgross und stabilisierten sich über die fünftägige Periode laufend, während wieder neue entstanden. Allerdings nahm das verfrachtbare Schneeangebot ab und damit auch die Triebschneebildung. Die Lawinengefahr nahm deshalb nicht über die ganze Periode mit Wind zu, sondern ab Samstag eher allmählich ab. Mit den föhnbedingt milden Temperaturen waren die Triebschneeansammlungen meist hart.

Das Altschneeproblem musste vor allem noch in den Gebieten nördliches Wallis – Urseren – nördliches Tavetsch – nördliche Surselva – Prättigau in etwas unterschiedlicher Ausprägung beachtet werden. Diese waren am Übergang zu den Gebieten mit ausgeprägtem „Altschneeproblem“ (vgl. im Anschluss). Brüche tief in der Schneedecke waren an Nordhängen noch möglich, vor allem im Prättigau, Urseren und nördlichen Unterwallis, wo die Situation teilweise heimtückisch blieb.

Südliches Wallis (ohne Saastal und südliches Simplongebiet) und inneralpine Gebiete Graubündens inkl. Engadin und Bündner Südtäler: ausgeprägtes Altschneeproblem und Triebschnee

Auch hier wirkte zum Teil der kräftige Südwind, Hauptproblem war aber in diesen Gebieten die ungünstig aufgebaute Altschneedecke: Mit grosser Beharrlichkeit lauerten die ausgeprägten Schwachschichten in der Schneedecke in steilen Nordhängen oberhalb von etwa 2000 m. Zudem waren die Eigenschaften des Schneebrettes für die Bruchausbreitung geeignet und wurden noch zusätzlich durch die Triebschneebildung begünstigt. Täglich wurden Lawinen durch Personen ausgelöst, die meist in diesen schwachen Schichten anrissen (vgl. Abb. 6).

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Abb. 6: Lawinenauslösungen durch Personen waren in dieser Wochenberichtsperiode an der Tagesordnung. Sie brachen in den „Altschneegebieten“ in ausgeprägten Schwachschichten tiefer in der Schneedecke, wie hier am Büelenhorn bei Monstein, GR auf rund 2800 m (Foto: H.P. Hefti, 11.02.2017).

Wummgeräusche, die teilweise als laute Knälle wahrgenommen wurden und Fernauslösungen mit Sekundärlawinen waren häufig. Beides wurde zwischen Freitag und Mittwoch täglich gemeldet. Fernauslösungen wurden über grosse Distanzen beobachtet – zum Teil über viele hundert Meter (vgl. Abbildung 7 und 8).

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Abb. 7: Nach einem starken Setzungsgeräusch in der Abfahrt an dieser Stelle lösten sich die Lawinen im Nordhang im Hintergrund nach rund einer halben Minute, im Bild von rechts nach links (Foto: J. Roffler, 11.02.2017).

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Abb. 8: Beim Marker in nur schwach geneigtem Gelände bei Colm da Bovs auf rund 2230 m erfolgte das laute Setzungsgeräusch, die Lawinen sind mit roten Strichen dargestellt. Die Auslösungen gingen im Nordhang des Castalegns zwischen rund 2500 und 2700 m ab (Oberhalbstein, GR, Quelle: Swisstopo).

Die Lawinengefahr in diesen Gebieten veränderte sich mindestens bis am Dienstag kaum – jedenfalls nicht dort, wo sich noch Triebschnee bildete. Teilweise war aber festzustellen, dass das Schneebrett allmählich aufbauend umgewandelt wurde und so sich die Bedingungen für die Bruchausbreitung verschlechterten. Besonders ausgeprägt war dies an ausgesprochen schneearmen Stellen und in schneearmen Regionen.

Saastal, südliches Simplongebiet, Tessin, Maesano: Triebschnee und Neu- und Triebschnee welche in ein Altschneeproblem übergingen

Zunächst war das Triebschneeproblem relevant, welches noch in der vorangehenden Wochenberichtsperiode entstand: Am Montag, 06.02. setzte am Alpensüdhang kräftiger Nordföhn ein und verfrachtete den dort liegenden, lockeren Schnee intensiv bis in mittlere Höhenlagen. Auf diesem noch auslösbaren Triebschnee wurde dann am Freitag, 10.02. dieser Wochenberichtsperiode Neuschnee abgelagert (vgl. Abb. 4) und in höheren Lagen vom Südwind verfrachtet. Die Lawinengefahr war am Alpenhauptkamm der betreffenden Gebiete bis am Sonntag erheblich (Stufe 3), ab Montag dann in allen Gebieten mässig (Stufe 2) und im Sotto Ceneri ab Mittwoch gering (Stufe 1). Ab Dienstag wurde nur noch das Altschneeproblem geführt, da die schwache Schicht unter dem älteren Triebschnee lag (vgl. Abbildung 9).

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Abb 9: Schneeprofil, berechnet mit dem Schneedeckensimultionsmodell Snowpack für die Schneestation Bosco Gurin (2310 m, TI) für den Montag, 13.02. 06 Uhr. Vertikal ist die Schneehöhe dargestellt, horizontal die Temperatur und die Härte des Schnees, in Farben die Kornformen.
1: Grün dargestellt ist der jüngste Neuschnee vom Freitag, 10.02., der bereits etwas verfestigt ist.
2: In der hellblauen Schicht werden Mischformen von abgebauten runden, und aufgebauten kantigen Kristallen dargestellt. Dabei handelt es sich um den Triebschnee ab Montag, 06.02.
3: Violett ist ein Oberflächenreif dargestellt
4: Dunkelblau sind stark aufgebaute, kantige Kristalle und Becherkristalle dargestellt, die zusammen mit dem Oberflächenreif bei 3 die Schwachschicht bildeten.
Darunter besteht die Schneedecke aus Mischformen von abgebauten runden, und aufgebauten kantigen Kristallen, in der Härte nach unten deutlich zunehmend.
Beobachtete Wummgeräusche entstanden durch den Bruch der violetten und dunkelblauen Schichten im Bereich von 3 und 4.


Alle Gebiete:

Steile Südhänge waren zum Ende der Wochenberichtsperiode am Morgen unterhalb von rund 2400 m tragfähig gefroren und sulzten tagsüber auf. Dann waren unterhalb von rund 2400 m vermehrt Gleitschneerutsche und feuchte Lockerschneerutsche zu beobachten.

Lawinenaktivität und Lawinenunfälle

Von den, durch Personen ausgelösten und dem Lawinenwarndienst gemeldeten Lawinen, konnten aufgrund genügender Angaben 42 weiter ausgewertet werden. Davon wurde ein hoher Anteil, nämlich 43%, fernausgelöst (Grössen 2 (kleine) und 3 (mittelgrosse) Lawinen). Darin nicht eingeschlossen sind pro Ereignis weitere, sekundär ausgelöste Lawinen. Am meisten Auslösungen erfolgten von Freitag, 10.02. bis Sonntag, 12.02. in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens. Bei 12 Lawinenabgängen wurden 30 Personen erfasst, vier waren ganzverschüttet. Verletzt wurde niemand. Im langjährigen Vergleich bis Mitte Februar entspricht die Anzahl

  • der durch Personen ausgelösten Lawinen etwa 80% vom langjährigen Mittelwert
  • erfasster Personen dem langjährigen Mittelwert
  • der Lawinenopfer etwa der Hälfte vom langjährigen Mittelwert

Diese Wochenberichtsperiode hatte Potenzial für gravierende Lawinenunfälle. Erfreulicherweise wurden die Befürchtungen nicht bestätigt.

Wir bedanken uns für die vielen Rückmeldungen über unsere Webseite oder die App WhiteRisk. Sie erlauben einen noch besseren Überblick über die Lawinenaktivität und leisten einen Beitrag zur Überprüfung der Prognose im Lawinenbulletin.

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