WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF Link zu SLF Hauptseite Link zu WSL Hauptseite
 

27. Januar bis 02. Februar: Zwischen zwei Südföhnlagen viel Neuschnee mit hoher Schneefallgrenze im Norden, anhaltendes Altschneeproblem in den inneralpinen Gebieten

Diese Wochenberichtsperiode begann mit starkem Südwind und milden Temperaturen in den Föhntälern. Es entstanden dünne, aber kurzfristig leicht auslösbare Triebschneeansammlungen (Abbildung 4). Am Montagnachmittag, 30.01. setzte im Westen und Norden Niederschlag ein. Bis zum Mittwochmorgen, 01.02. fielen besonders in den östlichen Gebieten oberhalb von rund 2200 m ergiebige Neuschneemengen (Abbildung 3). Aus den inneralpinen Gebieten Graubündens wurden nach dem Schneefall etliche Lawinenauslösungen in den bodennahen Schwachschichten gemeldet (Abbildung 1). Zum Schluss drehte die Anströmungsrichtung über den Alpen erneut und am Donnerstag, 02.02. blies ein starker Südwestwind, welcher den Neuschnee in der Höhe intensiv verfrachtete.

20170201_eh_HappyValley_k

Abb. 1: Diese mittelgrosse Schneebrettlawine an einem Westhang auf 2480 m nördlich der Parsennfurgga (Davos, GR) löste sich am Mittwoch, 01.02. spontan. Sie war im schwachen Altschnee gebrochen (Foto: SLF/E. Hafner).

Wetter und Lawinensituation

Freitag, 27.01. bis Sonntag, 29.01.: zuerst Südföhn, dann sonniges Wintersportwetter

Am Freitag und in der Nacht auf Samstag blies im Norden teils starker Südwind (Abbildung 2). In den Alpentälern stiegen die Temperaturen mit Föhn auf milde 8 bis 13 Grad (Blog MeteoSchweiz, 28.01.2017). Dann flaute der Wind ab. Am Sonntag war es in den Bergen abgesehen von hohen Wolken überall sonnig und schwachwindig.

20170127_Webcam_vorderWeissenboden_S_k

Abb. 2: Blick vom Vorder Weissenboden (Bürglen, UR) über das Schächental nach Süden. Im Hintergrund von links nach rechts Hoch Fulen (2506 m), Bälmeten (2414 m) und Krönten (3108 m). In den Gipfellagen waren die Schneefahnen deutlich sichtbar (Foto: Webcam Biel Kinzig AG, 27.01.2017).

Montag, 30.01. bis Mittwoch, 01.02.: Neuschnee im Westen und Norden mit zeitweise hoher Schneefallgrenze

Am Montag zogen mit einer aktiven Warmfront aus Westen rasch Wolken auf. In der Folge setzten schauerartige Niederschläge ein, welche bis am Mittwochmorgen anhielten. Die Schneefallgrenze war sehr variabel. In vielen Gebieten stieg sie zumindest vorübergehend auf etwa 1800 m, im Westen auf 2200 m. Dazwischen schneite es aber auch bis unter 1000 m. Der Wind wehte mehrheitlich mässig aus westlichen Richtungen.
Am meisten Schnee fiel am zentralen Alpennordhang ohne Urseren, am östlichen Alpennordhang, in Nordbünden, sowie im nördlichen Unterengadin mit 40 bis 60 cm (Abbildung 3).

hn24h_20170201_0800_wobe_k

Abb. 3: 3-Tages-Neuschneesumme von Montagmorgen, 30.01. bis Mittwochmorgen, 01.02., gemessen von den Beobachtern und berechnet an den automatischen IMIS-Stationen. Wegen der hohen Schneefallgrenze wurden diese Schneemengen erst oberhalb von 2200 m erreicht.

Am Mittwoch wurde es aus Westen zunehmend sonnig.

Donnerstag, 02.02.: Südföhn

In der Nacht auf Donnerstag drehte der Wind auf südliche Richtungen und blies zunehmend stark. Im Norden war es nach einer klaren Nacht mit Föhn teils sonnig. Im Süden setzte am Nachmittag oberhalb von rund 1300 m schwacher Schneefall ein.

Lawinensituation

In dieser Wochenberichtsperiode waren alle Lawinenprobleme vertreten.

Triebschnee

Mit dem Südwind entstanden am Freitag, 27.01. im Norden meist dünne Triebschneeansammlungen. Diese wurden teils auf eine lockere Schneeoberfläche oder Oberflächenreif abgelagert und konnten so leicht ausgelöst werden (Abbildung 4). Aufgrund der unterdurchschnittlichen Schneehöhen waren die Geländeformen und damit die Triebschneeansammlungen gut erkennbar. In der Folge stabilisierten sie sich mit den relativ milden Temperaturen rasch.

20170128_SBrunner_AhornbodenP_k

Abb. 4: Mit dem Südföhn entstanden Triebschneeansammlungen bis in mittlere Lagen wie hier oberhalb vom Ahorenboden nördlich vom Bockmattlistock (1931 m, Innerthal, SZ) auf knapp 1400 m. Diese konnten kurzzeitig leicht ausgelöst werden, waren aber nur dünn (Foto: S. Brunner, 28.01.2017).

An Donnerstag, 02.02. kam starker Südwestwind auf. Dieser verfrachtete den Neuschnee besonders in hohen Lagen und es entstanden weitere Triebschneeansammlungen.

Neuschnee

Vom Montagnachmittag, 30.01. bis Mittwochmorgen, 01.02. fielen in hohen Lagen besonders in den östlichen Gebieten ergiebige Neuschneemengen (Abbildung 3). Diese konnten bereits von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden. Auch spontane Lawinenabgänge und Fernauslösungen wurden gemeldet.

Altschnee

Das Problem mit der schwachen Altschneedecke an Schattenhängen zwischen 2200 m und 2800 m blieb auch in dieser Wochenberichtsperiode bestehen. Besonders betroffen waren die inneralpinen Gebiete des Wallis und Graubündens. Die kalten Temperaturen der letzten Wochen führten allerdings dazu, dass die oberflächennahen Schneeschichten zunehmend aufbauend umgewandelt wurden. Dadurch verringerte sich die Bruchausbreitung des „Schneebretts“ auf den Schwachschichten. So waren alle gemeldeten Lawinen in der ersten Wochenberichtshälfte eher schmal, erreichten aber je nach Gelände trotzdem eine für Schneesportler gefährliche Grösse (Abbildung 5).

20170129_RMeier_Naira_k

Abb. 5: Diese Schneebrettlawine am Nordwesthang der Pizza Naira (Lenzerheide, GR) auf rund 2750 m wurde am Samstag, 28.01. entweder von Personen fernausgelöst oder ging spontan ab. Sie brach im bodennahen, schwachen Altschnee (Foto: R. Meier).

Mit der Zusatzlast des verbreitet feuchten Neuschnees, welcher ein gutes „Schneebrett“ bildete, wurden vor allem am Mittwoch, 01.02. aus den inneralpinen Gebieten Graubündens etliche Lawinenauslösungen in bodennahen Schichten gemeldet (Abbildung 1, Abbildung 6, Bildgalerie). Am Mittwochmorgen wurde in Teilen von Nordbünden sowie im Unterengadin nördlich des Inns die Gefahrenstufe 4 (gross) ausgegeben (siehe Gefahrenverlauf). Die Gefahr bezog sich dabei auf alpines Schneesportgelände.

20170201_RKuemin_ArosaWH1_k

Abb. 6: Diese Schneebrettlawinen an einem Osthang vom Chrejentschuggen südlich vom Arosa Weisshorn (GR) auf rund 2400 m wurden am Mittwoch, 01.02. im schwachen Altschnee ausgelöst. Ein Schneesportler löste die linke Lawine aus, wurde mitgerissen, blieb aber glücklicherweise unverletzt. Der Abgang dieser Lawine löste die hintere Lawine sekundär aus. (Foto: R. Kümin).

Günstiger – was das Altschneeproblem betraf – war die Situation einerseits in den Voralpen, wo praktisch kein Altschnee lag; andererseits im Saastal und im südlichen Simplongebiet, im mittleren Tessin, sowie in den Bündner Südtälern, wo nur wenig Schnee über der schwachen Altschneedecke lag.
In den schneereicheren Gebieten nördlich einer Linie Rhone-Rhein waren die bodennahen Schwachschichten bereits mit den Schneefällen von Anfang und Mitte Januar recht gut überdeckt.

Nassschnee

Die zeitweise hohe Schneefallgrenze am Dienstag, 31.01. und Mittwoch, 01.02. führte zu einer oberflächlichen Anfeuchtung, in den niederschlagsreichen Gebieten gar zu einer Durchfeuchtung der Schneedecke in tiefen und mittleren Lagen. Es wurden viele feuchte Rutsche und kleine nasse Lawinen gemeldet (Abbildung 7). Diese rissen an Schattenhängen meist die gesamte Schneedecke mit.

20170201_SGygli_RekoKloental_k

Abb. 7: Heftiger Regen löste unter anderem diese Nassschneelawine aus, welche die gesperrte Strasse im Klöntal verschüttete. In 24 h fielen an der nahegelegenen Messstation Klöntal (850 m) 46 mm Regen. (Foto: S. Gygli, 01.02.2017).

Ausserordentliche Schneelage Ende Januar

Im Januar 2017 war nicht nur die Sonnenscheindauer durch grosse Gegensätze zwischen oben und unten geprägt (MeteoSchweiz Blog „eisiger Januar“, 30.01.2017). Dasselbe galt auch für die mittleren Januar Schneehöhen. Die Schneefälle von Anfang Januar blieben dank des Nebels und den entsprechend kalten Temperaturen praktisch im ganzen Mittelland bis Ende Januar liegen. Im Vergleich zum langjährigen Mittel führte dies zu klar überdurchschnittlichen Schneehöhen in den Nebelgebieten, während die höheren Lagen aufgrund der geringen Schneefälle seit November auch im Januar stark unterdurchschnittliche Schneehöhen aufwiesen (Abbildung 8).

Diffp_KorrJan_k

Abb. 8: Schneehöhen Ende Januar 2017 im Vergleich zur Periode von 1971-2000. Berücksichtigt wurden automatische und bemannte Stationen von SLF und MeteoSchweiz.

Am ausgeprägtesten zeigte sich das Januar Defizit auf der Alpensüdseite, inklusive Engadin und Oberwallis. Einen solch ausgeprägten Gegensatz zwischen unten und oben hat die Schweiz seit Messbeginn noch nie erlebt. Eine am ehesten vergleichbare Situation gab es letztmals im Januar 1995. Allerdings waren die Schneehöhen in den Alpen damals nur leicht unterdurchschnittlich.

Lawinenunfälle

In dieser Wochenberichtsperiode wurden dem Lawinenwarndienst bis zum Redaktionsschluss folgende Lawinen mit Personen- oder Sachschaden gemeldet:

Samstag, 28.01.:

  • Zwei Personen lösten an einem Nordhang unterhalb vom First (Flums, SG) auf rund 1950 m eine Schneebrettlawine aus und wurden mitgerissen. Sie konnten sich selbst befreien und blieben unverletzt.
  • Ein Nassschneerutsch aus einem Nordhang auf rund 1000 m östlich vom Rambachtobel verschüttete die Wisswandstrasse (Muotathal, SZ).
  • Nördlich vom Mattjischhorn (Fideris, GR) an einem Nordhang auf 2130 m löste eine Person eine Schneebrettlawine aus, wurde mitgerissen, blieb aber unverletzt.

Sonntag, 29.01.:

  • Auf der sogenannten „Safari-Rundtour“ zwischen dem Parpaner Rothorn (2861 m, GR) und Arosa wurde ein Lawinenabgang gemeldet. Da unklar war, ob allenfalls Personen verschüttet waren, machte die REGA eine Kontrollsuche. Ein kurzer Telefonanruf der Beteiligten bei der REGA (1414) hätte diesen unnötig entstandenen Sachschaden verhindern können.

Mittwoch, 01.02.:

  • An einem Osthang auf rund 2400 m südlich vom Arosa Weisshorn (GR) löste eine Person eine Lawine aus und wurde teilverschüttet. Sie blieb unverletzt (Abbildung 6).

Donnerstag, 02.02.:

  • Eine Skitourengruppe löste an einem Nordhang vom Rossbodenstock (Andermatt, UR) eine grössere Lawine aus. Eine Person wurde ganzverschüttet, konnte aber glücklicherweise von den Kameraden rasch geborgen werden.



TOP