WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF Link zu SLF Hauptseite Link zu WSL Hauptseite
 

Hinweise zur Benutzung der Messdaten

Daten der automatischen Stationen für die Lawinenwarnung (IMIS) stehen halbstündlich neu zur Verfügung. Eine Kontrolle der Richtigkeit bzw. Genauigkeit ist dem SLF nicht möglich. Deshalb handelt es sich um unkontrollierte Rohdaten.

Mögliche Fehler können folgende Ursachen haben:

- Die Standortwahl der IMIS-Stationen erfolgt aufgrund von lawinentechnischen Überlegungen. Die Stationen liegen im Umkreis von Lawinenanrissgebieten und haben i.A. keinen Anschluss an das elektrische Netz. Die Solarenergiespeisung erlaubt keinen Einsatz von beheizten oder ventilierten Sensoren. Dies hat in verschiedener Weise negativen Einfluss auf die Datenqualität. Sie entspricht zum Teil nicht den üblichen meteorologischen Standards. Z.B. können Windmesser vereisen und zu tiefe Werte anzeigen oder es kann v.a. bei Windstille eine eher zu hohe Lufttemperatur gemessen werden

- Bei einem Defekt eines Sensors ist eine sofortige Reparatur je nach Wetter unter Umständen nicht möglich, da viele IMIS Stationen nur mit dem Helikopter zugänglich sind. Eine entsprechende Fehlermeldung wird in solchen Fällen nicht aufgesetzt.

Der Hauptzweck der automatischen Messstationen ist die rasche Datenerhebung aus Lawinenanrissgebieten für die Sicherheitsverantwortlichen von Siedlungen und Strassen. Diese sind in der Dateninterpretation geschult und von Ihnen wird erwartet, dass sie mit allfälligen fehlerhaften Werten umgehen können. Benutzt man diese Daten, zum Beispiel für eine Tourenplanung, muss die Datenqualität berücksichtigt werden. Das SLF kann keine Haftung für durch fehlerhafte Messdaten entstandene Probleme bei einer Skitour oder Variantenabfahrt übernehmen.

Schneehöhe (HS), Neuschnee (HN)

Der Schneehöhenverlauf lässt Rückschlüsse auf Schneefälle, Setzung und Ausaperung zu. Beim Schneefall ist die modellierte Neuschneehöhe (6h) eine gute Zusatzhilfe bei der Interpretation der Daten. Zum Beispiel kann bei Grossschneefällen aufgrund grosser Setzung die Schneehöhe konstant bleiben oder abnehmen, obwohl es noch schneit. Neuschneezuwachs ist also alleine über die Schneehöhenmessung nicht sichtbar. Diese Neuschneehöhe wird vom Schneedeckenmodell Snowpack modelliert und kann von der Realität abweichen.

Bei der Schneehöhenmessung können folgende Messprobleme auftreten:

Problem Verhalten der Messdaten
Wind, Schneeverfrachtung Die Schneehöhen-Kurve zeigt sehr starke Anstiege oder sehr starkes Abfallen. Die modellierten Neuschnee-Werte sind dann nicht realistisch.
Temperaturabhängigkeit des Ultraschallsensors Die Schneehöhen-Kurve zeigt an sonnigen Tagen systematisch kleine Einbrüche um die Mittagszeit. Die Ursache dafür liegt in der Temperaturkorrektur des Ultraschallsensors, die aufgrund des nicht belüfteten Temperatursensors ungenau (zu hoch) ist.
Lawinen Einzelne Schneestationen können von Lawinen getroffen werden. Die Schneehöhen-Kurve zeigt dann einen schlagartigen Anstieg. Die Schneehöhenwerte und die modellierten Neuschnee-Werte sind dann nicht realistisch.
Messfehler Der Ultraschallsensor macht Messfehler, die teilweise nicht zugeordnet werden können.


Windgeschwindigkeit mittel (VW), Windspitzen (VW_max) und Windrichtung (DW)

Die Windmessung ist wichtig für die Abschätzung der Triebschneebildung. In der Windgrafik der automatischen Stationen werden die mittlere Windgeschwindigkeit (vektorielles Mittel über 30 min), die Windspitzen (höchster gemessener Wert über 30 m) und die Windrichtung (gemittelte Windrichtung über 30 min) dargestellt.

Bei der Windmessung können folgende Messprobleme auftreten:

Problem Verhalten der Messdaten
Verreifung

Weil die Sensoren der meisten Windstationen nicht beheizt sind können diese verreifen und fallen aus. Dauert die Verreifung längere Zeit an, kann die Energiezufuhr unter Umständen (nach ca. 2 Wochen) nicht mehr gewährleistet sein und die Messungen fallen ganz aus.

Windmesser steht still, zeigt über die Dauer der Verreifung konstant denselben Wert an oder misst reduzierte Windgeschwindigkeiten. Reduzierte Windgeschwindigkeiten sind kaum erkennbar, am besten vergleicht man mit benachbarten Stationen.


Lufttemperatur (TA) und Schneeoberflächentemperatur (TSS)

Luft- und Schneetemperatur sind wichtige Faktoren zur Beurteilung der Lawinengefahr, insbesondere im Frühling bei Nassschneelawinensituationen. Der Verlauf der beiden Temperaturkurven lässt zudem auch Rückschlüsse auf den Bewölkungsgrad zu: Wenn die Kurve Lufttemperatur und der Schneeoberflächentemperatur zusammen verlaufen ist es bedeckt, wenn sie auseinander laufen ist es klar.

Bei der Messung der Lufttemperatur können folgende Messprobleme auftreten:

Problem Verhalten der Messdaten
Besonnung Da der Sensor nicht belüftet ist, heizt er bei Besonnung auf und zeigt zu hohe Werte an.