WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF Link zu SLF Hauptseite Link zu WSL Hauptseite
 

Beurteilung vor Ort

Triebschneehänge

Ist etwas anders als erwartet?

Wenn man ins Gelände startet, ist es wichtig, Fremdinformationen wie Lawinenbulletin, Wetterbericht und Landeskarten mit der Realität vor Ort zu vergleichen. Während des ganzen Tages werden die Faktoren Verhältnisse, Gelände und Mensch im Hinblick auf die geplanten Schlüsselstellen aufmerksam beobachtet.

Verhältnisse

Beim Starten der Tour ist es wichtig, die Schnee- und Lawinensituation sowie die Wetterentwicklung nochmals aufmerksam zu beurteilen.

  • Hat es Neuschnee oder firscher Triebschnee, welcher als Lawine abgleiten kann?
  • Liegen in der Schneedecke ältere, kritische Schichten, die als Gleitflächen wirken könnten?
  • Ist Wasser in der Schneedecke, das zu Nassschneelawinen führen könnte?
  • Ist das Wetter so, wie ich es erwartet habe?
  • Gibt es Anzeichen, dass eine Wetterveränderung auftritt?

Zu beurteilende Faktoren:

  • Kritische Neuschneemenge / Regen
  • Alarmzeichen
  • Allg. Schneeverhältnisse / Schneedecke
  • Wind / Triebschnee
  • Temperatur
  • Sicht / Bewölkung
  • Tendenz (Wetter und Lawinenentwicklung)

Gelände

Die Geländeform, die Hangneigung und die Exposition werden im Hinblick auf eine sichere Routenwahl beurteilt. Die meisten Unfälle ereignen sich in steilen, schattigen Kammlagen. Coupiertes Gelände ermöglicht eher eine sichere Routenwahl. Kämme sind oft abgeblasen, Mulden sind häufig mit Triebschnee gefüllt.

Beurteilen Sie das Gelände dieser vier Abfahrtsmöglichkeiten. Welches ist die sicherste Route?

Fahren Sie mit der Maus über das Bild:

Grüner Bereich: Problemloser Bereich

  • Abkürzungen zwischen Pisten werden in der Regel häufig gefahren und sind meist problemlos, sofern sie weit weg von grossen Hängen liegen.
  • flaches Gelände
  • Sonnenseite

Roter Bereich: Heikle Hänge

  • Sehr steil und schattig
  • Ungünstige Geländeform (Geländebruch, Muldenform)
  • Nur bei günstigen Verhältnissen fahren!

Oranger Bereich: Vorsicht bei Traversen

  • Da alle in der gleichen Spur fahren, gelten diese Bereiche nicht als häufig befahren.
  • Traversiert man am Fuss von Steilhängen, kann die Gefahr von Fernauslösungen bestehen.
  • Die Bereiche von Traversen sind häufig kammnah.

Mensch

In der Gruppe werden folgende Aspekte überprüft:

  • LVS-Check: Vor der Tour oder vor dem Freeride-Tag. Haben alle ein LVS auf sich? Sind die Geräte funktionstüchtig und sind sie eingestellt auf „Senden“?
  • Wer ist sonst noch unterwegs? Die Anwesenheit anderer Gruppen kann die Wahrnehmung und demzufolge Entscheidungen beeinflussen. Vorhandene Spuren können verleiten.
  • Zeitplan: Laufend in Zusammenhang auf Verhältnisse und körperlichen Verfassung der Teilnehmer überprüfen.


Quelle: White Risk, interaktive Lawinenprävention, www.whiterisk.ch