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Lawinenunfälle im Sommer

Wer sicher in den Bergen unterwegs sein will, muss in steilem schneebedecktem Gelände die Lawinengefahr beachten. Das gilt jedoch nicht nur im Winter: Auch im Sommer können Lawinen entstehen, hauptsächlich nach grösseren Schneefällen. Sie sind zwar viel seltener als im Winter, fordern aber im Schnitt in der Schweiz pro Jahr ein bis zwei Todesopfer. «Manche Bergsteiger sind sich dieser Gefahr gar nicht bewusst», sagt SLF-Lawinenwarner Frank Techel. Auch die Forschung hat sich bisher wenig mit Lawinenunfällen im Sommer befasst.

Deshalb haben Techel und drei Ärzte des Universitätsspitals Lausanne in einer Studie alle Lawinenunfälle mit tödlichem Ausgang untersucht, die sich zwischen 1984 und 2014 in der Schweiz in freiem Gelände ereignet haben. Von den gesamthaft 482 Unfällen geschahen 21 (4%) in den Sommermonaten Juni bis Oktober, wobei 40 Menschen starben.

Lawinenunfall Zinalrothorn

Diese nasse Schneebrettlawine (roter Umriss) riss am 19. Juni 2014 zwei Personen im Abstieg vom Zinalrothorn mit. Die Bergsteiger stürzten mehrere Hundert Meter eine Felswand hinab und konnten nur noch tot geborgen werden. (Foto: B. Jelk).

Schwere Verletzungen durch Absturz

38 der 40 Opfer waren auf Hochtouren unterwegs, wurden in exponiertem Gelände von einer Lawine erfasst und stürzten mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Durch den Absturz verursachte, schwere Verletzungen waren denn auch die Haupttodesursache – anders als im Winter, wo die meisten Opfer in der Lawine ersticken, weil sie komplett verschüttet werden. Das kam bei den Sommerlawinen weniger oft vor.

Auch wenn Lawinenunfälle im Sommer viel seltener sind: Die durchschnittliche Zahl der Todesopfer pro Lawine war in den untersuchten Fällen etwas höher als im Winter. Den Hauptgrund dafür sehen die Studienautoren darin, dass man auf Hochtouren in der Regel angeseilt ist. «Wird eine Person von der Lawine erfasst, stürzt oft die ganze Seilschaft ab», sagt Techel. Eine Rettung der Verunglückten, ob durch Kameraden oder professionelle Rettungsteams, ist bei Lawinenunfällen im Sommer schwierig, weil diese sich meist in steilem, unzugänglichen Gelände zutragen.

Umgang mit der Lawinengefahr im Sommer

Um sich gar nicht erst in Gefahr zu bringen, sollte man folgendes beachten:

  • Bei der Tourenplanung die Lawinengefahr berücksichtigen. Nach grösseren Schneefällen gibt das SLF auch im Sommer ein Lawinenbulletin heraus.
  • Hauptgefahren im Sommer sind Neu- und Triebschnee sowie Nassschneelawinen. Die Beurteilung der Gefahrenstellen erfolgt genauso wie im Winter.
  • Auch kleine Rutsche können fatale Konsequenzen haben, vor allem, wenn Absturzgefahr besteht. Dies gilt es bei der Routenwahl zu berücksichtigen.

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Frank Techel