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Lawinen im Sommer

Lawine im Sommer    
Eine trockene Schneebrettlawine an der Dufourspitze am 11. August 2007. Sechs angeseilte Alpinisten lösten die Lawine im Aufstieg aus. Dank dem sanft auslaufenden Hang wurden alle Personen nur teilverschüttet und konnten sich selber befreien. In exponiertem Gelände, z.B. oberhalb einer Felswand oder eines Gletscherabbruches, wäre es zur Katastrophe gekommen (Foto: Bruno Jelk).
   

Neuschnee im Sommer

Hochsommer und 30 cm Neuschnee – das ist eine Situation, die immer wieder vorkommt. Mit dem Neuschnee steigt, wenn auch meist nur kurzfristig, die Lawinengefahr an. Im Winter sind Lawinen die wichtigste Gefahr in den Bergen. Im Sommer aber, wenn Absturz, Stein- und Eisschlag oder ein Wettersturz im Vordergrund stehen, gefährden Lawinen den Bergsteiger seltener. Tage mit erhöhter Lawinengefahr beschränken sich im Sommer auf Perioden während und unmittelbar nach Schneefällen. Dennoch kommt es immer wieder zu Lawinenunfällen. In den letzten 40 Jahren verloren 45 Personen im Juli, August und September ihr Leben in Lawinen. Dabei ist die Gefahr mitgerissen zu werden und abzustürzen beim Bergsteigen geländebedingt grösser als die Gefahr einer Verschüttung. Schon kleine Lawinen können deshalb fatale Folgen haben.

Neuschnee im Sommer ist nicht aussergewöhnlich. Auf dem Weissfluhjoch (2540 m) fällt von Juli bis September im Schnitt zwei Mal über 10 cm Schnee in 24 Stunden. 1000 m höher, im Hochgebirge, schneit es entsprechend häufiger, auch die Neuschneemengen können bedeutend sein. Sinkt die Schneefallgrenze auf 2000 m, so herrschen auf 3500 m winterliche -10°C.

Zwei Hauptgefahren

Nach dem Schneefall stehen zwei Hauptgefahren im Vordergrund:

  • Der Neuschnee- oder frische Triebschnee kann als trockenes Schneebrett abgleiten. Eine zusammenhängende Altschneeoberfläche oder Blankeis begünstigen dies.
  • Mit der starken Sonnenstrahlung und den markant steigenden Temperaturen können sich spontane Nassschneelawinen bilden. Dies auch an sehr steilen Grasflanken und Felsplatten.

Nach einem relativ warmen Schönwettertag und einer klaren Nacht entspannt sich die Lawinensituation meist rasch wieder. Bleibt es allerdings kalt, ist der Rückgang langsamer.

Kritische Schwachschichten, die in der Schneedecke eingelagert sind und als Gleitflächen für Schneebrettlawinen lauern (Altschneeproblem), sind im Sommer seltener. Dies vereinfacht die Lawinenbeurteilung, da man sich vor allem auf den Neuschnee konzentrieren muss.

Lawinensituation abschätzen - auch ohne Bulletin

Im Sommer erscheint das Lawinenbulletin nicht regelmässig. Die Lawinensituation muss in der Planungsphase abgeschätzt werden. Dazu sind folgende Punkte wichtig:

  • Kritische Neuschneemenge
  • Triebschneebildung durch Wind (v.a. in Kombination mit Neuschnee)
  • Durchfeuchtung des Neuschnees und Gefahr von Nassschneelawinen (auch spontan).

Beurteilung der Lawinengefahr im Sommer

Die Beurteilung der Lawinengefahr ist im Sommer nicht wesentlich anders als im Winter. Die typischen Muster beschränken sich jedoch vorwiegend auf Neu- und Nassschnee, was die Beurteilung vereinfacht. Gefährdete und kritisch zu beurteilende Stellen sind vor allem steile Firn- oder Eisflanken.