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Verhalten abseits der Piste
Lawinenunfälle
Wissenswertes über Lawinen
Literatur
Kernteam Lawinenausbildung
Bruchvorgang einer SchneebrettlawineAuch wenn bei einem Schneebrett eine ganze Schneetafel aufs Mal abgleitet, geht die Auslösung doch von einem Punkt aus. Dort übersteigt die Belastung (z.B. durch einen Skifahrer, eine Sprengung oder bei kritischen Verhältnissen auch einfach mit dem Gewicht des Schnees) die Festigkeit der Schwachschicht. An diesem Punkt erfolgt der "Initialbruch". Schauen wir genauer hin, handelt es sich beim Initialbruch um einen Strukturbruch (und nicht, wie früher oft angenommen, um einen Scherbruch, also einen Bruch parallel zur Schwachschicht). Es brechen zunächst einzelne, hoch belastete Bindungen zwischen benachbarten Schneekristallen. Wenn diese Bindungen wegfallen, werden die benachbarten Bindungen höher belastet. Halten diese, bemerken wir nichts. Brechen diese Bindungen ebenfalls, dann stürzt die Schwachschicht in sich zusammen (vgl. Abbildung 1). So kann sich der Bruch entlang der Schwachschicht rasch ausbreiten. ![]() Abb. 1: Eingeschneiter
Oberflächenreif ist oft eine "perfekte" Schwachschicht. Bis in die
Mitte des Bildes ist die Reifschicht von der linken Seite her gebrochen. Dann erfolgte
der Riss senkrecht zur Schwachschicht an die Oberfläche hinauf. Rechts im Bild
die ursprüngliche, noch unversehtre Schwachschicht (Foto: ASARC, Bruce Jamieson). Für die weitere Ausbreitung des Bruches müssen unter anderem folgende Kriterien erfüllt sein (vgl. Abbildung 2):
![]() Abb. 2: Beim Bruch der
Schwachschicht handelt es sich um einen Strukturbruch, bei dem die
Schwachschicht kollabiert. Die darüber liegenden Schneeschichten senken sich
ab, was wir manchmal als Wummgeräusch hören. (Grafik aus der interaktiven
Lern-CD "White Risk"). Alle diese Bedingungen können auch im flachen Gelände erfüllt sein. Je nach Verhältnissen ist es also bei jeder Neigung möglich, einen Bruch zu erzeugen, der sich dann auch fortpflanzen kann. Nach dem Bruch liegt die Schneetafel losgelöst auf der zerbrochenen Schwachschicht. Genügt die Haftreibung, bzw. ist der Hang flach genug, so hatten wir Glück. Ist der Hang zu steil, geht die Lawine ab. Meist braucht es dazu mindestens 30 Grad Neigung. Wummgeräusche und RisseDas Absacken der Schneedecke hören wir manchmal als "Wumm" oder Zischgeräusch. Zerbricht die Schneedecke über der Schwachschicht, so können beim Betreten der Schneedecke plötzlich Risse entstehen (vgl. Abbildung 3). In beiden Fällen haben wir einen Strukturbruch in der Schwachschicht erzeugt, und dieser hat sich auch tatsächlich ausgebreitet. Die gebrochene Schneetafel blieb aber nach dem Bruch liegen. Wummgeräusche und Risse beim Betreten der Schneedecke sind Alarmzeichen die unmissverständlich zeigen, dass die Schneedecke alle Eigenschaften hat, die es zur Auslösung einer Schneebrettlawine braucht. Nur die Neigung war an dieser Stelle (zum Glück!) zu gering. ![]() Abbildung 3: Mit einem lauten "Wumm" hat sich die Schneedecke spürbar gesenkt und Risse sind entstanden. Das Einzige, was zu einer Schneebrettauslösung noch fehlte, war "genügend" Neigung- der Hang war zum Glück gerade noch flach genug, die losgelöste Schneetafel blieb liegen. Spürbare Setzungen, Risse und Wummgeräusche sind Alarmzeichen die zeigen, dass derselbe Bruch stattgefunden hat wie bei einer Schneebrettauslösung. Kleiner Nordhang auf 2150 m, Durannapass, Conters, GR (Foto: SLF/F. Techel, 12.2.2010). |