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Technischer Schnee

In der Schweiz wurde in den letzten Jahren vermehrt technischer Schnee eingesetzt, um den ausbleibenden Naturschnee wettzumachen und den steigenden Ansprüchen der Wintertouristen entgegen zu kommen. Dabei stellt sich die Frage, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Folgen die technische Beschneiung in Schneesportgebieten hat und wie mögliche negative Einflüsse auf Mensch und Umwelt verhindert werden können.

Verschiedene NaturwissenschaftlerInnen, Regionalökonomen und Physiker am SLF und an der WSL haben sich dieser Frage angenommen und untersuchen die verschiedenen Aspekte der technischen Beschneiung.

Technische Beschneiung in der Schweiz

In der Schweiz werden zur Zeit 36% der Skipistenfläche technisch beschneit. In Österreich sind es bereits 66% und in den Italienischen Alpen können einzelne Skigebiete sogar bis zu 100% beschneit werden.

Schneekanone
Schneekanone im Skigebiet Jakobshorn, Davos.

In Anbetracht der zu erwartenden Klimaänderung wird der Trend zur grossflächigen Beschneiung weiter zunehmen. Regionale Klimaszenarien für die Schweiz prognostizieren im Winter mittlere Temperaturerhöhungen um +1°C bis 2030 und +1.8°C bis 2050 (OcCC 2007). Die Schneedecke hat in Höhenlagen unterhalb von 1’300 m ü. M. seit 1980 bereits statistisch signifikant abgenommen. In höher gelegenen Regionen ist vor allem eine Abnahme der mittleren Schneehöhe in der für die Wintersportdestinationen wichtigen Frühwinterperiode (November, Dezember) zu beobachten.

Regionalwirtschaftliche Bedeutung

Bergbahnen sehen Beschneiungsanlagen als entscheidende Massnahme, um die Skisaison zu sichern und ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Die Untersuchungen zeigen, dass sich allein in Davos in schneearmen Wintern ohne Schneekanonen ein Verlust des regionalen Volkseinkommens von bis zu 60 Millionen Franken ergeben könnte. Die Bergbahn- und Tourismusvertreter haben erkannt, dass es für sie immer wichtiger wird, ihr Angebot im Sommer und Winter vielfältiger und hochwertiger zu gestalten.

Mit einer Gästebefragung in den drei Tourismusregionen Davos, Scuol und Braunwald ermittelten die Forschenden, dass die Akzeptanz von Kunstschnee im Vergleich zu Studien aus den 1990er Jahren ansteigt. Dabei bestehen allerdings deutlich saisonale und regionale Unterschiede. Werden Gäste im Sommer befragt, lehnen sie die technische Beschneiung eher ab. Im Winter dagegen akzeptieren sie Kunstschnee meistens, vor allem wenn sie Wintersport betreiben. Die Befragung hat ausserdem gezeigt, dass Schneesicherheit für die Gäste kein entscheidender Faktor bei der Wahl ihrer Feriendestination ist, sondern eher als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Ökologische Auswirkungen

Vor allem der Wasserverbrauch der Beschneiungsanlagen ist in den untersuchten Gebieten beträchtlich. Für die Beschneiung in Davos zum Beispiel werden jährlich rund 600'000 Kubikmeter oder 21.5 % des Verbrauchs der Landschaft Davos versprüht. Da die Gewässer im Winter generell eine tiefere Wasserführung aufweisen, ist das Einhalten der Restwassermenge ökologisch sehr wichtig.

Kunstschneepiste
Kunstschneepiste im Skigebiet Brigels.

Anders sieht es mit dem Energieverbrauch aus. Dieser bewegt sich eher im unteren Bereich der angenommenen Bandbreite. Der Stromverbrauch für die Beschneiung in den Skigebieten Parsenn/Gotschna und Jakobshorn machen zusammen 0.6 % des gesamten Energiekonsums der Landschaft Davos aus. Oft ist die intensivere Nutzung von Skigebieten nicht nur mit dem Bau von Beschneiungsanlagen verbunden, sondern auch mit der Planierung von Skipisten. Solche baulichen Massnahmen können sich negativ auf die Vegetation und somit auch auf die Bodenstabilität auswirken. Die Forschenden analysierten deshalb die Wurzeleigenschaften von 13 Pflanzenarten. Die Untersuchungen zeigen, dass eine vielfältige Vegetation und standortgerechte Pflanzenarten im alpinen Raum massgeblich sind, wenn man Erosion verhindern will. Die Studie empfiehlt daher, bei Baumassnahmen darauf zu achten, die Pisten rechtzeitig mit geeignetem Saatgut wiederzubegrünen.

Energieeffizienz dank Innovation

In der Weiterentwicklung der Beschneiungstechnik liegt viel Potenzial für Energie-Einsparungen. Dies zeigt die Forschung der Gruppe „Schneesport und Industrieprojekte“ am SLF, welche zusammen mit Industriepartnern und der Fachhochschule Nordwestschweiz einen Schneilanzenkopf für eine effizientere Beschneiung entwickelt hat.

Schneilanze_Nessy
Feldtest mit neuen, energieeffizienten Schneilanzen. Dischmatal, Davos.

Die Forscher haben dabei den gesamten Gefrierprozess der Beschneiung modelliert und mit Feld- und Laborexperimenten überprüft. Der neu entwickelte Schneikopf ist bereits patentiert und zeigt erfolgreiche Verbesserungen: bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt kann mehr Schnee mit besserer Qualität erzeugt werden. Und mit der neuen Technologie kann bis zu 80 % des Energieverbrauchs eingespart werden!