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Schneearmer, kurzer Winter mit wenigen Lawinenopfern

Rückblick auf den Winter 2016/2017

Medienmitteilung vom 03.05.2017

Der Winter 2016/17 war ausgesprochen schneearm und warm. An vielen Orten lag nur sehr kurze Zeit durchgehend Schnee. Sieben Personen starben in Lawinen – markant weniger als im Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre.

Ende Dezember und kaum Schnee
Ende Dezember und kaum Schnee im Messfeld Grindel auf rund 2000 m (Grindelwald, BE). Foto: D. Balmer, 31.12.2016
 
Gefahrenzeichen wie Risse in der Schneedecke waren im Januar und Februar 2017 typisch
Gefahrenzeichen wie Risse in der Schneedecke, aber auch Wummgeräusche und fernausgelöste Lawinen waren im Januar und Februar 2017 typisch. Foto: M. Cambrini, 08.01.2017, Muttental, UR
 
Nach dem schneearmen Frühwinter war der Schneedeckenaufbau im Januar verbreitet schwach
Nach dem schneearmen Frühwinter war der Schneedeckenaufbau im Januar verbreitet schwach, wie am Beispiel des Schneeprofils oberhalb von St. Martin im Val d'Hérens, VS, sichtbar. 40 cm Neu- und Triebschnee liegen auf einer Altschneedecke mit einer Kruste und darunter grossen Becherkristallen. Foto: P. Gaspoz, 15.01.2017
 
Lawine am Schafgrind bei Davos
Im schwachen Schneedeckenfundament durch Skitourenfahrer fernausgelöste Lawine am Schafgrind bei Davos, GR. Foto: SLF/A. Bodisch, 19.01.2017
 
Ablagerungen grosser Lawinen am Grimselpass

Ablagerungen grosser Lawinen am Grimselpass, (Lochlaui, Mäderlaui und Gschitzlaui, Guttannen, BE), die am 9. März 2017 spontan abgingen und sehr gross wurden. Foto: A. Henzen, 10.03.2017

Viele Skigebiete freuten sich, als Mitte November in den Bergen reichlich Schnee fiel. Doch die Freude währte nicht lange: Der anschliessende Föhn schmolz die weisse Pracht schnell wieder weg. Da darauf der trockenste und schneeärmste Dezember seit Messbeginn folgte, erlebten viele Wintersportorte gar zum zweiten Mal in Folge grüne Weihnachten. Erst der Januar brachte den ersehnten Schnee – wenn auch viel weniger als im Vorjahr. Die kältesten Temperaturen im Mittelland seit 30 Jahren sorgten jedoch dafür, dass er sogar in tiefen Lagen wochenlang liegen blieb.

Trotz des Schnees im Januar zählt der Winter 2016/2017 zu den schneeärmsten Wintern überhaupt. Erst Anfang März fielen grössere Schneemengen. Da der ganze Monat massiv zu warm war, schmolz der Schnee schnell dahin, sodass an vielen Stationen die Dauer mit einer durchgehenden Schneedecke so kurz war wie noch nie seit Messbeginn. So lag z. B. in Ulrichen im Obergoms während nur 86 Tagen durchgehend Schnee, was etwas mehr als der Hälfte der Tage (56 %) des langjährigen Mittelwerts (156 Tage) entspricht. Ab Mitte April kehrte der Winter mit grossen Schneefällen und Kälte nochmals zurück.

Nur im März aussergewöhnliche Lawinenaktivität mit zahlreichen grossen, spontanen Lawinen

Der schneearme Winter wiederspiegelt sich auch in der prognostizierten Lawinengefahr: Das SLF gab die niedrigste Gefahrenstufe 1 (gering) fast doppelt so häufig heraus wie in den letzten zehn Jahren. Die höheren Gefahrenstufen 2 (mässig), 3 (erheblich) und 4 (gross) erschienen dafür rund ein Fünftel weniger häufig als üblich. In der dünnen Schneedecke entwickelten sich im Frühwinter schwache Schichten; Schneesportler konnten im Januar und Februar Lawinen mancherorts leicht auslösen. Der grössere Schneefall von Anfang März hatte zahlreiche grosse, spontane Lawinen zur Folge, die zum Teil Gebäude, Wald und Verkehrswege beschädigten oder komplett zerstörten, z. B. Chalets im Vallon de Van im Wallis.

Aussergewöhnlich wenige Lawinenopfer

Diesen Winter starben bis Ende April sieben Personen in Lawinen. Das sind rund 65 % weniger als die durchschnittlich 20 Todesopfer der letzten 20 Jahre bis zu diesem Zeitpunkt. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2017 dauert, liegt der Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre bei 23 Lawinentoten. Bei den verunglückten Personen handelt es sich um fünf Tourengeher und zwei Variantenfahrer. Im Unterschied zu den letzten acht Wintern starben dieses Jahr nie mehrere Personen in derselben Lawine – ein Faktor, der wohl zur tiefen Opferzahl beigetragen hat. Ausserdem dürften einige Personen auch einfach Glück gehabt haben: Denn es wurden doch 148 Personen von Lawinen erfasst. Dies ist zwar auch unterdurchschnittlich, aber nur um 20 %. Das heisst, im Verhältnis zu den Unfällen starben deutlich weniger Personen in Lawinen.

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Ansprechpersonen

Christine Pielmeier, Lawinenwarnung, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Tel. 081 417 01 25, pielmeier@slf.ch

Julia Wessels, Kommunikation, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Tel. 081 417 02 86, wessels@slf.ch