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Mithilfe des SLF den Eislawinen in Tibet auf der Spur

19.4.2017

Ein Chinesischer Forscher verbringt zurzeit einen Monat am SLF. Sein Ziel: Mithilfe einer vom SLF entwickelten Simulationssoftware das Risiko durch Eislawinen im Tibetischen Hochland besser einschätzen zu lernen.

Anrisszone der Eislawine
Anrisszone der Eislawine im Tibetischen Hochland. Foto: Wentao Hu
Eislawine beim Aro-See
Diese Eislawine beim Aro-See begrub neun Hirten und hunderte von Tieren unter sich. Foto: Wentao Hu
Wentao Hu mit seinen Chinesischen Forscherkollegen
Wentao Hu (Mitte) mit seinen Chinesischen Forscherkollegen neben einem der Eisblöcke, die sich aus dem Gletscher gelöst hatten. Foto: Wentao Hu

Wentao Hu ist nun schon eine Woche am SLF. „Ich war sehr nervös, als ich in Zürich gelandet bin“, sagt der 25-jährige Chinese aus Peking. Kein Wunder, ist er doch das erste Mal in Europa, entsprechend gross war am Anfang der Kulturschock.

Wentao Hu schreibt am Institute of Tibetan Plateau Research eine Doktorarbeit über Eislawinen. Im Sommer 2016 kollabierten im Hochland von Tibet innerhalb von nur zwei Monaten zwei benachbarte Gletscher und lösten jeweils eine gigantische Eislawine aus – ein Phänomen, das bisher in diesem Ausmass nur aus dem russischen Kaukasus bekannt war. Die erste dieser Lawinen riss neun Hirten und hunderte Tiere in den Tod. Ein internationales Forscherteam, darunter Mitarbeitende des SLF, begann daraufhin, die Ursache des Gletscherabbruchs zu untersuchen und die Eislawine mit der am SLF entwickelten Simulationssoftware RAMMS (Rapid Mass Movement Simulation) nachzubilden.

Zusammenarbeit zwischen SLF und China stärken

RAMMS ist auch der Grund, weshalb Wentao Hu nun auf Einladung des SLF für einen Monat am Davoser Forschungsinstitut weilt. Im Tibet untersuchte er bereits vor Ort die Anrisszone und die Ablagerung der Eislawine. Von den SLF-Forschern lernt er nun, die Software zu bedienen und das Risiko durch weitere Eislawinen in Tibet abzuschätzen. „Ich möchte herausfinden, warum die beiden Gletscher letztes Jahr zusammenbrachen. Das könnte helfen, solche Ereignisse in Zukunft besser vorherzusehen.“ Wieder zurück in Peking, wird Wentao Hu auch seinen Kollegen beibringen, wie sie mit RAMMS Lawinen simulieren können – und damit die Zusammenarbeit zwischen dem SLF und dem chinesischen Forschungsinstitut weiter stärken. Bis dahin hat er noch drei Wochen Zeit, nicht nur um die Software kennenzulernen, sondern sich auch an die Schweizerische Lebensart zu gewöhnen.

RAMMS-Simulation
Die zwei Eislawinen in Tibet, rechts im Bild des Satelliten Sentinel-2 der ESA, links als Simulation mit RAMMS.

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